Die St.-Hedwigs-Kathedrale (Eigenschreibweise Sankt Hedwigs-Kathedrale) ist eine römisch-katholische Kirche am Bebelplatz auf dem Forum Fridericianum in Berlin-Mitte. Der Rokokobau wurde 1747–1773 im Auftrag von Friedrich II. nach Entwurf von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs 1944 schwer beschädigt, wurde sie 1952–1963 wiederaufgebaut und 2018–2024 umgestaltet.

Die St.-Hedwigs-Kathedrale ist die Bischofskirche des Erzbistums Berlin und damit die ranghöchste römisch-katholische Kirche der Stadt. Es handelt sich um einen an der Architektur des Pantheon in Rom orientierten Zentralbau. Seit der Umgestaltung ist der Innenraum charakterisiert durch eine altarzentrierte Anordnung: Im Mittelpunkt des etwa kreisförmigen Kirchenraums steht der runde Altar, um den herum sich die Gemeinde zum Gottesdienst versammelt.

Knobelsdorff-Bau

Vorgeschichte mini|Hedwigskirche, Stich von J. L. Legeay nach einer Zeichnung von G. W. von Knobelsdorff, 1747 mini|Blick über den Opernplatz zur unvollendeten Kirche, vor 1886 mini|Südseite der Kirche mit Anbau, 1786

Friedrich der Große hatte zunächst die Idee, zur Förderung der Toleranz ein großes Pantheon („allen Göttern geweiht“) nach römischem Vorbild zu bauen. In den Kapellennischen sollten die Religionsgemeinschaften ihre Gottesdienste halten. Sein Berater Charles Étienne Jordan, zugleich Diakon an der Französischen Kirche, brachte ihn schließlich von diesem Gedanken ab. Die Idee des Rundbaus sollte dann jedoch in einem katholischen Kirchenbau verwirklicht werden, dem ersten in Berlin seit dem Ende der Reformation. Er wurde besonders für die neuen römisch-katholischen Einwohner Berlins aus Schlesien errichtet und deshalb dem Patrozinium der als Schutzpatronin Schlesiens verehrten Hedwig von Andechs unterstellt.

Baubeginn In der Baugestalt als runder Zentralbau orientierte sich die Kirche am Pantheon in Rom und wurde so repräsentativer Bestandteil des königlichen Forum Fridericianum. Die entscheidenden Pläne lieferte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der führende Architekt des Friderizianischen Rokoko.

Die Bauzeit erstreckte sich von 1747 bis 1773. Im Jahr 1753 hatte der König noch eine Lotterie genehmigt, um Gelder für die Fortführung des Baus zu bekommen. Die lateinische Giebel­inschrift nennt Kardinal Angelo Maria Quirini († 1755) als Hauptstifter. Aber durch den Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. 1765 litt der unvollendete Bau mit teils offener Kuppel immer mehr unter den Unbilden des Wetters. Die Berliner Dominikaner sandten einen Hilferuf an ihren Vorgesetzten, denn es fehlten noch immer 64.000 Taler, um den Bau zu vollenden. Die Berliner Juden boten den Kauf des unfertigen Gebäudes an, um daraus eine Synagoge zu machen. Erst im Frühjahr 1773 konnten die Bauarbeiten, dank finanzieller Hilfe aus Rom und vom König, fortgesetzt werden. Dennoch war Bauleiter Johann Boumann d. Ä. aus Geldmangel gezwungen, die hölzerne Kuppel statt mit der geplanten Blei- nur mit einer Ziegeldeckung zu versehen und auch auf die bekrönende Laterne zu verzichten. Diese und der Giebelfries konnten erst Ende des 19. Jahrhunderts vollendet werden. Der Bühnenmaler Bernardino Galliari, der sich im Jahr 1773 in Berlin aufhielt, malte auf eigene Kosten die Kuppel und das Altarbild der heiligen Hedwig. Der Bildhauer Wilhelm Christian Meyer schuf Figuren für die Kirche.

Direkt an die Rückseite des Kirchenrundbaus anschließend wurde in Form eines zweiten kleineren Rundbaus eine Sakramentskapelle errichtet, die später als Sakristei diente und nach der Neugestaltung 2019–2024 einen „Jetzt-Raum“ aufnimmt, in dem temporär wechselnde „Präsenzimpulse“ die Verbindung von Gottesdienst und alltäglichem Leben bewusst machen sollen. Darüber befindet sich die Glockenstube. Ignatius Krasicki, Fürstbischof von Ermland und Freund des preußischen Königs, vollzog am 1. November 1773 die Kirchweihe.

Fertigstellung mini|links|hochkant=0.85|Innenansicht der vollendeten Hedwigskirche, nach 1887 mini|hochkant=0.85|Außenansicht der vollendeten Hedwigskirche, nach 1887 mini|Die Kathedrale (rechts) mit der südöstlich angebauten kleineren Rotunde, 2019

Im Sinne der 1747 von Jean Laurent Legeay hergestellten Stiche nach Zeichnungen von Knobelsdorff vollendete Max Hasak 1886–1887 den Kirchenbau. Er deckte die Kuppel mit einem Kupferdach und bekrönte sie mit Laterne und Kreuz. Der Innenraum erhielt eine neobarocke Ausstattung. Während Wilhelm Achtermann die Supraporten-Reliefs mit Szenen des Neuen Testaments bereits 1837 nach Entwürfen von Georg Franz Ebenhech geschaffen hatte, vollendete Nikolaus Geiger das Giebelrelief mit einer Szene der Anbetung der Könige erst 1897 nach einem Modell von Achtermann. 1927 verlieh der Papst der Hedwigskirche den Titel einer Basilica minor.

Nach der Erhebung zur Kathedrale erfolgte 1930–1932 eine erneute Umgestaltung des Innenraums nach Plänen des österreichischen Architekten Clemens Holzmeister. Unter Verwendung expressionistischer Gestaltungsmerkmale entstand dabei eines der eigenständigsten Zeugnisse expressionistischer Sakralarchitektur der späten Weimarer Republik. Holzmeister betonte die Längsachse, indem er den Hauptraum zur damaligen Sakramentskapelle, der heutigen Sakristei, öffnete. Geschickt bezog er hergebrachte Ausstattungsobjekte, unter anderem den neobarocken Altar und die zwölf Apostelfiguren, in den modernen Innenraum ein. Seitlich der nunmehr zentralen Mittelachse platzierte er die Kathedra des Bischofs sowie einen Durchgang zu einer neu errichteten Sakristei ein. Er entfernte im Innenraum den Zierrat der wilhelminischen Zeit, ohne jedoch die Spuren der verschiedenen Ausstattungsschichten zu verwischen.

Im Zweiten Weltkrieg brannte die St.-Hedwigs-Kathedrale bei einem alliierten Luftangriff in der Nacht zum 2. März 1943 bis auf die Umfassungsmauern aus. Dabei wurde auch die Kuppel zerstört. Bereits am 7. März wurde von „zahlreichen katholischen Kirchenkanzeln […] in Berlin mitgeteilt […], daß die bis auf die Außenmauern ausgebrannte Kathedrale in absehbarer Zeit, spätestens nach Beendigung des Krieges, wieder aufgebaut werden soll“.

Schwippert-Bau

Umbauarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Ruine der Kathedrale, 1946 mini|hochkant|links|Darstellung von St. Hedwig und der Kathedrale auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin, 1955 mini|Blick über den Bebelplatz zur wiederhergestellten Kathedrale, 1979

In den Jahren 1952 bis 1963 wurde die nunmehr in der Hauptstadt der DDR gelegene Kathedrale wiederhergestellt. Den Innenraum gestaltete der westdeutsche Architekt Hans Schwippert in Zusammenarbeit mit Künstlern neu. Er schuf eine außergewöhnliche Raumaufteilung im Stil der Nachkriegsmoderne. In dem durch den Bombenabwurf zerstörten Sakralbau wurde ein Zugang zur Unterkirche mit den neugeschaffenen zehn Kapellen angelegt. Die in der Substanz weitgehend erhaltene Außenarchitektur des Zentralbaus wurde in Anlehnung an das historische Erscheinungsbild wiederhergestellt. Die Kuppel wurde jedoch im Umriss verändert und erhielt eine mit Kupfer verkleidete, paraboloide Betonschalenkonstruktion aus 84 Segmenten. Sie hat einen Innendurchmesser von 33 Metern.Marcus Böttcher, Volkmar Otto (Fotos): Gut verkuppelt. In: Berliner Zeitung, 10. Mai 2017, S. 14. Auf die von Schwippert ursprünglich geplante Laterne oberhalb der Kuppel wurde bei der Bauausführung ebenso verzichtet wie auf die Figurengruppe der als Heilige verehrten Hedwig von Andechs an der Spitze des Giebeldreiecks. Statt der Laterne wurde ein drei Meter hohes vergoldetes Kreuz in Kupfertreibarbeit auf die oben abgeflachte Kuppel aufgesetzt, entworfen und ausgeführt im Atelier von Fritz Kühn. Schlichte Putzquaderung, hohe einfache Rundbogenfenster und ein umlaufendes Hauptgesims sind Ausdruck der Fassadengestaltung einer der Zeit des Wiederaufbaus entsprechenden Kathedrale.

Die Kathedrale war bis Anfang 2021 Pfarrkirche der Domgemeinde St. Hedwig, in deren Eigentum sie bis 2016 stand. Die ranghöchste römisch-katholische Kirche in Berlin gilt auch als historisch bedeutendste der römisch-katholischen Kirchen der Stadt.

Oberkirche mini|Ehemalige Grabstätte von Bernhard Lichtenberg in der Krypta, 2016

Der neugestaltete Innenraum von Hans Schwippert war vom nüchternen Raumideal jener Zeit geprägt und wurde als „Meisterwerk der Baukunst der fünfziger Jahre“ bezeichnet. In der Architektur Hans Schwipperts war die Oberkirche konzentrisch auf den Altar bezogen, während später durch die Kathedra, einen Läufer, den Altar und die Orgel die Achse und so die Symmetrie des kreisrunden Raumes stärker betont wurden. Zum klaren Gesamteindruck trug das gläserne Geländer entlang der Öffnung zur Unterkirche erheblich bei. Die Ausführung erfolgte durch Fritz Kühn. Markant war der vertikale Aufbau des als Fundament dienenden Altars der Unterkirche mit der Stele und vergoldetem Tabernakel, auf dem – in die Oberkirche ragend – der Hauptaltar ruhte.

Die Goldschmiede Fritz Schwerdt und Hubertus Förster aus Aachen gestalteten 1963 den Tabernakel und das vergoldete Altarkreuz mit einem Kruzifixus aus Elfenbein von Kurt Schwippert. Die Entwürfe der teppichartig grafisch gestalteten Fenster der Oberkirche stammten von Anton Wendling. In die Altarsäule, die die beiden Altäre verband, war eine Petrus-Plastik eingesetzt, ein Geschenk Papst Johannes Pauls II. anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bistums im Jahr 1980. Dem Betrachter präsentierte sich der Vertikalaufbau der Altargestaltung durch die halboffene Krypta als bemerkenswerte Einheit und Verbindung von Unter- und Oberkirche.

Zum Bestand der Kathedrale gehörten drei großformatige Wandteppiche. Allen gemeinsam ist das Motiv der „Stadt Gottes“, des „himmlischen Jerusalem“ aus der Offenbarung des Johannes . Die ehemalige Bauhausschülerin Margaretha Reichardt (Grete Reichardt) aus Erfurt schuf 1963 einen großen handgewebten Gobelin, der das stilisierte Jerusalem zeigt. Anton Wendling verwendete Applikationstechnik für seine farbige geometrische Komposition. Else Bechteler-Moses aus München gestaltete einen dreiteiligen Teppich, der von 1979 bis 1981 in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Gobelinmanufaktur entstand. Er stellt Gott auf dem Thron sitzend dar, der gleichzeitig den Menschen nahe ist ().

Unterkirche Die Krypta war der Märtyrer-Confessio frühchristlicher Basiliken nachgebildet. Sie diente – neben der Funktion als Unterkirche mit Taufkapelle, Beichtstühlen und der Grablege der Berliner Bischöfe – auch dem Gedächtnis der katholischen Märtyrer Berlins in der Zeit des Nationalsozialismus. Dort befanden sich – bis zum Umbaubeginn der Kathedrale 2018 und der damit verbundenen Umbettung der Gebeine – das Grab des seligen Dompropstes Bernhard Lichtenberg, der 1943 auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau in Hof gestorben war, sowie eine Gedenktafel für den seligen Petro Werhun, der als Seelsorger unter den Ukrainern gewirkt hatte und 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Sibirien deportiert worden war. Die Gebeine Lichtenbergs befanden sich für die Zeit des Umbaus in einem hölzernen Schrein unterhalb des Sakramentsaltars in der Gedächtniskirche Regina Martyrum in Charlottenburg; am 29. November 2024 wurden sie in die Krypta der Kathedrale zurückgeführt.

Für den beim Wiederaufbau neu geschaffenen Kreuzweg in der Unterkirche beauftragten der Dompfarrer Heinz Endres und der Architekt Hans Schwippert den Künstler Josef Hegenbarth mit der Gestaltung der 14 Stationen. Ein Jahr vor seinem Tod stellte Hegenbarth im November 1961 die schwarzweißen Pinselzeichnungen fertig. Der Zyklus gehört zur umfangreichen Werkgruppe biblischer Darstellungen, mit der er sich zeitlebens beschäftigte. Notker Eckmann sah in Josef Hegenbarth gar „den Altmeister der deutschen Passionskunst“. In der Auffassung verwandt sind Hegenbarths Letzte Blätter zur Passion, ebenfalls von 1960/1961. Daraus wurde 1983 der Kreuzweg der Jugend zusammengestellt.