mini|140px|Logo der Stadt Marl
Marl ist eine große kreisangehörige Stadt im nördlichen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Mit Einwohnern (Stand: ) nimmt sie auf der Liste der größten Städte Deutschlands den hundertsten Rang ein und ist die zweitgrößte Stadt des Kreises Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster. Laut Landesentwicklungsplan ist Marl ein Mittelzentrum und gehört zur Metropolregion Rhein-Ruhr.
Schon vor der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1936 erlebte die heutige Große Mittelstadt einen raschen wirtschaftlichen sowie kulturellen Aufstieg und entwickelte sich innerhalb von 60 Jahren von einem westfälischen Dorf beinahe zu einer Großstadt. Noch heute ist die Stadt von den Branchen Chemie und Bergbau geprägt und beheimatet mit dem Chemiepark Marl einen der größten Chemie-Verbundstandorte in Europa. Mit der Zeche Auguste Victoria war Marl bis 2015 die drittletzte Steinkohlebergbaustadt Deutschlands. Bundesweit bekannt ist Marl vor allem für das hier ansässige Grimme-Institut.
Geographie mini|hochkant=1.5|Marler Stadtteile und statistische Bezirke Lage Marl liegt am Südrand der Haard und des Naturparks Hohe Mark-Westmünsterland entlang des fließenden Übergangs vom Ruhrgebiet zum Münsterland. Die Nordgrenze fällt meist mit dem Verlauf des Flusses Lippe zusammen. Rund 60 % der Stadtfläche sind Felder, Forstflächen, Gewässer, Park- und Grünanlagen.
Die heutige Stadt Marl ist erst in der Industrialisierung entstanden, vor allem durch die Zechen Brassert und Auguste Victoria sowie durch die Chemischen Werke Hüls. Dabei schließt das Stadtgebiet nicht nur den Großteil des früheren Amtes Marl, sondern auch an die Stadt herangewachsene Teile der früheren Landgemeinde Recklinghausen und der früheren Gemeinde Oer im östlichen Drittel des heutigen Stadtgebiets.
Nachdem die meisten Stadtteile seit jeher nach den Bauerschaften und ehemaligen Gemeinden benannt wurden, auf deren Gebiet sie lagen, hat die Stadt Marl ca. im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts das Stadtgebiet in neue statistische Bezirke gegliedert, über die regelmäßig Daten erhoben werden, und bezeichnet die statistischen Über-Bezirke als „Stadtteile“. Da diese jedoch in Namensgebung und Grenzziehung zum Teil erheblich von natürlichen, historischen und siedlungsgeschichtlich gewachsenen Grenzen sowie dem Bewusstsein der Bürger der Stadt abweichen, werden sie nachfolgend den historischen Stadtteilen gegenübergestellt.
Statistische Bezirke Die Stadtverwaltung Marl gliedert die Stadt in die folgenden als Stadtteile bezeichneten statistischen Über-Bezirke, die, vom Chemiepark abgesehen, offenbar derart zugeschnitten wurden, dass sie jeweils um 10.000 Einwohner haben; mit je vorangestellter zweistelliger Kennziffer (in Klammern die Einwohnerzahlen am 31. Dezember 2020): 11 Stadtkern (7.803) 12 Alt-Marl (9.610) 13 Brassert (11.152) 14 Drewer-Nord (9.074) 15 Drewer-Süd (9.447) 21 Hüls-Nord (6.615) 22 Hüls-Süd (12.380) 30 Marl-Hamm (9.443) 40 Chemiezone (0) 50 Polsum (4.597) 60 Sinsen-Lenkerbeck (7.782)
Diese Stadtteile gliedern sich weiter in je vier bis sechs statistische Bezirke, bei Polsum sind es nur deren zwei und in der Chemiezone existiert keine weitere Unterteilung. Die auf 1 beginnenden Stadtteile gehörten dem früheren Amt Marl an, alle anderen gehörten bis 1926 zum Amt Recklinghausen.
Diese Stadtteile und statistischen Bezirke haben wenig mit den alten Gemarkungen zu tun. Sie gliedern die Stadt in der Hauptsache nach durch Straßen und Bahnlinien geschnittenen Segmenten, in denen zum Beispiel die für Hüls und Drewer zentrale Victoriastraße/Bergstraße die beiden Stadtteile zweiteilt. Da überdies das alte Zentrum von Lenkerbeck de facto von Westen an Hüls herangewachsen ist und durch die Trasse der A 43 gut vom Ostteil Lenkerbecks abgetrennt ist, verteilt sich Lenkerbeck nominell auf drei „Stadtteile“, von denen es nur in einem namentlich auftaucht.
Nachfolgend werden nur die statistischen Über-Bezirke dargestellt; für Details siehe Stadtgliederung Marls#Tabellarische Übersicht. Statistischer Bezirk historischfrühere Bauerschaft im Amt Marl zwischen Marl, Polsum und Brassert Nr. Fläche[km²]Flächen der statistischen Bezirke, Stadt Marl (Archiv; PDF; 23 kB) EinwohnerEinwohnerzahlen Marls Stand 31.12.2020, Stadt Marl (PDF; 270 kB). EW/km² Lage (innerhalbder Übereinheit)Karte der statistischen Bezirke Marls, abgerufen am 9. Mai 2016. (PDF; 6,5 MB) Bemerkungen Stadtkern Marl Drewer (O) Brassert (NW) 11 1,938 7803 4026 südwestliches Zentrum durchgängig bebautes neues Stadtzentrum; Segmentierung durch die Bahnstrecke Gelsenkirchen-Buer Nord–Marl Lippe (SW–NO) und Hervester Str./Willy-Brandt-Allee(NW–SO) Alt-Marl Marl Frentrop (W bis S) Drewer (S bis O) 12 12,450 9610 772 Südwesten Gebiet um das Zentrum des alten Dorfes Marl, südwestlich des neuen Stadtkerns; der besiedelte Teil im Norden wird in N–S-Richtung segmentiert durch den Sauerbruchkanal sowie die Barkhausstraße und endet im SO an der Bahnstrecke Gelsenkirchen-Buer Nord–Marl Lippe; die B 225 trennt vom besiedelten Teil einen Südteil ab und bildet weiter westlich die Siedlungsgrenze; Nordgrenze zu Brassert ist die Hervester Straße Brassert Brassert Frentrop (W) Lippe (NW) 13 13,304 11152 838 Nordwesten fließend in Stadtkern (O, Sickingmühler Straße/Kampstraße) und Alt-Marl (S, Hervester Straße) übergehend; der besiedelte Teil wird in N–S-Richtung durch die Brassertstraße, der Westteil nochmal durch die Schachtstraße in SW–NO-Richtung segmentiert; ebenfalls in SW–NO-Richtung trennt die A 52 einen äußeren Nordostteil ab, der mehr als die Hälfte der Fläche einnimmt und in großen Teilen bewaldet ist Drewer-Nord Drewer (NW: Brassert, Oelde) 14 2,695 9074 3367 nördliches Zentrum verbindet den Stadtkern nach N, jenseits der Gaußstraße, mit dem Chemiepark (A 52); Segmentierung durch Rappaportstraße (S–N) und Bahnstrecke Gelsenkirchen-Buer Nord–Marl Lippe (SW–NO); der gut die Hälfte der Fläche einnehmende Mittelteil wird noch einmal in W–O-Richtung durch eine ehemalige Bahntrasse geteilt Drewer-Süd Drewer 15 3,0079447 3142 südöstliches Zentrum östliche (jenseits der Herzlia-Allee) Fortsetzung des Stadtzentrums bis zum Loekampbach; Segmentierung durch die Breddenkampstraße (O–W) und den Freerbruchbach (S–N) Hüls-Nord Hüls Lenkerbeck (O) Drewer (W) 21 3,681 6615 1797 Osten Nordostteil des Siedlungsgebietes Marls, der Drewer-Nord jenseits des Lipper Weges und, weiter nördlich, jenseits der Bahnstrecke Gelsenkirchen-Buer Nord–Marl Lippe fortsetzt; Südgrenze zu Hüls-ist die der Victoriastraße; mehr als die Hälfte der Fläche nimmt im Osten das ehemalige Zechengelände von Zeche Auguste Victoria I/II ein, der Westen wird in W–O-Richtung von einer Güterzugtrasse segmentiert; der Süden des Westteils wird zusätzlich vom Loemühlenbach in S–N-Richtung geteilt Hüls-Süd Drewer (NW) Hüls (N) Lenkerbeck (NO) Korthausen (SO) Löntrop (S) 22 7,456 12380 1660 Südosten Ostteil der Besiedlung Marls und Südteil von Hüls südlich der Victoriastraße; Westgrenze zu Drewer-Süd ist der Loekampbach, jedoch ist der dorthin gewandte Südwestteil kaum besiedelt; Segmentierung in NW–SO-Richtung durch die Hülsstraße; vom Südwestteil wird nochmals durch den Norden der Loekampstraße das Zentrum von Hüls abgetrennt, der Nordostteil wird durch den Ovelheider Weg in SW–NO-Richtung segmentiert; Ostgrenze ist die A 43 Marl-Hamm Herne (NO) Sickingmühle (W) Oelde (nur äußerster SW) Lenkerbeck (nur unbewohnter äußerster SO) 30 11,870 9443 796 Nordosten äußerster Nord(-ost-)en der Besiedlung Marls, durch den Silvertbach an einem schmalen Korridor von Hüls-Nord getrennt; nach Osten bis zur Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg reichend, nach Norden bis zur Lippe und nach Westen an die Chemiezone angrenzend Chemiezone Oelde Lippe (W) 40 9,025 0 0 Norden besteht zu mehr als zwei Dritteln aus dem Chemiepark Marl; im Nordwesten, an den Auen der Lippe, Naturschutzgebiete Polsum Polsum 50 7,804 4597 589 äußerster Südwesten altes Dorf am Ortsausgang Richtung Gelsenkirchen(-Buer); deutlich von der eigentlichen Bebauung Marls abgetrennt Sinsen-Lenkerbeck Lenkerbeck (W) Sinsen (O) Speckhorn (nur äußerster S) 60 14,389 7782 541 äußerster Osten durch die A 43 separierter Ostteil, in der Nordhälfte durchgehend bewaldet; nur korridorartig durch Viktoriastraße/Bahnhofstraße in W–=-Richtung mit Alt-Lenkerbeck, Hüls und Marl verbunden
Innerhalb des zusammenhängenden Hauptsiedlungsgebietes der Stadt (ohne Polsum), an das Sinsen und Sickingmühle korridorartig angeschlossen sind, liegt die Siedlungsdichte auffällig konstant um 5.000 Einwohner/km² und steigt nur an zentralen Orten auf etwa 10.000.
Historische Ortsteile
mini|hochkant=2|alt=Karte des Deutschen Reiches 1 : 100.000 des heutigen Marler Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts;größere Teile der ehemaligen Gemeinde Recklinghausen-Land kamen erst 1926 zum Stadtgebiet, Polsum und die inzwischen an Marl herangewachsene Westhälfte von Hamm erst 1975|Marl Ende des 19. Jahrhunderts mini|hochkant=2|Gliederung in historische und gewachsene Stadtteile
Die heutige Gliederung Marls ist eine rein statistische nach Straßensegmenten, die in der Namensgebung insbesondere erheblich von den historischen Bauerschaften und Ortsteilen abweicht. Im Nachfolgenden werden die namentlich bekannten, historischen Ortsteile den heutigen statistischen Bezirken zugeordnet, die im Regelfalle Teile von mehreren namentlichen Stadtteilen beinhalten. Quellen sind: Topographische Karte der Kreise des Regierungs-Bezirks Muenster, Blatt 08 - Kreis Recklinghausen (1845) Preußische Uraufnahme, Blätter Marl und Recklinghausen (1842) Preußische Neuaufnahme / Messtischblätter Blatt Marl 1892 / 1894 / 1907 / 1913 / 1921Messtischblatt Marl (1921), Deutsche Fotothek / 1925, landkartenarchiv.de / 1931 / „1936–1845“(≈1942) / 1942 / 1949 / 1953 / 1959 / 1966 / 1972 / 1976 / 1980 / 1989 / 2000 Blatt Recklinghausen 1892 / 1894 / 1907 / 1921 / 1926 / 1931 / „1936–1845“ / 1942 / 1949 / 1959 / 1972 / 1980 / 1989 / 2000 Karte des Deutschen Reiches 1 : 100.000, Ende 19. Jahrhundert (nebenstehend) Topographische Übersichtskarte des Deutschen Reichs 1 : 200.000, Blatt Wesel 1939 Karte der Stadtteile Marls zwischen 1841 und 1975Karte des Amtes Marl, Genwiki; der Ersteller kann allerdings seine Quellen nicht mehr benennen. Karte der statistischen Bezirke Marls, Stand April 2010
Übersicht Die Haupt-Wohnstadtteile Marls sind, von West nach Ost, innerhalb eines Unterpunktes von Süd nach Nord: Marl und Brassert Drewer (Süd und Nord) Hüls und Marl-Hamm Lenkerbeck Sinsen Die West-Ost-Hauptschlagader Marls, die Bergstraße, zieht sich von der Nordspitze des eigentlichen Marl über Drewer-Nord, Hüls (ab hier Victoriastraße) und Lenkerbeck (ab der A 43 Bahnhofstraße) nach Sinsen (ab der Halterner Straße Schulstraße).
Nach Norden werden die Kernortschaften von den Bauerschaften Lippe, Oelde, Sickingmühle und Herne gerahmt, nach Südwesten bis Osten von Frentrop, den Wohnplätzen Steinernkreuz und Linde, Löntrop, Korthausen und dem Nordwesten der hauptsächlich in Recklinghausen, zu kleinen Anteilen (Süden der Honermann-Siedlung) auch in Oer-Erkenschwick gelegenen Bauerschaft Speckhorn. Im Südwesten steht das Dorf Polsum und östlich davon der Weiler Kotten.
Statistische Bezirke vs. alte Stadtteile Für eine Darstellung der Problematik der konkreten statistischen Bezirke und deren Zusammenfassung in Stadtteile sowie Zuordnungen zwischen beiden siehe Stadtgliederung Marls.
Historische Besiedlung Marl liegt auf dem Gebiet von fünf ehemaligen Gemeinden, nämlich Marl nebst Brassert und Drewer im Westen, Polsum im Südwesten und Hamm auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hamm im Norden (alle ehemals Amt Marl), Teilen der Landgemeinde Recklinghausen nebst Hüls und Lenkerbeck im Osten und Sinsen als Teil des Kirchspiels Oer im äußersten Osten. Die Haupt-Wohnstadtteile wuchsen erst mit der Industrialisierung zusammen.