Deportation (Georges (1913). von deportare „wegbringen“, „fortschaffen“) bedeutet die Verschickung, Verschleppung oder Verbannung von Straftätern, politischen Gegnern oder ganzen Volksgruppen mit staatlicher Gewalt in weit entlegene Gebiete zu langjährigem oder lebenslangem Zwangsaufenthalt.Deportation, die duden.de, abgerufen am 21. November 2019.Nationalsozialismus - Deportation Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, Glossar 2015.Carl Creifelds: Rechtswörterbuch, 21. Aufl. 2014, ISBN 978-3-406-63871-8.

Der Begriff „Zwangsmigration“ (vgl. Migration), der auch die Vertreibung einschließt, setzte sich in den 1980er Jahren durch, da er auf unterschiedliche Typen von Bevölkerungsverschiebungen im 20. Jahrhundert anwendbar war und die massive Gewalt als deren Hauptursache einbezog, ohne die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kategorien erzwungener Bevölkerungsbewegungen zu verwischen.Krzysztof Ruchniewicz: Zwangsmigration Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Stand 22. Mai 2015

Deportationen sind mit Teil- oder Totalverlusten von gesetzlichen Rechten und des immobilen und mobilen Eigentums der Deportierten verbunden.

In Abgrenzung zum Begriff Deportation steht die Definition des Zwangsexils, das meist auf Einschränkungen der freien Entfaltung des Individuums am ursprünglichen Aufenthaltsort beruht. Am neu gewählten Zielort finden keine Beschneidungen und Sanktionen der persönlichen Freiheit durch den für das Exil verantwortlichen Staat statt.

Rechtlichen Schutz gegen Deportationen bietet in Friedenszeiten die UN-Menschenrechtscharta (Artikel 9 und 12), in Kriegszeiten der Artikel 49 des Genfer Abkommens vom 12. August 1949. Wenn die Deportation mit Zwangsarbeit verbunden ist, verstößt sie gegen Art. 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK).

Deportationen werden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit (in Friedenszeiten) oder als Kriegsverbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verfolgt.

Im Gegensatz zur Deportation versteht man unter einer Abschiebung eine staatliche Zwangsmaßnahme, die nicht nur den Gesetzen des durchführenden Staates, sondern auch den allgemeinen Menschenrechten entspricht.

Deportation von Einzelpersonen Deportationen von Strafgefangenen mini|Karte des Gulag-Systems Die Deportation von Strafgefangenen in Strafkolonien, wo sie sich mehr oder weniger frei bewegen konnten, hat eine lange Geschichte. In der Neuzeit wurde sie in größerem Umfang von folgenden Staaten angewendet:

von Großbritannien nach Australien, in Russland nach Sibirien, in der Sowjetunion mit Straflagern (Gulag) im ganzen Land, von Frankreich nach Französisch-Guyana und von Norditalien in die Basilicata.

Deportation von unerwünschten Personen Darunter fällt die Deportation von Personen, die zwar keine Straftaten begangen haben, deren Verbleib vor Ort jedoch nicht erwünscht ist. Solche Deportationen wurden in unterschiedlichem Umfang praktisch von allen Diktaturen durchgeführt.

Deportation von Personengruppen Deportationen aufgrund von Abkommen mini|Trail of Tears National Historic Trail Die Vertreibung und Deportation nordamerikanischer Ureinwohner („Indianer“) beruhte auf dem Indian Removal Act (Indianer-Umsiedlungsgesetz) von 1830 und den zu seiner Umsetzung geschlossenen Verträgen über Landabtretungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und einzelnen Indianerstämmen.28. Mai 2010 - Vor 180 Jahren: Indianer-Umsiedlungsgesetz unterzeichnet WDR, 28. Mai 2010 Insbesondere die erzwungene Umsiedlung der Cherokee aus dem fruchtbaren südöstlichen Waldland der USA in das eher karge Indianerterritorium im heutigen Bundesstaat Oklahoma wird als Pfad der Tränen (engl. Trail of Tears) bezeichnet.

Ein weiteres Beispiel ist der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei aufgrund des Vertrags von Lausanne vom 24. Juli 1923.

Im Juni 1939 wurde das deutsch-italienische Abkommen zur Umsiedlung der Südtiroler zwischen Deutschland und Italien geschlossen. Südtiroler, die sich nicht bis zum 31. Dezember 1939 für die Option der Umsiedlung entschieden, verloren den Schutz als Volksdeutsche. Provinz Bozen; abgerufen am 24. Januar 2015. Die Interessen der Südtiroler wurden von Hitler zugunsten seiner Eroberungspläne geopfert, um den Stahlpakt zu festigen.Warum Hitler die Südtiroler opferte: So kam es zur Option. In: Die Zeit, Nr. 10/1989.

In dem Zusatz vom 28. September 1939 zum Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag wurde nach der Aufteilung Polens der Austausch von Minderheiten zwischen Deutschland und der Sowjetunion vereinbart. Betroffen waren u. a. die volksdeutschen Gruppen: Baltendeutsche, Bessarabiendeutsche und Bukowinadeutsche und auf der sowjetischen Seite in Deutschland und dem deutsch besetzten Polen lebende Ukrainer und Weißrussen. Im Rahmen des Generalplan Ost wurde durch den Nahplan das Vorgehen zur Ansiedlung dieser Volksdeutschen im ehemaligen Polen festgelegt. Zuständig für die Vertreibung der ursprünglichen Einwohner war die Umwandererzentralstelle („Amt für Aussiedlung von Polen und Juden“), für die Verwertung des zurückgelassenen Vermögens die Haupttreuhandstelle Ost bzw. die „Treuhandstelle für das Generalgouvernement“ und für die Neuansiedlung der Volksdeutschen unter dem Propagandabegriff „Heim ins Reich“ die Volksdeutsche Mittelstelle. mini|Überfüllter Flüchtlingszug nach der Teilung Indiens, Punjab 1947 Die größte Umsiedlung im staatlichen Konsens mit etwa 20 Millionen betroffenen Menschen war die Teilung Indiens. Im Rahmen der Unabhängigkeitsverhandlungen kam man überein, Umsiedlungen nach religiösen Gesichtspunkten vorzunehmen. Muslime sollten in das neu entstehende Pakistan und Hindus in den Staat Indien umsiedeln. Durch mangelhafte Vorbereitung, ungenügende Unterstützung und die mit der Umsiedlung verbundenen Ungerechtigkeiten kam es zu Übergriffen, Unruhen, gewaltsamen Vertreibungen und Flucht, in deren Verlauf schätzungsweise bis zu einer Million Todesopfer zu beklagen waren.Barbara D. Metcalf, Thomas R. Metcalf: A Concise History of Modern India. 2nd edition. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2006, ISBN 0-521-86362-7, S. 23 und 372.

Deportationen aus wirtschaftlichen Gründen Ein Beispiel für eine Deportation aus wirtschaftlichen Gründen sind die Highland Clearances in Schottland im 18. und 19. Jahrhundert. Pächter wurden im großen Stil von ihren Höfen vertrieben, um Platz für lukrativere Schaffarmen zu schaffen. Diese Umsiedlung war legal, wurde jedoch als ungerecht empfunden. Obwohl die Presse auf Seiten der Opfer stand, regte sich wenig politischer oder gar gewaltsamer Widerstand.

Verbringung von Personengruppen zur Zwangsarbeit

mini|„Ostarbeiterin“ in Deutschland, Frühjahr 1945.

Schon während des Ersten Weltkriegs wurden Bewohner der vom Deutschen Reich besetzten Teile Frankreichs, Belgiens und Polens zur Zwangsarbeit verschleppt, siehe Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg.

Deportationen betrafen auch die Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden („Ostarbeiter“).

Durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD wurden ab Dezember 1944 Hunderttausende deutscher Zivilisten zur Zwangsarbeit in Lager (Gulag) der Sowjetunion deportiert, überwiegend Frauen. Davon waren zuerst die deutschen Minderheiten auf dem Balkan, die so genannten Volksdeutschen betroffen. Mit Erreichen des Reichsgebietes wurden die Deportationen im heutigen polnischen Staatsgebiet fortgesetzt und erst an der zukünftigen Oder-Neiße-Grenze gestoppt. Diese Zivildeportationen wurden auf der Konferenz von Jalta als so genannte reparations in kind von den Alliierten legitimiert.Daniela Hendel: Die Deportationen von deutschen Frauen und Mädchen in die Sowjetunion 1944/1945. 2005. Etwa ein Drittel dieser Deportierten starb aufgrund der Haftbedingungen durch Hunger, Krankheiten und Kälte oder schon während der Transporte in Viehwaggons.Freya Klier: Verschleppt ans Ende der Welt. 1996.

Schätzungsweise 1,7 bis 2 Millionen Menschen wurden in Kambodscha während der Zeit der Roten Khmer unter der am kommunistischen Mao-Regime orientierten Herrschaft Pol Pots aus politisch-ideologischen Gründen in Todeslager deportiert und dort umgebracht oder nach der Deportation zur Zwangsarbeit auf Reisfeldern ermordet.

Deportationen als Sanktion Die Deportation von Teilen der unterworfenen Bevölkerung war bereits in mittelassyrischer Zeit ein wichtiges Herrschaftselement, wie Rationenlisten belegen, und wurde in neuassyrischer Zeit verstärkt fortgeführt (siehe Zwangsumsiedlungen im Assyrischen Reich).

Bereits Salmanassar I. (Inschrift vom Aššurtempel in Aššur) berichtet, er habe 14.400 Gefangenen aus Hanilgabat nach Assur gebracht und geblendet. Sein Nachfolger Tukulti-Ninurta I. setzte zahlreiche Deportierte beim Bau seiner neuen Hauptstadt Kār-Tukulti-Ninurta ein, darunter Subaräer, Sutäer und Männer aus den Nairi-Ländern, Leute aus Katmuḫḫi, Alše, Purulumzi und Amadani. Aus den Rationenlisten lassen sich erschließen: 7300 Kassiten, 350 Subaräer, 200 Sutäer und 99 Bewohner von Nairi. Aus der Regierungszeit von Tiglat-pileser I. sind zahlreiche deportierte Kriegsgefangene aus Schubria, Nairi und Katmuhi bekannt. Sie wurden mit Gerste-Rationen versorgt. Ihr Einsatz unterstand genauer Aufsicht. ParpolaSimo Parpola: Assyrian identity in ancient times and today. 2004. schätzt, dass in neu-assyrischer Zeit insgesamt etwa 4,5 Millionen Menschen deportiert wurden.

Die Deportation der dänischen Polizisten in deutsche Konzentrationslager erfolgte 1944 im Zweiten Weltkrieg nach der Entwaffnung und Auflösung der dänischen Polizei (Operation Möwe). Dabei wurden 1960 inhaftierte Polizisten zunächst in das KZ Neuengamme und dann weiter in das KZ Buchenwald deportiert.

Deportationen von politischen Gegnern Viele Menschen, die Widerstand gegen die Nationalsozialisten und die Besetzung ihres Landes geleistet hatten, wurden nach dem Nacht-und-Nebel-Erlass vom 7. Dezember 1941 deportiert, soweit sie nicht an Ort und Stelle oder in ihrem Heimatland getötet wurden. Durch schlechte Transportbedingungen (z. B. Verweigerung von Wasser, Luftmangel etc.) starb in manchen Zügen ein großer Teil der Insassen bereits während des Transports (dieses war der NS-typische Begriff für die Deportation).

In der DDR wurden in den Jahren 1952 und 1961 im Zuge der „Aktion Ungeziefer“ bzw. „Aktion Kornblume“ zwischen 11.000 und 12.000 Menschen, die von den Staatsorganen als „politisch unzuverlässig“ eingestuft wurden, aus Ortschaften an der innerdeutschen Grenze zwangsweise in das Landesinnere umgesiedelt.

Deportationen aus religiösen Gründen In der Schweiz fanden bis in das 18. Jahrhundert auch Deportationen aus religiösen Gründen statt. Hier waren es die Mennoniten, die vor allem im Kanton Bern mit Hilfe von staatlichen Täuferkammern und Täuferjägern festgesetzt und ausgewiesen wurdenHorst Penner: Weltweite Bruderschaft. Ein mennonitisches Geschichtsbuch. 4. Auflage, überarbeitet von Horst Gerlach und Horst Quiring. Mennonitischer Geschichtsverein, Weierhof 1984, ISBN 3-921881-04-8. mit dem Ziel das eigene Territorium täuferfrei zu machen. Im 20. Jahrhundert wurden zudem in der UdSSR eine hohe Anzahl von russlanddeutschen Mennoniten unter Stalin nach Sibirien deportiert, wo viele von ihnen Zwangsarbeit leisten mussten.

Deportationen während des Nationalsozialismus

mini|hochkant=1.8|Karte der Arbeits- und Vernichtungslager im von Deutschland besetzten Europa um 1942

Nach der „forcierten Auswanderung“ und Judenvertreibung aus Deutschland war nach dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 die systematische Deportation und Ermordung aller europäischen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern das Ziel des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs.