mini|Logo der deutschsprachigen Ausgabe. Es wird international in Variationen verwendet. Indymedia oder auch Independent Media Center (IMC) (Unabhängiges Medienzentrum) ist ein globales Non-Profit-Netzwerk von Medienaktivisten und Journalisten im Internet, das sich als Teil des Graswurzel-Journalismus sieht. Indymedia ist aus den globalisierungskritischen Bewegungen hervorgegangen und im Spektrum der neuen sozialen Bewegungen beheimatet. Während es 2002 noch 90 unabhängige Websites vor allem in den USA, Kanada und Westeuropa sowie in Australien, Neuseeland, Lateinamerika und dem Nahen Osten gab,John D.H. Downing: The Independent Media Center Movement and the Anarchist Socialist Tradition. In James Curran, Nick Couldry (Hrsg.): Contesting media power : alternative media in a networked world. Rowman & Littlefield 2003, ISBN 978-0-7425-2385-2 sank die Zahl 2014 auf 68. Eva Giraud: Has radical participatory online media really 'failed'? Indymedia and its legacies. Convergence. 20 November 2014, doi:10.1177/1354856514541352
Im deutschsprachigen Raum gibt es seit 2001 Indymedia Deutschland und Indymedia Schweiz. Von August 2008 bis zum Verbot im Jahr 2017 existierte zudem „Indymedia Linksunten“. Die österreichische Plattform wurde im Juli 2012 eingestellt. Indymedia auf Deutsch wird als Austauschmedium auch für linksextremistische Inhalte bewertet und von Verfassungsschutzbehörden beobachtet.Rudolf van Hüllen in Dossier Linksextremismus (Bundeszentrale für Politische Bildung)Frankfurter Rundschau: Linke Szene streitet über BrandanschlägeGuido Heinen: Politiker vergeben Medienpreis an linksextreme Internet-SeiteViola Neu: Linksextremismus in Deutschland: Erscheinungsbildung und Wirkung auf JugendlicheBundesministerium des Innern: , S. 145 ff. Im August 2017 im Anschluss an den G20-Gipfel in Hamburg 2017 und die folgenden Debatten um linksradikale Gewalt wurde „Indymedia Linksunten“ in Deutschland verboten. Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat am 29. Januar 2020 mehrere Klagen gegen das Verbot des im Kontext des Verbots behaupteten Vereins abgewiesen, der die Plattform bis zum 25. August 2017 betrieben haben soll.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte den deutschsprachigen Ableger de.indymedia 2022 als „das derzeit wichtigste Informations- und Propagandamedium für die linksextremistische Szene im deutschsprachigen Raum“ ein.Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2022, S. 165
Entstehung und Zielsetzung mini|Indy-Center in Edinburgh während des G8-Gipfels im Juli 2005. Bei Großereignissen werden solche Medienzentren aufgebaut, die für alle Interessierten offen sind. Das aus heterogenen Gruppen bestehende Netzwerk betreibt nicht-kommerzielle Berichterstattung und versteht sich als Teil einer antikapitalistischen Bewegung. Den Grundstein für dieses Netzwerk legten Hacker und Journalisten Ende November 1999 durch die Berichterstattung über die Proteste anlässlich der Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der WTO in Seattle 1999. In: CNN, 2. Dezember 1999 Ziel ist kein objektiver Nachrichtenjournalismus, sondern eine subjektive Berichterstattung.Indymedia.de, die Internetseite für Aktivisten, will vernetzen. In: Der Freitag, 20. April 2001 Indymedia sieht sich als Plattform, die bestehende alternative Medienprojekte vernetzen will.
Ursprünglich wurden viele Artikel unter der Open Content Licence veröffentlicht. Seit 2004 können die Autoren zwischen verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen wählen oder die Beiträge als Public Domain freigeben. Das Logo ist nur für die nichtkommerzielle Verwendung lizenziert.
Indymedia steht gemäß eigener Grundsätze jedermann zur freien Verbreitung von Informationen zur Verfügung:
Verbreitung Mitte 2001 existierten etwa 50 administrativ und redaktionell unabhängige Indymedia-Ausgaben, darunter die deutscheAPO-Online: Die Opposition formiert sich neu im Netz. In: Heise/Telepolis, 16. März 2001, Ende 2002 rund 100 lokale Independent Media Center in 31 Ländern auf sechs Kontinenten. Anfang 2005 waren es 165 lokale Projekte sowie verschiedene globale Schwerpunktseiten z. B. zur Koordination von Übersetzungen, zu den Themen Ökologie oder Biotech oder zu Indymedia-Radio-Projekten, TV- und Videoprojekten, Zeitungsprojekten und zu Technik- und Netzwerkprozessen.
Das Land mit den meisten IMCs sind die Vereinigten Staaten von Amerika mit 60, gefolgt von Kanada mit zwölf. Während in den USA die IMCs lokal organisiert sind, gründeten sich in Europa und Lateinamerika zunächst landesweite Indymedia-Netzwerke. Die einzelnen Gruppen finanzieren sich selbstständig vorwiegend aus Spenden. Das Mitwirken an Indymedia ist dabei unentgeltlich.
Im deutschsprachigen Raum gibt es seit 2001 Indymedia Deutschland, Indymedia Schweiz, zudem gab es von August 2008 bis ins Jahr 2017 linksunten.indymedia. Von 2001 bis 2012 reduzierte sich das Kernteam von de.indymedia.org von 100 auf 15 Personen.Indymedia steht vor dem Aus. Vom modernen Netz überholt. In: TAZ, 30. November 2012 Die österreichische Plattform wurde im Juli 2012 stillgelegt. Nach einem Verbot „Linksunten.indymedia“: Innenministerium verbietet linksextreme Plattform, Spiegel Online, 25. August 2017 war die Subdomain linksunten.indymedia ab August 2017 ohne Inhalte verfügbar und ab September 2018 gar nicht mehr erreichbar.
Funktionsweise mini|Indymedia Cuiabá im freien Radio SBPC, 2004. Mato Grosso Universität, Cuiaba, Brasilien
Die IMCs betreiben sowohl Print- als auch Audio- und Videojournalismus, sind aber überwiegend durch ihre internetbasierten Nachrichten bekannt geworden: Die Internetseiten werden nach dem Open-Publishing-System erstellt, was bedeutet, dass dort jeder Informationen veröffentlichen kann. Es funktioniert wie ein Schwarzes Brett im Internet mit Moderation.Vereinsverbot ohne Verein, Kommentar von Alexander Nabert, Jungle World 31. August 2017 …das Schwarze Brett der außerparlamentarischen Linken…
Dadurch entspricht ein Teil der Veröffentlichungen nicht journalistischen Standards, Berichte sind subjektiv gefärbt, in Umgangssprache verfasst und spiegeln auch interne Debatten wider.
Deutschland Im Anschluss an die Proteste gegen das Treffen von IWF und Weltbank am 27. September 2000 in Prag, welches von Aktivisten auch über die zu dem Zeitpunkt schon vorhandenen Indymedias begleitet wurde, wurde Anfang 2001 die Indymedia Subdomain de.indymedia.org als sprachraum-weites IMC für deutschsprachige Artikel gegründet. Eine der die Gründung mit ermöglichenden Strukturen war das Hamburger Projekt Nadir., Analyse & Kritik, Zeitung für linke Debatte und Praxis Nr. 448 Als nächstes Großevent stand der Castortransport 2001 bevor.APO-Online: Die Opposition formiert sich neu im Netz von Stefan Krempl, Telepolis 16. März 2001 de.indymedia.org ist die älteste noch laufende Subdomain von Indymedia in deutscher Sprache.
Zwischen 2010 und 2012 überholte linksunten die Domain de.indymedia.org nach Beliebtheit und Nutzung. Gründe waren eine bequemere Nutzungsoberfläche, mehr Kategorien und eine breitere Zulassung politischer Strömungen, sowie das Ermöglichen von einfachen Veranstaltungsankündigungen.
Indymedia Deutschland will eine politische Alternative „zu den Mainstreammedien“ darstellen.Wie entstand die Idee von indymedia?, abgerufen am 19. Oktober 2018 auf der Seite von de.indymedia.org
Im deutschsprachigen Raum nutzten autonome Gruppierungen insbesondere Indymedia Linksunten auch zur Veröffentlichung von Bekennerschreiben, so zum Beispiel nach den Brandanschlägen auf Berliner Bahnanlagen 2011Anna Reimann: Brandsätze in Berlin – Linke Szene spottet über Bekennerschreiben. In: Spiegel Online, 11. Oktober 2011 und Sachbeschädigungen an der Bundeszentrale der SPD 2013 sowie an der Hamburger Messe im Vorfeld des G20-Gipfel in Hamburg 2017. Auch Anleitungen zum Bau von Molotowcocktails, Beleidigungen und Aufrufe zu Straftaten würden dort veröffentlicht, letztere nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums (2017) „nahezu täglich“. Artikel enthielten außerdem Drohungen gegen Personen des öffentlichen Lebens, z. B. wurde 2016 dem damaligen Berliner Innenminister Frank Henkel (CDU) aufgrund Gerüchte über die Räumung „besetzter“ Häuser, für die ein Mietvertrag bestand, angedroht: „Bei Räumung: Eine Million Sachschaden und Henkel in den Kofferraum.“
Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes habe die Moderation „in aller Regel, trotz Kenntnisnahme auch offensichtlich strafrechtlich relevanter Beiträge, keinen Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, diese Beiträge von der Website zu entfernen“.Die Zeit: Lauter, radikaler, kompromissloser, 26. August 2017 Auf Indymedia Linksunten wurden auch Realnamen von enttarnten Verdeckten Ermittlern offen genannt, etwa auf Fotos der Roten Flora, die in Tageszeitungen unkenntlich gemacht wurden.Rote Flora stellt verdeckte Ermittler an Plakat-Pranger im Hamburger Abendblatt oder Rache für Spionage: Polizisten-Pranger an der Roten Flora in: Hamburger Morgenpost, 22. August 2016.
Bei de.indymedia.org ist es üblich, dass Artikel zunächst auf einer „Openposting-Seite“ erscheinenhttps://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-958318 17. Juli 2023Linksunten Indymedia: Die Suche nach einer verbotenen Vereinigung, von Anna Biselli, Netzpolitik.org 3. August 2023 und dann, wenn sie den gerade aktiven Moderatoren gefallen und für wichtig genug gehalten wurden, in den „Newswire“ am rechten Rand auf die Startseite gestellt wurden. Es gab über die Jahre bei der deutschsprachigen Seite de.indymedia.org, Krisen, Relaunches und Änderungen des Ausbaus der Seite und der Kriterien. Anfänglich war das Hauptkriterium, dass es sich um selbstverfasste Berichte handeln sollte. Andere Posts wie Terminhinweise oder Kopien von Flugblättern, Medienberichten etc. wurden abgelehnt und deshalb im oberen Bereich mit Info-Kästen versehen, in denen u. a. erklärt wurde, dass derartige Posts unerwünscht seien. Auch wurden Posts gelöscht, je nach gerade aktiver Moderation.
All das hat sich über die Jahre geändert. Während es in den Anfangsjahren in der Mitte der Seite herausragende, lange ausführlich Artikel gab, die sogenannten „Specials“ und all die anderen Postings entweder im Hintergrund im „Open Posting“ verblieben, oder wenn akzeptiert, in den „Newswire“ auf der Startseite an den rechten Rand gehoben wurden, ersetzt mittlerweile ein „Blogwire“, mit Verlinkung von diversen Blogs den ehemaligen „Newswire“. Anstelle der „Specials“ in der Seitenmitte wird dort nun das präsentiert, was früher nur am rechten Rand im „Newswire“ zu sehen war.
Russland Am 1. Oktober 2001 wurde auf de.indymedia.org eine Erklärung von „einigen von Indymedia“ unter der Überschrift Indymedia-Russland und die Neue Rechte veröffentlicht.Indymedia-Russland und die Neue Rechte, von einige von Indymedia, 1. Oktober 2001 Sie beginnt mit: Wie sich herausgestellt hat, wird die russische Indymedia Seite (…russia.indymedia.org) von dem in neurechten und orthodox-traditionionalistischen Kreisen aktiven Wladimir Wiedemann alias Wladimir Guzman betrieben und zitiert und verlinkt damit ein vorhergegangenes Posting, in dem vor einer rechten Unterwanderung gewarnt wurde.Grenzenloses Eurasien, von Markus Mathyl, Jungle World, 30. Oktober 2002
Griechenland Die linksextremistische Terrororganisation Verschwörung der Feuerzellen veröffentlichte 2011 bei Indymedia Griechenland ihre Bekennerschreiben nach Sprengstoffanschlägen und nach dem Verschicken von Paketbomben.
Kritik Antisemitismusvorwürfe