Die Alraunen (Mandragora) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Von den drei Arten kommt eine, die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum), in Europa (Mittelmeerraum) vor. Diese Art wird in ihrer Kulturgeschichte oftmals als Ritual- und Zauberpflanze angesehen.

Beschreibung mini|Habitus und Blüten der Gemeinen Alraune (Mandragora officinarum) mini|Früchte der Gemeinen Alraune (Mandragora officinarum)

Vegetative Merkmale Alraunen-Arten sind mehrjährige krautige Pflanzen. Sie sondern gelegentlich einen üblen Geruch ab. Sie sind stängellos und bilden eine Blattrosette, deren Durchmesser bis zu 1,5 m betragen kann. Die fleischigen, dicken Pfahlwurzeln der Alraunen werden meist bis zu 20 cm lang, sind oftmals gegabelt und sind dadurch nicht selten einer menschlichen GestaltVgl. etwa Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 201 (Mandragora – alrun Man […] – alrun Fraw, [M]Androgora mulier […] – Alrune = Mandragora spec.) ähnlich.

Die einfachen Laubblätter sind eiförmig bis eiförmig-länglich, meist 5 bis 25 cm lang, die Grundblätter können jedoch auch bis zu 80 cm lang werden, sie sind beinahe stiellos oder laufen an bis zu 7 cm langen Blattstielen herab. Die Blattoberseite ist runzelig-blasig; der Blattrand ist geschwungen, gezähnt oder flatterig gewellt.

Blüten Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln in der Mitte der Blattrosette, gelegentlich sind sie hängend. Die Blütenstiele sind 2 bis über 7 cm lang.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf meist 8 bis 18 (5 bis 20) mm langen Kelchblätter sind zu einer Kelchröhre verwachsen, die kürzer als die Kelchzipfel ist. Die gleichgestaltigen Kelchzipfel sind dreieckig mit länglich zugespitztem oberen Ende. Die fünf Kronblätter sind bis zur Hälfte ihre Länge oder weniger untereinander verwachsen und bilden eine 1 bis 4 cm lange, glockenförmige Krone. Die Farbe der Krone ist grünlich-weiß, gelb, dunkelviolett, violett oder blau. Die Kronzipfel sind breit oder schmal dreieckig oder breit elliptisch mit abgestumpftem oberen Ende. Die Kronröhre ist etwas länger oder deutlich kürzer als die Kronzipfel. Die Staubblätter sind in der unteren Hälfte der Krone nahe der Basis mit dieser verwachsen. Die Staubfäden sind zur Blütenmitte hin gebogen und länger als die Staubbeutel. Die Staubbeutel sind meist 3 bis 4 (1,5 bis 4,5) mm lang. Das Konnektivgewebe ist dick und fleischig. Der fadenförmige Griffel endet in einer kopfigen und leicht zweigelappten Narbe.

Früchte und Samen Die saftigen Beeren sind kugelig mit einem Durchmesser von meist 2 bis 3 (1,5 bis 5) cm oder elliptisch, dabei gelegentlich zugespitzt mit einer Länge von etwa 5,5 cm und einer Breite von etwa 4,5 cm. Bei Vollreife strömen sie einen angenehmen Geruch aus, der jedoch bald schwer und unangenehm wird. Während der Fruchtreife vergrößert sich der Kelch, so dass er die Frucht überragt, jedoch auch deutlich kürzer bleiben kann. Die Größe der Samen beträgt je nach Art etwa 2,5 × 2,2 mm oder 4 × 5 mm bis 6 × 7 mm.

Verbreitung Alraunen sind im gesamten Mittelmeerraum und über Zentralasien bis in den Himalaya verbreitet.

Systematik Die Gattung Mandragora wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 181, aufgestellt.

Die Gattung Mandragora besteht aus drei Arten: Himalaya-Alraune (Mandragora caulescens ) Gemeine Alraune (Mandragora officinarum ) Turkmenische Alraune (Mandragora turcomanica )

Die lange als eigenständige Art (und von Sebastian KillermannSebastian Killermann: Die in den illuminierten Dioskurides-Handschriften dargestellten Pflanzen (= Denkschriften der Regensburger Botanischen Gesellschaft. Band 24, Neue Folge, Band 18). Regensburg 1955, S. 3–64, hier: S. 47. als die „weibliche“ AlrauneOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 201 (Mandragora).) angesehene Herbst-Alraune (Mandragora autumnalis ) wird in neuerer Literatur nur mehr als Synonym zur Gemeinen Alraune (Mandragora officinarum L., synonym: Mandragora vernalis Bert.) geführt.

Verwendung und Inhaltsstoffe In der iranischen Provinz Golestan werden die aromatischen Blätter und Beeren der Turkmenischen Alraune als Lebensmittel verwendet. In Spanien wird ein Alraunenlikör mit Alraunenextrakt sowie weiteren Kräutern hergestellt.

Die toxische Wirkung wird durch die Alkaloide Scopolamin und Hyoscyamin (wandelt sich beim Isolieren in Atropin um) hervorgerufen.

Siehe auch Alraune (Kulturgeschichte)

Literatur Stefan Ungricht, Sandra Knapp, John R. Press: A revision of the genus Mandragora (Solanaceae). In: Bulletin of the Natural History Museum. Botany series. Band 28, Nr. 1, 1998, S. 17–40 (online). Zhi-Yun Zhang, Anmin Lu, William G. D’Arcy: Mandragora. In: M. Wentzel: Über die chemischen Bestandteile der Mandragorawurzel. Dissertation, Berlin 1900.

Einzelnachweise Armando T. Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner, Ruggell, Liechtenstein 2001, ISBN 3-904144-77-4, S. 143–147.

Weblinks

Kategorie:Nachtschattengewächse