Die Wartburg ist eine Burg bei Eisenach, im nordwestlichen Thüringer Wald in Thüringen. Ihr Name ist wahrscheinlich von Warte, also Wach(t)-, Wächterburg abgeleitet. Der Burgberg weist mit noch einmal eine Höhe auf wie der etwa 3 km südlich gelegene Kamm des Thüringer Waldes mit dem Rennsteig. Unterhalb der Wartburg im nördlich gelegenen Hörseltal verlief die Via Regia. Erstmals genannt wurde die Wartburg 1080 in Brunos Abhandlung zum Sachsenkrieg „De bello Saxonico“.

Aufgrund ihrer Verknüpfung mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Elisabeth von Thüringen und Martin Luther bzw. Ereignissen wie dem Sängerkrieg und dem Wartburgfest der Urburschenschaft 1817 gilt die Wartburg als ein deutsches Nationaldenkmal. Seit 1999 gehört sie außerdem zum UNESCO-Welterbe.

Der in wesentlichen Teilen erhaltene, von den Landgrafen von Thüringen, den Ludowingern, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaute Palas ist der erste seines Bautyps überhaupt im deutschsprachigen Raum und kann als künstlerisch und architektonisch bedeutendster Bau seiner Art gelten. Das heutige Gesamterscheinungsbild der Burganlage mit Neuer Kemenate und Hauptturm sowie des sie umgebenden Landschaftsparks geht auf den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zurück. In seinem Auftrag wurde die Wartburg 1838 bis 1890 nach Entwürfen von Hugo von Ritgen wiederhergestellt.Welterbe Wartburg

Geschichte mini|Wartburg um 1900 mini|Erster Burghof mini|Zweiter Burghof

Bedeutung in der deutschen Geschichte Die Wartburg ist in verschiedener Hinsicht mit der Geschichte Deutschlands verbunden:

1211 bis 1227 lebte und wirkte Elisabeth von Thüringen auf der Burg, die in Deutschland zeitweise auch als „Nationalheilige“ galt.

Im Februar 1247 starb Landgraf Heinrich Raspe IV. auf der Wartburg, römisch-deutscher Gegenkönig zu Friedrich II. Vom 4. Mai 1521 bis zum 1. März 1522 lebte Martin Luther, versteckt als „Junker Jörg“ auf der Wartburg. Hier übersetzte er in nur elf Wochen das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche (Septembertestament). Ab 1777 hielt sich Johann Wolfgang von Goethe dienstlich wie privat oft auf der Wartburg und in Eisenach auf. Er hat die Wartburg während seiner Aufenthalte mehrfach gezeichnet. Am 18. Oktober 1817 fand das erste Wartburgfest statt, eine Protestkundgebung hunderter Studenten sowie einiger Professoren gegen reaktionäre Politik und für einen Nationalstaat mit einer eigenen Verfassung. Im Revolutionsjahr 1848 fand das zweite Wartburgfest statt.

Die Burg gilt spätestens seit dem 19. Jahrhundert als nationales Denkmal.

Ludowinger Die Ludowinger sind die Erbauer der Wartburg. Als Ahnherr der Ludowinger gilt Ludwig der Bärtige, der wahrscheinlich zum Verwandtenkreis der Grafen von Rieneck, die Burggrafen des Erzbischofs von Mainz stellten sowie der von Egisheim gehörte. Ludwig der Bärtige gründete im Raum Gotha-Eisenach eine kleine Rodungsherrschaft und soll die (heute verfallene) Schauenburg bei Friedrichroda errichtet haben. Sein Sohn Ludwig der Springer trat dieses Erbe an und soll die Wartburg gegründet haben.

Gründungssage der Wartburg Der Sage nach soll Ludwig der Springer mit den Worten „Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ die Gründung der Wartburg verkündet haben. Der Plan drohte allerdings daran zu scheitern, dass ihm der Berg nicht gehörte. Er hätte ihn mit seinen nur zwölf Rittern auch nicht erobern können. So kam er auf die Idee, von seinem eigenen Herrschaftsgebiet Erde herbeizuschaffen und diese auf dem Berg auszustreuen. Die Gründungssage erzählt nun von den Schwurschwertern der Wartburg: Vor Gericht sagten Ritter für ihn aus, rammten ihre Schwerter in den herbeigeschafften Boden und beschworen, dass diese Schwerter vollends in Ludwigs Erde steckten. Der Trick hatte Erfolg, der Bau der Wartburg konnte beginnen, so die Sage.

Überlieferung zur Gründung der Wartburg Aus der Historia brevis principum Thuringiae (Kurze Geschichte der Fürsten von Thüringen) auch Libellus de ortu principum Thuringiae (Buch vom Aufstieg der Fürsten von Thüringen) genannt (nach Stefan Tebruck basierend auf in Reinhardsbrunn zur Zeit Landgraf Hermanns I. zusammengefasster Überlieferung), ist über die Gründung der Wartburg durch Ludwig den Springer folgender Satz überliefert: Post hoc ampliatis diviciarum suarum terminis montem quem Wartberc dicunt cum fortibus tocius provincie auxilariis occupavit et ibi cicut hodie cernitur inexpugnabile castrum erexit. (Dann erweiterte er seinen Besitz bis zu dem Berg, genannt Wartberg und errichtete dort mit Hilfskräften des gesamten Landes eine uneinnehmbare Burg, wie man heute sieht.) Demnach hätte Ludwig irgendwie die Gegend der heutigen Stadt Eisenach samt Wartberg in Besitz genommen. Wann und wodurch dies geschah, wird dort nicht berichtet. Jedenfalls war Ludwig der Springer aber offenbar in der Lage, Hilfskräfte des gesamten Landes (totius provincie) für den Bau heranzuziehen. Berichtet wird noch, dass Ludwig 1063 die Tochter eines gewissen sächsischen Heerführers Udo heiratete, die er später verstoßen hat. (Item anno domini M.L.XIII. idem Ludewicus desponsavit sibi filiam Udalrici, cujusdam ducis Saxonie, quam postea repudiavit.) 1063 war Ludwig dann wohl volljährig, zusammen mit der Ersterwähnung der Wartburg durch Bruno zu 1080 ergäbe sich dann der Zeitraum, in dem die Wartburg (von Ludwig) errichtet worden sein muss.

Ludwig war nun 1063 sicherlich noch ein eher unbedeutender Grundherr der Gegend um seine Burg, die Schauenburg, einen Tagesmarsch vom Wartberg entfernt. Er war aber auch ein Gefolgsmann des Salierkönigs (rex salicus) Heinrichs IV., der 1067 sein Burgenbauprogramm startete und hierbei wohl insbesondere auf treue Gefolgsmänner aus dem eher niederen Adel zurückgriff. Ludwig war ein solcher, der ja auch als Springer (saliens = Verballhornung von salicus = Salier) in die Geschichte einging. Hinzu kommt, dass Ludwig der Springer 1067 sicher im besten Einvernehmen mit dem ebenfalls königstreuen Kloster Fulda, das seit 1014 den Wildbann über den Wartberg als Reichsgut innehatte, und seinem königstreuen Schwager Poppo I. war, dessen Nachfahren auch in diesem Wildbanngebiet von Fulda Lehen und Burgen (Ringelstein) besaßen. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Ludwig der Springer Land, Berg und Burg als Lehen von Heinrich IV., im Einvernehmen mit Fulda (sowie Hersfeld und Mainz) erhielt.

1113 wurde Ludwig der Springer, weil er sich an einem Aufstand gegen Kaiser Heinrich V. beteiligt hatte, zu Dortmund gefangen gesetzt und musste für seine Freilassung die Wartburg an den Kaiser übergeben. Von Januar 1114 bis September 1116 befand sich Ludwig erneut in kaiserlicher Haft. Ludwig findet sich dann am 21. November 1116 auf der Wartburg wieder in Freiheit, wo er zusammen mit seinen Neffen Poppo II. vom Frankenstein und Gotebold II. von Henneberg u. a. eine Schenkung des Grafen Erwin von Tonna/Gleichen an das Kloster Reinhardsbrunn bezeugt.

Die Wartburg der Landgrafen von Thüringen Als Parteigänger des Erzbischofs von Mainz gewannen die Ludowinger schnell an Macht und Bedeutung. 1131 wurde der Sohn Ludwigs des Springers, Ludwig I., von König Lothar III. in den Landgrafenstand erhoben und damit den Herzögen gleichgestellt. Die Annäherung an das deutsche Kaiserhaus der Staufer führte zur Abkehr vom Mainzer Erzbischof. In der Folgezeit expandierten die Landgrafen in Thüringen auf Kosten der Erzbischöfe. Aus dieser Zeit sind nur minimale bauliche Überreste der damaligen Burg erhalten. Wahrscheinlich bestanden wesentliche Teile der Bauten aus Holz.

Landgraf Ludwig II. (reg. 1140–1172) war der wichtigste Bauherr der Ludowinger. Sein Einfluss auf den Burgenbau der damaligen Zeit war sehr bedeutsam. Unter seiner Leitung entstand ca. 1156–1162 der kulturhistorisch außerordentlich wertvolle Palas, ein gesonderter, separat stehender Repräsentationsbau mit Wohnfunktion. Neben dem Palas stammen die östliche Ringmauer und Teile des Torhauses ebenfalls noch aus dem 12. Jahrhundert. Ein Bergfried, der an anderer Stelle des heutigen Turmes stand und wesentlich größere Dimensionen hatte, überdauerte die Jahrhunderte nicht. 1172 wurde das Landgrafenhaus gebaut.

Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe IV., regierte in der Zeit von 1227 bis 1247. Er nutzte die Burg als alleinige Residenz und griff damit quasi der historischen Entwicklung vor. Bisher war es üblich gewesen, eine Wanderherrschaft auszuüben, das heißt, von Burg zu Burg zu ziehen, bis die Hofhaltung die örtlichen Ressourcen erschöpft hatte.

Burggrafen der Wartburg Die fortschreitende Ausdehnung des Herrschaftsgebietes der Ludowinger über räumlich oft weit entfernte Teile der heutigen Bundesländer Thüringen und Hessen führte zu einer häufigen Abwesenheit der regierenden Landgrafen von den jeweiligen Burgen mit Residenzfunktion. Dies betraf auch die etwa im Zentrum der Landgrafschaft gelegene Wartburg. Es bestand daher die Notwendigkeit, alle Aufgaben zur Verwaltung der Burg, insbesondere auch die ständige Sicherung und wehrtechnische Verbesserung der Festungsanlage, in die Hände eines Bevollmächtigten und Stellvertreters zu geben; dieser hatte das Amt eines Burggrafen der Wartburg inne. Mit der Familie der Grafen von Wartburg, die auch zeitgleich im frühen 13. Jahrhundert als Burggrafen der benachbarten Brandenburg in Erscheinung treten, kam hier eine Seitenlinie der Grafen von Bielstein zu hohen Ehren, die nicht blutsverwandt mit der Familie der Ludowinger war.

Sängerkrieg

Unter Hermann I. (1190–1216) erlebte die Wartburg ihre Blütezeit. Als ein vermögender Förderer der Kunst und Kultur machte er die Burg zu einem Anziehungspunkt für Künstler und zur Hauptstätte der deutschen Dichtung. Vor diesem realen Hintergrund wird sie zum angeblichen Schauplatz des sagenhaften Sängerkrieges. Doch die so lebhaft und dramatisch geschilderte Begebenheit ist eine Fiktion. Thüringische Geschichtsschreiber wie Dietrich von Apolda (nach 1298) und der Eisenacher Rechtsgelehrte und Chronist Johannes Rothe (15. Jh.) ersannen aus der ihnen noch reichlich zugänglichen Literatur ein historisches Ereignis. Mit präziser Sachkenntnis konnte Rothe dieses Ereignis sogar in die von ihm verfasste oder ergänzte thüringische Chronik „einbauen“.

Landgräfin Elisabeth

Bis 1228 lebte die ungarische Königstochter Elisabeth als Frau (seit 1227 als Witwe) des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen auf der Wartburg. Ab wann sie dort lebte, ist nicht gesichert. Als ihr Gemahl auf einem Kreuzzug ums Leben gekommen war, widmete sich Elisabeth einem Leben in Armut und dem Dienst an Armen und Kranken.

Wettiner Der kinderlose Heinrich Raspe IV. erwirkte bei Kaiser Friedrich II. 1243 die Belehnung seines Neffen, Heinrich III. von Meißen mit der Landgrafschaft Thüringen. Nach Heinrich Raspes Tod 1247 entbrannte dennoch der Thüringisch-hessische Erbfolgekrieg. Im Ergebnis setzte Heinrich III. seinen Sohn Albrecht II. als Landgrafen ein, der Wartburg und Eisenach als seine Residenz wählte.

Noch 1250 wurde das Landgrafenhaus aufgestockt. Ebenfalls im 13. Jahrhundert erfolgte der Bau des Südturms am hinteren Burghof. Durch einen Brand infolge eines Blitzschlags im Jahre 1318 wurde die Burg stark in Mitleidenschaft gezogen. Markgraf Friedrich der Freidige ließ 1319 Reparaturarbeiten am Palas und am Bergfried durchführen und in der Kernburg ein großes beheizbares Gebäude errichten. Unter anderem stammt auch der Einbau der Kirche in das Landgrafenhaus (1320) aus dieser Zeit.

Nach dem Tode des Landgrafen Balthasar von Thüringen 1406 war die Burg im 15. Jahrhundert nur noch Nebenresidenz. Das drückte sich auch in der bescheideneren Bauausführung aus. An Stelle von Natursteinquadern trat das billigere Fachwerk. Erhalten haben sich aus dieser Zeit das Torhaus (Ende 15. Jahrhundert unter Verwendung älterer Teile), das Ritterhaus, die Vogtei (begonnen 1480) und die beiden Wehrgänge der Vorburg (nach 1477).

Martin Luther