Die Telenovela (spanisch und portugiesisch telenovela [], Fernsehroman, in brasilianischem Portugiesisch novelaCacilda M. Rêgo: Novelas, Novelinhas, Novelões: The Evolution of the (Tele)Novela in Brazil. In Global Media Journal. Volume 2, Issue 2, 2003, , ().) ist eine spezielle Form der Fernsehserie, die aus Lateinamerika stammt. Seit den 1980er Jahren sind Telenovelas auch in anderen Regionen der Welt bekannt – vor allem in Osteuropa, auf dem Balkan, in Nordafrika, China und den USA.

Geschichte Telenovelas haben ihren Ursprung im vorrevolutionären Kuba. Dort hörten – schon vor dem Aufkommen des Radios – Arbeiterinnen in den Zigarren-Manufakturen während der Arbeit vorgelesene Fortsetzungsromane, die sich aus den Unterbrechungen von Arbeitstag zu Arbeitstag ergaben. Die Tradition hat sich bis heute erhalten. 1930 übertrug man in Kuba zum ersten Mal eine Radionovela und arbeitete Romane in Hörspiele um.

Im 19. Jahrhundert waren Fortsetzungsromane auch in Europa bekannt und populär. Werke von Alexandre Dumas (Die drei Musketiere) und Charles Dickens (Oliver Twist) erschienen ursprünglich in Zeitungen und Zeitschriften. Für jede neue Ausgabe entstand eine Fortsetzung. Begeisterten die Geschichten die Leser, konnte der Autor länger am Roman schreiben und mehr verdienen.

In den 1950er Jahren entdeckte Lateinamerika den Fortsetzungsroman für das Fernsehen. Die erste Telenovela stammt aus dem Jahr 1950. Sua vida me pertence war eine brasilianisch-kubanisch-mexikanische Koproduktion und wurde zweimal wöchentlich ausgestrahlt. Senderos de amor (Kuba, 1951) und Ángeles de la calle (Mexiko, 1951) folgten und wurden einmal wöchentlich gezeigt. Senda prohibida, aus den Jahren 1957/58, von der Drehbuchautorin Fernanda Villeli war die erste Telenovela, die täglich gezeigt wurde. Die erste Telenovela, die einem breiteren, internationalen Publikum vorgestellt wurde, war Simplemente María (Peru, 1969).

Die erfolgreichsten Telenovela-Produktionen stammten und stammen aus Mexiko und Brasilien, wo sie zu den besten Sendezeiten laufen. In etwas geringerem Umfang sind Telenovelas auch in Argentinien, Venezuela (z. B. die auch in Deutschland gezeigte Telenovela Morena Clara), Chile und Kolumbien beliebt.

Die Telenovelas wurden zunächst nach Spanien, Portugal und Italien portiert, dann in die GUS-Staaten, die Republiken des ehemaligen Jugoslawien, Nordafrika und China. Lateinamerikanische Telenovelas, aus den Produktionsstätten Televisa (Mexiko) und Rede Globo (Brasilien), sind weltweit stärker verbreitet als US-amerikanische, australische und britische Seifenopern zusammen. Nicht selten laufen pro Kanal bis zu sechs verschiedene Telenovelas.

Die erfolgreichste Telenovela aller Zeiten, die in insgesamt 95 Länder exportierte Die Sklavin Isaura (Rede Globo, Brasilien), war auch die erste Fernsehsendung mit einer ausländischen Schauspielerin im chinesischen Fernsehen: 450 Millionen Chinesen verfolgten die Leiden der weißen Sklavin. Für die Hauptrolle erhielt Lucélia Santos, seither ein bekannter westlicher Star, dort den Goldenen Adler. In Polen ist Niewolnica Isaura die quotenstärkste Sendung, die je im Fernsehen lief. Im Durchschnitt kam die Telenovela auf eine Einschaltquote von 81 %, in Bestzeiten sogar 92 %.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs strahlte das russische Fernsehen die mexikanische Telenovela Los ricos también lloran aus. Die Serie erreichte 100 Millionen Zuschauer.

Die venezolanische Telenovela Kassandra gelangte ins Guinness-Buch der Rekorde – als meistexportierte spanischsprachige Produktion aller Zeiten. Kassandra lief in 128 Ländern, war die erste Telenovela, die in Japan ausgestrahlt wurde, und machte die Schauspielerin Coraima Torres weltberühmt.

1986 fiel in Mexiko wegen Überlastung landesweit der Strom aus, während das letzte Kapitel der Telenovela Cuna de Lobos lief. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2007, während der Ausstrahlung des letzten Kapitels von Paraíso Tropical, in Brasilien.

In Deutschland gab es bereits in den 1980er Jahren vereinzelt oft deutlich gekürzte lateinamerikanische Telenovelas zu sehen. Die Sklavin Isaura schnitt man von 100 auf 40 Kapitel zusammen.

Vom 1. November 2004 bis zum 5. Oktober 2005 lief mit Bianca – Wege zum Glück die erste deutsche Telenovela im Fernsehen.

Der Unterschied zwischen Telenovelas und Seifenopern Im deutschen Sprachgebrauch ersetzt das Wort Telenovela zunehmend das Wort Seifenoper, obwohl es sich um unterschiedliche Genres gehandelt hat.

Aufbau der Telenovela Klassisch erzählt die Telenovela aus der Perspektive der meist weiblichen Hauptfigur (Protagonista). Allerdings werden auch Telenovelas mit männlichen oder jugendlichen Hauptfiguren und Themen, die das gesamte Publikum ansprechen, produziert.

Bei Telenovelas wird normalerweise täglich ein Kapitel ausgestrahlt. Auch wird stets das Konzept des Cliffhangers verwendet: Ein Kapitel endet mit einem dramatischen Ereignis, der Ausgang bleibt zunächst offen. Das soll motivieren, am folgenden Tag wieder einzuschalten. Anders als Seifenopern haben Telenovelas einen klar definierten Anfang und ein vorher festgelegtes Ende. Normalerweise dauern sie mindestens vier Monate bis maximal ein Jahr (80–250 Kapitel), was jedoch von der Handlung abhängt.

Telenovelas sind auf einem großen Handlungsbogen angelegt. Die Nebenfiguren verknüpfen sich auf die eine oder andere Art stets mit einer der Hauptfiguren – somit auch die Neben- mit der Haupthandlung. Dies ermöglicht den sogenannten Multiplot, das heißt, mehrere Handlungsstränge können parallel erzählt werden. Die Hauptakteure bleiben hierbei leicht im Vordergrund. Da die einzelnen Figuren so manches Geheimnis nicht kennen, gibt es genügend Raum für Spannung, Dramatik, Tränen und glückliche Momente.

Aufbau der Seifenoper Eine Seifenoper verfolgt viele voneinander völlig unabhängige Handlungen gleichberechtigt auf unbegrenzte Zeit. Aufgrund des nie endenden Plots wechselt die Besetzung ständig. Seifenopern spinnen sich endlos von einem Handlungsbogen zum nächsten. Einzig sinkende Zuschauerzahlen können die Handlung einer Seifenoper beenden. In diesem Fall wird meist, aus Kostengründen, auf ein abgerundetes Ende verzichtet (z. B. Die Colbys – Das Imperium, Models Inc., Central Park West, Karussell der Puppen).

Bei den meisten anderen Fernsehserien dagegen stellt jede Episode eine neue Handlung dar. Es gibt kaum Cliffhanger, und die einzelnen Episoden sind in sich abgeschlossen (z. B. Unsere kleine Farm).

Charakteristikum der Telenovela Für Telenovelas ist der stark hervorgehobene Melos im Drama charakteristisch. Neben dem Gesprochenen untermalt entsprechende Mimik (stumme Begleitmusik) dramatische Situationen. Tiefe Emotionen, die Mimik nicht ausdrücken kann, werden durch Musik unterstrichen. Besonders die Gedanken der Figuren – meist die der weiblichen Hauptfigur – werden in einem sogenannten Voiceover gesprochen. Das Stilmittel soll die Genreverwandtschaft zu einer geschriebenen Romanerzählung ausdrücken.

Handlungslinien von Telenovelas Die Telenovela greift gern zu Märchenmotiven. Besonders beliebt sind Schneewittchen- (die böse Stief- oder Schwiegermutter macht dem guten Mädchen das Leben schwer) und Aschenputtelvarianten (das arme Mädchen sucht sein Glück bei einem begüterten Mann). Gleichermaßen werden auch Telenovelas zu aktuellen, zeitkritischen Thematiken gedreht, die die emanzipierte Karrierefrau zeigen. Gerne zeigt man auch, wie sich Arbeiterklasse und sogenannte gehobene Gesellschaft unterscheiden. Oder auch Rassenkonflikte, wie zum Beispiel in der Telenovela Gitanas, in der es um „Zigeunerinnen“ geht. Die Telenovela O Clone handelt von der Liebe zwischen der Muslimin Jade und dem Christen Lucas; Drogenmissbrauch und Klonen sind ebenfalls Bestandteile der Handlung. Mit Okkultismus setzen sich die Charaktere in La Chacala auseinander. In den Telenovelas Lacos de familia und De cuerpo y alma stehen jeweils eine leukämie- und eine herzkranke junge Frau im Mittelpunkt. Während die Heldin in Abrázame muy fuerte oder Esmeralda blind ist, befasst sich Cristal mit Brustkrebs. In Yo soy Betty, la fea schaltet sogar eine unattraktive, aber kluge Frau ihre verführerische Konkurrenz aus. In Los hijos de nadie stehen Straßenkinder im Mittelpunkt. Die Telenovela Nada personal thematisierte auch die hohe Kriminalität in Mexiko. Das Finale von Machos – la brutal pasión de siete hermanos aus Chile, mit Männern in den Hauptrollen, verfolgten über 60 % aller Fernsehzuschauer, auf dem Sender Canal 13. Auch die argentinische Telenovela Rebelde Way mit Jugendlichen als Hauptakteuren war erfolgreich.

Während die meisten anderen lateinamerikanischen Produktionen weiterhin auf archetypische Handlungslinien setzen, werden in Brasilien gerne innovative und kritische Themengebiete angeschnitten. Auf dem Sender Rede Globo hat sich folgendes Muster eingebürgert:

18:00 Uhr – Geschichten aus der Kolonialzeit, Sklaverei, Immigrationszeit, in der Regel mit einem romantischen Hauch. 19:00 Uhr – Zeitgemäße Geschichten, gelegentlich mit ein wenig Humor, Komplotte, Rache und Intrigen. 20:00 Uhr – Novela das Oito (Acht-Uhr-Novela) – auf dem Sendeplatz wird die Telenovela ausgestrahlt, von der man sich den größten Erfolg verspricht. Oft werden sozialkritische Themen wie Abtreibung, Menschenklonen, Behinderungen, Korruption, Prostitution, Drogenmissbrauch, Kriminalität, Diskriminierung genutzt.

Im Regelfall gibt es ein Happy End.

Die Produktion von Telenovelas Vorgehensweisen, Techniken Telenovelas werden auf zweierlei Art produziert: Die erste führte der Chilene Valentin Pimstein bei mexikanischen Telenovelas ein: Man arbeitet mit offenen Drehbüchern und dreht vorerst 30 bis 50 Folgen. Während sie ausgestrahlt werden, finden Umfragen bei den Zuschauern statt. So können die Autoren auch nach deren Wünschen neue Figuren und zusätzliche Verwicklungen herbeirufen. Die zweite stammt ebenfalls von einem Mexikaner – Ernesto Alonso. Die Telenovela wird vollständig abgeschlossen. Bei großer Publikumsresonanz kann man nachträglich im Mittelteil Kapitel ergänzen. So wurde die Telenovela Salomé von den ursprünglichen 150 Kapiteln auf 180 aufgestockt. Produktionen mit wenig Erfolg lassen sich kürzen, um attraktive Sendeplätze nicht zu blockieren.

Im Unterschied zu deutschen Telenovela- und Seifenoper-Produktionen wenden die lateinamerikanischen Telenovela-Produktionsfirmen oft hohe Summen für Kulissen, Kostüme, Make-up und Styling auf. Gleichermaßen machen sie öfter Außenaufnahmen und achten auf schöne Landschaftsaufnahmen. Man setzt auf bekannte und angesehene Schauspieler statt auf anonyme Newcomer. Fernando Colugna, Victoria Ruffo, César Évora, Helena Rojo, Thalía, Gabriela Spanic und Lucélia Santos sind nur einige von ihnen. Bei Seifenopern wäre eine solche Produktion auf Dauer zu teuer.

Da Telenovelas ein rasches Tempo einhalten müssen, arbeiten sie mit anderen Produktionsmethoden als gewöhnliche Serien. Studios mit besonders hoher Produktion setzen Souffleure ein. Die Schauspieler haben ein kleines Hörgerät im Ohr, das ihnen den Text und die dazugehörige Mimik und Gestik zuflüstert. Das erspart den Akteuren das Lernen von Text und häufiges Wiederholen misslungener Szenen. Im anderen Ohr befindet sich das Mikrophon. Das beugt zeitaufwendigen Synchronisationen bei Problemen mit der Tonaufnahme vor. Im Durchschnitt muss bei einer lateinamerikanischen Telenovela 43–50 Minuten sendefähiges Material pro Drehtag produziert werden. Bei einer deutschen Seifenoper wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten sind es nur 25 Minuten, die man pro Drehtag erreichen muss. Für übliche, einmal wöchentlich ausgestrahlte Fernsehserien, wie zum Beispiel In aller Freundschaft, rechnet man wiederum im Durchschnitt mit einer Woche Drehzeit pro Folge (10–12 Minuten pro Drehtag).