mini|hochkant=1.5|Das Römisch-Germanische Museum Köln am Roncalliplatz (2010)

Das Römisch-Germanische Museum der Stadt Köln (RGM) ist das archäologische Museum der Stadt Köln und Amt für Archäologische Bodendenkmalpflege für das Kölner Stadtgebiet und damit das Archiv des materiellen Erbes der Vorgeschichte sowie der römischen und fränkischen Epochen.

Verbunden mit dem römischen Dionysosmosaik und der zum Rheinhafen der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) führenden „Hafenstraße“ ging das RGM 1946 aus der Römischen und Germanischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte hervor.Faltblatt „Mosaik und Lapidarium des Römisch-Germanischen Museums im Dombunker“, Köln, wohl 1958. Architektonisch ist das am 4. März 1974 eröffnete preisgekrönte Museumsgebäude als „Schaufenster in die Römerzeit“ konzipiert. Seine umlaufenden Säulenstellungen erinnern an das darunterliegende römische Peristylhaus mit dem bekannten Dionysosmosaik. Dieses Mosaik ist vom Roncalliplatz aus im Museumsuntergeschoss sichtbar. mini|Mittelbogen des Nordtores der römischen Stadtmauer mit der Bauinschrift CCAA (2007) Im darüberliegenden Pobliciusgeschoss befinden sich Räume für Sonderausstellungen und Kongressveranstaltungen. Im Obergeschoss vermitteln chronologisch-thematisch gruppierte Bodenfunde die Entwicklung der unter Kaiser Augustus gegründeten „Stadt der Ubier“ zum sakralen und wirtschaftlichen Zentrum der Provinz Niedergermanien.Matthias Riedel: Koeln, ein römisches Wirtschaftszentrum. Köln 1982. Davon zeugen Funde vom römischen Rheinhafen und hölzerne Brückenteile der Rheinbrücke des Kaisers Konstantin zum rechtsrheinischen Brückenkopf Divitia. (PDF), abgerufen am 11. Mai 2019. Die römische Stadtmauer vergegenwärtigen der Abguss eines Rundturmeszum.de. (als Sonderausstellungsraum eingerichtet) und der Mittelbogen des nördlichen Stadttors mit der Inschrift CCAA. Die das Römische Reich verbindenden Fernstraßen macht ein fahrtüchtig rekonstruierter Reisewagen sinnfällig.

Das Gebäude des Museums ist seit 2019 für eine Generalsanierung geschlossen, als Ausweichquartier dient das Belgische Haus beim Neumarkt. mini|hochkant|Büste der Agrippina der Jüngeren mini|Wettbewerbsmodell, 1. Preis, Architekten Röcke und Renner (1960) mini|Gefederte Römische Reisekutsche im RGM mini|hochkant|Dionysosmosaik, ca. 220/230 n. Chr. mini|hochkant|Das Grabmal des Legionsveteranen Poblicius (um 40 n. Chr.) stand an der römischen Fernstraße Köln – Bonn (am heutigen Chlodwigplatz).

Geschichte des Museums Das Römisch-Germanische Museum geht zurück auf die zusammen mit dem Runderlass zum Schutz der Bodenaltertümer vom 25. April 1807 eingerichtete „kölnische Altertums-Sammlung“ des Arrondissement de CologneKölner Jahrbuch 46, 2013, S. 335–368. und die von der Stadt Köln übernommene Sammlung römischer Altertümer von Ferdinand Franz Wallraf, aus der die Römische Abteilung des 1861 neu eröffneten Wallraf-Richartz-Museum hervorging. Diese Abteilung erhielt vor dem Ersten Weltkrieg einen eigenen Leiter.Kölner Jahrbuch 43, 2010, S. 733–758. Seit 1923 übernahm die Abteilung die archäologischen Grabungen im Stadtgebiet und machte zunehmend Köln als römische Stadtgründung bewusst.Kölner Jahrbuch 43, 2010, S. 733–758. Diesem Zweck diente auch 1946 die mit dem Dionysosmosaik im Dombunker verbundene Gründung des Römisch-Germanischen Museums. Das Museum wurde am 24. November 1961 im Dombunker eröffnet.

Architektenwettbewerb

1960 wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, den die Braunschweiger Heinz Röcke und Klaus Renner für sich entscheiden konnten. Dort, wo Dom und Museum als zwei freistehende Baukörper „fast zusammenwachsen, offenbart sich das Dilemma am deutlichsten. Sie stehen zu eng beieinander, der Dom erdrückt das Museum... Städtebaulich erscheinen deshalb jene Baukörper (Anm.: der eingegangenen Wettbewerbsbeiträge) als bester Kompromiß, die den Kubus des Museums dreidimensional gliedern, Innen- und Außenraum miteinander verflechten, und damit eine Kleinteiligkeit schaffen, die die Großform des Baues (Anm.: des Doms) im Sinne der Unterordnung gliedert“. Weitere Teilnehmer am Wettbewerb waren die Kölner Architekten H. Heier & W. Monse, A. und Ursula Trint und Oswald Mathias Ungers mit Karl-Lothar Dietzsch.

Neubau

Die Bauarbeiten begannen 1967. Die Baustellensituation auf dem 1942 errichteten Dombunker mit dem weltberühmten Dionysosmosaik und der Entdeckung des Poblicius–Denkmals während der Bauzeit stellten besondere Herausforderungen dar. Hinzu kam der Neubau der Dombauhütte, abgesenkt zwischen Dombunker und Domchor, zur Gestaltung eines freien Umgangs um den Chor als ältestem Bauteil des Doms. Am 4. März 1974 wurde der Neubau eröffnet. „Das Museumsgebäude, ein Betonklotz auf einem Sockel, im Stil des Brutalismus, wurde sowohl gefeiert als auch kritisch betrachtet. Da nur wenige verschiedene Materialien verwendet wurden, ist es schlicht gehalten, um dem benachbarten Dom keine Konkurrenz zu machen“. „Der in zwei Volumina aufgelöste Baukörper mit seinen Atrien erinnert an den Grundriss der römischen Villa. Zum Vorplatz des Kölner Doms hin öffnet sich das Erdgeschoss des Museums mit einer durchgehenden Glasfassade, das – mit Granitplatten verkleidete – Obergeschoss ist nach außen hin abgeschlossen. Der Großraum, der das gesamte Obergeschoss ausfüllt, erhält Tageslicht über zwei verschieden große Atrien“. Ende 2016 wurde das Gebäude mit der großzügig dimensionierte Passage und der nach Osten ausgerichteten Blickachse von der Domplatte über eine Terrasse auf den Rhein unter Denkmalschutz gestellt. Diese Aussicht wurde mit dem Bau des Museums Ludwig allerdings verstellt.

Sanierung

2002 konnte sich der Entwurf von Allmann Sattler Wappner für den Bereich der östlichen Domumgebung (hinter dem Museum) in der zweiten Runde des Werkstattverfahrens Dionysoshof/Baptisterium gegen den von OMA/Rem Koolhaas durchsetzen. 15 Jahre später, im Juli 2017, ging man zunächst davon aus, dass das Museum ab Dezember wegen Sanierung und Neubau der Verwaltung für voraussichtlich sechs Jahre geschlossen wird. Im Dezember wurde daraufhin die Betriebsgenehmigung für das Museum zunächst bis 31. Dezember 2018 verlängert. Gemäß Ratsbeschluss vom 5. Juli 2018 wurde das als Ausweichquartier angemietete und unter der Leitung des Kölner Architekten Bernhard Trübenbach umgebaute und sanierte ehemalige belgische Konsulatsgebäude „Belgisches Haus“ in unmittelbarer Nähe des Neumarkts als Interimsmuseum bezogen und am 14. November 2019 eröffnet.

Zwei Jahre später wurde ein Team beauftragt, die Sanierung zu planen. Im Januar 2024 wurde bekannt, dass die RGM-Sanierung deutlich teurer als zunächst angenommen werden würde. „Im Monatsbericht November hatte die Stadtverwaltung die Kosten noch mit 91,2 Millionen Euro angegeben. Die Steigerung von 41,7 Millionen Euro auf 91,2 Millionen Euro hatte die Stadt im August 2022 vorgelegt“. Mit der zusätzlichen Sanierung des Durchgangs zwischen RGM und Dombauhütte wurde das Gesamtprojekt auf 177 Millionen Euro veranschlagt. Für den Baubeginn war das vierte Quartal 2025 vorgesehen und man hoffte, zehn Jahre nach seiner Schließung, im ersten Quartal 2028, das Museum nach erfolgreicher Sanierung wiedereröffnen zu können.

Bereits einige Monate später musste diese Prognose jedoch wieder korrigiert werden: „Die Neueröffnung ist nicht vor 2030 geplant“.Kölnische Rundschau Köln vom 28. Oktober 2024: Sanierung: Römisch-Germanisches Museum in Köln öffnet nicht vor 2030, von Michael Fuchs , abgerufen am 28. Oktober 2024 Ende März 2025 gab die Stadt Köln bekannt, dass die Zusammenarbeit mit dem Generalplaner beendet wurde, weshalb man zusätzliche Verzögerungen und Komplikationen befürchte, zumal bereits zahlreiche andere städtische Kulturbaustellen von ähnlichen Problemen betroffen gewesen waren. Laut Stadtverwaltung „befinde sich das Projekt jedoch finanziell im zuletzt umrissenen Rahmen von rund 177 Millionen Euro für Sanierung und Ausbau, und im dritten Quartal dieses Jahres soll ein Generalunternehmen mit der Ausführungsplanung beauftragt werden“. Die Ausschreibung für diese Planungsleistung erfolgte Ende November 2024.

Ausweichquartier im Belgischen Haus mini|Das Belgische Haus in der Cäcilienstraße vor der Nutzung als Museum Im Belgischen Haus in der Cäcilienstraße in der Nähe des Neumarktes können zahlreiche wichtige Funde der Schausammlung weiterhin gezeigt werden. Dazu gehören das Diatretglas aus Köln-Braunsfeld und die so genannte Venus von der Hohen Straße. Zu den im Belgischen Haus ausgestellten Steindenkmälern zählen etwa der Altar für die Göttin Vagdavercustis und der Grabstein des Marcus Valerius Celerinus und seiner Frau Marcia Procula mit Szene eines Totenmahls.

Leiter Leiter der Römischen Abteilung, seit 1935 Römische und Germanische Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums: 1914–1919: Josef Poppelreuter 1919: Luise Straus-Ernst (kommissarisch) 1920–1923: Karl Schaefer (zugleich bis 1928 Direktor des Wallraf-Richartz-Museums und des Kunstgewerbemuseums) 1923–1946: Fritz Fremersdorf Direktoren des seit 1946 eigenständigen Römisch-Germanischen Museums: 1946–1959: Fritz Fremersdorf 1959–1972: Otto Doppelfeld 1972–1979: Hugo Borger (zugleich Generaldirektor der Museen) 1980–2010: Hansgerd Hellenkemper seit 2010: Marcus Trier seit 2010 kommissarische Leitung, seit 1. September 2012 Direktor

Stellvertretende Direktoren des Museums: 1994–2019: Friederike Naumann-Steckner 2008–2010: Marcus Trier seit 2020: Dirk Schmitz

Das Museum Das Museum und die römische Stadtvilla mit dem Dionysosmosaik Das unter Hugo Borger 1974 vollendete Museumsgebäude orientiert sich am Peristylhaus mit dem Dionysosmosaik an der zum Rhein führenden römischen Hafenstraße. Das um 220/230 n. Chr. geschaffene Mosaik wurde 1941 beim Bau des Luftschutzbunkers am Dom entdeckt und blieb mit diesem erhalten. Ein Einschnitt in die Bunkerdecke gibt den Blick auf das Dionysosmosaik frei.Elke Purpus, G. B. Sellen: Bunker in Köln. Versuche einer Sichtbar-Machung. Zur Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum in Köln. 2006, S. ?.

Der Museumsbau vergegenwärtigt den einst von der Stadtvilla mit dem Dionysos-Mosaik im römischen Stadtquartier an der Hafenstraße eingenommenen Bereich: Wer auf der römischen Hafenstraße geht, geht auf dem Laufhorizont des Mosaiks. Zugleich wird das rechtwinklige Straßenschema der Römerstadt erfahrbar. Die Hafenstraße mündete in die vom römischen Nordtor her als Cardo Maximus und heutige Hohe Straße die Stadt durchschneidende Fernstraße.

An der jenseits des römischen Südtores nach Bonn weiterführenden Fernstraße stand der im Museum wiedererrichtete Grabbau des Legionärs Poblicius (um 40 n. Chr.). Damit vergegenwärtigt das RGM auch die antiken städtebaulichen Grundlagen des mittelalterlichen und neuzeitlichen Köln in der modernen Lebenswelt.

Im 1971 bezogenen Studiengebäude befinden sich die Fachbibliothek und die Studiensammlungen. Sie enthalten die über den Bestand der Dauerausstellung hinausgehenden Bodenfunde.

Die Archäologische Schausammlung Das moderne thematische Präsentationskonzept, die Außendenkmäler und das Schaufenster in die Römerzeit erregten 1974 internationales Aufsehen. Die museal übliche zeitliche-linearen Abfolge öffnen jetzt von allen Seiten zugängliche Themeninseln zusammen mit den thematischen Multimediapräsentationen, der im Rundturm ausliegenden Asterix-Bibliothek und der als Medium nach Drucktechnik und Auflage innovativen „Römer-Illustrierten“Kölner Römer-Illustrierte 1 (1974) 230 Seiten zur Dauerausstellung des RGM; Kölner Römer-Illustrierte 2 (1975) 272 Seiten als Begleitpublikation zur Ausstellung „Das neue Bild der alten Welt – Archäologische Bodendenkmalpflege und archäologische Ausgrabungen in der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis 1975“ in der Kunsthalle Köln. eine in den 1970er Jahren viel beachtete neue Museumskonzeption. Die Gestaltung als themenorientierter freier Rundgang ist weiterhin bewahrt.zum.de.