Walther Gustav Theodor Wilhelm Rehm (* 13. November 1901 in Erlangen; † 6. Dezember 1963 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Literaturwissenschaftler.

Leben und Familie mini|Deckblatt der Münchner Dissertation von 1923 Walther Rehm entstammt einer alten, mittelfränkischen Familie. Er wurde als drittes Kind des Professors für Staatsrechtslehre Hermann Rehm (1862–1917) und dessen Frau Lina, geb. Birkner (1874–1908), in Erlangen geboren. Er verbrachte seine frühe Kindheit in Erlangen, ehe die Familie 1903 nach Straßburg im Elsass zog, wo Rehm einen Großteil seiner Schulzeit am Protestantinschen Gymnasium des Thomasstiftes verbrachte. Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs zog die Familie nach München, wo Rehm 1919 am Maximiliansgymnasium sein Abitur ablegte. Danach studierte er Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Greifswald.

Im November 1923 wurde Rehm in München bei Hans Heinrich Borcherdt mit einer Arbeit über Das Werden des Renaissancebildes in der deutschen Dichtung vom Rationalismus bis zum Realismus promoviert. Anschließend arbeitete Rehm bei Franz Muncker in München an seiner Habilitationsschrift Der Todesgedanke in der deutschen Dichtung vom Mittelalter bis zur Romantik. Probevortrag und Kolloquium im Juni 1926 scheiterten; der für November 1926 veranschlagte Wiederholungstermin wurde wegen des Todes Munckers zurückgestellt und fand erst im Juli 1928 unter Befürwortung von Walther Brecht statt.

Seit 1929 war Rehm Privatdozent für Neuere Deutsche Literaturgeschichte in München. Nach einer Lehrstuhlvertretung erhielt er 1938 einen Ruf als ordentlicher Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an die Universität Gießen. Von 1943 bis zu seinem Tode lehrte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Am 3. November 1940 hatte Rehm die Aufnahme in die NSDAP beantragt und wurde zum 1. Januar 1941 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.397.583).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34030147 Er war auch Mitglied im NS-Lehrerbund und der NSV.

Er war seit 1926 mit Else Rehm, geb. von Eck, verheiratet, einer Tochter des Wiesbadener Justizrats Adolf von Eck (1860–1923) und dessen Frau Franziska Catharine (Fanny), geb. Scholz. Sein Sohn war der Musikwissenschaftler Wolfgang Rehm.

Werk Zur Zeit des Nationalsozialismus vermochte sich Rehm in seinen wissenschaftlichen Arbeiten vom völkischen Zeitgeist zu lösen, indem er sich gezielt dem Unheroischen etwa in den Werken Dostojewskis, Kierkegaards und Jean Pauls zuwendete. Besonders einflussreich blieben seine Studien zum Nachleben der Antike (Griechentum und Goethezeit) sowie zum Totenkult bei Novalis, Hölderlin und Rilke (Orpheus. Die Dichter und die Toten). Schließlich war er auch als historisch-kritischer Editor tätig. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Edition der Briefe von und an Johann Joachim Winckelmann.

Mitgliedschaft in Gesellschaften und Akademien 1944 Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts 1956 korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.Walther Rehm Nachruf von Hugo Kuhn im Jahrbuch 1964 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (PDF-Datei). Mitglied der Winckelmann-Gesellschaft in Stendal

Ehrungen 1960 Winckelmann-Plakette der Stadt Stendal

Schriften (Auswahl) Das Werden des Renaissancebildes in der deutschen Dichtung vom Rationalismus bis zum Realismus. C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, München 1924 (Zugl.: München, Univ., Diss., 1923). Geschichte des deutschen Romans I. Vom Mittelalter bis zum Realismus. (Slg. Göschen Bd. 229) De Gruyter, Berlin/Leipzig 1927 Geschichte des deutschen Romans II. Vom Naturalismus bis zur Gegenwart. (Slg. Göschen Bd. 956) De Gruyter, Berlin/Leipzig 1927 Der Todesgedanke in der deutschen Dichtung vom Mittelalter bis zur Romantik. Niemeyer, Halle an der Saale 1928 (Zugl.: München, Univ., Habil.-Schr., 1928). Der Renaissancekult um 1900 und seine Überwindung. (1929)Walther Rehm bei leo-bw.de Jacob Burckhardt. ( Biographie ) von Walter Rehm . Verlag Huber Frauenfeld u. Leipzig 1930 Der Untergang Roms im abendländischen Denken. (1930 / 2. Aufl. 1966) Griechentum und Goethezeit. (1936 / 4. Aufl. 1969) Europäische Romdichtung. (1939 / 2. Aufl. 1969) Experimentum Medietatis. (1947) Neu herausgegeben in 2 Bänden unter den Titeln: Jean Paul und Dostojewski. Zur dichterischen Gestaltung des Unglaubens. (Kleine Vandenhoeck-Reihe) Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 1962 Gontscharow und Jacobsen oder Langeweile und Schwermut. (Kleine Vandenhoeck-Reihe) Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 1963 Kierkegaard und der Verführer (1949) Orpheus. Die Dichter und die Toten (1950) Nachsommer. Zur Deutung von Stifters Dichtung. (1951) Götterstille und Göttertrauer (1951). Aufsatzsammlung Begegnungen und Probleme. (1957) Späte Studien. (1964) Der Dichter und die neue Einsamkeit. Aufsätze zur Literatur um 1900. (1969)

Literatur Inge Auerbach: Catalogus professorum academiae Margburgensis. Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität Marburg. Zweiter Band: 1910 bis 1971. Elwert, Marburg 1979, ISBN 3-7708-0580-1, S. 589–590. Conrad Wiedemann: Walther Rehm (1901-1963). Germanist. In: Hans Georg Gundel, Peter Moraw, Volker Press (Hg.): Gießener Gelehrte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Band 2, Marburg: Elwert 1982, S. 745–754. pdf Hans Peter Herrmann: Rehm, Walther. In: Christoph König (Hrsg.), unter Mitarbeit von Birgit Wägenbaur u. a.: Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Band 3: R–Z. de Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-015485-4, S. 1473–1475.

Weblinks

Walther Rehm auf der Website der Universität Gießen Nachruf von Hugo Kuhn (PDF-Datei)

Einzelnachweise

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