Die Kiefern, Föhren, Sjüren, Forlen oder Dählen (Pinus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) innerhalb der Nadelholzgewächse (Pinophyta). Pinus ist die einzige Gattung der Unterfamilie Pinoideae.
Etymologie der Trivialnamen Mit Föhre verwandte Wörter sind in fast allen germanischen Sprachen vorhanden, beispielsweise englisch fir (was aber heute der englische Begriff für Tanne ist).Leo Das Wort Kiefer ist erst ab dem 16. Jahrhundert belegt und ist vermutlich durch Zusammenziehung von ahd. kienforha (Kienföhre) entstanden.Vgl. Angabe zur Herkunft von Kiefer bei Duden online.
Der Zapfen der Kiefer wird auch Kienapfel genannt.Artikel zu Kienapfel im deutschsprachigen Wiktionary, abgerufen am 12. Juli 2023.Kienapfel bei DWDS, abgerufen am 12. Juli 2023.
Beschreibung mini|Am Zweig umschließt eine Scheide mehrere Kiefernnadeln eines Kurztriebes
Vegetative Merkmale Pinus-Arten sind Bäume oder seltener Sträucher. Das Holz, die Rinde, die als Nadeln geformten Blätter und häufig auch die Zapfen bilden Harzkanäle. Der Stamm ist monopodial, geht also von der Basis bis zur Spitze durch. Die Verzweigung vom Stamm erfolgt in Scheinwirteln. Die Borke ist gefurcht oder in Platten unterteilt bis dünn und schuppig oder dünn und glatt. Die Triebe sind zweigestaltig, es werden Kurz- und Langtriebe unterschieden. Die Sämlinge besitzen drei bis 24 Keimblätter.
Die Knospen der Langtriebe und Zapfen sind anfangs von schuppenförmigen Niederblättern geschützt, jedoch nicht die Kurztriebe und Pollenzapfen. Die Schuppenblätter fallen bald ab oder verbleiben an den Zweigen. Viele Kiefernarten verfügen über Erneuerungsknospen, die ihnen helfen, Waldbrände zu überstehen; einige werden als Pyrophyten durch Feuer gefördert.Rainer Matyssek, Jörg Fromm, Heinz Rennenberg, Andreas Roloff: Biologie der Bäume. Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-2840-2, S. 252. Ihre Zapfen öffnen sich erst bei 70–80 °C.Hermann Remmert: Ökologie. Ein Lehrbuch. 5. Auflage. Berlin Heidelberg 1992, ISBN 3-540-54732-0. S. 63.
Die Nadeln wachsen selten einzeln oder in Bündeln meist zu zweit bis zu fünft und manchmal bis zu acht zusammen, die an der Basis von einer Nadelscheide umgeben sind. Die Nadelscheide fällt bald ab oder verbleibt am Baum. Die Nadeln bleiben zwei bis 30 Jahre am Baum und fallen als Bündel ab. Sie erreichen Längen von 2,5 bis 50 Zentimetern und werden meist 0,5 bis 2,5 (bei einer Art bis 7) Millimeter dick. Sie sind nadelförmig oder bei einer Art lanzettlich, im Querschnitt plan-konvex oder dreieckig, seltener stielrund oder flach. Der Rand ist ganzrandig oder fein gesägt. Die Spaltöffnungen liegen auf allen Seiten der Blätter, nur auf der Oberseite oder bei einer Art manchmal nur unterseits.
mini|Drei Zapfen: links Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis), Mitte Bergkiefer (Pinus mugo), rechts Pinie (Pinus pinea)
Generative Merkmale Pinus-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtlich (monözisch). Die Pollenzapfen wachsen spiralig angeordnet nahe der Basis junger Langtriebe. Sie sind eiförmig-länglich bis zylindrisch und bestehen aus einer dünnen Achse mit zahlreichen, spiralig angeordneten, mehr oder weniger schildförmigen Mikrosporophyllen.
Die Samenzapfen sind gestielt und stehen einzeln oder häufiger in Gruppen nahe den Enden der Triebe. Sie sind schief eiförmig, eiförmig bis zylindrisch und 2 bis 60 Zentimeter lang. Sie reifen meist nach zwei oder seltener nach drei Jahren, werden bald abgeworfen oder verbleiben länger am Baum. Sie wachsen anfangs aufgerichtet und sind bei Reife hängend oder abstehend. Die Deckschuppen sind bei der Bestäubung unscheinbar und wachsen auch nicht wie die Samenschuppen weiter. Die Samenschuppen sind bleibend, verkehrt eiförmig bis länglich, dünn oder dick holzig und spiralig mit einer dünnen oder dicken Mittelachse verbunden. Der im geschlossenen Zustand sichtbare Teil der Schuppe wird als Apophyse bezeichnet und ist unterschiedlich verdickt und/oder verlängert. Die Apophyse trägt dorsal oder terminal einen Umbo, der mit einem Stachel bewehrt sein kann.
Die Samen sind meist etwas abgeflacht und haben einen verwachsenen oder gegliederten, häutigen Flügel, der sich aus dem adaxialen Teil der Samenschuppen bildet. Er kann mehrfach länger als der Same sein oder auch zurückgebildet.
Verbreitung und Anbau mini|Verbreitungskarte der Gattung Pinus
Kiefern-Arten sind vor allem auf der Nordhalbkugel heimisch. Die Verbreitungsschwerpunkte sind kühl-feuchte Klimabereiche. Viele Arten besiedeln auch subtropische und tropische Bereiche. Dort sind viele Kiefernarten gut an Brände angepasst: Ihre Samen keimen besonders gut nach Hitzestress.
Angebaut werden Kiefern inzwischen weltweit in den geeigneten Klimazonen. Insbesondere in Korea und Japan kommt den Kiefern eine besondere symbolische Bedeutung zu: Sie stehen dort für Stärke, Langlebigkeit und beständige Geduld. Kiefern sind daher in diesen Ländern besonders oft in sorgfältig ausgestalteter Form bei Tempel- und Gartenanlagen zu finden.
Kiefern sind weltweit die wichtigsten Baumarten der Forstwirtschaft. Meist anspruchslos und gutwüchsig, werden sie oft an Stelle der einheimischen Baumarten für die effektive Wiederaufforstung nach Waldzerstörungen und Rodungen verwendet. In den Tropen und Subtropen werden Kiefern in Holzplantagen angebaut. Auch im Mittelmeergebiet und in Japan finden sich große Flächen mit Kiefernbestand. In Mitteleuropa wurden große Waldflächen weit über ihr natürliches Vorkommen mit der Waldkiefer in Monokultur aufgeforstet. Diese Reinbestände sind zwar einfach zu begründen und zu ernten, aber viel anfälliger für Waldbrände und Insektenbefall als naturnähere Mischwälder. Mittelfristig führen diese Reinbestände zur Auslaugung und Versauerung der Böden.
Neben der Waldkiefer im Flachland kommen in Mitteleuropa in Bergregionen von Natur aus noch die Schwarzkiefer (Pinus nigra subsp. nigra), die Bergkiefer (Pinus mugo) und die Zirbelkiefer oder Arve (Pinus cembra) vor.
Unter Kaiser Maximilian I. begann die Anpflanzung von Schwarzkiefern am Steinfeld bei (seinem Geburtsort) Wiener Neustadt. Die Gewinnung von Harz und Wiener Neustädter Terpentin erfolgte westlich und südwestlich der Stadt bis in die 1960er-Jahre. Nur ein Betrieb harzt noch heute. Eine ehemalige Pulverfabrik, zwei Schulen, eine Autobahnstation der A2 und ein Wirtschaftspark zur Ansiedlung von Betrieben ab 2019 tragen die (Orts-)Bezeichnung Föhrenwald.Schwarzföhren in Notecoplus Wirtschaftspark Föhrenwald ecoplus.at, abgerufen am 6. November 2021.
Systematik mini|Sektion Pinus Untersektion Pinaster: Kalabrische Kiefer (Pinus brutia) mini|Sektion Pinus Untersektion Pinus: Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. mugo), Alpen in Österreich mini|Sektion Pinus Untersektion Pinus: Schwarzkiefer (Pinus nigra) als typische Schirmföhre im Wienerwald mini|Sektion Trifoliae Untersektion Contortae: Banks-Kiefer (Pinus banksiana) mini|Sektion Trifoliae Untersektion Australes: Pech-Kiefer (Pinus rigida) mini|Sektion Trifoliae Untersektion Ponderosae: Coulter-Kiefer (Pinus coulteri) mini|Sektion Trifoliae Untersektion Ponderosae: Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa) mini|Sektion Parrya Untersektion Balfourianae: Langlebige Kiefer (Pinus longaeva),Inyo National Forest, Kalifornien (USA) mini|Sektion Parrya Untersektion Cembroides: Einblättrige Kiefer (Pinus monophylla) mini|Sektion Parrya Untersektion Nelsoniae: Pinus nelsonii mini|Sektion Parrya Untersektion Rzedowskianae: Pinus maximartinezii mini|Sektion Quinquefoliae Untersektion Gerardianae: Bunges Kiefer (Pinus bungeana) mini|Sektion Quinquefoliae Untersektion Strobus: Weymouth-Kiefer (Pinus strobus)
Taxonomie Die Gattung Pinus wurde 1753 durch Carl von Linné aufgestellt. Der Gattungsname Pinus wurde schon von den Römern für mehrere Kiefernarten verwendet. Synonyme für Pinus sind: Apinus , Caryopitys , Ducampopinus , Leucopitys , Pinea , Strobus .
Äußere Systematik Pinus ist die einzige Gattung der Unterfamilie Pinoideae , die 1831 durch Heinrich Friedrich Link in Handbuch, 2, Seite 476 aufgestellt wurde.
Innere Systematik Die klassische Unterteilung der Gattung in drei Untergattungen wurde aufgrund molekulargenetischer Studien auf zwei Untergattungen reduziert. Nach Aljos Farjon 2010 gibt es etwa 113 Arten der Gattung Pinus; sie sind wie folgt gegliedert:
Untergattung Pinus (Diploxylon): Sie kommt in Eurasien, in Nordafrika, im östlichen Nordamerika und Kuba vor: Sektion Pinus: Untersektion Pinaster: Sie kommt auf den Kanarischen Inseln, im Mittelmeerraum und im Himalaja vor. Kalabrische Kiefer (Pinus brutia ) Kanarische Kiefer (Pinus canariensis ) Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis ) Schlangenhaut-Kiefer (Pinus heldreichii ) Pinus latteri Pinus merkusii : Sie kommt auf den Philippinen und Sumatra vor. See-Kiefer (Pinus pinaster ) Pinie (Pinus pinea ) Pinus roxburghii Untersektion Pinus: Ihr Verbreitungsgebiet entspricht dem der Untergattung. Pinus densata Japanische Rot-Kiefer (Pinus densiflora ) Pinus hwangshanensis Pinus kesiya : Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Süd- und Südostasien von Indien bis zu den Philippinen. Pinus luchuensis Pinus henryi Pinus massoniana Berg-Kiefer (Pinus mugo ) Schwarz-Kiefer (Pinus nigra ) Amerikanische Rot-Kiefer (Pinus resinosa ) Wald-Kiefer (Pinus sylvestris ) Chinesische Kiefer (Pinus tabuliformis ) Pinus taiwanensis Japanische Schwarzkiefer (Pinus thunbergii ) Pinus tropicalis Spirke, Haken-Kiefer, Aufrechte Bergkiefer (Pinus uncinata , Syn.: Pinus mugo subsp. uncinata ) Pinus yunnanensis Sektion Trifoliae: Sie kommt von Nordamerika über Mexiko bis auf die Karibischen Inseln vor. Untersektion Contortae: Sie kommt in Nordamerika vor: Banks-Kiefer (Pinus banksiana ) Sand-Kiefer (Pinus clausa ) Küsten-Kiefer (Pinus contorta ) Pinus virginiana Untersektion Ponderosae: Sie kommt von den westlichen USA über Mexiko bis Zentralamerika vor. Pinus arizonica Coulter-Kiefer (Pinus coulteri ) Pinus devoniana Pinus douglasiana Pinus durangensis Pinus engelmannii Pinus hartwegii Jeffrey-Kiefer (Pinus jeffreyi ) Pinus maximinoi Montezuma-Kiefer (Pinus montezumae ) Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa ): Die drei Unterarten kommen vom südlichen British Columbia, über das südwestliche North Dakota bis Texas und Kalifornien bis in Mexiko nur in Niederkalifornien sowie in Sonora vor. Pinus pseudostrobus : mit drei Varietäten von Mexiko über das Hochland von Guatemala bis ins nördliche El Salvador und westliche Honduras. Weiß-Kiefer (Pinus sabiniana ) Pinus torreyana Untersektion Australes: Sie kommt von Nord- bis Zentralamerika und auf Karibischen Inseln vor. Pinus attenuata Karibische Kiefer (Pinus caribaea ): Sie kommt mit drei Varietäten auf den Bahamas und Turks- und Caicosinseln (var. bahamensis), im westlichen Kuba in der Provinz Pinar del Río und auf der Isla de la Juventud (var. caribaea) und vom mexikanischen Bundesstaat südlichen Quintana Roo über das nördliche Guatemala bis Belize sowie Honduras einschließlich der Islas de la Bahía bis El Salvador und Nicaragua vor. Kuba-Kiefer (Pinus cubensis ): Sie kommt im östlichen Kuba beispielsweise in der Sierra Maestra und Sierra de Nipe vor. Pinus echinata Pinus elliottii Pinus glabra Pinus greggii Pinus herrerae Pinus jaliscana Pinus lawsonii Pinus leiophylla Pinus lumholtzii Pinus luzmariae Bischofs-Kiefer (Pinus muricata ) Pinus occidentalis : Sie kommt nur auf Hispaniola in Höhenlagen zwischen 200 und 3200 Meter vor. Pinus oocarpa Sumpf-Kiefer (Pinus palustris ) Pinus patula Pinus praetermissa Pinus pringlei Pinus pungens Monterey-Kiefer (Pinus radiata ): Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Kalifornien bis Niederkalifornien und vorgelagerte Inseln. Sie ist in vielen Ländern der Welt ein Forstbaum. Pech-Kiefer (Pinus rigida ) Pinus serotina Weihrauch-Kiefer (Pinus taeda ) Pinus tecunumanii Pinus teocote Untergattung Strobus (Haploxylon):