Bei den XIX. Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City fanden acht Wettbewerbe im Shorttrack statt. Austragungsort war das Salt Lake Ice Center.
Die erfolgreichsten Shorttracker der Wettkämpfe waren die Chinesin Yang Yang (A) und Marc Gagnon aus Kanada, die jeweils zwei Goldmedaillen gewannen. Für besonderes Aufsehen sorgten das 1000-Meter-Rennen und das 1500-Meter-Rennen der Männer: Über 1000 Meter siegte überraschend der australische Außenseiter Steven Bradbury nach einem Massensturz der favorisierten Athleten kurz vor dem Ziel; über 1500 Meter wurde der Südkoreaner Kim Dong-sung disqualifiziert, nachdem er die Ziellinie als Erster überquert hatte.
Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 2 2 3 7 2 2 2 – 4 3 2 1 3 6 4 1 1 1 3 5 1 – – 1 6 – 1 1 2 8 – 1 – 1
Medaillengewinner Männer Konkurrenz Gold Silber Bronze 500 m Marc Gagnon Jonathan Guilmette Rusty Smith 1000 m Steven Bradbury Apolo Anton Ohno Mathieu Turcotte 1500 m Apolo Anton Ohno Li Jiajun Marc Gagnon 5000 m Staffel Éric Bédard Marc Gagnon Jonathan Guilmette François-Louis Tremblay Mathieu Turcotte Michele Antonioli Maurizio Carnino Fabio Carta Nicola Franceschina Nicola Rodigari An Yulong Feng Kai Guo Wei Li Jiajun Li Ye Frauen Konkurrenz Gold Silber Bronze 500 m Yang Yang (A) Ewgenija Radanowa Wang Chunlu 1000 m Yang Yang (A) Ko Gi-hyun Yang Yang (S) 1500 m Ko Gi-hyun Choi Eun-kyung Ewgenija Radanowa 3000 m Staffel Choi Eun-kyung Choi Min-kyung Joo Min-jin Park Hye-won Sun Dandan Wang Chunlu Yang Yang (A) Yang Yang (S) Isabelle Charest Marie-Ève Drolet Amélie Goulet-Nadon Alanna Kraus
Hintergrund Organisation mini|Außenansicht des Delta Centers im Jahr 2005 Die olympischen Shorttrack-Wettbewerbe von 2002 fanden wie auch die Eiskunstlauf-Entscheidungen im Delta Center statt, das für die Dauer der Spiele den Namen Salt Lake Ice Center trug. Das IOC untersagte Delta Air Lines als Namensrechtspartner des Veranstaltungsortes, den Namen während der Veranstaltung zu verwenden.Michael McCarthy: IOC rules rechristen Delta Center ; Venue is Salt Lake Ice Center while Games played. In: USA Today, 21. Februar 2002, S. B03. Abgerufen am 4. Januar 2022 via ProQuest. Die 1991 erbaute Mehrzweckhalle, die abseits der Winterspiele Heimat des NBA-Teams Utah Jazz war, fasste während der Shorttrack-Veranstaltungen 17.500 Zuschauer. Alle Tickets wurden verkauft – anwesend waren im Schnitt an jedem der vier Wettkampfabende knapp 15.000 Zuschauer. Insgesamt zählte das Organisationskomitee laut offiziellen Angaben 59.878 Besucher.Salt Lake Organizing Committee: Salt Lake 2002 : Official Report of the XIX Olympic Winter Games. Salt Lake City, 2002, Band 1, S. 93–94.
Als Chefschiedsrichter für die Männerwettkämpfe fungierte der Australier James Hewish, bei den Frauenrennen übernahm Gérard Matusalem aus Frankreich diese Rolle. Sowohl Hewish als auch Matusalem arbeiteten gemeinsam mit einem Team aus vier weiteren Schiedsrichtern. Die Internationale Eislaufunion (ISU) wurde durch die Technischen Delegierten Chang Myong-hi aus Südkorea und John Hall aus Großbritannien vertreten.Ergebnisse der Shorttrack-Wettbewerbe im Official Results Book der Olympischen Winterspiele 2002, S. 4.
Qualifikation Ausschlaggebend für die Zahl an Teilnehmern, die ein Nationales Olympisches Komitee (NOK) zu den Shorttrack-Wettbewerben entsenden durfte, waren die Ergebnisse eines von der ISU ausgerichteten Qualifikationsturniers in Salt Lake City vom 25. bis zum 28. Oktober 2001. Abhängig davon, wie viele Athleten sich unter den besten 32 Sportlern des Mehrkampf-Klassements bei dem Qualifikationsturnier platzierten, durfte ein NOK einen oder zwei Shorttracker bei den olympischen Einzel-Wettbewerben einsetzen. Das Qualifikationsturnier entschied ausschließlich über die Zahl der Startplätze eines Landes, nicht darüber, welche Athleten sich für eine Olympiateilnahme qualifizierten. Zusätzlich waren die besten acht Staffeln des Auswahlturniers berechtigt, beim olympischen Staffelwettbewerb anzutreten. Dafür durfte jedes qualifizierte Team fünf Athleten anmelden, von denen vier in einem Rennen eingesetzt werden durften. Die maximale Teamgröße eines Landes lag bei sechs Männern und sechs Frauen (zuzüglich eines Trainers und eines Mannschaftsführers). auf isu.org.
Bis zum 28. Januar 2002 mussten die NOK die Namen der Athleten, die sie für die Winterspiele aufstellten, an das Organisationskomitee weiterleiten. auf isu.org.
Teilnehmer und Favoriten mini|Porträt Apolo Anton Ohnos aus dem März 2002 Im Gastgeberland der Spiele von Salt Lake City stand der 19-jährige Apolo Anton Ohno im Vorfeld der olympischen Wettbewerbe unter verstärkter Beobachtung: Die Sportzeitschrift Sports Illustrated widmete ihm das Cover ihrer Olympia-Ausgabe, er nahm eine prominente Position in der vorolympischen Berichterstattung von NBC ein und wurde auch wegen seiner Ausstrahlung als Zuschauermagnet betrachtet. Ohno hatte im Winter 2000/01 die Weltcup-Gesamtwertungen aller Strecken gewonnen und galt einigen US-Medien als Kandidat für vier Goldmedaillen.John Slack: Not Sporting: The Short Track Racing Incident. In: David Straub (Hrsg.): Anti-Americanism in democratizing South Korea. 2015, S. 136–137. Zu den stärksten Konkurrenten Ohnos gehörten die Südkoreaner um den 1000-Meter-Olympiasieger von 1998 Kim Dong-song. Kim hatte im Weltcup 2001/02 – bei dem Ohno nur zu einer von fünf Veranstaltungen angetreten war – drei von vier Gesamtwertungen für sich entschieden. Zudem handelten die Medien auch den mehrfachen chinesischen Weltmeister Li Jiajun und die Athleten des kanadischen Teams um Marc Gagnon als potentielle Olympiasieger.Who'll Win: Can Jean Racine and Gea Johnson overcome controversy to take the first women's bobsledding gold? Will there be any big surprises? Here are SI's fearless medal picks. In: Sports Illustrated. 4. Februar 2002. Abgerufen am 2. Januar 2022; And the Winners Will Be ...; From alpine to short-track, The Associated Press writers pick the following for medals at the Salt Lake City Winter Olympics. In: The Record [Kitchener, Ontario], 7. Februar 2002, S. F5. Abgerufen am 31. Dezember 2021 via ProQuest.
Bei den Frauen nahm vor allem die Chinesin Yang Yang (A) die Favoritenstellung ein: Sports Illustrated und die Journalisten der Associated Press trauten ihr jeweils Gold- und Silbermedaillen in allen vier Rennen zu, Sports Illustrated sah sie dabei als dreifache Olympiasiegerin. Von 1998 bis 2001 hatte Yang viermal in Folge den Weltmeistertitel im Mehrkampf errungen und war im Winter 2001/02 ebenfalls zum vierten Mal hintereinander Siegerin des Gesamtweltcups geworden. Weitere Sieganwärterinnen waren ihre gleichnamige Teamkollegin Yang Yang (S) und die Bulgarin Ewgenija Radanowa. Das südkoreanische Frauenteam war im Vergleich zum chinesischen international wesentlich jünger und unerfahrener, weswegen seine Erfolgsaussichten ungewisser als die der südkoreanischen Männer eingeschätzt wurden.John Slack: Not Sporting: The Short Track Racing Incident. In: David Straub (Hrsg.): Anti-Americanism in democratizing South Korea. 2015, S. 136.
Insgesamt traten 111 Athleten aus 26 Nationen zu den olympischen Shorttrack-Wettkämpfen von Salt Lake City an. Darunter befanden sich fünf deutsche Frauen (Aika Klein, Yvonne Kunze, Ulrike Lehmann, Christin Priebst und Susanne Rudolph) sowie zwei deutsche Männer (André Hartwig und Arian Nachbar) – anders als die Männer hatten sich die Frauen auch mit der Staffel qualifiziert. Aus Österreich und der Schweiz traten keine Shorttracker an. Die Hongkongerinnen Christy Ren und Cordia Tsoi waren die ersten Sportler ihres Landes bei Olympischen Winterspielen.Ice breaker: Tufts Freshman Ren ushers Hong Kon into new arena. In: Boston Globe, 26. Dezember 2001, S. E5. Abgerufen am 5. Januar 2002 via ProQuest. Tsoi war eine von drei Shorttrack-Läufern, die bei der Eröffnungsfeier Fahnenträgerin ihrer Mannschaft waren: Neben Hongkong ließen auch Belgien mit Simon Van Vossel und die Vereinigten Staaten mit Amy Peterson ihre Delegationen beim Einmarsch der Nationen von Shorttrackern anführen.Flagbearers for 2002 Winter Olympics auf olympedia.org. Abgerufen am 5. Januar 2022. Insbesondere Peterson als Fahnenträgerin des Gastgebers kam dabei große Aufmerksamkeit zu.Jay Weiner: Leading lady; Unassuming Amy Peterson reaches her Olympic peak. In: Star Tribune [Minneapolis, Minnesota], 9. Februar 2002, S. 01C. Abgerufen am 5. Januar 2022 via ProQuest.
Zeitplan Zeitplan Disziplin Fr.8. Sa.9. So.10. Mo.11. Di.12. Mi.13. Do.14. Fr.15. Sa.16. So.17. Mo.18. Di.19. Mi.20. Do.21. Fr.22. Sa.23. So.24. Februar 20px Eröffnungs- und Schlussfeier Männer 500 m 20px|Medaillenvergabe 1000 m 20px|Medaillenvergabe 1500 m 20px|Medaillenvergabe 5000 m Staffel 20px|Medaillenvergabe Frauen 500 m 20px|Medaillenvergabe 1000 m 20px|Medaillenvergabe 1500 m 20px|Medaillenvergabe 3000 m Staffel 20px|Medaillenvergabe Farblegende
Die Shorttrack-Wettbewerbe fanden an vier Wettkampftagen statt, jeweils am Mittwochabend und am Samstagabend während der beiden Wochen, die die Olympischen Spiele andauerten. (An den anderen Tagen der Spiele wurde das Salt Lake Ice Center für die Eiskunstlauf-Veranstaltungen benötigt.)Salt Lake Organizing Committee: Salt Lake 2002 : Official Report of the XIX Olympic Winter Games. Salt Lake City, 2002, Band 1, S. 41. Mit Ausnahme des 1000-Meter-Wettbewerbs und der Staffeln wurden alle zu einem Wettkampf gehörenden Rennen an einem Tag ausgetragen.
Ergebnisse Männer 500 m Platz Land Sportler Zeit (s) 1 Marc Gagnon 41,802 2 Jonathan Guilmette 41,994 3 Rusty Smith 42,027 4 Feng Kai 42,112 5 Satoru Terao 42,219 6 Kim Dong-sung 42,076 7 Wim De Deyne 42,961 8 Takafumi Nishitani 42,535 15 Arian Nachbar 43,626 Datum: 23. Februar 2002, 20:10 Uhr
Der bis dahin bestehende olympische Rekord wurde bereits in der Vorrunde unterboten. Für Aufsehen sorgte die Disqualifikation von Publikumsliebling Apolo Anton Ohno, weil er Satoru Terao behindert hatte. Im Finale führte zunächst Rusty Smith, der US-Amerikaner wurde aber in der letzten Runde erst von Marc Gagnon und dann von Jonathan Guilmette überholt.
1000 m Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Steven Bradbury 1:29,109 2 Apolo Anton Ohno 1:30,160 3 Mathieu Turcotte 1:30,563 4 Ahn Hyun-soo 1:32,519 5 Kim Dong-sung 1:35,582 6 Fabio Carta 1:35,589 7 Naoya Tamura 1:35,823 8 Li Jiajun 23 Arian Nachbar 1:33,585 Datum: 16. Februar 2002, 20:45 Uhr
Der Olympiasieg des australischen Shorttrackers Steven Bradbury war einer der kuriosesten der olympischen Geschichte. Bradbury qualifizierte sich nur für das Finale, weil in der letzten Kurve andere Athleten stürzten. Im Finale lag Bradbury in der letzten Runde weit zurück; da aber in der letzten Kurve erneut ein Athlet stürzte und alle bis auf Bradbury dabei mitriss, konnte dieser ungehindert über die Ziellinie laufen. Er war damit der erste australische Goldmedaillengewinner bei Winterspielen.
1500 m Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Apolo Anton Ohno 2:18,541 2 Li Jiajun 2:18,731 3 Marc Gagnon 2:18,806 4 Fabio Carta 2:18,947 5 Bruno Loscos 2:19,587 6 Rusty Smith 2:27,155 7 Guo Wei 2:27,376 8 Cees Juffermans 2:27,611 15 André Hartwig 2:22,541 Datum: 20. Februar 2002, 20:15 Uhr
Der Südkoreaner Kim Dong-sung überquerte die Ziellinie im Finale als Erster, wurde aber disqualifiziert, weil die Schiedsrichter eine Behinderung Apolo Anton Ohnos erkannten. Die Disqualifikation Kims wurde kontrovers diskutiert und insbesondere in Südkorea als ungerechtfertigt empfunden.
5000 m Staffel