mini|Friedrich Fröbel
Friedrich Wilhelm August Fröbel (* 21. April 1782 in Oberweißbach/Thüringer Wald; † 21. Juni 1852 in Marienthal) war ein deutscher Pädagoge, der sich kritisch und produktiv insbesondere mit der Pädagogik Pestalozzis auseinandersetzte. Sein besonderes Verdienst besteht darin, die Bedeutung der frühen Kindheit nicht nur erkannt, sondern durch die Schaffung eines Systems (bei Fröbel: „Ganzes“) von Liedern, Beschäftigungen und „Spielgaben“ die Realisierung dieser Erkenntnisse vorangetrieben zu haben. Mit der Stiftung des „Allgemeinen deutschen Kindergartens“ am 28. Juni 1840 in Blankenburg begann Fröbel, seine Erkenntnisse, wonach bereits in der frühen Kindheit der Nährboden für die weitere Entwicklung des Menschen gelegt wird, praktisch umzusetzen. Der Kindergarten unterschied sich von den damals bereits existierenden Kinderbewahranstalten und Kleinkinderschulen durch die pädagogische Konzeption. Damit verbunden war die Erweiterung des Aufgabenspektrums von der Betreuung zur Trias von Bildung, Erziehung und Betreuung.Martin R. Textor, Bildung, Erziehung, Betreuung, auf kindergartenpaedagogik.de
In Würdigung von Fröbels pädagogischer Lebensleistung – insbesondere für die weltweit verbreitete Kindergarten-Idee – wird der 21. April (Fröbels Geburtstag) als weltweiter Kindergarten-Tag (Aktionstag) begangen,Kindergarten-Tag 2022, auf kleiner-kalender.de, abgerufen am 8. November 2021 in den Vereinigten Staaten etwa als „National Kindergarten Day“.Kindergarten-Tag – der National Kindergarten Day in den USA kuriose-feiertage.de; abgerufen am 21. April 2017. Es gibt heute weltweit viele Kindergärten, die nach Fröbel benannt sind und dessen Pädagogik aufgreifen und weiterführen. Als wesentlich gilt dabei u. a. die anregende Förderung des Spiels von Kindern durch Erwachsene sowie deren Unterstützung beim Bemühen der Kinder, die Welt zu erfahren und zu begreifen.
Am 15. März 2023 wurde die Kindergartenidee nach Friedrich Fröbel in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Leben, Lehre und pädagogische Praxis Überblick Fröbel hatte erkannt, dass Bildung im frühen Kindesalter vorrangig im Spiel und nicht durch Wortbelehrung erfolgt. Ins Zentrum seiner Kindergarten-Pädagogik stellte er das Spiel als typisch kindliche Lebensform. Die von ihm dafür entwickelten Spielgaben und Beschäftigungsmaterialien sind auch heute von hohem pädagogischen Wert und beinhalten ein erhebliches Kreativitätspotenzial. Mit seinen Mutter- und Koseliedern beabsichtigte Fröbel, das sensomotorische Spiel des Kindes anzuregen und die Mutter-Kind-Bindung zu entwickeln.
Friedrich Fröbel wird als „Erfinder“ des Kindergartens in aller Welt verehrt. Der Begriff „Kindergarten“ wurde in über 40 Sprachen zumeist unverändert übernommen. Manche seiner Lieder singen Kinder noch heute. Seine Spielgaben und Beschäftigungsmaterialien haben nichts an pädagogischem Wert und Attraktivität verloren – im Gegenteil: Ihnen entspringen immer wieder neue Ideen und Bedeutungen.
Fröbel war nicht nur „Kindergartenerfinder“, er machte sich auch um die Schulpädagogik und Berufsausbildung – speziell für Frauen – verdient, wirkte als Publizist und wird von manchem als ein Inspirator der Kunst und Architektur der Moderne gesehen. Seine Lebenszeit – umrahmt von der Französischen Revolution und der bürgerlich-demokratischen Revolution in Deutschland – war in Europa durch die geistigen Strömungen der Aufklärung und der Romantik gekennzeichnet. Die aufklärerische Welthaltung war geprägt von aktiver Weltaneignung, das Credo der Romantik war die Hinwendung zur Innerlichkeit. Fröbel gelang es wie kaum einem anderen, scheinbar widerstreitende geistige Tendenzen in Einklang zu bringen. Lernen und Entwicklung hieß für ihn, der Mensch solle Inneres äußerlich und Äußeres innerlich machen, also zur „Lebenseinigung“ finden. Dies war einer der festen Orientierungspunkte all seines pädagogischen Denkens, Schaffens und Wirkens.Matthias Brodbeck: Das Leben des Kindes ist Spiel – Friedrich Fröbels Spielpädagogik heute für Kindergarten, Schule und Familie. Verlag Iffland, Nordhausen, S. 13ff. Von Beginn an unterstützten ihn Heinrich Langethal und vor allem Wilhelm Middendorf. Beide waren bereits 1816/17 seine treuesten Mitarbeiter, als es daranging, seine Erziehungsideen in Keilhau bei Rudolstadt in die Praxis umzusetzen.
Familie, Ausbildung und Beruf mini|Geburtshaus in Oberweißbach (Museum Fröbelhaus)
Fröbel wurde am 21. April 1782 in Oberweißbach im Thüringer Wald als sechstes Kind des orthodox-lutherischen Pfarrers Johann Jakob Fröbel und seiner Frau Jacobine Eleonore Friederike (geb. Hoffmann) geboren. Seine Mutter starb im darauffolgenden Jahr. Der frühe Verlust, von Fröbel stark empfunden, hat ihn geprägt, da er zudem mit der zweiten Frau seines Vaters Probleme hatte. Ab 1792 lebte er in Stadtilm bei Erfurt beim Bruder seiner verstorbenen Mutter, Superintendent Hoffmann, der die Situation des Kindes erkannte. Er besuchte hier die Elementarschule.
Fröbel absolvierte von 1797 bis 1799 eine Landwirtschafts- und Försterlehre bei Hirschberg (Saale). Ab 1799 studierte er Naturwissenschaften in Jena.Eingeschrieben am 22. Oktober 1799 (Matrikel der Universität Jena 1764‒1801, S. 153v). Von 1802 bis 1803 war er Forstamtsaktuar (Landmesser) in Baunach und Bamberg.
Von 1804 bis 1805 diente er als Privatsekretär auf Gut Groß Miltzow bei Otto Ulrich von Dewitz. In der umfangreichen Bibliothek des Gutsherrn fand Fröbel Interesse an Schriften über Architektur, Philosophie, Literatur und Theologie. Texte, die auf ihn „vorzüglich anregend wirkten“, waren: Anthropologische Abhandlungen des Philosophen Karl Ludwig Pörschke, die Bücher von Novalis, Germanien und Europa von Ernst Moritz Arndt, Von der Weltseele sowie Bruno oder über das natürliche und göttliche Princip der Dinge von Schelling. Miltzow erschien Fröbel als das geistige Erweckungserlebnis: „bis hier hatte mein Leben gekeimt gewachsen geschoßt geknospet jetzt fing es an zu blühen“.Friedrich Fröbel Brief an Bernhard II. Erich Freund Herzog von Sachsen-Meiningen in Meiningen vom 6./25.7.1827 (Keilhau) In: Briefausgabe Friedrich Fröbel - Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung/Friedrich Fröbel Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen, KN 108;4 (Mappe I), Entwurfsfragment
Fröbel berichtet in einer autobiographischen Schrift, er habe Johann Heinrich Pestalozzi Ende August 1805 in Yverdon-les-Bains (Kanton Waadt) besucht. Er habe sich aber dort bedauerlicherweise nur 14 Tage aufhalten können, aber er habe dort viel von Pestalozzi gelernt.Friedrich Fröbel's gesammelte pädagogische Schriften. hrsg. von Wichard Lange, Berlin: Enslin, 1862, S. 76.
Als Erzieher begann er 1805 nach seiner Rückkehr aus der Schweiz an der Pestalozzi-Musterschule in Frankfurt am Main.Friedrich Fröbel's gesammelte pädagogische Schriften, hrsg. von Wichard Lange, Berlin: Enslin, 1862, S. 79. Von 1806 bis 1811 war Fröbel Hauslehrer für die drei Söhne der adeligen Familie von Holzhausen in Frankfurt, und er schloss eine Freundschaft mit Caroline von Holzhausen. Er lebte mit den drei Kindern von 1808 bis 1810 in Pestalozzis Institut in Iferten (Yverdon) in der Schweiz. Am Ende dieses Aufenthalts war Fröbel enttäuscht über Auseinandersetzungen zwischen Lehrern des Instituts und über Pestalozzis Stellungnahmen in Bezug auf diesen Zustand.Helmut Heiland: Friedrich Fröbel in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1983, S. 29–34. Er entwickelte zudem Pestalozzis Elementarmethode weiter und entdeckte die besondere Bedeutung der frühen Kindheit in der menschlichen Entwicklung.
1811 setzte er seine Studien der Sprachen, Physik und Chemie in Göttingen und der Mineralogie in Berlin fort, ohne sie mit einem Zertifikat abzuschließen. Fröbel wurde Lehrer an der Plamannschen Schule in Berlin, die in jener Zeit ein pädagogisches und patriotisches Zentrum war. Das Studium musste er beim Ausbruch der Befreiungskriege gegen Napoleon im März 1813 abbrechen.
Im Lützowschen Freikorps nahm er an der Schlacht von Großgörschen im Mai 1813 teil. Während seines Dienstes im Freikorps schloss Fröbel Freundschaft mit Wilhelm Middendorf und Heinrich Langethal.
mini|Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt in Keilhau, heute Freie Fröbelschule Keilhau
1814, nach der Rückkehr, wurde Fröbel Assistent am Institut und Museum für Mineralogie in Berlin bei Weiß. Er gab diese Stelle wieder auf und gründete 1816 in Griesheim bei Stadtilm in Thüringen die Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt (Vorläufer der Landerziehungsheime). 1817 verlegte er diese nach Keilhau bei Rudolstadt. 1831 wurde sie von den anderen Mitbegründern Wilhelm Middendorf und Heinrich Langethal weitergeführt.
1817 zog er nach Keilhau um und baute mit Langethal, Middendorf und Wilhelmine Henriette Hoffmeister die Erziehungsanstalt auf. Am 11. September 1818 heiratete er in Berlin Wilhelmine Hoffmeister (* 1780), die Ehe blieb kinderlos.
Als Herausgeber von Zeitschriften und Schriften mit verschiedenen Namen verbreitete er seine Ansichten. 1820 erschien die erste Keilhauer Werbeschrift An unser deutsches Volk, bis 1823 vier weitere Keilhauer Werbeschriften.Keilhauer Werbeschriften, auf froebelweb.de, abgerufen am 8. November 2021
Hauptwerk mini|Fröbelkindergarten in Bad Blankenburg, entstanden auf Initiative von Eleonore Heerwart, 1908 eröffnet
1826 gab er sein literarisches Hauptwerk Die Menschenerziehung herausDie Menschenerziehung bei froebelweb.de und gründete die Wochenschrift Die erziehenden FamilienDie erziehenden Familien, auf froebelweb.de. Er verfolgte 1828/1829 den Plan einer Volkserziehungsanstalt in Helba (heute ein Ortsteil von Meiningen), den sogenannten Helba-Plan, den er jedoch nicht verwirklichte. 1835 übernahm Johannes Arnold Barop die Leitung der Schule in Keilhau.Johannes Arnold Barop, auf froebelweb.de
mini|Schloss Wartensee, Neuenkirch/Schweiz Von 1831 bis 1836 lebte Fröbel wieder in der Schweiz. Er gründete 1831 im Schloss Wartensee in Neuenkirch im Kanton Luzern eine Erziehungsanstalt. 1833 verlegte er diese nach Willisau, und er leitete 1835/36 das Waisenhaus in Burgdorf im Kanton Bern. Dort gab er die Zeitschrift Grundzüge der Menschenerziehung heraus. 1836 erschien sein Werk Erneuerung des Lebens erfordert das neue Jahr 1836.
1837 kehrte er nach Thüringen zurück, widmete sich fast ausschließlich der Erziehung der Kinder im vorschulpflichtigen Alter und begann mit der Herstellung von Spielmaterial in Blankenburg. Dort gründete der Pädagoge 1837 eine „Pflege-, Spiel- und Beschäftigungsanstalt“ für Kleinkinder. Kinder sollten hier durch planvoll gruppierte Bewegungs- und Geistesspiele, Sprüche, Lieder bei ständiger Berührung mit der Natur ihrem Alter entsprechend allseitig angeregt und angeleitet werden. Von 1838 bis 1840 gab er die Zeitschrift Ein Sonntagsblatt für Gleichgesinnte heraus.
1838/39 erfolgten Vortragsreisen nach Göttingen, Frankfurt, Dresden und Leipzig. 1839 starb seine Ehefrau Wilhelmine.
mini|Friedrich-Fröbel-Museum in Bad Blankenburg, im ersten Kindergartengebäude der Welt (1840 eröffnet), auf dem Museumsschild ist Fröbels Leitsatz zu lesen: „Kommt, laßt uns unsern Kindern leben!“ Am 28. Juni 1840 fand die Gründungsveranstaltung des „Allgemeinen deutschen Kindergartens“ im Blankenburger Rathaussaal statt.
1842 begannen Kindergärtnerinnenkurse in Blankenburg. Ida Seele gehörte zu seinen ersten Schülerinnen, die sich nachfolgend für die Idee des Kindergartens einsetzte. „Fröbels Ida“ gilt heute als die erste Kindergärtnerin der Welt. Weitere Schriften und Vortragsreisen insbesondere zur Popularisierung des Kindergartens folgten in den Jahren 1843 bis 1849.