mini|Fähren auf der Donau in Galați (Rumänien) mini|Fähre über den Mbam in der Nähe von Bafia (Kamerun) mini|Kombiniertes Eisenbahn- und Autodeck einer Doppelendfähre der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Rødbyhavn mini|Rollfähre mit einem Seil, zwei Rümpfen und Rudersteuerung (Spanien / Ebro / Miravet) Eine Fähre (mittelhochdeutsch vere; zu mittelhochdeutsch vern, althochdeutsch ferian ‚mit dem Schiff fahren‘)Duden online: Fähre ist ein Verkehrsmittel, das dem Übersetzverkehr über ein Gewässer dient.
Bei Fähren steht der Transportaspekt im Vordergrund, d. h. die Fährfahrt selbst dient in erster Linie dem Erreichen des anderen Ufers des Gewässers. Dabei können mehrere Anlegestellen angefahren werden oder wiederholt das gleiche Ufer. Die Abgrenzung der Fähren zu Linienschiffen ist in einigen Fällen unklar, so werden der Katamaran Friedrichshafen–Konstanz oder auch andere Linienschiffe auf dem Bodensee gelegentlich auch als Fähre bezeichnet.
Eine Fährstelle ist die Gesamtheit von Zufahrten, Anlegestellen, Fährschiff(en) und Fahrroute. Zumeist sind Vorrichtungen erforderlich, die den Übergang zwischen Fähre und Ufer ermöglichen: zum Ausgleich unterschiedlicher Wasserstände und Beladungszustände oder zur Überbrückung seichter Ufer. Dazu gehören zum Beispiel Landeklappen an den Fährschiffen und Fährbrücken am Ufer.Brockhaus (1988)
Auf Fähren ab einer gewissen Größe befindet sich häufig ein Hubschrauberlandeplatz. Dieser dient ausschließlich Sicherheits- und Rettungszwecken und steht nicht für den regulären Passagierverkehr zur Verfügung. Er dient in erster Linie für medizinische Notfälle. Wenn ein Passagier oder Crewmitglied schwer erkrankt oder verletzt ist und sich die Fähre weit draußen auf See befindet, kann ein Rettungshubschrauber landen. Einige Fähren verfügen jedoch nur über eine „Winch-Area“ (Abseilbereich) anstelle eines echten Landeplatzes.
Fährtypen Es gibt verschiedene Arten, Fähren zu unterscheiden. Dazu zählt eine Einteilung nach dem Bautyp des benutzten Fahrzeugs (zum Beispiel Fährschiff, Kahn oder PonteEine Ponte ist eine flache, breite Fähre; vgl. Duden online: Ponte) sowie nach Einsatzgebiet und Betriebsart. Fähren sind, mit Ausnahme der Schwebefähren, Wasserfahrzeuge. Nach der Transportaufgabe werden Personenfähren, Güterfähren, Autofähren und Eisenbahnfähren (Trajektschiffe) unterschieden.
Fährverkehr kann definiert werden als in der Regel fahrplanmäßige Personen- und/oder Güterbeförderung mittels eines Wasserfahrzeugs zwischen mindestens zwei Häfen oder Anlegestellen, die durch Flüsse, Seen oder Randmeere getrennt sind.
Typen nach Einsatzgebiet
Seegehende Fähren mini|RoPax 55 auf der Nordsee (2016) Seegehende Fähren bzw. Fährschiffe verkehren weltweit. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffstypen, die als Fähre genutzt werden, je nach Länge der Strecke, der benötigten Kapazität sowie nach Geschwindigkeit und Seetüchtigkeit. Das Einsatzgebiet mit höherem Seegang und stärkeren Winden sowie dem Rechnung tragende unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen für den Betrieb der Schiffe bedingt grundsätzlich erweiterte Anforderungen an Konstruktion und Ausrüstung derselben, als die von Binnenfähren zu erfüllenden. Der meist größeren innerhalb der Fährverbindungen zu bewältigende Distanzen und des häufig gänzlichen Fehlens alternativer Landverkehrsverbindungen (wie z. B. Brücken oder Tunneln) wegen, aber auch, um vor allem unsubventionierte Fährverbindungen wirtschaftlich betreiben zu können, werden auf See oft größere Fähren mit teils sehr hohen Transportkapazitäten in geringer Taktrate eingesetzt.
In der Seeschifffahrt werden für den Gütertransport oft sogenannte RoRo-Schiffe eingesetzt, die Güterzüge, Lastkraftwagen oder nur die Trailer derselben auf oder unter Deck transportieren. Ist auch eine Passagiermitnahme vorgesehen, spricht man von einem RoPax-Schiff.
Binnenfähren mini|Polnische Seitenradmotorfähre „Bez Granic“ über die Oder zwischen Güstebieser Loose (D) und Gozdowice (PL), 2018 Fähren in der Binnenschifffahrt verkehren auf Flüssen, Kanälen, Binnenseen und in Häfen. Fährstellen dienen als Teil des öffentlichen (Personen-)Nahverkehrs zum Verbinden von Verkehren über Gewässer als Alternative zu Brücken oder Tunneln. Die Fähre verkehrt dabei meist nach Fahrplan und gegen Entgelt, zumindest aber regelmäßig und innerhalb fester Zeiten.Fährenbetriebsverordnung FäV 1995, § 5
Das Steuerhaus ist bei den meisten Binnenfähren unterstromseitig (der Fährmann steht mit dem Rücken zu Tal) in der Mitte des Fahrzeuges angeordnet. Seltener findet man Fähren mit dem Steuerhaus mittig über der Fahrbahn auf einer Art Brücke (alte Fähre Loreley) oder gar mit zwei Steuerhäusern (für jede Fahrtrichtung eines). Binnenfährschiffe sind in Deutschland mit einem großen „F“ gekennzeichnet und müssen von den zuständigen Behörden als Fährschiff zugelassen sein.BinSchUO > Anlage > Anhang X > Teil I > Kapitel 1 > § 1.01BinSchStrO > Erster Teil > Kapitel 1 > § 1.01
Das Betreiben einer Fähre bedarf in Deutschland einer wasserrechtlichen Genehmigung. Das Recht, eine Fährstelle zu genehmigen (historisch: Fährregal) wird von den Ländern nach Maßgabe der Regelungen des Wasserhaushaltsgesetz und der Landeswassergesetze ausgeübt. Das Recht, eine gewerbliche Fährstelle über einen Fluss oder anderes Gewässer zu betreiben, wurde seit dem Mittelalter in Deutschland als Fährgerechtsame bezeichnet.Bernhard Riegler: Fährgerechtigkeit unter vorzugsweiser Betrachtung der Verhältnisse des Mittelrheins, Würzburg 1933
In Fließgewässern verlaufen die allermeisten Fähren quer zum Fluss und fungieren als Querungsmöglichkeit wie eine Brücke. In seltenen Fällen, in der Regel wo zumindest an einem Ufer eine attraktive Wegverbindung fehlt, wird eine „Längsfähre“ errichtet. Eine Längsfähre durchfährt seit etwa 1990 rund die Hälfte der S-förmigen Schlögener Schlinge der Donau, auf 3,9 km Strecke zwischen Au und Grafenau, beide am linken Ufer, seit 2017 mit einem Katamaran. donauregion.at, WGD Donau Oberösterreich Tourismus GmbH, 11. August 2015, abgerufen am 20. August 2017.
Hochgeschwindigkeitsfähren mini|Die „Express 3“, eine in Dänemark eingesetzte Katamaranschnellfähre Um mit hoher Geschwindigkeit verkehren zu können, werden Fährlinien manchmal mit sogenannten High Speed Crafts betrieben. Die dabei in der Vergangenheit oftmals eingesetzten Tragflächenboote wurden größtenteils durch Luftkissenboote, Einrumpf-Schnellfähren und Katamarane ersetzt.
Auf der Verbindung Dover–Calais über den Ärmelkanal standen die Luftkissenboote in direkter Konkurrenz zu den Shuttle- und Eurostar-Zügen, die den Eurotunnel benutzen. Obwohl die Luftkissenboote bis dahin gut ausgelastet waren und hohe Gewinne einfuhren, musterte die Reederei Hoverspeed im Oktober 2000 die letzten beiden Hovercrafts aus. Dies wurde mit dem Mangel an Ersatzteilen sowie der nicht mehr zeitgemäßen Konstruktion begründet. Seitdem sind Katamarane die schnellsten Fährschiffe über den Ärmelkanal. Die Überfahrt mit ihnen dauert jedoch, inklusive Be- und Entladen, knapp eine Stunde länger als mit den Hovercrafts.
Auch auf Binnenseen werden Fähren mit höherer Geschwindigkeit betrieben, zum Beispiel der Katamaran Friedrichshafen–Konstanz, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h.
Nicht freifahrende Fähren Nicht freifahrende Fähren verfügen teilweise über keinen eigenen Antrieb. So nutzen Gierseilfähren und Rollfähren die Strömung eines Flusses oder Meeresarmes aus, um diesen zu queren, und sind daher sehr umweltfreundliche Verkehrsmittel. Einen eigenen Antrieb haben Seil- und Kettenfähren sowie Schwebefähren.
Gierseilfähre mini|Gierseilfähre Rathen über die Elbe
Gierseilfähren nutzen die Kraft des strömenden Wassers von Flüssen aus, indem sie ihren Rumpf schräg zur Strömung einstellen (also „gierend“), um Vortrieb in Richtung des angestrebten Ufers zu erzielen. Dabei gibt es mehrere mögliche Bauformen.
Bei der einen laufen von beiden Enden der Fähre zwei sog. Gierseile zu einem Punkt zusammen, von dem ein drittes Seil flussaufwärts zu einem Verankerungspunkt im Wasser nahe einem Ufer führt. Zwei Winden auf der Fähre erlauben das Verkürzen der zwei Arme dieses „Y“, um den Winkel des Rumpfs in der Strömung geeignet einzustellen. Bojen tragen das Seil an der Wasseroberfläche und dienen als Markierung, um Schiffe vom Überfahren des Seils abzuhalten. Die kreuzende Schifffahrt längs des Flusses passiert die Fahrstelle immer dann, wenn sich die Fähre an der Flussseite befindet, nahe der das Seil verankert ist.
Rollfähre mini|Rollfähre in Grohnde an der Oberweser mit Hochseil und zwei variabel einstellbaren unterschiedlich langen Gierseilen (Karte) miniatur|Basler Münsterfähre, typisches Beispiel einer Rollfähre. Die Fähre fährt vom Betrachter weg und steht kurz vor anlegen am anderen Ufer. Rollfähren, früher auch als "fliegende Brücken bezeichnet", sind eine Variante der Gierseilfähre, bei der die Fähre nicht an einem mitten im Fluss verankerten Stahlseil hängt, sondern an einem Seil, das an einer Rolle befestigt ist, die über ein Hochseil läuft (wie bei einer Laufkatze). Das Hochseil ist von einem Ufer zum anderen gespannt – meist über Wasser an Masten. Die Höhe des Hochseils erlaubt entsprechend hohen Schiffen, die Fahrstelle flussab/flussauf zu passieren.
Die Rollfähre selbst kann ihren Anstellwinkel zur Strömung verändern und somit die Strömung als Antrieb nutzen. Zur Veränderung des Anstellwinkels gibt es mehrere Verfahren: Es werden zwei Gierseile (je mit separaten Laufkatzen) verwendet. Der Anstellwinkel gegen die Strömung wird über die Länge der beiden Gierseile gesteuert (wie im Bild der Fähre Grohnde zu sehen). Das an der Laufkatze hängende Gierseil wird je nach Fahrtrichtung am unteren Ende an einer anderen Stelle der Fähre angebracht, so dass sich die Lage der Fähre gegenüber der Strömung und damit die Fahrtrichtung ändert. Über Ruder, die gegen die Strömung gestellt werden, wird die Fähre gegen die Strömung gedreht. Alle drei Verfahren werden resp. wurden auch für große Rollfähren verwendet, z. B. konnte die frühere Rollfähre in Melk bis zu 10 Pkw aufnehmen. Die vier Basler Fähren über den Rhein kombinieren die beiden letztgenannten Methoden: das Gierseil ist an einem metallenen Schwenkarm befestigt, der im Bugbereich der Fähre zwischen Backbord- und Steuerbord-Reling geschwenkt wird; zusätzlich verfügen die Fähren über ein Ruder am Heck.
Neben den vier schon erwähnten Basler Personenfähren gibt es zahlreiche kleine und große Rollfähren, wie z. B. an der Oberweser. In Ottensheim an der Donau gibt es ebenfalls seit 1871 eine Rollfähre, die so genannte „Drahtseilbrücke Ottensheim“. In der Wachau gibt es die Rollfähre Spitz–Arnsdorf und die Rollfähre Weißenkirchen–St. Lorenz. Weiter flussabwärts verkehrt seit 1935 die Rollfähre Korneuburg–Klosterneuburg. Diese Fähre hat eine Tragfähigkeit von 25 Tonnen, 160 Personen und vier Pkw können geladen werden. Historisch gab es weitere Rollfähren an der Donau, die Fahrzeuge übersetzten: zwischen Pöchlarn und Klein-Pöchlarn von 1901 bis in die 1970er Jahre (Eröffnung der Donaukraftwerks Melk); zelking.com, Ludwig Pichler, © 2016, abgerufen am 14. August 2016. zwischen Melk und Emmersdorf an der Donau bis Dezember 1974, als die Donaubrücke Melk eröffnet wurde; zwischen Traismauer und Grafenwörth von 1905 bis 1972; bei Bad Deutsch-Altenburg (Rollfähre Hainburg) von 1951 bis 1972.
mini|Die Rollfähre über den Ebro (Spanien) entfernt sich vom Betrachter. Eine besonders archaisch anmutende Konstruktion wird in Spanien zum Überqueren des Ebro betrieben: Die Fähre mit doppeltem Rumpf hängt an einem Seil und wird per Rudersteuerung betrieben. Sie verbindet die C-12 (zwischen Rasquera und Ginestar) mit Miravet.
Angetriebene Seil- und Kettenfähren mini|Handbetriebene Seilzugfähre über den Fortgrøft (Karte)