Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud ist ein Museum in Köln. Es gehört zu den großen klassischen deutschen Gemäldegalerien. Das älteste Museum der Stadt beherbergt in einem Gebäude von 2001 die weltweit umfangreichste Sammlung mittelalterlicher Malerei, insbesondere der Kölner Malerschule, sowie eine repräsentative Auswahl an Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts.
Mit den Werken der Fondation Corboud verfügt das Museum über die umfangreichste Sammlung impressionistischer und neoimpressionistischer Kunst in Deutschland. Zum Bestand zählt ebenso eine bedeutende Graphische Sammlung von mehr als 75.000 Blättern aus dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Seit 2013 ist Marcus Dekiert Direktor des Museums.
Seit Anfang August 2026 ist das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud für eine Generalinstandsetzung in Verbindung mit einem Erweiterungsbau für mehrere Jahre geschlossen.
Museumsgeschichte
Vorgeschichte und Gründung Das Wallraf-Richartz-Museum der Stadt Köln besteht seit dem Jahr 1824. Seine Sammlungsgeschichte lässt sich jedoch mit dem umfangreichen Konvolut der Graphischen Sammlung des ehemaligen Kölner Jesuitenmuseums, das in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in den Bestand aufgenommen wurde, bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen.
Anlass für die Gründung des ältesten der stadtkölnischen Museen war die testamentarische Verfügung des Kölner Kanonikers und letzten Rektors der alten Kölner Universität Ferdinand Franz Wallraf (1748–1824). In seinem Testament vom 18. Mai 1818 vermachte er der Stadt Köln seinen umfangreichen Nachlass, der sich vorwiegend aus Säkularisationsgut zusammensetzte, „unter der ausdrücklichen unnachlässigen Bedingung, dass meine Kunst-, Mineralien-, Malerei-, Kupferstich- und Büchersammlung zu ewigen Tagen bei dieser Stadt und Gemeinde zum Nutzen der Kunst und Wissenschaft verbleiben […] soll“.Zitiert nach: Ausstellungskatalog Franz Ferdinand Wallraf, Historisches Archiv der Stadt Köln, Köln 1974/75, S. 92 Kat. Nr. 147.
Wallrafianum im Kölnischen Hof (1827–1861) alt=Aquarellzeichnung zeigt rechtwinklig zueinander angeordnete, zweistöcke Gebäude mit Walmdächern. Die Gebäude stehen ohne städtebaulichen Kontext auf dem ansonsten leeren Papier|mini|Deichmann’sches Haus, Kölner Hof und Umgebung Am 8. Juli 1827, drei Jahre nach dem Tod Ferdinand Franz Wallrafs, wurde ein Teil der Sammlung in Räumen des ehemaligen Quartiers der Kölner Erzbischöfe, dem damaligen „Kölner Hof“ in der Trankgasse 7, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Als ersten Kurator des bald Wallrafianum genannten Interimsmuseums bestellte der Rat der Stadt einen Freund Wallrafs, den Kaufmann, Maler und Kunstsammler Matthias Joseph de Noël (1782–1849), der die Sammlung bis 1842 verwaltete. Bald nach seinem Amtsantritt am 10. Januar 1844 wies der Nachfolger de Noëls, der Maler Johann Anton Ramboux, auf die Notwendigkeit eines Neubaues hin.
Erst als sich im Jahr 1851 der Kölner Kaufmann Johann Heinrich Richartz (1796–1861) bereit erklärte, 100.000 Taler für die Errichtung eines neuen Museumsgebäudes zu stiften, konnte das Bauvorhaben in Angriff genommen werden.
Felten-Raschdorff-Bau, 1861–1943 mini|1. Wallraf-Richartz-Museum. 1861 Aquarell von Josef Felten (Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung) mini|Ansicht von 1864 Nach den Plänen Josef Feltens (1799–1880) unter Mitarbeit von Julius Carl Raschdorff (1823–1914) und Friedrich August Stüler (1800–1865) wurde am 4. Oktober 1855 im Beisein des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. die feierliche Grundsteinlegung des neuen Museums auf dem Gelände des 1802 aufgehobenen Minoritenklosters (Kölner Hof) begangen. Die Architekten errichteten unter Einbeziehung des Kreuzgangs ein Bauwerk im Englisch-Neugotischen Stil, das auf Grund weiterer Zustiftungen Richartz’ (insgesamt 277.000 Taler) am 1. Juli 1861 als Wallraf-Richartz-Museum feierlich eröffnet wurde. Die Stadt ehrte den Sammler und den Stifter durch zwei Standbilder von Wilhelm Albermann, die am 10. April 1900 von Oberbürgermeister Wilhelm von Becker enthüllt wurden.
Das Museum wurde 1921 in Verbindung mit dem Kunstgewerbemuseum neu gegliedert. Es wurde in eine „Alte Galerie“ mit dem bereits seit 1920 als Direktor am Museum tätigen Karl Schäfer als Leiter und eine „Galerie der Neuzeit“ mit Hans Friedrich Secker als Leiter geteilt. Die Teilung erwies sich jedoch aus organisatorischen und personellen Gründen als ein Fehlschlag. Oberbürgermeister Konrad Adenauer legte den beiden Direktoren nahe, auf ihr Amt zu verzichten. Seckers schied am 1. Februar 1928 aus, Schäfer wurde entlassen und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Zum 1. Oktober 1928 wurde Ernst Buchner neuer Direktor des wiedervereinigten Museums, zuständiger Konservator für die neuere Abteilung wurde Ernst Holzinger.Das Wallraf-Richartz-Museum. Dumont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5618-8, S. 15–16. 1933 wurde Otto H. Förster Direktor. 1936–1937 erfolgte ein Umbau des Gebäudes durch den Architekten Heinrich Bartmann. Förster verkaufte ab 1941 insgesamt 630 Arbeiten, die er als „geringwertig“ oder „wertlos“ betitelte, darunter eine großformatige Landschaft von August Weber und ein Werk von Max Liebermann. Mit den Erlösen wurden Werke aus zweifelhaftem Besitz aus den besetzten Gebieten im Osten erworben.Daniela Wilmes: Privates Sammeln mit Kalkül. Aspekte der Sammeltätigkeit von Josef Haubrich im Nationalsozialismus. In: Ute Haug, Maike Steinkamp (Hrsg.): Werke und Werte. Über das Handeln und Sammeln von Kunst im Nationalsozialismus. Akademie-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-05-004497-2, S. 161.
In der „Peter-und-Paul-Nacht“ vom 28. auf den 29. Juni 1943 wurde das Museumsgebäude bei einem Luftangriff völlig zerstört.T. Nagel: Museum in Flammen. Bild der 25. Woche – 23. bis 30. Juni 2003. In: Museenkoeln.de.
Schwarz-Bernard-Bau, 1957–1986 mini|2. Wallraf-Richartz-Museum, heute Museum für Angewandte Kunst (April 2005)
Am 27. Mai 1957 konnte auf dem alten Gelände, jetzt mit der Adresse „An der Rechtschule“, nach einer Bauzeit von vier Jahren ein neues Museum nach den Plänen der Architekten Rudolf Schwarz und Josef Bernard eröffnet werden.
Kritik an der RaumaufteilungMathias Schreiber: Der dritte Weg. Wallraf-Richartz-Museum Köln. In: Mathias Schreiber: Deutsche Architektur nach 1945. 40 Jahre Moderne in der Bundesrepublik. Stuttgart 1986, S. 36. und ein zu geringes Fassungsvermögen entfachten aber schon bald nach der Eröffnung die Diskussion um einen größeren Neubau an einem anderen Ort. Mit der Übernahme der Kunstsammlung von Peter Ludwig im Jahr 1968 erhielten die Überlegungen verstärkten Auftrieb. Im Oktober 1975 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, aus dem 1976 der Entwurf des Architekturbüros Busmann + Haberer siegreich hervorging. 1977 begannen die Bauarbeiten für den großen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofs in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms.
Im Schwarz-Bernhard-Bau von 1957 befinden sich heute die Ausstellungsräume des Museums für Angewandte Kunst Köln.
Busmann-Haberer-Bau, 1986–2001 – unter einem Dach mit Museum Ludwig und Philharmonie Nach einer Bauzeit von fast 10 Jahren konnte am 6. September 1986 der neue Gebäudekomplex für das Wallraf-Richartz-Museum und das inzwischen gegründete Museum Ludwig sowie für die Kölner Philharmonie zwischen Dom und Rhein eröffnet werden.
Die Annahme weiterer Kunststiftungen des Ehepaares Peter und Irene Ludwig im Jahr 1994 und die damit verbundene Vereinbarung der Stifter mit dem Rat der Stadt Köln machten einen selbständigen Neubau für die Sammlung Wallraf notwendig.
Ungers-Bau, ab 2001 Bei seiner Sitzung am 26. Oktober 1995 beschloss der Rat einen eigenen Neubau für das Wallraf-Richartz-Museum im Zentrum der Stadt in der Nähe des Rathauses und des historischen Gürzenich-Gebäudes. Nach Aufzeichnungen aus dem Tagebuch des Kölner Kunstsammlers Sulpiz Boisserée sollte bereits das erste Museumsgebäude an dieser Stelle in der Nähe der ehemaligen Werkstatt Stefan Lochners entstehen. Aus dem Architekturwettbewerb ging im Mai 1996 der Entwurf des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers als Gewinner des 1. Preises hervor.
Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1998 konnte das neue Wallraf-Richartz-Museum am 19. Januar 2001 eröffnet werden.
Das kubische Gebäude zwischen Rathaus und Alt St. Alban zeigt auf einer Ausstellungsfläche von 3500 Quadratmetern Grafik und Malerei vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert; 800 weitere Quadratmeter stehen für Sonderausstellungen zur Verfügung. Als der Schweizer Sammler Gérard Corboud und seine Frau Marisol († 2026)Stadt Köln Presseservice vom 4. Mai 2026: Oberbürgermeister Torsten Burmester kondoliert Familie Corboud, von Maximilian Daum, abgerufen am 8. Mai 2026. 2001 zahlreiche Gemälde ihrer privaten Fondation Corboud dem Museum als Dauerleihgabe überließen, wurde der Name erweitert, er lautet nun offiziell Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Seit September 2006 trägt das Museum den Slogan: „Wallraf das Museum“. In den nächsten Jahren steht, voraussichtlich von September 2026 für 18 Monate eine Generalinstandsetzung des Gebäudes an. In dieser Zeit soll das Museum komplett geschlossen bleiben (ohne Interim).Stadt Köln Presseservice vom 16. Januar 2025: Wallraf-Richartz-Museum soll instand gesetzt und erweitert werde, von Jutta Doppke-Metz, abgerufen am 17. April 2025.
Erweiterungsbau auf dem Gelände „Kaufhaus Kutz“ mini|Erster Spatenstich 2024: Ina Brandes, Peter Jungen Marisol Corboud, Henriette Reker und Architekt Christoph Gantenbein Mit der Annahme der Fondation Corboud (2001) stellte der Rat der Stadt dem Mäzen eine Museumserweiterung in Aussicht, um die Werke angemessen zu präsentieren. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Museums am 30. Juni 2011 erneuerte Oberbürgermeister Jürgen Roters die Zusage.Festakt im Wallraf-Richartz-Museum auf www.ksta.de vom 30. Juni 2012, abgerufen am 6. Juli 2012. Im Mai 2012 drohte der Sammler mit dem Abzug seiner ewigen Leihgabe, weil die ihm zugesagte Erweiterung des Museums noch nicht angestoßen wurde.Stifter Corboud will Sammlung abziehen auf www.rundschau-online.de vom 22. Mai 2012, abgerufen am 6. Juli 2012. In seiner Sitzung vom 28. Juni 2012 beschloss der Rat, die Verwaltung mit der Planung der Erweiterung von Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud zu beauftragen.Beschlussvorlage auf ratsinformation.stadt-koeln.de, abgerufen am 6. Juli 2012. Der Sieger des Architekturwettbewerbs, das Schweizer Architekturbüro Christ & Gantenbein wurde am 18. November 2013 vorgestellt. Da sich ein Baubeschluss weiterhin verzögerte, stellte Marisol Corboud, die Witwe des Sammlers Gérard Corboud, der Stadt mehrere Ultimaten und zog im November 2018 neunzehn Bilder der Fondation Surpierre – also Leihgaben aus dem Privatbesitz des Sammlerpaars – aus dem Depot des Museums ab. Im Juni 2020 fasste der Rat der Stadt Köln schließlich den Baubeschluss. Der Terminplan, der zunächst eine voraussichtliche Inbetriebnahme 2025 vorsah, wurde noch mehrfach verändert – der erste Spatenstich fand im Mai 2024 statt und der Grundstein wurde am 21. Oktober 2025 gelegt.Stadt Köln Pressemitteilung vom 22. November 2022: Neuer Terminplan für die Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museum, von Simone Winkelhog, abgerufen am 24. November 2022.Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 21. Oktober 2025: Der alte Plagegeist und die Bürokratie. Kölner (86) setzt Anbau für Wallraf-Richartz-Museum durch, von Uli Kreikebaum, abgerufen am 21. Oktober 2025Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 21. Oktober 2025: Fertigstellung für 2027 geplant. Reker legt Grundstein für Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums, von Clemens Schminke, abgerufen am 22. Oktober 2025
Mehrjährige Schließung zur Generalinstandsetzung