Der Zoologische Garten Köln im nördlichen Stadtteil Riehl wurde im Jahre 1860 gegründet und gilt unter den heute in Deutschland vorhandenen Tiergärten als drittältester Zoo. Mit über 1,3 Millionen Zutritten (im Jahr 2019) gehört er zu den meistbesuchten Einrichtungen seiner Art in Deutschland.
Historische Entwicklung mini|hochkant=0.5|links|Statue für den Gründer des Kölner Zoos, Caspar Garthe
1857–1914 Auf Betreiben von Caspar Garthe wurde 1858 die „Actiengesellschaft Zoologischer Garten zu Cöln“ mit einem Stammkapital von 100.000 Talern gegründet. Die Gesellschaft erwarb im Norden der Stadt ein nahe dem Rhein gelegenes Gelände im damals zur Gemeinde Longerich gehörenden Riehl und beförderte damit die Entwicklung des Ortes zum Kölner Amüsierviertel.Joachim Brokmeier: Die Goldene Ecke von Köln - Das Amüsierviertel in Riehl. Sutton-Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-571-2, S. 7 ff. Mit der gärtnerischen Gestaltung der Anlage wurde der städtische Gartenbaudirektor Anton Strauß betraut.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo, Begeistert für Tiere, Köln 2010, S. 35 ff.
Zum ersten Direktor des am 22. Juli 1860 eröffneten Zoos wurde Heinrich Bodinus ernannt. Er bezog die 1859/60 erbaute klassizistische Direktorenvilla, die damit das älteste erhaltene Wohnhaus im Zoologischen Garten und in Riehl ist.Hiltrud Kier: Reclams Städteführer, Architektur und Kunst. Köln / Stuttgart 2008, S. 265.
Im Jahre 1864 starb im Zoo ein Orang-Utan, der durch einen Schimpansen ersetzt wurde. Seinerzeit konnte der Tierbestand des Affenhauses auch durch mehrere Monaäffchen, einen Klammeraffen, Hamadryaspaviane (Mantelpaviane) sowie einen Husarenaffen erweitert werden. Einige der Affen hatten sich bereits erfolgreich fortgepflanzt. Zum Bestand des Zoos gehörten darüber hinaus Dromedare, ein Pärchen ägyptischer Luchse (Rohrkatzen), junge Löwen, Hyänen, Schakale und Antilopen. Da der Zoo bereits fast überfüllt war, musste zur Erweiterung des Geländes ein benachbartes Grundstück angekauft werden.
Die ersten Tiergehege wurden im damals sehr populären maurischen Architekturstil errichtet. Erhalten hat sich davon nur das ehemalige Giraffen- und Antilopenhaus, das nach einem Entwurf von Josef Felten im Jahre 1863 errichtet wurde. 1874 wurde es mit stilistischen Anleihen an indische Tempel zum Elefantenhaus erweitert und diente bis zum Bau des Elefantenparks 2004 als Gehege für die Dickhäuter.Henriette Meynen, Theo Pagel: Der Zoologische Garten in Köln. In: Rheinische Kunststätten. Heft 533, Köln 2012, S. 13.
Seit der Frühzeit des Zoos werden bis heute als Gehege genutzt die 1884 von Alfred Müller im sogenannten „Schweizer Blockhausstil“Ekletizistischer Architekturstil in Anlehnung an Schweizer Blockhausstil (mit Elementen der traditionellen russischen Wohnhausarchitektur). errichteten Rinderhäuser, der 1887 errichtete Seelöwenfelsen sowie das 1899 eröffnete, von der Architektur russischer Kirchen inspirierte Vogelhaus.Henriette Meynen, Theo Pagel: Der Zoologische Garten in Köln. In: Rheinische Kunststätten. Heft 533, Köln 2012, S. 15 ff. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und Einrichtungen genügen den Anforderungen an moderne Tierhaltung nur bedingt, wobei der Zoo bemüht ist, bei den Renovierungen in die alte Hülle moderne Standards einzuziehen.Theo Pagel et al: Der Kölner Zoo, Begeistert für Tiere, Köln 2010, S. 207 f.
Der 1914 eingeweihte, rund zehn Meter hohe Affenfelsen folgte der damals revolutionären gitterlosen Tierpräsentation, die 1907 Carl Hagenbeck in seinem Hamburger Tierpark eingeführt hatte. Die neuartige Anlage, zu der auch ein im Krieg zerstörtes Eisbärenbecken mit 8 Meter hohen Felsenklippen und ein Adlerberg gehörten, war von Max Stirn im Auftrag des Zoodirektors Ludwig Wunderlich geplant worden. Der mit Pavianen lebhaft bevölkerte Affenfelsen gehört seit über 100 Jahren zu den Attraktionen für die Zoobesucher.Henriette Meynen, Theo Pagel: Der Zoologische Garten in Köln, Rheinische Kunststätten Heft 533, Köln 2012, S. 17 f.
Völkerschauen
Zwischen 1878 und 1932 fanden im Kölner Zoo acht Völkerschauen statt: 1878 die „Eskimo“-Völkerschau von Carl Hagenbeck: „Okabab und seine Familie“ (6 Personen) Lothar Pützstück: „Exotenzauber vor Stadtmauer und Haustür“. Völkerschauen im Kölner Zoo 1878–1932. In: Zeitschrift des Kölner Zoo, Jg. 40 (1997), Nr. 4, S. 151–157. 1889 die „Somali“ von Joseph Menges (27 Personen) Rea Brändle: „Wilde, die sich hier sehen lassen“. Jahrmarkt, frühe Völkerschauen und Schaustellerei. Zürich 2023. 1906 Hagenbecks Indien-Völkerschau (71 Personen) 1910 die Samoa-Völkerschau der Brüder Marquardt (26 Personen) 1912 Marquardts „Beduinen-Karawane“ (47 Personen sowie 44 Tiere) 1931 die Kanak-Völkerschau (41 Personen) und die Sara-Kaba-Völkerschau von Willy Siebold (13 Personen) 1932 die „Aschanti“-Völkerschau von John Smith (20 Personen)
Bei den Völkerschauen wurden „exotischer“ Völker – Männer, Frauen und Kinder – unter nachgestellten Lebensbedingungen zur Schau gestellt. Solche Veranstaltungen konnten reißerisch (und fälschlich) als Ausstellung von „Kannibalen“, wie im Falle der 1931 zur Schau gestellten Neukaledonier, aufgemacht sein. Sie wurden aber auch als „exotische Modenschau im Kölner Zoo“ angekündigt, so bei einer Veranstaltung mit Schwarzafrikanern aus dem Volk der Sara-Kaba im gleichen Jahr.
1914–1947 mini|hochkant=0.6|links|Gitterlos: Kamelpark von 1936 Der Erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg waren eine harte Zeit für den Zoo, der in diesen Jahren große Teile seines Tierbestands verlor und seine Selbständigkeit aufgeben musste.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 131 ff. Baulich entwickelte sich die Anlage nicht weiter; lediglich das gitterlose Kamelgehege wurde 1936 im Eingangsbereich des Zoos neu angelegt.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 51.
Am Ende des Ersten Weltkrieges war der Tierbestand wegen Futtermangels auf ein Viertel dezimiert. Erst 1924 erreichte die Zahl der Tiere wieder das Vorkriegsniveau, weil es dem Zoodirektor gelang, den Tierbestand des Breslauer Zoos zu erwerben, der vollständig schließen musste.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 132 f. Anhaltende finanzielle Schwierigkeiten der Actiengesellschaft Zoologischer Garten zu Cöln führten 1937 dazu, dass die Stadt die Aktienmehrheit des auf 450.000 Reichsmark erhöhten Stammkapitals übernahm. Seitdem trägt die Stadt Köln die Verlustabdeckung.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 136.
mini|Namensaktie über 300 RM des Zoologischen Garten in Köln vom 20. Juni 1930 Während des Zweiten Weltkriegs litt der Zoo schwer unter den alliierten Bombenangriffen; ab 1944 blieb der Garten geschlossen. Bei Kriegsende war er nahezu völlig zerstört, zählte 133 Bombentrichter – und noch 23 Tiere. Die Tierhäuser waren fast ausnahmslos schwer beschädigt und nicht mehr nutzbar. Lediglich das 1863/74 erbaute Elefantenhaus hatte den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 138 f.
1947–1981 Nach ersten Aufräumarbeiten wurde der Zoo 1947 wieder eröffnet; auch konnten einzelne neue Tiere angeschafft werden, darunter 1950 der später als Petermann in die Zoogeschichte eingegangene Schimpanse.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 169. 1952 wurde das renovierte Vogelhaus wieder in Betrieb genommen, 1955 zogen die Seelöwen in das wieder hergestellte Seelöwenbecken.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 170. Der erste große Neubau kam 1956/1957 den Eisbären zugute. An Stelle der im Krieg zerstörten Eisbärenklippen errichtete Kurt Meywald im Auftrag von Zoodirektor Wilhelm Windecker eine Anlage in Sichtbeton, bei der sich die Betonplatten wie stilisierte Eisschollen eines kalbenden Gletschers in das Wasserbassin hineinschoben.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 172.
Eine neue Größe konnte der Zoo 1960 erschließen, als das Gelände der ehemaligen Radrennbahn dem Zoo zugeschlagen wurde und die Fläche des Tiergartens von 11 auf 18,8 Hektar deutlich erweiterte. Grundlage für den weiteren Ausbau des Zoos zu alter Bedeutung wurde der 1957 im Auftrag des Oberstadtdirektors Max Adenauer erstellte Idealplan,Der Kölner Zoo. Eine Denkschrift zur Erweiterung und Neugestaltung. der bis 1973 mit erheblichen finanziellen Mitteln umgesetzt wurde: neues Zoorestaurant (1958), Afrika-Anlage für Zebras, Gnus und Strauße (1959), Pinguin-Becken mit Kühlanlage (1960), Fasanerie (1961), neues Verwaltungsgebäude am Zooeingang (1962), Freianlagen für Löwen und Tiger (1964), Giraffenhaus (1966), Bärenfreianlage (1969) und Lemurenhaus (1973).Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 173ff. Die nüchterne, zweckgebundene Form der neuen Bauten mit Sichtbetonstützen, roten Backsteinflächen und der kahlen gekachelten Badezimmerkultur folgten dem damaligen Zeitgeschmack visueller Funktionalität, entsprachen allerdings zwei Jahrzehnte später nur noch bedingt dem modernen Verständnis naturnah tiergerechter Haltung.Henriette Meynen, Theo Pagel: Der Zoologische Garten in Köln. Rheinische Kunststätten, Heft 533, Köln 2012, S. 19;Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 216. 1964 wurde im Kölner Zoo die erste Zooschule in Europa eröffnet.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 173.
Dian Fossey dokumentiert in ihrem Buch die Geschichte von Coco und Pucker, zwei jungen Berggorillas, die 1969 im Auftrag des Kölner Zoos im Vulkan-Nationalpark in Ruanda gefangen wurden. Bei den Jagden waren mindestens 18 weitere Berggorillas der zugehörigen Familiengruppen getötet worden. Im Zoo starben die beiden Berggorillas ohne Nachwuchs 1978.Dian Fossey: Gorillas in the mist. Boston, Mass: Houghton Mifflin 1983, S. 106–124.
Das bis heute teuerste BauprojektBausumme: 34 Mio. DM. Inflationsbereinigt teurer als der Elefantenpark. Theo Page et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 232. im Kölner Zoo entstand 1968 bis 1971 in Gestalt des Aquariums, das auch ein Terrarium und ein Insektarium umfasst. Für den Bau hatte sich insbesondere Oberbürgermeister und Zoo-Aufsichtsrat1953 bis 1980 im Aufsichtsrat der Zoo AG, seit 1956 als Vorsitzender. Theo Burauen eingesetzt, der die Zoo-Erweiterung als Teil der 1971 durchgeführten Bundesgartenschau ansah.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 231ff. Ab 1973 aber war die finanzielle Kraft der Stadt Köln erschöpft und der Zoo musste mit bescheideneren Mitteln eine längere Baupause einlegen.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 175 f.
1981–2012 mini|Im Zoo 2012 (Video) Im Übergang zu den 1980er Jahren war der Kölner Zoo finanziell ausgeblutet und baulich marode. Das historische, 1863 erbaute Elefantenhaus und der 1914 errichtete Affenfelsen galten als baufällig, das 1899 eröffnete Vogelhaus, das seit 1980 die Menschenaffen beherbergte, war dringend renovierungsbedürftig.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 204. Gleichzeitig setzte sich – begleitet durch nachdrückliche Förderung der Kölner Zooleitung – auch in den europäischen Tierparks der Trend durch, Tiere in einer artgerechten Simulation des natürlichen Lebensraumes zu halten und die alten Menagerien und Käfige abzubauen.Theo Pagel et al.: Der Kölner Zoo. Begeistert für Tiere. Köln 2010, S. 206 f.