Dragster sind Fahrzeuge, die speziell für das Drag Racing (Beschleunigungsrennen) konstruiert oder modifiziert wurden. Dragster werden von großvolumigen, meist aufgeladenen Motoren mit bis zu einigen tausend PS bzw. kW Leistung angetrieben, die über sehr breite Antriebsräder auf den Drag Strip gebracht wird. Im engeren Sinn werden nur Rennwagen als Dragster, Motorräder hingegen als Drag Bikes bezeichnet. Die klassische Renndistanz beträgt eine viertel Meile, was 1320 Fuß bzw. 402,34 Metern entspricht. Eine Ausnahme bildet hier die Klasse Top Fuel, bei der die gewertete Strecke aus Sicherheitsgründen auf 1000 ft (304,8 m) verkürzt wurde.

miniatur|Startender Top Fuel Dragster. Fahrerin: Anita Mäkelä (Finnland) (D, 2019)

miniatur|Top Fuel Funny Cars: John Force vs Scotty Cannon (USA, 2002)

Technik Dragster haben ihren Ursprung in den USA. Die in Europa geltenden Regeln der FIA für die Profiklassen wurden weitgehend von der US-amerikanischen NHRA übernommen. In den Profiklassen sind als Antrieb ausschließlich Stockblock-Motoren, konventionelle Achtzylinder-OHV-Motoren mit untenliegender Nockenwelle und zwei Ventilen pro Zylinder erlaubt, wie sie in den 1960er und 1970er Jahren in amerikanischen Sportwagen oder Muscle Cars verbaut wurden. Aufgeladene Motoren haben etwa 8 Liter Hubraum, Saugmotoren zum Teil mehr als 14 Liter. Die Motoren sind im Vergleich zu modernen Rennmotoren verhältnismäßig langhubig ausgelegt. Dadurch liefern sie bereits bei niedrigen Drehzahlen ein hohes Drehmoment, die Höchstdrehzahl liegt bei etwa 8000 bis 9000 Umdrehungen pro Minute. Die enormen Leistungen werden im Wesentlichen durch Aufladung mittels mechanischer Lader sowie durch die Verwendung spezieller Kraftstoffe wie Methanol oder Nitromethan erzielt.

Amateurklassen

miniatur|Blick ins Cockpit eines historischen Dragsters miniatur|Competition Eliminator

Super Comp / Quick Rod Die Fahrzeuge der Klasse Super Comp (Quick Rod bei Nicht-NHRA- oder FIA-Veranstaltungen) sind speziell für das Drag Racing konstruiert. Jeder Automotor ist als Antrieb erlaubt, zwecks Aufladung können Turbolader und Roots-Typ-Kompressoren eingesetzt werden. Die Motoren dürfen mit Benzin, Benzin-Alkohol-Gemisch, Methanol oder Lachgas betrieben werden. Das Mindestgewicht der Rennwagen ist abhängig von der Klasse und von der Zylinderzahl. Je höher die Klasse, desto geringer das Mindestgewicht, je höher die Zylinderzahl, desto höher das Mindestgewicht. Für diese Klasse wird ein Zeitindex von 8,90 s für die Viertelmeile vorgegeben.

Competition Eliminator Die höchste Amateurklasse ist Competition Eliminator. Es sind sämtliche Bauarten von Fahrzeugen erlaubt, sowohl Dragster mit langem Radstand als auch Roadster oder Doorslammer, Fahrzeuge mit funktionstüchtigen Türen. Die Dragster ähneln mit ihrem langen Radstand den Dragstern der Profi-Teams, während die sogenannten Altereds mit einer speziell angefertigten oder stark modifizierten Karosserie aufwarten. Das Mindestgewicht der Dragster beträgt für V8-Motoren 612 kg, für 6-Zylinder-Motoren 454 kg und für 4-Zylinder-Motoren 386 kg. Die Mindestgewichte der Altereds sind um einige hundert Kilogramm höher. Eine typische Motorisierung ist etwa ein aufgeladener V8-Motor mit 4,6 l Hubraum. Die stärksten Fahrzeuge leisten bis zu 1500 PS. Aufgrund des vergleichsweise geringen Gewichtes sind in dieser Klasse Viertelmeilenzeiten unter sieben Sekunden möglich, wobei über 300 km/h erreicht werden.

Profiklassen Pro Stock miniatur|Pro Stock von Bengt Ljungdahl (Schweden) beim Burnout Die Klasse Pro Stock (PRO) ist reserviert für zweitürige Coupes, deren Karosserieform höchstens 15 Jahre alten Fahrzeugen aus der Serienproduktion nachempfunden ist. Es handelt sich um reine Rennfahrzeuge auf Gitterrohrrahmen, die Türen müssen aber wie bei dem entsprechenden Serienfahrzeug funktionstüchtig sein. In der Pro-Stock-Klasse müssen Karosserieform und Benzinmotor aus demselben Herstellerkonzern stammen, es sind konventionelle Achtzylinder-OHV-Saugmotoren mit untenliegender Nockenwelle und zwei Ventilen pro Zylinder erlaubt. Somit sind besondere Treibstoffe oder Aufladungen nicht erlaubt. Der maximale Hubraum beträgt 500 cui (8193 cm³), das Mindestgewicht 1.066 kg inklusive Fahrer. Nach den Regeln der IHRA in den USA sind bis zu 800 cui bzw. über 13 Liter Hubraum erlaubt. Bei Drehzahlen von etwa 8.000 bis 10.000/min leisten die Motoren bis zu 1.400 PS und ermöglichen Viertelmeilenzeiten unter 7 Sekunden bei Endgeschwindigkeiten von über 320 km/h.

Pro Modified miniatur|FIA Pro Modified Car. Fahrer: Marck Harteveld (Niederlande) Die Klasse Pro Mod (PM) stellt die schnellste und spektakulärste Klasse von Fahrzeugen mit funktionstüchtigen Türen (Doorslammer) dar. Der Name für die Klasse wurde erst Anfang der 1990er Jahre geprägt, die Karosserieformen basieren jedoch zum Teil auf Fahrzeugen aus den 1930ern oder auch auf Pick-Up-Trucks. Zudem werden auch ältere Pro-Stock-Rennwagen aufgerüstet, wenn etwa deren Zulassung ausläuft oder ein noch leistungsstärkeres Fahrzeug aufgebaut werden soll. An der Karosserie sind weitestgehende Modifikationen wie Absenkung des Daches, Verlängerung oder Verbreiterung sowie Spoiler erlaubt. Das zugrundeliegende Original muss jedoch erkennbar bleiben. In Verbindung mit fantasievollen Lackierungen entstehen so spektakuläre RennwagenGolden Vette Drag Race Team Switzerland , die zudem über eine enorme Leistung verfügen. Bei der Verwendung von Saugmotoren sind ein maximaler Hubraum von 14.748 cm³ (900 cui) sowie Lachgaseinspritzung zugelassen. Das Mindestgewicht beträgt 1.065,9 kg (minus 11,3 kg für Fahrzeugmodelle älter als Jahrgang 1959, plus 11,3 kg für Fahrzeugmodelle jünger als Jahrgang 2000). Werden durch Kompressoren aufgeladene Methanol-Motoren verwendet, zu erkennen an dem aus der Motorhaube ragenden Lufteinlass, ist der Hubraum auf 8.636 cm³ (527 cui) begrenzt. Bei der Verwendung von Turboaufladung beträgt der maximale Hubraum 10.651,5 cm³ (650 cui). Das Mindestgewicht für aufgeladene Fahrzeuge beträgt 1.224,4 kg. In jedem Fall müssen die Motoren traditioneller US-amerikanischer Bauweise entsprechen, V8 mit unten liegender Nockenwelle und zwei Ventilen pro Zylinder. Die in der Pro Mod-Klasse zum Einsatz kommenden Motoren leisten über 2.500 PS. Auf der Viertelmeile werden nach gut 6 Sekunden Endgeschwindigkeiten von über 350 km/h erreicht.

Top Methanol miniatur|Top Methanol Dragster (vorne) und Top Methanol Funny Car (hinten) − „roll back“ nach dem Burn-out miniatur|Top Methanol Funny Car mit hochgeklappter Karosserie (einteiliger Kunststoff-Abguss) Top Methanol ist die zweithöchste Kategorie, hier treten zwei Bauformen gegeneinander an: Dragster und Funny Cars. Die Fahrzeuge in dieser Klasse müssen über ein vom Fahrer betätigtes Getriebe (3 Gänge) verfügen.

Top Methanol Dragster Fahrzeuge mit langem Radstand werden als Top Methanol Dragster (TMD) bezeichnet. Der Hubraum von Dragstern ohne Kompressor ist auf 7.472,5 cm³ (456 cui) begrenzt, das Mindestgewicht auf 963,6 kg. Allerdings können diese Rennwagen mit Nitromethan betrieben werden. Für Fahrzeuge mit Roots-Kompressor ist der Hubraum auf 8.652,3 cm³ (528 cui), das Mindestgewicht auf 895,6 kg begrenzt. Für Fahrzeuge mit Schraubenkompressor lauten die Werte 7.636,3 cm³ (466 cui) respektive 929,6 kg. Aufgeladene Motoren müssen mit Methanol betrieben werden. Als Antrieb kommen ausschließlich konventionelle Achtzylinder-OHV-Viertaktmotoren mit untenliegender Nockenwelle und zwei Ventilen pro Zylinder zum Einsatz, deren Design meist auf dem des Chrysler Hemi-Motor basiert. Mit den erlaubten Modifikationen leisten die V8-Motoren 2500 bis 3500 PS. Top Methanol Funny Cars und Dragster legen die Viertelmeile in weniger als sechs Sekunden zurück und erreichen bei der Zieldurchfahrt Geschwindigkeiten von 350 bis 400 km/h.

Top Methanol Funny Car Die Fahrgestelle sind Spezialanfertigungen aus Gitterrohr. Top Methanol Funny Cars (TMFC) sind Rennwagen mit Normallänge und aufgesetzter Kunststoffkarosserie, deren Design meist an das amerikanischer Sportwagen angelehnt ist. Die Motoren werden mit Methanol betrieben und leisten etwa 2.500 bis 3.000 PS. Der maximal zulässige Hubraum sowie das Mindestgewicht hängen von dem verwendeten Kompressortyp ab und betragen 9.258,7 cm³ (565 cui) bzw. 998 kg für Fahrzeuge mit Roots-Typ-Kompressor und 8.652,3 cm³ (528 cui) bzw. 1.043,3 kg für Fahrzeuge mit Schraubenkompressor.

Top Fuel Unbestrittene Königsklasse sind die Fahrzeuge der Top-Fuel-Klasse, auch hier wird in den Kategorien Funny Cars (FC) und Top Fuel Dragster (TF) gestartet. Hier wird nicht mehr manuell geschaltet, sondern ein vorher eingestelltes Kupplungs-Setup übernimmt die Kraftübertragung.

Top Fuel Dragster miniatur|Burnout eines Top Fuel Dragsters am Hockenheimring mini|Hinterräder, Wheeliebar und Bremsschirme eines Top Fuel Dragsters

Die Fahrgestelle der Top Fuel Dragster (TF) sind Spezialanfertigungen aus Gitterrohr mit einem Radstand von etwa 7,60 m. Nachdem sich mehrfach Dragster bei hohen Geschwindigkeiten nach hinten überschlagen hatten, wurde auch hier die bei den anderen Klassen bereits übliche Wheeliebar am Fahrzeugheck vorgeschrieben.

Die Motoren werden mit einem Gemisch aus 85–90 % Nitromethan und 15–10 % Methanol betrieben. Der Hubraum ist auf 8.193,5 cm³ (500 cui) begrenzt. Zum Einsatz kommen ausschließlich Stockblock-Motoren, konventionelle Achtzylinder-OHV-Viertaktmotoren mit untenliegender Nockenwelle und zwei Ventilen pro Zylinder. Die meisten Teams verwenden die Aluminium-Replika des bewährten 426 Chrysler Hemi-Motor aus den 1960er Jahren. Der Motorblock hat im Gegensatz zum Serienpendant jedoch keine Kanäle für Kühlflüssigkeit, da die Verdunstungskälte des Kraftstoffes während der kurzen Betriebsdauer zur Kühlung ausreicht. Zudem erhöht dies die Festigkeit des Motorblocks. Zylinderköpfe, Pleuel und die Kurbelwelle sind Spezialteile aus hochfesten Werkstoffen. Um das Gewicht der oszillierenden Massen, etwa der Pleuel, möglichst gering zu halten, wird auch das sehr leichte Titan verwendet. Zwei oder drei Zündkerzen pro Zylinder werden von einer Hochleistungszündanlage mit Spannung versorgt. Bereits zur Hälfte des Laufes dieselt der Motor, das heißt das Gemisch entzündet sich an den extrem heißen Auslassventilen von selbst. Die Motoren werden nahe der mechanischen Belastungsgrenze betrieben, nach jedem Lauf wird der Motor komplett zerlegt und untersucht. Schadhafte Teile wie Lager, Pleuel oder Kolben werden ausgetauscht. Der Kompressor verdichtet pro Sekunde mehr als 1 m³ Luft und presst die Ansaugluft mit einem Überdruck von bis zu 5 bar in die Brennräume. Das Nitromethan wird nicht vergast, sondern flüssig in die Brennräume eingespritzt. Bei Vollgas werden die Motoren nahe der hydraulischen Sperre betrieben. Über das Verhältnis von Nitromethan zu Ansaugluft wird die Leistung so eingestellt, dass die Räder gerade noch nicht durchdrehen.

Top Fuel Funny Car miniatur|Top Fuel Funny Car Die Fahrgestelle sind Spezialanfertigungen aus Gitterrohr. Funny Cars und Top Fuel Dragster unterscheiden sich im Prinzip nur durch die Konstruktion des Fahrgestells und die Form der Karosserie. Funny Cars haben Normallänge, der Motor sitzt vor dem Fahrer. Das Design der aufgesetzten Kunststoffkarosserie ist meist an das US-amerikanischer Sportwagen angelehnt. Funny Cars haben aufgrund des kurzen Radstandes ein besonders kritisches Fahrverhalten. Als Motoren kommen, ebenso wie bei den Top Fuel Dragstern, ausschließlich Stockblock-Motoren mit einem Hubraum von 8.193,5 cm³ (500 cui) zum Einsatz. Die technischen Spezifikationen sowie die Leistungsdaten sind die gleichen. Aufgrund des etwas höheren Fahrzeuggewichtes liegen die Zeiten der Funny Cars geringfügig über denen der Top Fuel Dragster.

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