Der Ringpark (auch Glacis genannt) ist eine Grünanlage um die Würzburger Altstadt. Er entstand auf dem Gebiet der im 19. Jahrhundert geschleiften Schanzanlage.

Geschichte mini|Gedenkstein an Dr. Georg von Zürn, Bürgermeister von Würzburg 1865. Bild fotografiert im Ringpark in Würzburg.

Das Würzburger Glacis bestand zunächst aus einer von Mauern und Wällen umgebenen, leicht nach außen abfallenden und bis zu 50 Meter breiten Fläche. Vor den Stadtwällen wurde 1804 eine Pappelallee angelegt. Das Glacis diente dann als Weide, Ackerfläche, dem Garten- und Rebbau sowie zu Exerzierzwecken und wurde ab 1820 zunehmend als Parkanlage gestaltet.Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 396–426 und 1298–1302, hier: S. 397 f. 1868 kaufte die Stadt Würzburg dem Königreich Bayern das Glacisgelände ab. Mauern und Bastionen bzw. WerkeWilhelm Engel in: Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 17. wurden im Zuge der 1870 einsetzendenHorst-Günter Wagner (2007), S. 399. Entfestigung abgerissen, die bis zu 12 Meter tiefen Gräben zugeschüttet.Stadt Würzburg, Gartenamt und Eigenbetrieb Congress, Tourismus, Wirtschaft (Hrsg.): Würzburger Gärten und Parks. Faltblatt ca. 2003.

Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Georg von Zürn, angeregtWinfried Schenk, Rüdiger Glaser, Moritz Nestle: Würzburgs Umwelt in der Transformation von der vorindustriellen Zeit in die Dienstleistungsgesellschaft. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 351–368 und 1295 f., hier: S. 354. durch die in Wien von ihm gesehene Ringstraße, wurde der durch Umgestaltung des ehemaligen Glacis entstehende Parkbau 1878 in Angriff genommen. Der erste Teilabschnitt um das Kriegerdenkmal wurde von Heinrich Siesmayer gestaltet. Danach wurde vom schwedischen Landschaftsarchitekten Jens Person Lindahl, welcher von August 1880 bis 1887 erster hauptamtlicher Stadtgärtner von Würzburg war, der Würzburger Ringpark entworfen und bis 1886 realisiert.Jens (auch Jöns) Person Lindahl hatte bereits bei der Gestaltung des landgräflich hessischen Parks in Philippsruhe bei Hanau seine Fähigkeiten gezeigt. Vgl. Wilhelm Engel (1956), S. 17.). Kennzeichen seiner Landschaftsgestaltung sind geschwungene Wege, Baumgruppen, Gewässer und ein landschaftliches Hügelrelief.Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. 2007, S. 409. Wahrscheinlich wegen Finanzierungsschwierigkeiten und seit 1885 begonnener AuseinandersetzungenHarm-Hinrich Brandt: Würzburger Kommunalpolitik 1869–1918. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), S. 64–166 und 1254–1267; hier: S. 100. um die Ringparkanlage mit der Bürgerschaft bzw. ständiger Streitereien mit den Gemeindebevollmächtigten erschoss er sich und wurde am 22. November 1887 tot im Ringpark in den Glacisanlagen an der Ottostraße aufgefunden.Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1232.Ulrich Wagner (2007), S. 62 f. Engelbert Sturm, Lindahls Nachfolger als Stadtgärtner, gestaltete im Anschluss das Klein-Nizza, eine Teich- und Blumenlandschaft entlang der Befestigung des Hofgartens. Diese kostete damals 85.400 Mark. (Heute umgerechnet etwa  Euro.) Mit der Teichanlage wurde 1900 die Gesamtanlage des Ringparks vollendetStadt Würzburg, Gartenamt und Eigenbetrieb Congress, Tourismus, Wirtschaft (Hrsg.): Würzburger Gärten und Parks. Faltblatt ca. 2003. und am 8. Juli 1903 mit einem Denkmal in der Nähe des Bahnhofs für den in Würzburg geborenen Prinzregenten Luitpold komplettiert.Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. 2007, S. 1234.

Verlauf und Bedeutung mini|Würzburg, Ringpark um die Altstadt: Übersichtskarte. mini|Würzburg, Ringpark um die Altstadt: Rückseite der Mauer des Residenzgartens. Ringpark/Ecke Rennweg. mini|Ringförmiger Verlauf ab Ludwigsbrücke

Der sauerstoffspendene Grüngürtel verläuft halbkreisförmig um die Altstadt vom Mainufer an der Friedensbrücke zum Mainufer an der Ludwigsbrücke (Löwenbrücke). Er tritt damit an die Stelle des Glacis auf dem ehemaligen freien Feld vor der barocken Stadtmauer. Er ist ca. 3,5 km lang, bis zu 240 m breit und hat eine Fläche von ca. 34 Hektar. Er wird von Hauptbahnhof und Berliner Platz unterbrochen, grenzt an den Hauptfriedhof und an den Hofgarten der Residenz, von dem er durch einen Teil der ehemaligen Befestigungsmauern getrennt ist.

Der Park im Stil englischer Landschaftsgärten ist eine der wenigen heute noch gut erhaltenen Ringparkanlagen Deutschlands des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Als „Grüne Lunge“ der Stadt Würzburg mit 35 BaumartenUlrike Schulz: . erzeugt der Ringpark Sauerstoff, gleicht die klimatisch bedingte Trockenheit aus und mildert durch Verdunstung Temperaturspitzen im Sommer ab.Winfried Schenk, Rüdiger Glaser, Moritz Nestle: Würzburgs Umwelt in der Transformation von der vorindustriellen Zeit in die Dienstleistungsgesellschaft. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 351–368 und 1295 f., hier: S. 361.

Artenvielfalt mini|Blauglockenbaum, Heimat China

Mit über 300 verschiedenen einheimischen wie exotischen Gehölzarten ist er auch einer der artenreichsten Parks Deutschlands. Markante und exotische Bäume im Park sind mit deutscher und lateinischer Bezeichnung gekennzeichnet. Außerdem finden sich auf dem Gelände zahlreiche Denkmäler und Brunnen. Bäume und Gehölze stammen aus China, Nordamerika und Europa. Blüh-Blumen werden der Jahreszeit entsprechend immer neu eingesetzt. 43 Vogelarten wurden beobachtet.Stadt Würzburg, Gartenamt und Eigenbetrieb Congress, Tourismus, Wirtschaft (Hrsg.): Würzburger Gärten und Parks. Faltblatt ca. 2003.

Denkmale mini|Segment der Berliner Mauer am Berliner Platz mini|hochkant|Würzburg: Kriegerdenkmal im Ringpark Würzburg zwischen Husarenstraße und Rennweg mini|Opfertafeln im Ringpark in Würzburg neben dem Würzburger Kriegerdenkmal errichtet. Zahlreiche Denkmale erinnern an historische Begebenheiten: Fragment der Mauer am Berliner Platz Kriegerdenkmal in der Fläche zwischen Husarenstraße und Rennweg

Trivia Im Klein-Nizza findet jedes Jahr im August das Ringparkfest statt. Veranstalter dieses Bürgerfests mit kleiner Bühne, Musikdarbietungen und Kinderprogramm ist die Stadt Würzburg.

Literatur

Ulrich Wagner: Jens Person Lindahl – Gestalter des Würzburger Ringparks. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), S. 61–63 und 1253. Harm-Hinrich Brandt: Würzburger Kommunalpolitik 1869–1918. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), S. 64–166 und 1254–1267; hier: S. 100 und 134–138.

Weblinks

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Einzelnachweise

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