mini|hochkant=1.5|Asphaltierter Abschnitt der Eisenstraße (schwarze Linie), u. a. mit Bergen (braun), Gewässern (blau), Ortschaften (rot), Straßen (gelbe Linien) und Rothaarsteig (rote Linie)

mini|Die „Schöne Aussicht“ mit Blick auf die Siegerländer Rothaar-Borhöhen und den Kindelsberg (rechts) mini|Die Eisenstraße nahe der Siegquelle mini|Höchster Punkt im Lahn-Dill-Kreis – (Grenze von Nordrhein-Westfalen und Hessen) nahe höchster Eisenstraßenstelle () am Netphener Jagdberg

Die Eisenstraße im Rothaargebirge ist eine ehemalige Handels- und Fernverkehrsstraße im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen und im Lahn-Dill-Kreis in Hessen. Sie ist ein Teilstück der einst bedeutenden Fernhandels- und Messestraße zwischen Leipzig, Köln und Lüttich, der Brabanter Straße.

Die Straße überquert die Rhein-Weser-Wasserscheide. Sie führt in ihrem asphaltierten Teil, der 12,5 km lang ist, auf und im für den öffentlichen Kraftfahrzeugverkehr gesperrten Teil auf maximal auf Höhe.

Auch andere Straßen solcher Art in Deutschland und Österreich tragen den Namen Eisenstraße.

Geographie Lage Die Eisenstraße ist ein Höhenweg im Südteil von Rothaargebirge und Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Sie ist unter anderem Teil der Landesstraße 722 und verläuft auf ländlichen Waldgebieten, die größtenteils zur Stadt Netphen gehören; lediglich der nördlichste Teil liegt auf Hilchenbacher Stadtgebiet, im Südostteil berührt die Straße zunächst die Landesgrenze zu Hessen (Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Dietzhölztal) und geht ins Gebiet der Stadt Bad Laasphe über.

Die Eisenstraße passiert nacheinander Eder-, Sieg- und Lahnquelle.

Verlauf Die Eisenstraße zweigt bei Lützel (zu Hilchenbach) auf von der Bundesstraße 62 ab und führt anfangs nach Südosten zur zu Lützel gehörenden Siedlung Lützel. Historisch verlief der nördlichste Abschnitt allerdings über die heutigen Straßen Hohler Weg und Auf den Weißen Steinen, die nördlich der Siedlung in die jetzige Eisenstraße einmünden.Siehe Preußische Uraufnahme 1836–1850, zuschaltbar auf TIM online.

Nach deren Passieren der Siedlung verläuft die Eisenstraße südsüdostwärts auf dem Rothaarkamm im Bereich der Wasserscheide von Eder und Sieg und damit auch auf der Rhein-Weser-Wasserscheide. Sie führt vorbei an einem Feuchtbiotop, wo sich an einem Kleinzufluss der Eder in kleinen Kratern, die das Regionalforstamt des Kreises Siegen-Wittgenstein in den 1980er Jahren für den Naturschutz in den Boden sprengen ließ, mehr als ein Dutzend Teiche gebildet haben, zur nahe dem Forsthaus Hohenroth neben einer hohen gelegenen Stelle liegenden Kreuzung mit einer Kohlenstraße, einem ehemaligen Kohlenweg. Rund 100 m südöstlich vom dort befindlichen Parkplatz, von dem die Kohlenstraße zum Forsthaus und in entgegengesetzter Richtung zur nahen Ederquelle () führt, erreicht der asphaltierte Abschnitt der Straße Höhe.

Etwas später verlässt die Eisenstraße kurz vor dem Aukopf () für etwa 900 m ihres Verlaufs die L 722, um südwestlich an der Erhebung vorbeizuführen. Dann verläuft sie im Rahmen der L 722 zur Kreuzung mit der L 719 (), um kurz darauf am Abzweig einer nach Großenbach (zu Bad Laasphe) führenden Stichstraße die Siegquelle () zu passieren.

Danach führt die Eisenstraße in Richtung Süden vorbei an der Ilmquelle über die östlichen und südlichen Hochlagen des Grauhain (ca. ) vorbei am Lahnkopf () nach Lahnhof, wo neben der dort auf Höhe befindlichen Straße die Lahnquelle (Lahntopf; ca. ) liegt. Kurz darauf zweigt östlich der Stiegelburg () auf Höhe die entlang der Lahn verlaufende Lahn-Ferien-Straße ab.

Dann verlässt die Eisenstraße auf Höhe erneut die L 722, um sich fortan die ostwärts verlaufende Strecke ein Stück mit der von dort nach Heiligenborn (zu Bad Laasphe) führenden Kreisstraße 17 zu teilen. Kurz darauf verlässt sie die K 17 an einem Parkplatz mit trigonometrischer Punkt auf Höhe und führt als Waldweg erst ost- und ab einer hoch liegenden Stelle südostwärts zur westfälisch-mittelhessischen Grenze mit historischem Grenzstein, der neben einer Waldwegkreuzung nahe einem trigonometrischen Punkt () steht. Etwa 150 m ostnordöstlich des Steins und 120 m südlich vom Gipfel des Jagdbergs bei Netphen () erreicht die Eisenstraße bei einem auf Höhe liegenden trigonometrischen Punkt ihre insgesamt höchste Stelle; nebenan ist auf einem vierteiligen Schild zu lesen: Höchster Punkt im Lahn-Dill-Kreis – . Dort teilt sie sich den entlang der vorgenannten Grenze führenden Weg mit einer weiteren Kohlenstraße.

Diese Kohlenstraße verlassend führt die Eisenstraße südost- und leicht abwärts nach östlich des Weilers Sohl (zu Bad Laasphe),Die Preußische Uraufnahme zeigt, dass Sohl damals nur durch eine Sackgasse in Verlängerung der jetzigen Alten Eisenstraße erreichbar war, die auch heute noch Hauptverbindung zum Weiler ist. wo sie auf die K 36 trifft, der sie, unmittelbar nördlich des Fischelbachs (Sohler Bach), bachabwärts zum Dorf Fischelbach (ebenfalls Bad Laasphe) nach Osten folgt, um auf etwa an der Einmündung in die L 718 (Fischelbacher Straße) zu enden. Dieser letzte Abschnitt entlang der Kreisstraße hat gemeindeintern den Namen Alte Eisenstraße.

Naturräumliche Zuordnung Der asphaltierte Abschnitt der Eisenstraße liegt innerhalb der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Süderbergland (Nr. 33) in der Haupteinheit Rothaargebirge (mit Hochsauerland) (333): Er beginnt im Nordwesten an der B 62 bei Lützel im Naturraum Lützeler Paß (333.13), der zur Untereinheit Wittgensteiner Kammer (333.1) gehört, und verläuft als Teil der L 722 auf oder entlang der Grenze der Untereinheit Dill-Lahn-Eder-Quellgebiet (333.0) mit dem Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken im Osten zur Untereinheit Südwittgensteiner Bergland (333.2) im Westen. Der Asphaltteil endet im Südosten – zwischen der Stiegelburg im Westnordwesten und dem etwas entfernt befindlichen Netphener Jagdberg im Ostsüdosten – im Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken (333.01); und die eigentliche L 722 führt in Richtung Süden und abwärts nach Hainchen.

Berge Zu den Bergen und Erhebungen an oder nahe der Eisenstraße gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Jagdberg (Netphen) (675,9 m) Oberste Henn (675,9 m) – mit Sender Ederkopf Giller (653,7 m) – mit Gillerturm Jägerhain (650,7 m) – mit Siegquelle Ederkopf (650,0 m) – mit Ederquelle Aukopf (644,9 m) Rauher Kopf (Rauer Kopf; 640,7 m) Jagdberg (Erndtebrück) (639,0 m) Grauhain (ca. 638 m) Stiegelburg (637,8 m) Alte Burg (633,0 m) – mit Wallanlage Lahnkopf (624,9 m) – mit Lahnquelle Schloßberg (587,6 m) – mit Ruine Ginsburg

mini|Die Ilmquelle an der Eisenstraße im Rothaargebirge (Sommer 2013) mini|Lahnquelle (Lahntopf) in Lahnhof nahe dem Lahnkopf Rhein-Weser-Wasserscheide und Fließgewässer Entlang der über den Kamm des Rothaargebirges verlaufenden Eisenstraße, an der Eder-, Sieg- und Lahnquelle liegen, verläuft ein Teil der Rhein-Weser-Wasserscheide, ab dem Aukopf dann die rheininterne Sieg-Lahn-Wasserscheide.

Folgende Flüsse und Bäche entspringen nah der Eisenstraße (von Nord nach Süd) Netphe (10,8 km):fließt in westliche Richtungen zur Sieg, in die sie in Netphen mündet Obernau (6,3 km):fließt in südwestliche Richtung, durchfließt die Obernautalsperre und mündet in Netphen in die Sieg Nauholzbach (3,9 km):fließt in südwestliche Richtung zur von der Obernau durchflossenen Obernautalsperre Eder (176,1 km):fließt in überwiegend nordöstliche Richtung und speist den Edersee, bevor sie bei Edermünde in die Fulda mündet, die ab dem Zusammenfluss mit der Werra bei Hann. Münden die in die Nordsee mündende Weser bildet Benfe (11,2 km):fließt in überwiegend nördliche Richtung zur Eder, in die sie in Erndtebrück mündet Sieg (155,2 km):fließt in überwiegend westliche Richtung durch Siegen und Siegburg zum Rhein, in den sie bei Niederkassel-Mondorf mündet Ilm (2 km):fließt in östliche Richtung zur Lahn, in die sie südlich von Welschengeheu mündet Sindernbach (3,8 km):fließt in westliche Richtung zur Sieg, in die er in Walpersdorf mündet Lahn (245,6 km):fließt zunächst nach Osten, um bei Marburg nach Süden und bei Gießen in überwiegend westliche Richtung abzuknicken und durch Wetzlar und Limburg ebenfalls dem Rhein zuzufließen, in welchen sie in Lahnstein mündet Ilse (8,7 km):fließt in nördliche Richtung zur Lahn, in die sie in Feudingen mündet

Ortschaften Ortschaften an oder nahe der Eisenstraße sind (in Nordwest-Südost-Richtung betrachtet): Lützel (Straßenbeginn; zu Hilchenbach; mit Siedlung Lützel) Großenbach (zu Bad Laasphe; etwas abseits) Lahnhof (zu Netphen) Heiligenborn (zu Bad Laasphe; etwas abseits) Sohl (zu Bad Laasphe) Fischelbach (Straßenende; zu Bad Laasphe)

Klima mini|Eisenstraße bei der Siegquelle in Richtung Lahnhof mit Raueis am Geäst von Bäumen (Spätherbst 2014) Wegen der Höhe von zumeist mehr als Höhe und der Abgelegenheit in den Wäldern ist im Bereich der Eisenstraße ein besonders raues Klima vorzufinden. Die Winter können bis zu einem halben Jahr andauern, nicht selten werden an der Wetterstation vom Forsthaus Hohenroth Temperaturen von unter −15 °C gemessen. Die Sommer sind meist kühl (Höchsttemperaturen bis 25 °C) und niederschlagsreich. Die Durchschnittstemperatur im Umfeld der Eisenstraße beläuft sich auf etwa 6 bis 7 °C und der mittlere Jahresniederschlag im Umfeld des Forsthauses auf 1500 Liter/m². Auch mit rund 200 Nebeltagen pro Jahr zählt das Gebiet rund um die Straße zu den rauesten und kältesten Regionen Nordrhein-Westfalens.

Im Dezember 2014 wurden große Teile der Eisenstraße aufgrund von Schneebruch durch extreme Raueisbildung von bis zu 15 cm Länge gesperrt. Dieses entstand durch einige Tage lang anhaltenden Nebel bei leichtem Ostwind – besonders im Geäst der Bäume. Bodennah bildete sich kaum Raueis, da es dort wesentlich windgeschützter ist als in der Höhe. An weniger windgeschützten Orten – zum Beispiel beim und im auf einer Freifläche gelegenen Großenbach – hielt sich das Raueis deutlich länger. Ähnliche Ereignisse fanden zeitgleich im Westerwald, im Erzgebirge und auf der Schwäbischen Alb statt.

mini|Mit Wasser gefüllter Krater nahe der Eisenstraße Schutzgebiete Der asphaltierte Teil der Eisenstraße liegt in mehreren Schutzgebieten: Im Nordwesten verläuft er ab Lützel durch das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Rothaargebirge (CDDA-Nr. 386370; 1984 ausgewiesen; 60,4662 km² groß) und erreicht etwas nach der Siedlung Lützel das LSG Netphen (CDDA-Nr. 390136; 1985; 11,89074 km²), in dem er bis zum Ende verbleibt. Nahe der Siedlung Lützel führt er in einem LSG-losen Bereich durch das Naturschutzgebiet Rothaarkamm und Wiesentäler (CDDA-Nr. 329599; 1930; 8,9236 km²). Nahe dem Grauhain tangiert er die Westspitze des NSG Auerhahnwald (CDDA-Nr. 81326; 1934; 14,46 ha). Der gesamte Bereich des Asphaltteils südwestlich der Siedlung Lützel bis zum Ende verläuft im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Rothaarkamm und Wiesentäler (FFH-Nr. 5015-301; 34,4146 km²).

Bedeutung Die Eisenstraße in Südwestfalen bildet gemeinsame Wirtschaftsgeschichte des Märkischen Sauerlands, des Kreises Olpe und des Siegerlands ab, die Jahrhunderte zurückreicht.

Die Eisenstraße ist eine alte Handels- und Fernverkehrsstraße, die seit vorgeschichtlicher Zeit genutzt wurde. Sie ist Teilstück der einst im Hochmittelalter bedeutenden Leipzig-Kölner-Messestraße, auch Brabanter Straße genannt, weil sie bis nach Antwerpen führte. Dieser Fernhandelsweg führte über Erfurt und Marburg zum Kreuzungspunkt alter Fernwege beim Berg Angelburg im Schelderwald auf den langen Wasserscheiden über Siegen nach Köln.