mini|Lage der Lausitz in Mitteleuropa mini|Historische Karte der Nieder- und Oberlausitz Die Lausitz (von sorbisch łuža, etwa „sumpfige, feuchte Wiesen“; , , , ) ist eine Region in Deutschland und Polen. Sie umfasst den Süden Brandenburgs und den Osten des Freistaates Sachsen sowie Teile der polnischen Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus und besteht aus den historischen Regionen der Niederlausitz im Norden und der Oberlausitz im Süden. Heute bildet der Spreewald den nördlichsten Teil der Niederlausitz; ursprünglich reichte sie bis zum Berliner Müggelsee. Vom Lausitzer Gebirge gehört nur der deutsche Teil, der als Zittauer Gebirge bekannt ist, zur Lausitz, nicht aber der tschechische Teil. Die Lausitzer Neiße bildet heute die Grenze zwischen dem deutschen und dem polnischen Teil der Lausitz. In der lateinischen Form Lusatia sowie in allen anderen Exonymen außer dem Neuhochdeutschen hat sich das ursprüngliche sorbische „u“ statt „au“ erhalten.
Basisdaten Die Lausitz bedeckt eine Fläche von etwa 13.000 km² und hat rund 1,3 Mio. Einwohner,Eingerechnet wurden die Landkreise Görlitz, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße, die Stadt Cottbus, die Lausitzer Anteile der Landkreise Bautzen, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster und Oder-Spree sowie der Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus. davon etwa 350.000 in Polen. In Sachsen zählen zur Oberlausitz der Landkreis Görlitz sowie der größte Teil des Landkreises Bautzen (dessen Stadt Lauta die einzige Niederlausitzer Ortschaft in Sachsen ist). In Brandenburg gehört der Süden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz zur Oberlausitz. Zur brandenburgischen Niederlausitz gehören der größte Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz (bis auf zwei Gemeinden im äußersten Südwesten) und der Landkreis Spree-Neiße, Teile der Landkreise Elbe-Elster, Dahme-Spreewald und Oder-Spree sowie die kreisfreie Stadt Cottbus. In Polen zählen die Landkreise Zgorzelec und Lubań in der Woiwodschaft Niederschlesien zur Oberlausitz sowie der Landkreis Żary und Teile der Landkreise Żagań und Krosno in der Woiwodschaft Lebus zur Niederlausitz; Teile der Gemeinde Przewóz im Landkreis Żary gehören zur Oberlausitz.
Geographie mini|Ein Fließ im Spreewald mini|Die Lausche – höchste Erhebung des Zittauer Gebirges
Die Lausitz unterteilt sich in zwei landschaftlich völlig unterschiedliche Teile, die Ober- und Niederlausitz.
Niederlausitz
Die Niederlausitz wird im Nordwesten durch den Fläming und im Westen durch die Schwarze Elster begrenzt, im Osten reicht sie bis nach Polen. Die östliche Grenze ist dort in etwa der Bóbr. Nördlichster Punkt ist Eisenhüttenstadt. Die Niederlausitz ist größtenteils ein Tiefland, das ursprünglich von ausgedehnten Mooren, Bruchwäldern und Buchen-Eichenwäldern bedeckt war. Im 19. Jahrhundert wurden verbreitet Kiefernforste angepflanzt.
Oberlausitz
Die Grenze zwischen Ober- und Niederlausitz bzw. die nördliche Grenze der Oberlausitz verläuft nahezu entlang einer Linie Hoyerswerda – Weißwasser und deckt sich dann nahezu mit dem Verlauf der Schwarzen Elster. Die westliche Grenze der Oberlausitz bildet in etwa die Bundesautobahn 13 zwischen Ruhland und Dresden, die östliche Grenze ist der Fluss Queis in Polen. Die Oberlausitz zeigt ein ganz anderes Landschaftsbild als die Niederlausitz, sie führt vom Oberlausitzer Heideland nördlich von Kamenz, Bautzen und Görlitz über das Oberlausitzer Gefilde sowie dem Oberlausitzer Bergland (etwa südlich der Linie Bischofswerda – Löbau) bis hoch zum Lausitzer Gebirge mit dem Zittauer und dem Jeschkengebirge. Daran schließt sich das Isergebirge (höchste Erhebung: Tafelfichte, ) in Tschechien an, welches nicht mehr zur Lausitz hinzugezählt wird.
Der westliche Bereich der ehemaligen Kreise Hoyerswerda, Kamenz und Bischofswerda wird ungeachtet seiner Zugehörigkeit zur Oberlausitz auch als Westlausitz bezeichnet.
Naturräume Landschaften bzw. Naturräume der Lausitz sind der Spreewald, Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, Lausitzer Becken- und Heideland, Oberlausitzer Heideland, Oberlausitzer Bergland, Westlausitzer Hügel- und Bergland einschließlich Dresdner Heide, Sächsisch-Böhmisches Kreidesandsteingebiet mit dem dazugehörigen Zittauer Gebirge. Auf tschechischer Seite schließt sich das Lausitzer Gebirge an. Seit Beginn der 1990er Jahre entsteht durch die Rekultivierung des Lausitzer Braunkohlereviers das Lausitzer Seenland als Bergbaufolgelandschaft.
Naturparks Ausgewiesene Naturparks sind der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, der Naturpark Niederlausitzer Landrücken und das Zittauer Gebirge.
Klima Das Klima in der Niederlausitz, einer der niederschlagsärmsten Regionen in Deutschland, unterscheidet sich deutlich vom Klima in der Oberlausitz, wo durchschnittlich deutlich mehr Niederschläge fallen (siehe auch Cottbus#Naturschutzgebiete und Zittau#Klima).
Städte der Lausitz mini|Altmarkt in Cottbus mini|In Cottbus und Görlitz verkehren innerstädtisch Straßenbahnen
Hauptorte der Niederlausitz sind Cottbus (sorbisch Chóśebuz), Calau (Kalawa), Eisenhüttenstadt (ehemaliges Fürstenberg bzw. Stalinstadt), Guben (Gubin), Forst (Baršć), das historische Verwaltungszentrum des Markgraftums Niederlausitz Lübben (Spreewald) (Lubin), Lübbenau/Spreewald (Lubnjow), Luckau (Łukow), Finsterwalde (Grabin), Senftenberg (Zły Komorow), Spremberg (Grodk) und Vetschau/Spreewald (Wětošow) sowie im polnischen Teil Żary (Sorau; Žarow).
Für die Oberlausitz sind die Sechsstädte Bautzen (Budyšin) als Verwaltungszentrum, Görlitz (Zhorjelc; der polnische Teil heißt Zgorzelec) als größte Stadt, Lubań (Lauban), Zittau (Žitawa), Löbau (Lubij) und Kamenz (Kamjenc) bedeutend, des Weiteren auch Bischofswerda (Biskopicy), Niesky (Niska), Hoyerswerda (Wojerecy), Weißwasser/O.L. (Běła Woda) und Bad Muskau (Mužakow). In der Oberlausitz sind auch die im südlichen Teil gelegenen Städte und Dörfer mit ihrem reichen architektonischen Schatz an historischen Umgebindehäusern interessant, u. a. Ebersbach-Neugersdorf, Großschönau, Wehrsdorf, Sohland an der Spree, Taubenheim/Spree und Obercunnersdorf.
Bevölkerung und Sprache mini|Fürst-Pückler-Landschaftspark
In der Frühphase der Völkerwanderungszeit wanderten germanische Hermunduren in die Lausitz ein und assimilierten die dortige Vorbevölkerung. Sie wanderten zur Zeit der großen Völkerwanderung zum großen Teil nach Thüringen ab. Der Rest der germanischen Bevölkerung vermischte sich mit den neu hinzukommenden slawischen Sorben, die die nunmehr nur noch dünn besiedelten Gebiete in Besitz nahmen.
Die Frage, ob die Lausitz von deutscher oder slawischer Seite christianisiert wurde, ist umstritten.W. Boguslawski: Die polnische Herrschaft in der Lausitz. In: Zeitschrift für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Band I, Heft 1, Bautzen 1862, S. 150–161.J. E. Schmaler: Die Lausitzer Serben erhielten das Christentum zuvörderst von den Slaven und dann von den Deutschen. In: Zeitschrift für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Band II, Heft 1, Bautzen 1864, S. 33–43. Nach der ersten deutschen Eroberung im 10. Jahrhundert blieb die slawische Bevölkerung in der Lausitz wohnen; nach der zweiten, endgültigen Angliederung an das ostfränkische Reich 1031 (Frieden von Bautzen mit Polen) kam es ab dem 12. Jahrhundert langsam zur Ansiedlung deutscher Siedler, vor allem dort, wo Platz war, also im Lausitzer Bergland und in freien Gefildestellen. Getragen von der slawischen Bevölkerung, erlebte der Landesausbau eine Konjunktur, was zu einem starken Anwachsen der slawischen Bevölkerung führte. Es kam zu häufiger Vermischung der Bevölkerung, und so ist das heutige Siedlungsbild entstanden.
Die Gebirgsgebiete sind fast durchgängig deutsch besiedelt. Die deutsche Bevölkerung ist in der Oberlausitz überwiegend thüringischer, meißnischer und fränkischer, in der Niederlausitz überwiegend niedersächsischer Herkunft. Das Gefilde ist ein gemischtnationaler Raum. Vor allem auf dem Lande außerhalb von Bautzen und Cottbus stellten die Sorben bis ins 20. Jahrhundert die Mehrheit der Bevölkerung und somit einen wesentlichen Bestandteil der Lausitzer Tradition und Identität. Im Laufe des späten 19. und 20. Jahrhunderts gerieten sie vor allem durch Assimilation und Sprachwechsel hin zum Deutschen in die Minderheit; Mehrheitsgebiete gibt es heute nur noch im Raum nordwestlich von Bautzen (Gemeinden am Klosterwasser), wobei ein großer Teil der Lausitz dennoch zum offiziell anerkannten sorbischen Siedlungsgebiet zählt.
Kriegsbedingt musste die Lausitz einen großen Bevölkerungsandrang vor allem aus Schlesien verkraften, welcher etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte und weiter zur sprachlichen Assimilation der Sorben beitrug. Durch die verstärkte Industrialisierung der Nieder- und Oberlausitz in den Jahren von 1955 bis 1989 verzeichneten die Räume Cottbus, Hoyerswerda, Weißwasser, Guben, Eisenhüttenstadt und Senftenberg ein rasantes Bevölkerungswachstum. Insbesondere Fachkräfte aus Mecklenburg, dem Erzgebirge und Thüringen wurden sesshaft. Die Umstrukturierung der Industrie nach dem Ende der DDR führte in der gesamten Lausitz zu einer Abwanderung vieler Einwohner.
Die sorbische Sprache ist trotz allem bis heute im Alltag dieser Regionen präsent (sorbische Kultureinrichtungen und Schulen, zweisprachige Straßen- und Ortsschilder, Rundfunk usw.). Sie wird unterschieden in Niedersorbisch und Obersorbisch. Der Gebrauch des Sorbischen ist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allerdings stark zurückgegangen, sei es aufgrund von Industrialisierung (Braunkohletagebau) und der damit verbundenen Zuwanderung vieler Deutschsprachiger seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts, wegen der deutschnationalen Politik von Staat und evangelischer Kirche v. a. im Kaiserreich und unter nationalsozialistischer Herrschaft sowie durch natürliche Assimilationsfaktoren. Die (deutschen) Lausitzischen Dialekte kommen in mehreren Varianten vor.
Sagen Die Lausitz ist reich an Sagen und Mythen. So gibt es mehrere Sagenbücher über die Lausitz mit mehreren Hundert Sagen. Eine Auswahl sind Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche, vom Kottmar, von Krabat, Martin Pumphut und über Lutken und Querxe.
Wirtschaft mini|Lausitzring EuroSpeedway Lausitz mit dem Windpark Klettwitz
Unternehmen Internationale Unternehmen sind für die Lausitzer Wirtschaft strukturbestimmend. Dabei spielen der Braunkohletagebau, die Energieerzeugung, die Stahlindustrie, die chemische Industrie, der Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau sowie die Industrieforschung eine besondere Rolle. Für das gesamte Bundesgebiet bedeutend ist die weiter wachsende Erzeugung von Elektroenergie in der Lausitz; der Anteil an der deutschen Erzeugerleistung lag 2018 bei 10 Prozent.
Die Lausitz gilt im Vergleich als strukturschwach. Der Direktionsbezirk Dresden, der neben dem Ballungsraum Dresden die Oberlausitz umfasst, erreicht im europäischen BIP-Vergleich einen Indexwert von 87,7 (EU-27-Durchschnitt entspricht 100), während Dresden allein einen Wert von etwa 121 erreicht. Die Lausitz bestimmte damit in der Wirtschaftspolitik der Europäischen Union auch die Förderwürdigkeit von Dresden, andererseits erschwert seit der EU-Osterweiterung nun Dresden die Förderfähigkeit der südlichen Lausitz. Je nach Abgrenzung reicht die Westlausitz selbst auch bis nach Dresden hinein.
Die Niederlausitz wird der wesentlich weitflächigeren nicht-administrativen NUTS-Region Brandenburg-Südwest zugeordnet, die auch Potsdam und den Fläming umfasst.
Große Unternehmensniederlassungen (Stand 2025)
Lausitz Energie Bergbau AG (Cottbus/Brandenburg), 7000 Beschäftigte ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (Eisenhüttenstadt/Brandenburg), 2700 Beschäftigte Alstom Werk Bautzen, 1200 Beschäftigte BASF (Schwarzheide/Brandenburg), 900 Beschäftigte Siemens Energy Turbinenwerk (Görlitz/Sachsen), 800 Beschäftigte Hentschke Bau (Bautzen/Sachsen), 710 Beschäftigte Bertelsmann Group / Arvato (Cottbus/Brandenburg), 700 Beschäftigte