Olsztyn ([] ; deutsch Allenstein) ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographie Lage Die Stadt liegt am Fluss Łyna (Alle) im historischen Ermland, 125 Meter über dem Meeresspiegel am Übergang vom Ermland zum Oberland. Olsztyn liegt etwa 80 Kilometer südöstlich von Elbląg (Elbing), 100 Kilometer südlich von Kaliningrad (Königsberg) und 140 Kilometer südöstlich von Danzig (Gdańsk).
Die umgebende hügelige Landschaft ist von der Masurischen Seenplatte und ausgedehnten Wäldern geprägt. Der Okullsee ist Teil der Stadt Allenstein.
Stadtgliederung Die Stadt Olsztyn gliedert sich in 23 Stadtteile, zu denen 17 Ortschaften gehören:
Stadtteile mini|Stadtteilplan OlsztynAuf dem Plan fehlt der Stadtteil Generałów (Westteil des Stadtteils Jaroty)
Ortschaften
Außerdem: Zacisze, Tęczowy Las
Geschichte Vom 14. Jahrhundert bis 1945 mini|130px|Wappen von Allenstein im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig mini|Burg und St.-Jacobi-Kirche mini|Gewölbesaal im Schloss mini|Zeitgenössisches Reiseprospekt der Stadt mit dem Tannenberg-Nationaldenkmal, 1930er Jahre mini|Schlacht bei Allenstein, 3. Februar 1807 Die Stadt wurde am 31. Oktober 1353 unter dem Namen Allensteyn am Fluss Alne/Alle (prußisch alna ‚fließen‘) im preußischen Ermland vom ermländischen Domkapitel auf dessen Gebiet gegründet. Zum ersten Schultheißen der Stadt wurde Johannes von Leysen bestellt. Die Stadtgründung erfolgte im Schutz einer bereits im Aufbau (erste Bauetappe 1346 bis 1353) befindlichen Burg des Domkapitels.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verwaltungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 20.Johannes Voigt: Geschichte Preußens von ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Band 5, Königsberg 1832, S. 106.
Die Allensteiner Burg war Sitz eines Verwalters des ermländischen Domkapitels und Hauptort eines der drei Kammerämter, die dem Kapitel unterstanden und zusammen mit den bischöflichen Kammerämtern das Hochstift Ermland bildeten, das als weltliches Herrschaftsgebiet dem Bischof und dem Kapitel bei der Gründung der vier preußischen Bistümer 1245 zugestanden wurde.
Im Jahr 1455 wurde Schloss Allenstein von dem Söldnerhauptmann Ritter Georg von Schlieben eingenommen.Scriptores rerum Warmienensisium (Peter Wolky und Johann Martin Saage, Hrsg.). Band 1, Braunsberg 1866, S. 138–207.
In den Jahren 1516 bis 1519 bekleidete das Amt des Administrators der Neffe und Pflegesohn des ermländischen Bischofs Lucas Watzenrode, der als Astronom bekanntgewordene ermländische Domherr Nikolaus Kopernikus. Kopernikus wohnte während dieser Zeit auf der Burg Allenstein. Als Zeugnis erhielt sich dort bis heute eine auf dem Putz des Kreuzgangs der Burg gemalte astronomische Tafel zur Berechnung des Aequinoctiums. Zur Zeit des Krieges zwischen Polen und dem letzten Deutschordenshochmeister in Preußen Albrecht von Hohenzollern ging er nach Frauenburg zurück, wurde aber im Herbst des Jahres 1520 wieder nach Allenstein berufen. Der Archdiakon Bernhard Sculteti unterstützte Kopernikus mit Geschützen und Proviant, damit Schloss Allenstein in voller Unabhängigkeit von Polen selbständig behauptet werden konnte.Stimmen aus Maria Laach, Verteidigung Schloß Allenstein unabhängig von Polen Es wurde auch nicht angegriffen und ein Waffenstillstand wurde am 7. April 1521 geschlossen. Aufgrund seiner erfolgreichen Verteidigung wurde Kopernikus zum Kommissar des Ermlands ernannt und mit dem Wiederaufbau beauftragt. Tiedemann Giese, der spätere Bischof von Ermland, war sein Assistent.
Im Rahmen der Ersten Polnischen Teilung von 1772 kam die Stadt als Teil des Ermlandes zum Königreich Preußen. Von 1818 bis 1910 gehörte sie dem Landkreis Allenstein an und wurde dann kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Allenstein. 1905 wurde sie Sitz des Regierungsbezirks Allenstein. Weitere Regierungsbezirke waren Königsberg und Gumbinnen. Allenstein wurde 1893 an das Bahnnetz angeschlossen.http://www.bahnstatistik.de/ nennt den 28. September 1893. Siehe auch Marienburg-Mlawkaer Eisenbahn.
1877 wurde eine Synagoge errichtet. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Allenstein eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, ein altes Schloss, ein Gymnasium, eine Realschule und verschiedene Produktions- und Fabrikationsbetriebe.
Der Friedensvertrag von Versailles bestimmte nach dem Ersten Weltkrieg die Durchführung einer Volksabstimmung im Abstimmungsgebiet Allenstein über den Verbleib bei Deutschland oder einen Anschluss an Polen. In der Stadt Allenstein entfielen auf Ostpreußen 16.740 Stimmen und auf Polen 340, womit die Stadt bei Deutschland blieb.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 67.
Die jüdische Gemeinde Allensteins wurde in der Zeit des Nationalsozialismus drangsaliert. Die Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 niedergebrannt. Die meisten, die nicht emigrieren konnten oder wollten, wurden ab 1942 in ein Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Das einzige erhaltene architektonische Zeugnis jüdischen Lebens in Allenstein ist das Taharahaus Bet Tahara.
1945 und danach mini|Volksfest auf dem Marktplatz (2011) mini|Rathaus Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Januar 1945 Kriegsschauplatz. Die Zivilbevölkerung wurde bis kurz vor Einmarsch der Roten Armee zum Durchhalten aufgefordert.„Schickt Schiffe“. In: Die Zeit, Nr. 3/2005 Der Landrat Horst-Günter Benkmann rief aber eigenverantwortlich rechtzeitig zur Flucht auf und rettete so tausenden Ostpreußen das Leben.Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002 Am 22. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Allenstein. Dabei kam es zu Ausschreitungen sowjetischer Soldaten gegenüber der Zivilbevölkerung. Laut Augenzeugenberichten begingen Rotarmisten der 5. und 6. Division des 3. Kavallerie-Garde-Korps Gewaltexzesse und ermordeten in der zum Feldlazarett umfunktionierten Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Kortau alle Lazarett-Patienten und das Personal. Dort wurden bei Bauarbeiten in den 1950er Jahren mehrere kleinere und größere Massengräber entdeckt; eines von ihnen barg 227 Leichen.Quelle: Stanisław Piechocki, S. 69. Bis März 1945 wurden in Allenstein durch Brandstiftung 1040 Häuser zerstört.Jan Gancewski und Witold Gieszczynski: Gewalttaten, Zerstörungen und Verwüstungen von Hab und Gut durch die Rote Armee im ehemaligen Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 56 (2007) H. 1, S. 115–129, hier S. 117.Das Vorgehen der Roten Armee in Ostpreußen am Ende des Krieges und die dabei geduldeten Ausschreitungen werden u. a. auch in Werken der russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn (Nobelpreisträger für Literatur) (vgl. sein Buch „Ostpreußische Nächte“) und Lew Kopelew (vgl. sein Buch „Aufbewahren für alle Zeit“) thematisiert, die damals selbst Soldaten und Zeitzeugen waren.
Ende März 1945 stellte die Rote Armee Allenstein zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen. Weil Polen nur zögernd einwanderten, ordnete der Regierungsbevollmächtigte Jakub Prawin im Juni 1945 die Verbringung der Stadtbevölkerung auf ländliche Güter an. Kurz darauf begann die „äußerst brutale[e] Aussiedlung“ der in der Stadt zu Aufräumungsarbeiten zurückgebliebenen Deutschen. Der polnische Ortsname Olsztyn wurde offiziell. Die deutschen Einwohner, von denen inzwischen viele zurückgekehrt waren, wurden ab Anfang 1946 in einer zentralen Aktion vertrieben.Zur Geschichte der Vertreibung im südlichen Ostpreußen siehe Claudia Kroft: Einleitung. In: Wlodzimierz Borodziej, Hans Lemberg (Hrsg.): „Unsere Heimat ist uns ein fremdes Land geworden …“ Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945–1950. Dokumente aus polnischen Archiven. Verlag Herder-Institut, Marburg 2000, ISBN 3-87969-283-1, 431–475, Zitat zu den Vorgängen in Allenstein S. 455.
Die letzten Einheiten der Sowjetarmee verließen die Stadt im Jahre 1956.
Mit der Regionalisierung Polens entstand 1999 die Woiwodschaft Ermland-Masuren mit Regierungssitz in Olsztyn. Im selben Jahr wurde hier die Universität Ermland-Masuren gegründet. Die Stadt wurde Sitz des Erzbistums Ermland der polnischen katholischen Kirche sowie der Diözese Masuren der polnischen Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Seit 2020 ist sie zudem Sitz der ukrainisch griechisch-katholischen Eparchie Olsztyn-Danzig. Mit rund 175.000 Einwohnern und ca. 270.000 in der Agglomeration ist die Stadt auch die größte der Woiwodschaft.
Im Zuge der Demokratisierung wurde 1991 die Allensteiner Gesellschaft der deutschen Minderheit als Vertretung der in der Stadt ansässigen Deutschen gegründet. Ihr gehörten im Juni 2007 3.280 Menschen an, jedoch bezeichneten sich in der polnischen Volkszählung 2002 in der Stadt Olsztyn nur 431 als Deutsche.Vgl.
Demographie