mini|hochkant=1.7|Freiberg, Untermarkt mit Dom St. Marien
Freiberg ist eine Große Kreisstadt und Bergstadt etwa in der Mitte des Freistaates Sachsen zwischen Dresden und Chemnitz. Die Mittelstadt ist Verwaltungssitz des 2008 gebildeten Landkreises Mittelsachsen und mit der 1765 gegründeten Bergakademie Freiberg Sitz der ältesten bestehenden technisch-montanwissenschaftlichen Universität der Welt.
Der gesamte historische Stadtkern der Silberstadt steht unter Denkmalschutz. Er gehört, zusammen mit örtlichen Denkmälern der Bergbaugeschichte wie der Reichen Zeche, seit 2019 zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge. Bis 1969 war die Stadt rund 800 Jahre vom Bergbau und der Hüttenindustrie geprägt. In den letzten Jahrzehnten fand ein Strukturwandel zum Hochtechnologiestandort im Bereich der Halbleiterfertigung und der Solartechnik statt, womit die heutige UniversitätsstadtDie Bezeichnung Universitätsstadt wurde mit Wirkung vom 11. Januar 2015 verliehen, vgl. Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministerium des Innern vom 16. Dezember 2014 SächsABl. 2015, S. 114. Freiberg zum Silicon Saxony gehört. In der eigentlichen Stadt ohne Ortsteile lebten Stand 31. Dezember 2022 laut Stadtverwaltung 40.485 Einwohner.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt an der nördlichen Abdachung des Erzgebirges mit dem Großteil des Stadtgebietes westlich der Östlichen oder der Freiberger Mulde. Die Stadt ist zum Teil in die Täler des Münzbaches und des Goldbaches eingebettet. Das Zentrum mit dem Bahnhof liegt auf etwa . Tiefster Punkt ist der Münzbach an der Stadtgrenze mit , der höchste Punkt befindet sich bei auf einer Bergbauhalde. Freiberg liegt innerhalb einer alten, durch den Bergbau genutzten und von ihm geprägten Rodungslandschaft und ist im Norden, Südosten und Südwesten von Wäldern, in den übrigen Richtungen von Feldern und Wiesen umgeben. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist mit den Städten Nossen, Roßwein, Großschirma, Freiberg und Brand-Erbisdorf eine Zone der Verstädterung tendenziell im Entstehen. Diese umfasst etwa 75.000 Einwohner.
Freiberg befindet sich etwa 31 km westsüdwestlich von Dresden, etwa 31 km ostnordöstlich von Chemnitz, etwa 82 km südöstlich von Leipzig sowie etwa 179 km südlich von Berlin und etwa 120 km nordwestlich von Prag. Freiberg liegt etwa 8,4 km westlich des geographischen Mittelpunktes des Freistaates und ist somit die Stadt, die mit ihrem Zentrum diesem Punkt am nächsten liegt.
Freiberg liegt an einer Grenze von zwei Formen des sächsischen Dialektes: östlich das Südostmeißnische und westlich das Südmeißnische, die beide den fünf Meißenischen Dialekten zuzurechnen sind, sowie knapp nördlich des Dialektgebietes des Osterzgebirgischen.
Ausdehnung des Stadtgebiets mini|Obermarkt mit Rathaus Die Keimzelle der Stadt, das ehemalige Waldhufendorf Christiansdorf, liegt im Tal des Münzbaches. Aus der ehemaligen bäuerlichen Siedlung entwickelte sich die hochmittelalterliche Stadt Freiberg (der freie Berg). An dessen Hängen und auf dem westlich davon gelegenen Höhenrücken entstand der ummauerte Stadtkern. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die östlich der alten Hauptstraßenachse (heute Erbische Straße und Burgstraße vom ehemaligen Erbischen Tor am Postplatz zum Schloss Freudenstein) abgehenden Straßen, die zum Teil bis auf den Gegenhang des Münzbachtals führen, steil sind. Der östlich der Hauptstraßenachse gelegene Teil wird als Unterstadt mit dem dazugehörenden Untermarkt bezeichnet. Das westliche Gebiet ist die Oberstadt mit dem Obermarkt. Der Stadtkern wird von den entlang der alten Stadtmauer verlaufenden Ringanlagen umschlossen. Im Westen verbreitern sich diese, in die die Kreuzteiche eingebettet sind, parkartig. Unmittelbar nördlich des Stadtkerns befinden sich neben dem Schloss Freudenstein Stadtmauerreste mit mehreren Mauertürmen und dem vorgelagerten Schlüsselteich. Die Mauerreste setzen sich in östlicher Richtung mit Durchbrüchen bis zum Donatsturm fort. In diesem Bereich dominiert der historische Wallgraben. Die Südgrenze des Altstadtkerns wird zum Teil durch Bauten aus der Gründerzeit geprägt. Die Bundesstraße 101 flankiert als Wallstraße den Westen, die Bundesstraße 173 als Schillerstraße und Hornstraße den Süden der Altstadt.
Freibergs Norden wird durch den Campus der TU Bergakademie Freiberg geprägt. Dessen Hauptteile beiderseits der Leipziger Straße (als B 101 wichtigste Verkehrsverbindung in diesem Gebiet) entstanden in den 1950er und 1960er Jahren. Weiterhin befinden sich dort die Stadtteile Loßnitz, Lößnitz und Kleinwaltersdorf, das nicht unmittelbar an die städtischen Bebauungsgrenzen reicht. Zwischen Kleinwaltersdorf und Lößnitz liegt der Nonnenwald und östlich der Leipziger Straße ein Gewerbegebiet.
Der Osten Freibergs umfasst den rechten, östlichen Hang des Münzbachtales, das Tal der Freiberger Mulde und Teile der östlich davon gelegenen Hochfläche. Da dort über Jahrhunderte intensiver Bergbau betrieben wurde, ist dieses Gebiet vor allem durch die Tagesanlagen der Gruben, deren Halden und Industrieanlagen verschiedener Perioden gekennzeichnet. Große Teile der Bergbauhalden wurden ab den 1960er Jahren begrünt und sind heute bewaldet. Der Stadtteil Halsbach an der B 173 ist eine alte Streusiedlung am Osthang der Mulde, in der vor allem Bergleute mit ihren Familien wohnten. Zwischen den 1960er und 1990er Jahren standen in Halsbrücke und Muldenhütten insgesamt sechs zwischen 120 und 200 m hohe Schornsteine, die weithin die Freiberger Stadtsilhouette prägten. In Richtung Osten verläuft die Sachsen-Franken-Magistrale zunächst in einem tiefen Einschnitt, in einem nach Norden offenen Bogen aus der Stadt, um nach Passieren des Muldenhüttener Eisenbahnviadukts die Richtung nach Dresden einzuschlagen. Nach Südosten führt eine Landstraße in Richtung Osterzgebirge und Tschechien aus der Stadt. Die geschlossene Wohnbebauung im östlichen Stadtgebiet stammt im Wesentlichen aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nördlich der Dresdner Straße befindet sich zwischen dem Donatsturm und dem ehemaligen Bahnhof Freiberg (Ost) der mehrere hundert Jahre alte Donatsfriedhof. Weitere Friedhöfe befinden sich nördlich davon.
mini|Stollnhaus in Zug Freibergs Süden ist in erster Linie von der in Ost-West-Richtung verlaufenden Eisenbahntrasse, die auf hohen Dämmen die nordwärts verlaufenden Täler von Münz- und Goldbach quert, bestimmt. Diese Eisenbahnstrecke mit ihrem ehemals bedeutenden Güterbahnhof schneidet im Süden die steiler werdenden, ins Erzgebirge führenden Hänge an. Zwischen Bahnhof und Altstadt befanden sich die übertägigen Anlagen alter Erzgruben. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nimmt dieses Terrain die Bahnhofsvorstadt ein. Um den Bahnhof gibt es alte Industrieflächen und am Wernerplatz befindet sich der Busbahnhof. im östlichen Teil befanden sich der alte Jüdenberg (jüdische Vorstadt) und mehrere Vorwerke. Südwestlich des Stadtkerns schließt sich südlich der Chemnitzer Straße (B 173) Freibergsdorf an. Südlich der Bahntrasse befindet sich ein in den 1930er Jahren angelegtes Siedlungsgebiet. Zwischen diesem, der Bahntrasse und dem Stadtteil Zug wurden zwischen den 1960er und 1980er Jahren die Wohngebiete Seilerberg und Wasserberg angelegt, die kreissegmentförmig den Ring bis fast zur Chemnitzer Straße im Westen schließen. Durch diese Wohngebiete verläuft die West-Osttangente, die die Innenstadt vom Fernverkehr entlastet. Zug ist heute ein von kleineren Bergwerkshalden geprägtes Siedlungsgebiet mit vielen Einfamilienhäusern. An der B 101, der Annaberger Straße, befinden sich Einkaufszentren und Gewerbegebiete. Fast unmerklich geht das Gebiet von Zug in das Stadtgebiet von Brand-Erbisdorf über. Der Stadtteil Langenrinne im Südosten im Tal des Münzbachs war ehemals landwirtschaftlich geprägt und ist heute Wohngebiet in aufgelockerter Bauweise. Zwischen Langenrinne und dem Seilerberg hat die Solarindustrie einen Standort gefunden.
Der Westen ist die bevorzugte Wohngegend mit dem Stadtpark, einem Freizeitzentrum und einem der beiden deutschen Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (umgangssprachlich Mormonen genannt). Er wurde von 1983 bis 1985 gebaut und am 29. Juni 1985 geweiht. Am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden dort größere Villen, und während der DDR-Zeit wurden Einfamilienhäuser errichtet. Der Stadtteil Friedeburg ist eine Mischung von Villenkolonien, Wohnbauten aus den 1980er und 1990er Jahren und neuerer aufgelockerter Bebauung. Dort führt die Landstraße in Richtung Hainichen und Mittweida aus der Stadt. Im Südwesten wird die Stadt vom Hospitalwald, in dem sich ein Freibad und ein Campingplatz befinden, begrenzt. Durch diesen Wald verläuft die Eisenbahntrasse in Richtung Westen.
Umland Im Freiberger Umland sind sowohl Industriestandorte als auch Landwirtschaft, Wälder und Naherholungsgebiete vorhanden. An den Standorten Muldenhütten und Halsbrücke sind Unternehmen der Hütten- und Metall verarbeitenden Industrie und in Weißenborn, Großschirma und Reinsberg Unternehmen der Papierindustrie ansässig. Die junge Stadt Großschirma liegt nördlich von Freiberg an der Bundesstraße 101. Nordöstlich schließt die Gemeinde Halsbrücke an das Freiberger Stadtgebiete an. Weiter befindet sich im Osten die Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf. Ebenfalls nordöstlich der Stadt liegt das Naherholungsgebiet Tharandter Wald. Die sich im Südosten befindliche Gemeinde Weißenborn gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Lichtenberg-Weißenborn mit dem noch weiter entfernten Städtchen Frauenstein. An der südlich aus Freiberg herausführenden Bundesstraße 101 liegen die Große Kreisstadt Brand-Erbisdorf und der Freiwald. Nach Süden, zum Kamm des Erzgebirges, und nach Norden in Richtung Nossen und Meißen erstrecken sich die technisch und hinsichtlich des Naturschutzes interessanten Anlagen der Revierwasserlaufanstalt Freiberg. Im Westen befinden sich Oberschöna und Oederan.
Stadtteile (Stadtgliederung) Die Stadt Freiberg untergliedert sich in acht Stadtteile:
Neben den Stadtteilen Altstadt, Freiberg-Nord, Freiberg-Ost, Freiberg-Süd und Freiberg-West sind dies Halsbach, Kleinwaltersdorf und Zug.
Zu diesen Stadtteilen gehören folgende Ortsteile und Stadtviertel:
Stadtteil Ortsteile und Stadtviertel Bevölkerung (2013) Altstadt Oberstadt, Unterstadt, d. h. Domviertel, Jakobiviertel, Nikolaiviertel, Petriviertel 3.763 Freiberg-Nord Friedeburg, Neu-Friedeburg, Lößnitz, Loßnitz 8.175 Freiberg-Ost Donatsviertel, Himmelfahrter Revier, Hüttenviertel, Muldenhütten, Scheunenviertel 2.541 Freiberg-Süd Bahnhofsvorstadt, Hinter dem Bahnhof, Seilerberg, Silberhofviertel 9.168 Freiberg-West Fernesiechen, Freibergsdorf, Hospitalviertel, Wasserberg (-Nord, -Ost, -Süd, -West) 14.400 Halsbach Halsbach 316 Kleinwaltersdorf Kleinwaltersdorf, Bahnhof, Fürstenbusch, Nonnenwald, Rittergut, Waltersbach 784 Zug Zug (Oberzug, Niederzug), Langenrinne mit Rosine, Pulvermühle, Rotes Vorwerk 1.696
mini|Freibergit aus der Typlokalität Schachtanlage „Reiche Zeche“, Himmelfahrt Fundgrube
Geologie mini|Die Annenkapelle im Dom-Ensemble ist bis auf die Portal- und Fenstereinfassungen vollkommen aus Gneis-Bruchsteinen errichtet.