mini|Ny-Ålesund im Sommer mini|Spitzbergen bei Tagesanbruch, Blick von Ny-Ålesund Ny-Ålesund (früher in verschiedenen Sprachen auch Kings Bay, nach dem ortsansässigen Kohlebergbauunternehmen) ist ein kleiner Ort auf der Insel Spitzbergen im norwegischen Verwaltungsbezirk Svalbard. Er ist eine der nördlichsten Siedlungen der Erde. Hier leben rund 30 Personen im Winter und etwa 120 Personen im Sommer. Anfang 2025 gab es mehr als 20 Organisationen mit Langzeitverträgen zur Forschung. Da es keine ausgebauten Wege zwischen den Orten auf Spitzbergen gibt, erfolgt die Versorgung entweder über den Luftweg oder in der eisfreien Zeit per Schiff. Auch per Schneemobil ist der Ort von Longyearbyen aus zu erreichen. Bis 2014 besaß Ny-Ålesund das nördlichste Postamt der Welt.

Das erste Gebäude wurde im Jahr 1901 von einer privaten Steinkohlegesellschaft errichtet, der Ort wurde 1916 gegründet. Die private Kohleförderung wurde 1929 mangels Rentabilität zunächst eingestellt, ab 1945 aber unter staatlicher Leitung wieder aufgenommen. Nach einem Grubenunglück im Jahr 1963 wurde der Steinkohlebergbau endgültig eingestellt. Zu dieser Zeit lebten rund 200 Personen in dem Ort, der nach dem Ende der Kohleförderung aufgegeben werden sollte. Jedoch kamen schnell Planungen auf, die vorsahen, die vorhandenen Gebäude für eine Polarforschungsstation zu nutzen. Die erste Forschungsstation wurde auf Beschluss der norwegischen Regierung 1968 eröffnet. Seitdem entwickelte sich Ny-Ålesund zu einem internationalen Forschungszentrum.

Geografie Ny-Ålesund ist die nördlichste aktuelle Siedlung auf Spitzbergen. Sie liegt an der Südküste des Kongsfjords auf der Brøggerhalvøya im Oscar-II-Land im nordwestlichen Teil der Insel Spitzbergen. Die Halbinsel ist eine Berglandschaft mit 600 bis 800 Meter hohen Gipfeln, Brøggertinden ist der höchste von ihnen. Weitere Gipfel in der Gegend sind Scheteligfjellet, Botnfjellet, Nobilefjellet, Nielsenfjellet und Dolotoppen.

Das Gebiet, das sich im Besitz der Kings Bay AS befindet, umfasst 300 km².

Ny-Ålesund befindet sich 1231 km entfernt vom Nordpol, 107 km von Longyearbyen und 2420 km von Oslo.

Geologie

Grönland und Svalbard waren im Tertiär noch zusammen, weshalb hier die gleichen Gesteinsschichten zu finden sind wie in Grönland.

Auffällig ist außerhalb von Ny-Ålesund am Kongsfjordneset und am Brøggerbreane (Brøgger-Gletscher) im Süden der rötliche Sandstein aus der Wüste. Dieser Sand stammt aus der Zeit, als Svalbard auf dem gleichen Breitengrad lag wie die Wüstenregionen Nord-Afrikas. Der rötliche Sandstein verleiht den Gletscherflüssen in der Region ihre charakteristische Färbung.

Biologie mini|Eisente im Kongsfjorden Im Kongsfjorden (Königsfjord), und im benachbarten Krossfjord gibt es Hunderttausende von Seevögeln. Zu den vorkommenden Arten gehören der Eissturmvogel, die Dreizehenmöwe, der Papageientaucher, die Gryllteiste und die Dickschnabellumme. Dazu kommen Eismöwe und Polarfuchs. Auf den Inseln im Kongsfjorden gibt es eine große Population von nistenden Eiderenten, im Zeitraum 1982 bis 2002 wurden zwischen 1000 und 4500 Paare gesichtet. Auf den Inseln wird die Zahl der Weißwangengänse auf 250 bis 300 Paare geschätzt.

Im Frühjahr 2002 wurden 480 Robben am Kongsfjorden gezählt, daneben auch Wale.

Am Brøggerhalvøya wurden vom norwegischen Polar-Institut im Jahr 1978 15 Svalbard-Rentiere gesichtet. Die Zahl erhöhte sich wegen der guten Weiden und niedriger Mortalität im Winter rasch und so waren es 1993 bereits 375 Tiere. Im Winter des Jahres 1994 gab es viel Schnee und Niederschlag in der Gegend, was den Tieren schwer zusetzte und die Population auf nur 75 zurückgehen ließ.

Klima Das Klima in Ny-Ålesund ist arktisch, für einen Standort auf 78° nördlicher Breite jedoch relativ mild. Der Ort Barrow in Alaska, welcher sogar sieben Breitengrade südlicher liegt, weist im Winter eine um 10 °C niedrigere Durchschnittstemperatur als Ny-Ålesund auf. Verantwortlich hierfür ist der Westspitzbergenstrom, der auch im Winter für moderate Temperaturen sorgt. Der kälteste Monat ist der Februar mit einer Durchschnittstemperatur von −14,6 °C, der wärmste ist der Juli bei durchschnittlich 4,9 °C. Der Niederschlag ist recht gleichmäßig über das Jahr verteilt mit einem Niederschlagsminimum im Mai und Juni. Im Jahr fallen durchschnittlich 385 mm Niederschlag.

Gesellschaft Forschung mini|Die Forschungsstation des Chinesischen Polarforschungszentrums Ny-Ålesund ist die nördlichste dauerhafte zivile Forschungsstation der Welt und wird derzeit ausgebaut, um eine moderne internationale Arktisforschung und Überwachung der Umwelt zu ermöglichen. Das Parlament hat beschlossen, dass Ny-Ålesund zum Zentrum der Norwegischen Forschung auf Spitzbergen werden soll. Die Forschung wird vom Ny-Ålesund Science Managers Committee (NySMAC) koordiniert.

Die ersten Forschungs-Organisationen, die in Ny-Ålesund stationiert waren, waren das Northern Observatory in Tromsø im Jahre 1966 und die Europäische Weltraumforschungsorganisation (ESRO) im Jahr 1967. Das Norwegische Polarinstitut begann seine Forschung zum ersten Mal 1968.

Auf dem Zeppelinfjellet (Zeppelin-Berg) außerhalb Ny-Ålesunds liegt die Forschungsstation „Zeppelin“, 474 Meter über dem Meeresspiegel. Die Zeppelin-Station ist von zentraler Bedeutung bei der Überwachung der Atmosphäre. Die gesammelten Daten haben eine große Bedeutung für die Überwachung von Klimawandel, Veränderungen des Ozons in der Stratosphäre, UV-Strahlen, Schadstoffe in der Luft und die langfristige Luftverschmutzung durch schwer abbaubare Teilchen. Die Station befindet sich im Besitz des norwegischen Polar Instituts, aber das norwegische Institut für Luft-Forschung ist verantwortlich für die wissenschaftlichen Aktivitäten der Station.

Beträchtliche Mittel aus dem EU-Rahmenprogramm für Forschung gehen nach Ny-Ålesund. Von 1997 bis 2002 haben fünf Stationen in Ny-Ålesund den EU-Status als „large scale facility“ (LSF) erhalten. Die EU finanziert die Infrastruktur und die Forschungsprogramme in dem fast unberührten Gebiet.

Heute besteht der Ort aus ständig besetzten Polarforschungsstationen von Norwegen, Deutschland (Koldewey-Station des Alfred-Wegener-Institut, seit 1991), Frankreich (1998 gegründet; 2003 mit der deutschen Station logistisch vereinigt) und China (eröffnet 2004) und nur in begrenzten Zeiträumen bemannten Stationen von Italien, Großbritannien, Japan sowie kleineren Gebäuden für Forscher aus Spanien und den Niederlanden. Dazu kommt die von Kings Bay unterhaltene gemeinsame Infrastruktur mit Meeresforschungslabor (eröffnet 2005), Kantine, Hafenanlagen und Werkstätten. Hier sind Forscher aus weiteren Nationen (Schweden, Dänemark/Grönland, USA) regelmäßig zu Gast. Am Ortsrand von Ny-Ålesund befindet sich ein Startplatz für Höhenforschungsraketen (Svalbard Rakettskyttefelt).

Am 14. Juli 2008 wurde ein Abkommen für den Bau eines Turms für die Messung des Klimawandels in der Nähe der Kings Bay abgeschlossen. Der Amundsen-Nobile Climate Change Tower ist 30 Meter hoch und liefert seit Oktober 2009 Daten.Abfrage verfügbarer Daten des „Amundsen-Nobile Climate Change Tower“

+ Forschungsinstitutionen in Ny-Ålesund Forschungsinstitution Land Beschreibung Eröffnet Norsk Polarinstitutt Sverdrup-Station und eine Luftmessstation auf dem Zeppelinfjellet mit dem Norwegischen Institut für Luftforschung; Biologie, Glaziologie, Meteorologie, Atmosphärenphysik 1968 AWIPEV Koldewey-Station (1991) und Charles-Rabot-Station (1999); Atmosphärenphysik, Biologie, Chemie, Geophysik 2003 Chinesisches Polarforschungszentrum Huanghe-Station; Atmosphärenforschung, Polarlichtforschung, Biologie, Glaziologie, Geologie und Meeresbiologie 2004 National Centre for Antarctic and Ocean Research (NCAOR) Himadri-Station; Atmosphärenphysik, Biologie, Hydrologie, Geologie, Glaziologie 2008 Consiglio Nazionale delle Ricerche Station „Dirigibile Italia“ (Luftschiff Italia) und Amundsen-Nobile-Klimawandelturm; Umweltforschung, Klimatologie, Untersuchung der Wechselwirkungsmechanismen zwischen Atmosphäre, Biosphäre, Hydrosphäre und Geosphäre 1997 Kings Bay Meereslaboratorium; Meeresökologie, Physiologie, Biochemie, Ozeanografie, Meeresgeologie, Eisphysik 2005 Koreanisches Polarforschungsinstitut Dasan-Station; Umweltforschung, glaziale und periglaziale Geomorphologie, Hydrologie, Atmosphärenchemie 2002 UK Arctic Research Station Biologie, Geowissenschaften, wird von Natural Environment Research Council (NERC) finanziert und von British Antarctic Survey (BAS) verwaltet und betrieben 1991 Reichsuniversität Groningen Ökologie 1991 National Institute of Polar Research (NIPR) Rabben-Station; Atmosphärenphysik, Biologie, Ozeanografie, Glaziologie, Meteorologie 1991 Norsk Romsenter Überwachung und Koordination von SvalRak 1997 Kartverket Station für Satellitengeodäsie und geodynamische Studien (s. Very Long Baseline Interferometry) 1992

Verkehr und Kommunikation mini|MS Nordsyssel, das Schiff des Sysselmanns am Kai von Ny-Ålesund mini|Das ehemals nördlichste Postamt der Welt in Ny-Ålesund. Der Flughafen von Ny-Ålesund heißt Hamnerabben, von dort aus werden wöchentlich mehrere Flüge nach Longyearbyen angeboten. Ny-Ålesund hat eine Anlegestelle am südlichen Ufer des Kongsfjorden. Im Sommer ist es eine beliebte Zwischenstation für Kreuzfahrten rund um Spitzbergen.

Maritim Radio verfügt über einen automatischen Küsten-Radiosender außerhalb Ny-Ålesunds, der, wie alle anderen norwegischen Küsten-Radiosender im Atlantik, von der bemannten Station in Bodø aus gesteuert wird.

Telenor unterhält eine doppelte (2×) 155 MB/s Funk-Breitband-Verbindung aus dem Stammwerk in Longyearbyen nach Ny-Ålesund. Dies deckt den Bedarf für die Sprach- und IP-Kommunikation, wie z. B. Breitband-Internet und TV (IPTV).

Der Staatsbetrieb Kings Bay ist für die Infrastruktur (Wasser, Strom, Straßen, Verkehr, Tourismus) des Ortes zuständig.

Da Ny-Ålesund vornehmlich der Forschung dient, gilt für einen Radius von 20 km „radio silence“, also Funkverbot für Sprech- und Datenfunk ebenso wie für Bluetooth/WLAN.

Politik Zur Geschichte der Politik in den ursprünglichen Minenarbeitersiedlungen Svalbards siehe die entsprechenden Abschnitte im Artikel Longyearbyen. Die Kings-Bay-Affäre, in der die norwegische Regierung für diverse Grubenunglücke in Ny-Ålesund verantwortlich gemacht wurde, sorgte 1963 für einen politischen Umsturz in Norwegen. Die Ereignisse, obwohl so weit vom bevölkerungsreichen Süden Norwegens entfernt, führten zu einer der politisch bedeutendsten Veränderungen in Norwegen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Tourismus mini|Das Nordpol-Hotel mit einer Statue von Roald Amundsen Das Nordpol-Hotel in Ny-Ålesund wurde 1936 eröffnet, aber 1939 mit dem Ausbruch des Krieges wieder geschlossen. Im Sommer 1965 wurde es wieder geöffnet, doch bereits ein Jahr später blieben die Gäste erneut aus und es schloss wieder. Im Jahr 1998 wurde es umfassend renoviert und wieder eröffnet. Es ist das einzige Hotel im Ort. Da Ny-Ålesund durch die Kings Bay AS geführt wird, müssen sich Individualtouristen bei dieser anmelden. Für das Führen von Schusswaffen im Gebiet von Ny-Ålesund ist eine Erlaubnis der Kings Bay erforderlich. Diese wird nur nach einem kostenpflichtigen Überprüfungslehrgang erteilt. Ausflüge in die Umgebung sind damit nur bedingt mit Tourguide möglich.

Ny-Ålesund wird im Sommer stundenweise von vielen Kreuzfahrtschiffen besucht. Hier befindet sich die größte Zahl alter Bauten Svalbards. Sämtliche Überreste menschlicher Zivilisation aus der Zeit vor 1945 sind auf der ganzen Inselgruppe denkmalgeschützt. Im Gegensatz zu Longyearbyen blieb Ny-Ålesund im Zweiten Weltkrieg praktisch unbeschädigt.

Zu den Attraktionen des Ortes gehört auch das Museum. Es zeigt Exponate zu den Polreisen von Roald Amundsen in den 1920er-Jahren und zu Minenarbeit und täglichem Leben in der Zeit von 1917 bis 1963.

mini|Die Amundsen-Villa