mini|Blatt der Maulbeere mini|Schwarze Maulbeere mit Blättern und unreifen Früchten
Die Maulbeeren oder Maulbeerbäume (Morus) sind wie die Feigen (Ficus) eine Pflanzengattung in der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae).
Verbreitung Mit zwölf Arten war die Gattung ursprünglich über die gemäßigten und subtropischen Regionen der Nordhalbkugel mit Ausnahme von Europa verbreitet. Maulbeeren wurden aber schon zu Zeiten der Römer in allen wärmeren Regionen Europas verbreitet, die sich klimatisch auch zum Weinanbau eignen.
Die drei in Europa bekanntesten Arten sind Weiße Maulbeere und Schwarze Maulbeere, beide aus Asien, sowie die Rote Maulbeere aus Nordamerika.
Weiße Maulbeeren wachsen in Deutschland häufig nur strauchförmig. Geeignete Standorte sollten vor allem warm und windgeschützt sein. Günstig sind lockere, frische, tiefgründige, nährstoffhaltige sowie kalkreiche Böden.Informationen aus der Wissenschaft / aus LWF-aktuell Nr. 20 der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwissenschaft, 1999, S. 27f
Beschreibung mini|Alter Maulbeerbaum mini|Tausendjähriger Maulbeerbaum im Park der Benediktinerabtei Brauweiler (2011)
Maulbeeren sind sommergrüne Bäume oder Sträucher, die Wuchshöhen von 6 bis 15 Meter erreichen. Sie führen einen weißen Milchsaft und haben eine graubraune Rinde. Die Blattform kann auch am selben Baum beträchtlich variieren. Die einfachen, meist gezähnten Laubblätter sind wechselständig und unzerteilt bis gelappt oder gespalten. Die Nervatur ist drei- bis fünfzählig. Nebenblätter sind immer vorhanden, können aber frühzeitig abfallen.
Blüten Morus-Arten sind einhäusig (monözisch) oder zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtig. Die vielblütigen, meist achselständigen Blütenstände sind ährig, oder es sind Kätzchen und Köpfchen. Die Blüten sind vierzählig mit einfacher Blütenhülle, die Kronblätter fehlen. Es ist ein vierteiliger Kelch vorhanden. Männliche Blüten enthalten bis zu vier Staubblätter, und es kann ein Pistillode vorhanden sein.Beschreibung und Aufzählung der in China vorkommenden Arten bei Flora of China (engl.) Der meist einkammerige Fruchtknoten ist meist oberständig und mit einem zweiästigen Griffel, oder mit zwei Griffeln. Bei den weiblichen Blüten sind meist keine Staminodien ausgebildet.
Früchte Die Früchte sind Fruchtverbände (Scheinfrüchte) aus Achänen in einem fleischigen Kelch und Blütenboden. Entsprechend der Bewertung der Achänen als Sonderform der Nuss werden sie auch als Nussfruchtverband eingeordnet. Sie ähneln länglichen Brombeeren, bei denen es sich jedoch um Sammelsteinfrüchte handelt. Die Farbe reicht von cremefarben (Weiße Maulbeere) über rot bis zu schwarz. Allerdings lässt sich die Art nicht immer nur über die Fruchtfarbe bestimmen.
Nutzung Parkbaum In Parks und Gärten im deutschsprachigen Raum werden meist Zierformen der Weißen Maulbeere gepflanzt, da sie winterhärter ist als die Schwarze Maulbeere, deren stark färbende Früchte zudem in der Nähe von Verkehrsflächen unerwünscht sind. Die Rote Maulbeere ist dort noch praktisch unbekannt, obwohl sie als die frosthärteste Art gilt.
Blätter mini|21 Tage alte Seidenspinnerraupen auf Maulbeerblättern mini|Seidenspinnerraupe an einem Maulbeerbaum, daneben Früchte in verschiedenen Reifegraden
Die grünen Blätter der Weißen Maulbeere dienen der Zucht des Seidenspinners und waren der Hauptgrund, Maulbeerbäume in Europa einzuführen. Ganze Landschaften – hauptsächlich in Südeuropa – wurden durch die Maulbeerbäume, die Seidenraupenzucht und die Seidenproduktion geprägt. Auch in Preußen wurden aus diesem Grunde Weiße Maulbeeren an Alleen, auf Marktplätzen und Schulhöfen gepflanzt. Billige Seidenimporte aus Südostasien Anfang des 20. Jahrhunderts machten die europäische Seidenzucht und damit auch die europäischen Maulbeerbäume überflüssig.
Die Blätter werden auch als Teeaufguss zur Behandlung von Blasen- und Harnwegsentzündung angewandt.
Holz Das Holz der Weißen Maulbeere wird als hart, dauerhaft und gut polierfähig hochgeschätzt. Es dient im Mittelmeergebiet zur Herstellung von Schnaps- und Weinfässern sowie in asiatischen Ländern (besonders in der Türkei und im persischen Sprachraum) zur Herstellung von hochwertigen Musikinstrumenten (Zupfinstrumenten) wie Tar, Saz, Baglama oder Cura.
Bastfasern Im südostasiatischen Raum (Thailand, Laos, Myanmar) wird die Rinde zu handgeschöpften Papieren weiterverarbeitet. Dieses Maulbeerpapier dient dort als Material für Büttenpapiere, Fotoalben, Schachteln und Papierblüten. Die als Kōzo (楮) bekannten Bastfasern des zur selben Pflanzenfamilie gehörenden Papiermaulbeerbaums finden in China und Japan bei der Herstellung von Japanpapier (Kozogami) Verwendung.
Früchte mini|Getrocknete Weiße Maulbeeren, wie sie in Iran und in der Türkei häufig angeboten werden Die Früchte der drei genannten Arten sind essbar. Maulbeerfrüchte sind sehr süß und saftig, wobei die Weiße Maulbeere teils als fade gilt, während die Rote und Schwarze Maulbeere intensiver im Geschmack und aromatischer sind. Die Früchte reifen am Baum im Laufe mehrerer Wochen in unterschiedlichem Tempo und können daher nicht gleichzeitig geerntet werden. In manchen Ländern legt man Tücher oder Folien unter die Bäume; beim Schütteln fallen dann immer nur die reifen Maulbeeren ab. Als Marktobst haben frische Maulbeeren praktisch keine Bedeutung, da sie zu weich und saftig für den Transport sind und zu schnell verderben. Stattdessen werden sie getrocknet angeboten.
Die Früchte werden außerdem zu Marmeladen, Säften, alkoholischen Getränken, natürlichen Farben und Kosmetik verarbeitet.
Die Maulbeere enthält je 100 Gramm rund 9,8 g Kohlenhydrate (davon 8,1 g Zucker), 0,4 g Fett und 1,4 g Proteine. Daraus ergibt sich ein Energiegehalt von 180 kJ (43 kcal).Inhaltsstoffe der Maulbeere, abgerufen am 2. September 2021 Frische Maulbeeren haben einen relativ hohen Gehalt an Vitamin C. Daneben kommen auch Vitamin E, K und einige B-Vitamine in nennenswerten Mengen vor.Vitamingehalt der Maulbeere, abgerufen am 2. September 2021
Systematik Die Gattung umfasst etwa 10 bis 15 Arten. Hier eine Liste der Arten: Weiße Maulbeere (Morus alba , Synonym: Morus alba f. tatarica , Morus alba var. constantinopolitana , Morus alba var. multicaulis , Morus atropurpurea , Morus indica sowie Morus multicaulis )
Morus australis (Syn.: Morus acidosa , Morus bombycis ): Sie kommt in Indien, Nepal, Bhutan, Myanmar, China, Korea, Taiwan, Japan und auf Sachalin vor. Morus boninensis : Sie kommt auf den Ogasawara-Inseln vor. Morus cathayana : Sie kommt in China, Japan und Korea vor. Morus celtidifolia : Sie kommt in Mexiko, El Salvador, Guatemala, Honduras, Bolivien, Ecuador und Peru vor.
Morus insignis : Sie kommt von Mexiko bis Venezuela und Argentinien vor. Morus kagayamae : Sie kommt in Japan vor. Morus liboensis : Sie kommt in Guizhou vor. Morus macroura (Syn.: Morus laevigata ): Sie kommt in Indien, Nepal, Bhutan, Indonesien, Kambodscha, Myanmar, Thailand und in den chinesischen Provinzen Xizang und Yunnan vor.
Morus mesozygia : Sie kommt im tropischen und im südlichen Afrika vor. Morus miyabeana : Sie kommt in Kyushu vor.
Morus mongolica (Syn.: Morus alba var. mongolica ): Sie kommt in China, in der Mongolei, in Japan und in Korea vor.
Schwarze Maulbeere (Morus nigra )
Morus notabilis : Sie kommt in Sichuan und in Yunnan vor.
Rote Maulbeere (Morus rubra ): Sie kommt im östlichen Kanada und in den Vereinigten Staaten vor. Morus serrata : Sie kommt in Pakistan, Indien, Nepal und in Xizang vor.
Morus trilobata : Sie kommt in Guizhou vor. Morus wittiorum : Sie kommt im südlichen China vor.
Folgende beschriebenen Arten werden aktuell anderen Gattungen zugeordnet: Morus calva : Ist jetzt Coriaria sinica Morus mairei : Ist jetzt Acalypha mairei Morus excelsa : Ist jetzt Milicia excelsa Morus papyrifera : Ist jetzt Broussonetia papyrifera ; siehe Papiermaulbeerbaum Morus tinctoria: Ist jetzt Maclura tinctoria ; siehe Färbermaulbeerbaum
Geschichte mini|Tacuinum sanitatis. 14. Jh.Übersetzung des Textes durch Franz Unterkircher. Tacuinum sanitatis … Graz 2004, S. 50: Maulbeeren: Komplexion: kalt und trocken im 2. Grad. Vorzuziehen sind große schwarze. Nutzen: für Geschwüre der Kehle. Schaden: sie verursachen Magenschmerzen und verwandeln sich schnell in schlechte Nahrung. Verhütung des Schadens: mit milden Medikamenten. Was sie erzeugen: unreines Blut. Besonders zuträglich für Sanguiniker, Jugendliche, im Frühling und in südlicher und warmer Gegend. Weitere historische Abbildungen: Herbarius moguntinus 1484: (Bildlink) Gart der Gesundheit 1485: (Bildlink) Hortus sanitatis 1491: (Bildlink) Leonhart Fuchs 1543: (Bildlink) Hieronymus Bock 1546. Darstellung der Sage von Pyramus und Thisbe: (Bildlink)
Maulbeerbäume werden in Ovids Metamorphosen einmal erwähnt: In Pyramus und Thisbe wird erzählt, dass die Farbe der Maulbeeren ursprünglich weiß war und das Blut, das Pyramus vergoss, in die Wurzeln des Baumes einzog und die Maulbeeren purpurn färbte. In der Bibel wird der Maulbeerbaum achtmal genannt, wobei meist die Maulbeer-Feige gemeint ist.Fritz Rienecker u. Gerhard Maier: Lexikon zur Bibel. Brockhaus, Wuppertal 1998, Lemma Maulbeerbaum, Maulbeerfeige. Im Orient werden Maulbeeren (bzw. Morus- und Rubusarten und deren Frucht) als Tut (tūt) bezeichnet (in alten Texten latinisiert thuthea und ähnlich geschrieben). Die Maulbeeren von Morus nigra L. und M. alba L. wurden im Mittelalter Moracelsi und auch Mora (domestica) genannt.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 149 und 205. Medizinisch wurde der Saft der Maulbeeren in Europa zur Vorbeugung und Behandlung von Vergiftungen und Entzündungen, insbesondere aber gegen Halsentzündungen empfohlen.
Quellen (Auswahl) Antike Arabisches Mittelalter Lateinisches Mittelalter Neuzeit Pedanios Dioskurides, 1. Jh.Pedanios Dioskurides, 1. Jh. De Medicinali Materia libri quinque. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, Buch I, Kapitel 180 (Digitalisat) Plinius der Ältere, 1. Jh.Plinius der Ältere, 1. Jh. Naturalis historia Buch XXIII, § 134 140 (Kapitel LXX-LXXI) (Digitalisat Latein) (Digitalisat der Ausgabe Külb 1840–1864 Deutsch) Galen, 2. Jh.Galen, 2. Jh. De alimentorum facultatibus, lib. II, cap. XI (Ausgabe Kühn 1823, Bd. VI, S. 584): De sycaminis, quae mora appellant (Digitalisat); De simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus, lib. VII, Cap. XII/23 (Ausgabe Kühn 1826, Bd. XII, S. 78): Morus (Digitalisat) Avicenna, 10.–11. Jh.Avicenna 10.–11. Jh. Kanon der Medizin Band II. Überarbeitung durch Andrea Alpago (1450–1521). Venedig 1555, S. 272 (Kapitel 493) (Digitalisat) Circa instans, 12. Jh.Circa instans, 12. Jh., Druck Venedig 1497, Blatt 204r (Kapitel XXIII): Mora domestica (Digitalisat) Pseudo-Serapion, 13. Jh.Pseudo-Serapion, 13. Jh., Druck. Venedig 1497, Blatt 116r-v (Kapitel CXXXII) (Digitalisat) Hildegard von Bingen, 12. Jh.Hildegard von Bingen, 12. Jh. Physica, III / 9. Edition. Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868). S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Migne, Paris 1855. Sp. 1225 nach der Handschrift Paris. Liber beate Hildegardis subtilitatum diversarum naturarum creaturarum et sic de aliis quam multis bonis. Paris. Bibliothèque Nationale. Codex 6952 f. 156–232. Vollständige Handschrift. 15. Jh. (1425–1450) (Digitalisat) Konrad von Megenberg, 14. Jh.Konrad von Megenberg, 14. Jh. Hauptquelle: Thomas von Cantimpré, Liber de natura rerum. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Konrad von Megenberg. Buch der Natur. Aue, Stuttgart 1861, S. 330 (Digitalisat) Herbarius Moguntinus, Mainz 1484Herbarius Moguntinus, Mainz 1484, Kapitel 92 (Digitalisat) Gart der Gesundheit, Mainz 1485Gart der Gesundheit, Mainz 1485, Kapitel 259 (Digitalisat)