Marbach am Neckar ist eine Stadt mit Einwohnern () im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa 20 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Marbach am Neckar gehört zur Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Marbach ist bekannt als Geburtsstadt Friedrich Schillers, dem sie die seit 2022 offiziell geführte Zusatzbezeichnung Schillerstadt verdankt.Zusatzbezeichnungen für 23 Städte und Gemeinden. Pressemitteilung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg, 9. Dezember 2021. Die Stadt ist Sitz des Schiller-Nationalmuseums, des Deutschen Literaturarchivs und des Literaturmuseums der Moderne.
mini|Der Neckar bei der Marbacher Schleuse mini|Karte des Stadtgebiets mini|Stadtplan von 1832
Geographie Geographische Lage Marbach liegt im Naturraum Neckarbecken am Ostufer einer Schleife des Neckars, dessen Prallhang durch zwei tiefe Einschnitte unterbrochen wird. Der nördliche der beiden Einschnitte wird vom weitgehend verdolten Strenzelbach, der südliche vom Eichgraben durchflossen. Die Marbacher Altstadt liegt auf dem Südhang des Strenzelbachtals, etwa 30 Meter über dem Neckar thronend, während sich die neueren Wohn- und Gewerbegebiete auf die weiter nordöstlich, östlich und südlich gelegenen Hänge verteilen. Noch weiter südlich, durch den Einschnitt des Eichgrabens etwas abgeschieden, liegt das Wohngebiet Hörnle mit etwa 1600 Einwohnern. Die vom Strenzelbach gebildete Furche kürzt eine Schleife der Murr ab, die knapp nördlich der Stadt in den Neckar mündet, und bildet eine für Marbach und Umgebung wichtige Verkehrsachse.
Ortsteile und Exklaven Zum Stadtgebiet zählt neben der unmittelbaren Umgebung der Kernstadt ein schmaler Streifen, der sich nach Südwesten am Neckar entlang erstreckt und das Kraftwerk Marbach einbezieht.
Darüber hinaus gehören drei Exklaven zum Stadtgebiet. Zwei davon sind die Ortsteile Rielingshausen und Siegelhausen, die beide räumlich von Marbach getrennt sind. Während das Gebiet der Kernstadt selbst nahezu waldfrei ist, umfasst den größten Anteil der Waldfläche von Marbach die unbewohnte Exklave im Hardtwald nordöstlich vom Ortsteil Rielingshausen, die dem Naturraum Schwäbisch-Fränkische Waldberge zugerechnet wird.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009.
Rielingshausen mit rund 2800 Einwohnern liegt etwa fünf Kilometer nordöstlich von Marbach auf einer Anhöhe zwischen der Murr und dem Hardtwald. Zu dem Ort gehört auch der anderthalb Kilometer weiter nördlich gelegene Weiler Hinterbirkenhof. Die Gemarkung wird durch mehrere Bachtäler gegliedert, die allesamt zur Murr führen. Der Dorfkern liegt in der flachen Mulde des Weidenbachs, während der Kaisersbach eine Vertiefung zwischen Rielingshausen und dem Hinterbirkenhof ausbildet. Die östliche Markungsgrenze bildet der Eichbach, der auf halbem Wege in einer Doline verschwindet. Der Sulzbach durchfließt südöstlich des Orts ein weites Tal. Nachdem er bei der Flurbereinigung in den 1970er Jahren begradigt worden war, wurde er Ende der 1980er Jahre wieder renaturiert. Diese Maßnahme wurde 1991 mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbunds ausgezeichnet.
Siegelhausen, ein kleiner Weiler mit etwa 30 Einwohnern, liegt etwa fünf Kilometer südöstlich der Kernstadt abseits der Straße zwischen Affalterbach und Hochdorf im Tal des Strombachs, der auch Apfelbach genannt wird.
Geologie Die Flusstäler von Neckar und Murr haben sich in die Schichten des oberen Muschelkalks eingegraben, während die höher gelegenen Flächen vom Letten- und Gipskeuper gebildet werden. In den Seitentälern macht sich der Übergang von den Keuper- zu den Muschelkalkschichten deutlich durch eine Änderung der Talform bemerkbar: Eichgraben, Weidenbach und Eichbach bilden im Oberlauf muldenförmige Täler aus, die im Unterlauf zur Kerbtälern werden. Eine Ausnahme bildet der Sulzbach: Sein Tal markiert, zusammen mit der Strenzelbachfurche auf der anderen Seite der Murr, den Verlauf der so genannten Neckar-Jagst-Furche, einer langgestreckten geologischen Verwerfung, in der die geologischen Schichten abgesenkt sind, so dass der Sulzbach bis zur Mündung in die Murr im Keuper verläuft.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2020.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Marbach am Neckar.
Benachbarte Orte Auf der westlichen Neckarseite, Marbach schräg gegenüberliegend, ist Benningen am Neckar. Nördliche Nachbarorte sind Murr und Steinheim an der Murr. Östlich der Kernstadt liegt Erdmannhausen, auch zum weiter südöstlich gelegenen Affalterbach führt eine direkte Straße. Im Süden und Südwesten liegen die Ludwigsburger Ortsteile Poppenweiler und Neckarweihingen.
Rielingshausen besitzt direkte Straßenverbindungen nach Erdmannhausen im Südwesten und den Aspacher Ortsteilen Kleinaspach im Norden und Großaspach im Osten. Das westlich gelegene Steinheim sowie Kirchberg an der Murr im Südosten sind nur über indirekte Straßenverbindungen zu erreichen.
Die Nachbarorte Siegelhausens sind Affalterbach im Norden, Hochdorf im Südwesten und Bittenfeld im Südosten.
Geschichte mini|Geburtshaus Friedrich Schillers Marbach wurde vermutlich als fränkischer Königshof um 700 gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 972. Die heutige Altstadt entstand ab dem späten 12. Jahrhundert auf einer Anhöhe südwestlich des älteren Siedlungskerns. Um 1302 geriet Marbach an Württemberg, wurde Sitz eines Amtes (des späteren Oberamts Marbach) und eine der wichtigsten Städte Württembergs, abgesehen von einer kurzen kurpfälzischen Episode im 15. Jahrhundert. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Ort 1693 von französischen Truppen größtenteils niedergebrannt. Dadurch und durch die Entstehung der Residenzstadt Ludwigsburg verlor Marbach an Bedeutung. 1759 wurde der Dichter Friedrich Schiller in Marbach geboren. Nach seinem Tod entwickelte sich Marbach zu einem Zentrum der Verehrung Schillers, davon zeugen das Geburtshaus, das Schiller-Nationalmuseum, das Deutsche Literaturarchiv sowie das Literaturmuseum der Moderne. 1938 verlor Marbach seine Funktion als Verwaltungssitz, als der Landkreis Marbach aufgelöst wurde. 1972 erfolgte die Eingliederung von Rielingshausen, nachdem sich Siegelhausen schon 1828 der Stadt angeschlossen hatte.
Vorgeschichte Ab der Jungsteinzeit ließen sich Menschen im Neckarbecken nieder und begannen mit der Rodung der Urwälder. Reste menschlicher Siedlungen lassen sich auf Marbacher Stadtgebiet seit dem 6. Jahrtausend v. Chr. nachweisen.
Im Jahr 85 n. Chr. wurde der Neckar zur Grenze des Römischen Reichs. Gegenüber der heutigen Stadt Marbach, im heutigen Benningen, wurde ein Kastell erbaut. Mit Hilfe der Dendrochronologie konnte festgestellt werden, dass frühestens 107 n. Chr. (± 10 Jahre) die Hölzer einer Hafenanlage gefällt worden sind.Bernd Becker: Fällungsdaten römischer Bauhölzer anhand einer 2350jährigen Süddeutschen Eichen-Jahrringchronologie. In Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 6. Konrad-Theiss-Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-1252-X, S. 386, doi:10.11588/fbbw.1981.0.26390. Um 150 n. Chr. wurde auch das Gebiet rechts des Neckars in das Römische Reich einbezogen, die Besatzung des Kastells ins 25 Kilometer weiter östlich gelegene Murrhardt verlegt und eine Römerstraße zwischen Benningen und Murrhardt gebaut. Diese verlief durch die Marbacher Talsenke etwa im Bereich der heutigen Bahnlinie; eine Brücke (nördlich des heutigen Eisenbahnviadukts) führte über den Neckar. In der Umgebung des Kastells entstand eine als vicus murrensis bezeichnete zivile Ansiedlung, von der im Marbacher Gebiet die Überreste mehrerer Gutshöfe ergraben wurden.
Alemannische und fränkische Zeit Die alemannische Landnahme wird um das Jahr 260 angenommen. An der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert wurden die Alamannen durch die von Chlodwig I. angeführten Franken unterworfen und nach Süden abgedrängt. Der Norden Baden-Württembergs wurde nun bis in die Gegend um Marbach in das fränkische Siedlungsgebiet einbezogen. Marbach geriet so aufs Neue in die Nähe einer Grenze, die diesmal jedoch in West-Ost-Richtung verlief: entlang von Seltzbach, Murg und Oos über die Höhen des Nordschwarzwalds zum Engelberg, der ebenso wie Asperg, Lemberg und Hagberg offenbar der Grenzsicherung auf fränkischer Seite diente. Der Ortsname von Mar(k)bach soll sich auf diese Mark beziehen.Wegen des Ortsnamens im Sinne von Grenzbach hält Stadtarchivar Albrecht Güring entgegen der bisherigen Lehrmeinung einen Grenzverlauf durch das Strenzelbachtal bzw. durch Marbach für möglich.
mini|Alexanderkirche Nachweise für eine dauerhafte Siedlungstätigkeit auf Marbacher Markung bis zum 7. Jahrhundert gibt es nicht, und über die Frühzeit Marbachs liegen keine schriftlichen Quellen vor. Aufgrund archäologischer Befunde und wegen des auf -bach endenden Ortsnamens nimmt man an, dass Marbach um 700 als fränkischer Königshof entstand. Dieser befand sich nördlich des Strenzelbachs (heute verdolt unter der Bottwartalstraße) bei der Alexanderkirche. Demnach wäre die Gründung in Zusammenhang mit dem Wiederaufflammen des alemannisch-fränkischen Konflikts unter Herzog Gotfrid zu sehen: Wegen seiner römerzeitlichen Infrastruktur (Kastell, Straßen, Brücke) bot der Raum Benningen-Marbach ideale Voraussetzungen als fränkische Gegenposition zum alemannischen Herzogssitz bei Cannstatt. Auch Heerstraßen von Worms und in Richtung Bayern führten an dem Königshof vorbei.
Dem vermutlichen Königshof waren die umliegenden, bereits zuvor bestehenden Dörfer untergeordnet. Marbach erlangte somit frühzeitig die Funktion eines Verwaltungsmittelpunkts, die es bis ins 20. Jahrhundert behauptete. Nachdem die Herzogtümer Alemannien (746) und Bayern (788) endgültig in das Frankenreich eingegliedert worden waren, wurde die fränkisch-alamannische „Mark“ hinfällig, blieb jedoch als südliche Diözesangrenze des Bistums Speyer bis zur Reformation erhalten. Der mutmaßliche Königshof verlor an Bedeutung, die Neckarbrücke verfiel und wurde nicht wieder aufgebaut. Besitztümer aus den umliegenden Dörfern wurden nach und nach an das Kloster Lorsch verschenkt.
Verschiedene Herrschaften vom 10. bis 13. Jahrhundert Die urkundliche Ersterwähnung von Marcbach erfolgte 972 in einer weiteren Schenkungsurkunde, mit der ein Diakon Wolvald seinen hier gelegenen Hof (curtis) mit allem dazugehörigen Besitz dem (fränkischen) Bistum Speyer übertrug.Hans-Ulrich Schäfer: Die Geschichte Marbachs von den Anfängen bis zum Jahre 1302. In: Albrecht Gühring u. a.: Geschichte der Stadt Marbach am Neckar, Band 1 (bis 1871), Marbach am Neckar 2002, S. 37–128, hier S. 43, 53 ff. Wegen des Ortsnamens „Mar(k)bach“ im Sinne von „Grenzbach“ halten es Schäfer und Gühring entgegen der bisherigen Lehrmeinung für wahrscheinlich, dass die alamannisch-fränkische „Stammesgrenze“ im Marbacher Raum am unscheinbaren Strenzelbach entlang lief. 1009 bestätigte König Heinrich II. das offenbar bereits bestehende Marktrecht für Marbach und erlaubte die Errichtung einer Münzstätte.
Über die Besitzverhältnisse in den darauffolgenden Jahrhunderten liegen keine schriftlichen Zeugnisse vor. 1282 wurden Marbacher erstmals als „Bürger“ bezeichnet, so dass die Stadtgründung vor diesem Zeitpunkt liegen muss. Nach früherer Auffassung gehörte der Ort schon früh den Grafen von Württemberg und sei von diesen um 1250 zur Stadt ausgebaut worden. Die heutige Stadtgeschichtsschreibung geht davon aus, dass Marbach im Zuge des Investiturstreits um 1100 an die Markgrafen von Baden überging, deren Besitzschwerpunkt zu dieser Zeit an Neckar und Murr lag. Diese legten am Ende des 12. Jahrhunderts eine neue Marktsiedlung mit Herrensitz auf der Anhöhe südlich des Strenzelbachs an, die die Keimzelle der heutigen Stadt bildete.Hans-Ulrich Schäfer, in: Albrecht Gühring, S. 37–41, 45–51, 55–67, 74 ff. Stephan Molitor