Das Schulterblatt ist eine Straße in den Hamburger Stadtteilen Sternschanze und Eimsbüttel und gilt als Kern des Schanzenviertels. Es ist entstanden aus der Landstraße nach Eimsbüttel und lag im Grenzgebiet zwischen Altona und Hamburg. Von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg war es eine Einkaufs- und Vergnügungsstraße. Seit Mitte der 1980er Jahre hat es sich im Zuge einer Gentrifizierung mit mehreren umfangreichen Sanierungsprogrammen zu einem touristisch geprägten Anziehungspunkt entwickelt.

Name mini|hochkant|links|Gasthausschild Schulterblatt, Ursprung des heutigen Straßennamens, im Museum für Hamburgische Geschichte Der Name geht zurück auf ein Wirtshaus, das das Schulterblatt eines Wals als Aushängeschild benutzte, so dass die Straße ab etwa 1700 im Volksmund Beim Schulterblatt genannt wurde.Projektgruppe Wohnen im Stadtteil: Der Schulterblatt. Ein Viertel verändert sich. Hamburg 1982, S. 25.Interessanter alter Fund. In: Hamburger Nachrichten. 16. August 1884, S. 7, Digitalisat, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Germany - Public Domain. Das Wirtshaus selbst fand 1717 im Altonaer Grundbuch Erwähnung. Auf einer Karte zum Grenzvergleich zwischen Altona und Hamburg aus dem Jahr 1745 ist die Straße als Bey dem Schulter Blat eingetragen. Die offizielle Benennung in Schulterblatt erfolgte im Jahr 1841.Reinhold Pabel: Alte Hamburger Straßennamen. Edition Temmen, Bremen 2001.

Bis in die Nachkriegszeit wurde die Straße weitverbreitet der Schulterblatt genannt.Projektgruppe Wohnen im Stadtteil: Der Schulterblatt. Ein Viertel verändert sich. Hamburg 1982. Es handelte sich dabei um eine aus dem Missingsch übertragene Ungenauigkeit im Gebrauch des Genus. Diese Ausdrucksweise ist jedoch heutzutage weitgehend verschwunden, stattdessen wird grammatisch korrekt das Schulterblatt verwendet.

Lage und Verlauf Das Schulterblatt bildet zusammen mit der Budapester Straße, dem Neuen Pferdemarkt und der Eimsbütteler Chaussee einen Straßenverlauf, der der ehemaligen Landstraße von der Stadtgrenze Hamburgs am Millerntor in nordwestlicher Richtung bis nach Eimsbüttel entspricht. Die Straße selbst ist 800 Meter lang und liegt in den Stadtteilen Sternschanze, Altona-Nord und Eimsbüttel. Sie beginnt am nördlichen Ende des Neuen Pferdemarkts, an dem auch, nordöstlich abzweigend, die Schanzenstraße ihren Anfang nimmt, und verläuft in einem leichten Bogen nach Nordwesten. Nach 80 Metern mündet links die Lerchenstraße ein und nach etwa 300 Metern kreuzt der Straßenzug Juliusstraße/Susannenstraße. Im Anschluss verbreitert sich an der rechten Seite der Fußgängerbereich zu einem „Piazza“ genannten Platz.

Nach gut einhundert Metern münden auf der rechten Straßenseite die Rosenhofstraße und zwanzig Meter weiter auf der linken Straßenseite die Eifflerstraße. Anschließend unterquert die Straße eine Brücke der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn. Nach weiteren fünfzig Metern kreuzt der Straßenzug Max-Brauer-Allee/Altonaer Straße das Schulterblatt. In der Straßenmitte befindet sich seit der Neustrukturierung der Stadtteile im Jahr 2008 die Grenze zwischen den Stadtteilen Altona-Nord, Sternschanze und Eimsbüttel und damit zwischen den Bezirken Altona und Eimsbüttel. Unmittelbar nördlich davon zweigt schräg nach links die Eimsbütteler Straße ab, nach wenigen Metern auf der rechten Seite die Amandastraße. Das Schulterblatt verläuft dann 230 Meter weit im Bezirk Eimsbüttel und geht auf Höhe der Nagels Allee in die Eimsbütteler Chaussee über. Anstelle der ehemaligen Einmündung der Margarethenstraße (seit 1965 Margaretenstraße) gegenüber der Nagels Allee trennt auf der rechten Seite seit den 1960er Jahren lediglich ein Fußweg zwischen den Häuserzeilen den Straßenverlauf.

Grenzgebiet und Grenzverschiebungen mini|Ausschnitt der Grenzkarte von 1745, worauf die Grenzzeichen zwischen der Stadt Hamburg und Altona beschrieben mini|Grenzstein im Pflaster des Schulterblatts Die Gegend beim Schulterblatt war seit der Gründung Altonas im 16. Jahrhundert dessen nordöstliche Grenze, sowohl zum Hamburger Berg, der späteren Vorstadt St. Pauli, wie zu den Ländereien des St. Johannis-Klosters. Letztere umfassten den Heidberg von Heimichhude (die spätere Sternschanze), den Schäferkamp und das Dorf Eimsbüttel. Mit der Reformation kamen sie ab 1536 unter die Rechtsgewalt der Stadt Hamburg und standen unter der Verwaltung der Klosterstiftung. Als Grenze wurde dabei das Tal des Pepermöhlenbek angesehen, der zeitweise auch Borchgrave (Grenzgraben) genannt wurde.Dieser ist nicht mit dem gleichnamigen Bach zu verwechseln, der zwischen St. Pauli und Altona in die Elbe mündete und der Straße Pepermölenbek ihren Namen gab. Straßenverzeichnis St. Pauli Er entsprang am Grünen Jäger, verlief westlich der heutigen Bartelsstraße und Lindenallee und mündete in der Gegend der heutigen Marthastraße in die Isebek.Wilhelm Melhop: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1895–1920: unter Benutzung amtlicher Quellen. Hamburg 1923, S. 263.

Grenzstreitigkeiten waren an der Tagesordnung, bis es 1739 zwischen der damals unter dänischer Verwaltung stehenden, aber eigenständigen Stadt Altona und Hamburg zum Grenzvergleich kam. Dabei wurde der von Altonaer Seite beanspruchte Gebietszwickel Bey dem Schulter Blat aus der hamburgischen Umgebung ausgegrenzt. „Die alte Grenze zwischen Hamburg und Altona folgte […] einer Linie, die den Taleinschnitt des Pepermöhlenbek und die Westseite des Neuen Pferdemarktes verbindet. Dazwischen durchschnitt sie die Straßenblocks. Dort verlief entlang einer Palisade ein Kontrollgang, der teilweise heute noch sichtbar ist.“Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. 3. Auflage, Köln 1996, ISBN 3-7701-1590-2, S. 252; siehe auch: der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg: Gräntz-Charte, worauf die Gräntz-Zeichen zwischen der Stadt Hamburg und Altona beschrieben. Dieser Gebietszwickel ist in der heutigen Bebauung noch nachvollziehbar: er verläuft entlang der Schanzenstraße 1 bis 7, knickt ab in einer Hofeinfahrt zwischen der Schanzenstraße Nr. 7 und Nr. 23 (die dazwischenliegenden Hausnummern fehlen aus ebendiesem Grunde), zieht sich durch das Blockinnere schräg über den Hamburger Hof (Schulterblatt 24 a–h) und wird mit dem spitz zulaufenden Grundriss des Boardinghouses (Schulterblatt 36) aufgenommen.Info-Tafel für den ersten Grenzstein zwischen Altona und Hamburg mini|hochkant|links|Markierung des ehemaligen Grenzverlaufs: links Altona, rechts Hamburg Damit ergab sich für das Schulterblatt die Situation, dass im ersten Abschnitt die Grundstücke beidseitig, und ab Höhe der heutigen Hausnummer 49 bis zur Einmündung der Eimsbütteler Straße linksseitig zu Altona gehörten. Die rechte Straßenseite, ab der heutigen Hausnummer 58, hingegen war Klosterland. Die Grenze zu Eimsbüttel wiederum verlief von der heutigen Altonaer Straße schräg über das Schulterblatt entlang der Eimsbütteler Straße. Am 29. Dezember 1845 wurden die Grenzen der Vorstadt St. Pauli erweitert „durch die Hinzuziehung des ganzen ehemaligen Rosenhofs, so daß die Vorstadt bis an die Dorfschaft Eimsbüttel grenzte und eine gerade Linie in der Verlängerung der Westseite der Weidenallee diesen Zuwachs gegen die Sternschanze abschloß.“Cipriano Francisco Gaedechens: Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1880 bis 1895 (nebst vielen Nachträgen aus älterer Zeit). Mauke, Hamburg 1880–1895.

Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 und der damit einhergehenden Eingemeindung Altonas nach Hamburg kam es zu weiteren Gebietsverschiebungen. Die Grenze zwischen St. Pauli und Altona wurde auf der linken Straßenseite bis zur Juliusstraße und auf der rechten bis zur Bahnbrücke vorverlegt, der Abschnitt zwischen Juliusstraße und Bahnbrücke gehörte zum Stadtteil Altona-Altstadt, hingegen das Stück nördlich der Bahn bis hin zur Eimsbütteler Straße zu Altona Nord. Die linke Straßenseite von der Eimsbütteler Straße bis zur Nagels Allee und die rechte vom Bahndamm bis zur Einmündung Margaretenstraße wiederum waren Eimsbüttel zugehörig. Damit zog sich das Schulterblatt nicht nur durch vier Stadtteile, sondern unterstand auch der Verwaltung von drei verschiedenen Bezirken: Neben Altona und Eimsbüttel auch dem Bezirk Hamburg-Mitte für den St. Pauli-Abschnitt.

Mit dem Gesetz über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg wurde zum 1. März 2008 der neue Stadtteil Sternschanze geschaffen und dem Schulterblatt eine neue Zuordnung gegeben. Linksseitig bis zur Bahnbrücke und rechts bis zur Altonaer Straße gehört es nun zu ebendiesem neuen Stadtteil und damit wieder zu Altona. Der linksseitige Abschnitt nördlich der Bahn bis zur Eimsbütteler Straße verblieb bei Altona-Nord, der Eimsbütteler Teil beginnt ab der Eimsbütteler Straße und der Altonaer Straße.Karte Sternschanze des Statistischen Landesamtes (PDF; 637 kB), abgerufen am 10. Februar 2011.

Als Erinnerung an die Grenzziehung von 1739 befindet sich an dem Eckhaus Schulterblatt/Schanzenstraße, einem vierstöckigen Wohn- und Geschäftshaus der Gründerzeit, im reichhaltigen Fassadenschmuck oberhalb des zweiten Stockwerks zur Schanzenstraße hin das Hamburger und zum Schulterblatt das Altonaer Wappen, beide laubumkränzt und von Putten getragen. Einen weiteren Hinweis geben einige historische Grenzsteine mit der Markierung „A|H“, die in dem Abschnitt von der Einmündung Susannenstraße bis zur Bahnbrücke in das Gehwegpflaster aufgenommen sind. Sie stammen aus dem Jahr 1889, stehen unter Denkmalschutz und befinden sich vor den Hausnummern 88, 92 und 98.Liste der erkannten Denkmäler des Denkmalschutzamt Hamburg (PDF; 2,8 MB), abgerufen am 11. Februar 2011. Auf der zum Fußgängerbereich ausgebauten Piazza wird der ehemalige Grenzverlauf seit dem Jahr 2002 durch unterschiedliche Pflasterung hervorgehoben.

Geschichte Das Schulterblatt war Teil einer Landstraße, die spätestens seit dem 13. Jahrhundert bestand, auf der Höhe des späteren Millerntors vom Elbhöhenweg abzweigte und Richtung Eimsbüttel weiter nach Pinneberg verlief.Ernst Heinrich Wichmann: Der Hamburger Berg, Vorstadt St. Pauli. Historisch-topographisch dargestellt. Hamburg 1879. Das Gebiet stand ab dem 12. Jahrhundert im Eigentum der Grafen von Schauenburg und Holstein, die ständig in finanziellen Nöten steckend 1246 den Hamburger Berg und 1293 die Ländereien nordwestlich der Eimsbütteler Landstraße an das Kloster Herwardeshude, dem späteren St. Johanniskloster, verpfändeten. Das Gebiet südwestlich der Straße blieb Teil der Grafschaft Holstein, ging 1261 in die Grafschaft Holstein-Itzehoe und 1290 in die Grafschaft Holstein-Pinneberg über. Durch Erbfolge wurde der dänische König in Personalunion deutscher Reichsfürst über das Herzogtum HolsteinWitt, Jann: Frieden, Wohlstand und Reformen — Die Herzogtümer im dänischen Gesamtstaat. In: Witt, Jan und Vosgerau, Heiko (Hrsg.) Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart, Convent, Hamburg 2002. S. 222f., wodurch er ebenfalls Landesherr über Altona wurde und sich sein Herrschaftsbereich nun auch über den Altonaer Teil des Schulterblatts erstreckte. Mit Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1664 wurde das Schulterblatt zu Altonas nördlichem Grenzbereich.Projektgruppe Wohnen im Stadtteil: Der Schulterblatt. Ein Viertel verändert sich. Hamburg 1982, S. 12.Siehe die Stadtrechte auf Wikisource

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