mini|Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin] Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin] (* 19. März 1851 in Ludwigslust; † 10. April 1897 in Cannes, Frankreich; vollständiger Name: Friedrich Franz Paul Nikolaus Ernst Heinrich) war von 1883 bis 1897 Großherzog im Landesteil Mecklenburg-Schwerin.
Lebensweg mini|Erbgroßherzog Friedrich Franz in den frühen 1880er Jahren mini|Großherzog Friedrich Franz III. (um 1885)|alternativtext= mini|Anastasia, Großherzogin von Mecklenburg [-Schwerin], Großfürstin von Russland, Gemahlin von Großherzog Friedrich Franz III. Schulzeit und Studium Friedrich Franz III. wurde als erstgeborener Sohn von Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin und Großherzogin Auguste im Schloss Ludwigslust geboren, die bereits 1862 vermutlich an Tuberkulose starb.Jürgen Borchert: Mecklenburgs Großherzöge. 1815–1918, Schwerin 1992, S. 74. Friedrich Franz III. besuchte nach häuslicher Erziehung und PrivatunterrichtFriedrich Franz II. stellte seinem Sohn ab 1865 den Privatlehrer Carl Schröder zur Seite, der auch als Reisebegleiter fungierte. ab Herbst 1866 das öffentliche Vitzthumsche Gymnasium in DresdenCarl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 63–64., das 1861 aus der Blochmannschen Erziehungsanstalt hervorgegangen war. Friedrich Franz erinnerte sich später gerne an seine Schulzeit zurück.Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 356. Im März 1870 legte er sein Abitur ab. Es schloss sich eine Reise nach Italien an, von der er am 15. Mai zurückkehrte.
Ende Mai 1870 reiste Friedrich Franz nach Bonn, um sein Jura-Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu beginnen.Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 63. Hier schloss er sich auch der Studentenverbindung Corps Borussia Bonn an, das ihn 1870 rezipierte.Kösener Korps-Listen von 1798 bis 1910, S. 47, 19. Borussia Bonn, 469. Großherzog Friedrich Franz III. zu Mecklenburg. Die Studienzeit in Bonn endete im Sommer 1873.
Auslandsaufenthalte Seinen ersten längeren Auslandsaufenthalt verlebte der Erbgroßherzog von 1864 bis 1866 in Bagnères-de-Bigorre. Das dortige gebirgige Klima sollte dem an Bronchialasthma leidenden 13-jährigen Linderung verschaffen.
1874 und 1875 reiste der Erbgroßherzog durch den Vorderen Orient, besuchte Kairo und die Stätten der Pharaonen, er bereiste den Sinai und das Heilige Land und machte danach Station in Konstantinopel.Jürgen Borchert: Mecklenburgs Großherzöge. 1815–1918, Schwerin 1992, S. 86. Auf der neunmonatigen Reise begleitete ihn sein langjähriger Vertrauter Carl Schröder.Wolfgang Golther: Nachruf Carl Schröder. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Nr. 81 (1917), S. 117 (Digitalisat).
Auch nach Indien reiste die großherzogliche Familie. So verbrachten der Großherzog und seine Frau den ausklingenden Januar des Jahres 1885 in Kalkutta, wo sie als Gäste des britischen Generalgouverneurs und Vizekönigs in Indien Lord Dufferin und seiner Frau Hariot Hamilton-Temple-Blackwood verweilten.Hariot Hamilton-Temple-Blackwood: Our Viceregal Life in India: Selections from my Journal, 1884–1888. Volume I. John Murray, London 1890, S. 44–49 (Digitalisat).
Ehe und Nachkommen mini|Großherzogin Anastasia mit ihren Kindern Friedrich Franz IV., Alexandrine und Cecilie um 1895 Am 24. Januar 1879 heiratete Friedrich Franz III. in Sankt Petersburg die Großfürstin Anastasia von Russland (1860–1922), die einzige Tochter des Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow (1832–1909) und seiner Ehefrau Prinzessin Cäcilie von Baden (1839–1891), Enkelin des russischen Zaren Nikolaus I. In der Ehe wurden drei Kinder geboren: Alexandrine (1879–1952) ⚭ 1898 König Christian X. von Dänemark (1870–1947) Friedrich Franz IV. (1882–1945) ⚭ 1904 Alexandra von Hannover und Cumberland (1882–1963) Cecilie (1886–1954) ⚭ 1906 Wilhelm von Preußen (1882–1951)
Die Erstgeborene erhielt bei ihrer Geburt im Jahr 1879 den Namen Alexandrine nach der Großmutter des Großherzogs, der Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise. Alexandrine wurde später Königin von Dänemark.
Das zweite Kind war dann im Jahr 1882 der erhoffte Thronerbe, der seinem Vater später als Friedrich Franz IV. nachfolgen sollte.Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus. Hinstorff, Rostock 2009, S. 27.
Schließlich wurde im Jahr 1886 Cecilie geboren, die sich am 4. September 1904 mit Kronprinz Wilhelm von Preußen, Sohn Kaiser Wilhelms II., im Jagdschloss Gelbensande verlobte.
Regierungsgeschäfte und Krankheit Am 15. April 1883 verstarb der Großherzog Friedrich Franz II. an den Folgen einer Lungenentzündung.
Aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen konnte Großherzog Friedrich Franz III. die Regierungsgeschäfte zu diesem Zeitpunkt noch nicht übernehmen und betraute daher das Staatsministerium in Schwerin mit der Führung der Regierungsgeschäfte. Auch die Anreise zur Beerdigung seines Vaters war ihm nicht möglich. In Menton an der Côte d’Azur, wo sich der Großherzog aufhielt, fand daher in der dortigen deutsch-evangelischen Kirche ein Trauergottesdienst statt.Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 213.
Der Großherzog Friedrich Franz III. litt an Asthma und an einer Herzschwäche.Valentina Grigorian: Die Romanows und die Mecklenburger Fürsten, Treue Pflegerin an vielen kranken Tagen: die Zarennichte Anastasia, Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin. Verlag Demmler, Schwerin 2007, S. 114 f. Den größten Teil seiner Regierungszeit verbrachte er am Genfersee, bei seiner Stiefmutter Marie von Schwarzburg-Rudolstadt in Palermo, in Baden-Baden sowie in Cannes und ließ General Friedrich von Maltzahn (1848–1907) die Regierungsgeschäfte ausüben.
Die Aufenthalte an der Côte d’Azur während der Wintermonate dienten der Linderung seiner Asthmaerkrankung. In Cannes bewohnte Friedrich Franz die Villa Wenden in der Avenue de la Favorite, eine im Auftrag des Großherzoges im Jahr 1889 erbaute Villa, welche als Winterwohnsitz des Großherzogs diente. Familienmitglieder der Romanows wohnten auch zeitweise in dieser Villa. Bei seinen vorherigen Aufenthalten in Cannes wurde stets die Villa Isola Bella gemietet. Friedrich Franz III. war sich wohl bewusst, dass die längere Abwesenheit seiner Person in der Heimat nicht gern gesehen wurde und viele Leute „sehr schimpfen“ würden, aber das war ihm egal. Die in der heimatlichen Presse geäußerte Kritik bewertete er nur als „den Erguss einer beklemmten Schweriner Hoflieferantenseele“. Er konnte sich keinen anderen Grund denken, als dass der Schweriner Hofstaat „ihr panem et circenses“ der winterlichen Hoffeste im Schloss vermisste.Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus. Rostock 2009, S. 20 f.
Das Jahr 1890 war durch des Herzogs Krankheit geprägt, mehrwöchige Bettlägerigkeit und eine nachfolgende mehrmonatige Kur in Form einer Seereise auf der Yacht Conqueror behinderten die persönliche Ausübung der Regierungsgeschäfte in Schwerin.Carl Schröder: Friedrich Franz III. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 317 f.
Im Frühjahr 1897 verschlimmerte sich sein gesundheitlicher Zustand zusehends.
Tod in Cannes Am Abend des 10. April 1897 verstarb Friedrich Franz III. an den Folgen des Sturzes an seiner Wohnstätte in Cannes.Bernd-Ulrich Hergemöller: Über die letzten Vorgänge beim Ableben seiner Königlichen Hoheit Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg Schwerin, im Jahr 1897. In: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 119, 2004, S. 279–292.
Die offizielle Erklärung zum Tod des Großherzogs lautete, dass der Erkrankte während eines Asthmaanfalls nach Luft ringend die Gartenterrasse des Anwesens betreten habe und über die Balustrade auf die darunterliegende Straße hinabgestürzt sei. Dort fand man ihn schwer verletzt an der Stützmauer der Gartenterrasse liegend.Irma Freiin von Waldstedt: Dreißig Jahre Hofdame 1870–1900. Vossische Buchhandlung, Berlin 1907, S. 349. Haushofmeister Gagzow und einige Angestellte trugen den Schwerstverletzten in die Villa, wo er kurz darauf in Anwesenheit seiner Familie verstarb. Eine von seinen behandelnden Ärzten vor Ort durchgeführte Obduktion ergab den Bruch der Wirbelsäule, zweier Rippen und eines Fußknöchels.Adolf Langfeld: Mein Leben: Erinnerungen des mecklenburg-schwerinschen Staatsministers i. R. D. Dr. Adolf Langfeld. Druck und Verlag Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1930, S. 128 f. Sie kamen aber auch zu dem Ergebnis, dass der Tod durch Herzversagen eingetreten sei.
Nach dem Vorfall war die großherzogliche Familie bestrebt, den Sturz aus acht Meter Höhe als Unfall darzustellen, obwohl die Hinweise auf einen Suizid des Großherzoges eindeutig waren. Die zeitgenössische Presse – wie das Sonntagsblatt Wiener Bilder – meldete im April 1897 als vermeintliche Todesursache des Großherzogs „Herzlähmung“ oder das „Aufbrechen eines Pulsadergeschwüres“.Wiener Bilder, Illustriertes Sonntagsblatt. 2. Jahrgang 1897, Nr. 17 (vom Sonntag, 25. April 1897), S. 10. Im Oktober 1897 äußerte sich auch Prinz Max von Baden in einem vertraulichen BriefBrief an Cosima Wagner vom 1. Oktober 1897. über den Tod des mecklenburgischen Großherzogs: „Welch schönen Tod starb der Herzog von Mecklenburg. Wie schwer er auch gelitten haben mag, seine Aufgabe hat er erfüllt.“
Freifrau Louise von Reibnitz-MaltzanLouise von Reibnitz-Maltzan: Gestalten vom letzten Zarenhof und andere persönliche Begegnungen. Verlag C. Reissner, 1928, S. 176., die 1897 als Hofdame der Großherzogin in Cannes zugegen war, sprach 1922 vom „Selbstmord des Großherzogs“.Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus. Rostock 2009, S. 23.
Beerdigung in Ludwigslust mini|Trauerzug zur Beerdigung des Großherzoges Friedrich Franz III. (Teilnahme von über 300 Pastoren des Landes) Seinem Wunsch entsprechend wurde er nicht im Schweriner Dom, sondern im dafür umgebauten Helenen-Paulownen-Mausoleum im Schlosspark von Ludwigslust am 21. April 1897 beigesetzt. Vorausgegangen war die Aufbahrung in der Schlosskirche Schwerin, was von seinem jüngeren Bruder, dem Herzogregent Johann Albrecht, veranlasst wurde, gegen den Willen von Großherzoginwitwe Anastasia. Der verstorbene Großherzog hatte zu Lebenszeiten den Wunsch geäußert, dass sein Leichnam auf direktem Wege nach Ludwigslust verbracht werden sollte, ohne vorherige Aufbahrung und Zurschaustellung. Die vom Schweriner Marstall bereitgestellte Trauerkutsche mit dem Verstorbenen wurde von acht schwarz geschmückten Pferden gezogen, jedes der Pferde wurde einzeln von einem Pferdeknecht geführt:LHAS Bestand: (02.26.03) 971, Aktengruppe 6. 6. – Bereitstellung von Pferden und Wagen zu Beerdigungen, Großherzog Friedrich Franz III., April 1897. Der Trauerzug wurde angeführt von der deutschen Kaiserin, nachfolgend die Großherzöge, die Prinzen und Fürsten des Landes, hinter dem Hochadel die Staatsbediensteten und Militärs. Nach der Trauerfeier in der Ludwigsluster Stadtkirche wurde der Verstorbene im Helenen-Paulownen-Mausoleum beigesetzt.
Erpressungsversuche Das gesellschaftliche Umfeld des Großherzoges Friedrich Franz III. spekulierte schon zu Lebzeiten über seine gleichgeschlechtlichen Neigungen.Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon. Frankfurt am Main 2001, S. 253.