mini|Bereich um das Stadtzentrum aus der Vogelperspektive miniatur|Blick auf das Zentrum von Kattowitz Katowice ( []), ([]), ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Schlesien. Sie hat über 282.000 Einwohner.

Die knapp 80 km westnordwestlich von Krakau im Oberschlesischen Industrierevier liegende Stadt ist das Zentrum der Metropolregion Silesia, zu der je nach Definition zwischen 2,5 und 5 Mio. Einwohner gezählt werden. In der Gegend existieren reichhaltige Kohle- und Erzlagerstätten. Die Stadt ist ein wichtiger und florierender Wirtschaftsstandort, wobei die wirtschaftliche Bedeutung der Bergwerke und Schwerindustrie immer mehr zugunsten der Dienstleistungsbranche, Elektroindustrie und Informationstechnik abnimmt.

Ab 1742 gehörte Kattowitz zu Preußen und entwickelte sich im Gefolge der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert vom unbedeutenden schlesischen Dorf zu einer Industriestadt, die ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs war und nach dem Versailler Vertrag mit der Teilung Oberschlesiens im Jahr 1921 an Polen fiel. Während der Zweiten polnischen Republik 1922 bis 1939 war Katowice Hauptstadt der Autonomen Woiwodschaft Schlesien. Nach der deutschen Besetzung 1939 wurde sie 1941 Hauptstadt des Gaus Oberschlesien, nachfolgend in der Volksrepublik Polen wieder Hauptstadt der Woiwodschaft. 1924 überschritt die Einwohnerzahl die 100.000er-Marke, wodurch es zur Großstadt wurde. 1953 bis 1956 trug die Stadt den Namen Stalinogród.

Kattowitz ist Universitätsstadt, katholischer Erzbischofs- sowie evangelisch-augsburgischer Bischofssitz (→ Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen); vom 3. bis 14. Dezember 2018 fand hier die 24. UN-Klimakonferenz statt (United Nations Framework Convention on Climate Change bzw. 24th Conference of the Parties, kurz COP 24).

Geographie Geographische Lage mini|Kattowitz ostsüdöstlich von Gleiwitz auf einer Landkarte von 1905 Die Stadt liegt im äußersten Osten der Region Oberschlesien auf einer von Beuthen bis nach Kattowitz reichenden Hochebene, die reiche Steinkohlevorkommen besitzt und einen Teil des Schlesischen Hochlandes darstellt. Dies ist auch die Übergangszone der Beskiden zu den polnischen Mittelgebirgen. Für die Höhenlage ergeben sich in Kattowitz Werte zwischen 266 und 352 m Höhe über dem Meeresspiegel, der Durchschnittswert in der Stadt liegt bei 272 m ü. NHN. Die wichtigsten Flüsse, die die Stadt durchziehen, sind die Rawa, die in Ost-West-Richtung fließt, und die Klodnitz, die südlich der Innenstadt nahe dem Ortsteil Brynów (Brynow) entspringt und dann im Westen das Stadtgebiet in Richtung Ruda Śląska (Ruda O.S.) verlässt.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet von Katowice hat eine Fläche von 164,6 km², von der etwa 40 % Wälder einnehmen, weitere 20 % sind Grünflächen, womit die Stadt zu den grünsten in der Region zählt. Wegen der Größe des Stadtgebiets ergeben sich auch Unterschiede in der Flächennutzung. Die größten bebauten Flächen dehnen sich in Bogenform von Südwesten bis nach Norden zur Innenstadt und weiter Richtung Nordosten aus. Im Osten, aber vor allem im Südosten befinden sich ausgedehnte Waldgebiete und nur vereinzelt Siedlungen.

Stadtgliederung mini|hochkant=1.3|Stadtteile von Kattowitz

Seit dem 29. September 1997 besteht Katowice offiziell aus fünf Stadtbezirken (zespoły dzielnic), die wiederum in 22 Stadtteile (dzielnice) gegliedert sind.

I. Innenstadt (Stadtbezirk) 1. Śródmieście (Innenstadt) 2. Koszutka (Kossutka) 3. Bogucice (Bogutschütz) 4. Osiedle Paderewskiego-Muchowiec (Muchowietz) II. Nördliches Stadtgebiet 5. Załęże (Zalenze) 6. Osiedle Witosa 7. Osiedle Tysiąclecia (Tauzen), früher (Bedersdorf) 8. Dąb (Domb) 9. Wełnowiec-Józefowiec (Hohenlohehütte-Josephsdorf) III. Westliches Stadtgebiet 10. Załęska Hałda-Brynów (Zalenzer Halde-Brynow) 11. Brynów-Osiedle Zgrzebnioka (Brynow) 12. Ligota-Panewniki (Ellgoth-Panewnik)IV. Östliches Stadtgebiet 13. Zawodzie (Zawodzie) 14. Dąbrówka Mała (Eichenau) 15. Szopienice-Burowiec (Schoppinitz-Burowietz) 16. Janów-Nikiszowiec (Janow-Nickischschacht) 17. Giszowiec (Gieschewald) V. Südliches Stadtgebiet 18. Murcki (Emanuelssegen) 19. Piotrowice-Ochojec (Petrowitz-Ochojetz) 20. Zarzecze (Zarzytsche) 21. Kostuchna (Kostuchna) 22. Podlesie (Podlesie) Nr. 9 (Welnowiec – Jozefowiec)

Da bei dieser amtlichen Aufteilung teilweise mehrere Orte zu Stadtteilen zusammengelegt sind und neben diesen Stadtteilen noch weitere Siedlungen und Kolonien bestehen, sind alle aktuellen und historischen Stadtteile von Katowice in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Nachbargemeinden Die kreisfreie Stadt ist relativ zentral im Oberschlesischen Industrierevier gelegen und hat als Zentrum dieses Ballungsraumes viele Nachbarstädte bzw. Landkreise, die an die Stadt angrenzen. Im Norden ist dies Siemianowice Śląskie und dann im Uhrzeigersinn, also ostwärts, Sosnowiec, Mysłowice, der Powiat Bieruńsko-Lędziński mit der Stadt Lędziny, Tychy, der Powiat Mikołowski mit der Stadt Mikołów, Ruda Śląska und Chorzów.

Klima In Katowice herrscht überwiegend maritimes Klima vor, das jedoch in kontinentales Klima übergeht. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,9 °C, das Jahresmittel der Niederschläge 723 mm. Aus Richtung Osten ist Kattowitz wegen des nahegelegenen Krakau-Tschenstochauer Juras vor Winden geschützt, so dass schwache Westwinde von nicht mehr als 2 m/s überwiegen.

Geschichte Der Name der Stadt ist erstmals 1598 als Katowicze belegt.im Visitationsbericht von Pater Kazimierski ist von einer Pfarrei die Rede, die Boguczyce, Zalęzie et nova villa Katowicze umfasst. Davor gibt es jedoch Zeugnisse zu heutigen Stadtteilen. Dąb wird bereits 1299 erwähnt, Bogucice ab 1397.

Im preußischen Staat mini|Das alte städtische Gymnasium

1526 erbten die Habsburger sowohl die ungarische als auch die böhmische Königskrone und erlangten damit auch die Herrschaft über Schlesien.Österreichische Landsmannschaft (Hrsg.): Österreichische Landsmannschaft. In: oelm.at, abgerufen am 8. Dezember 2017. Infolge des Friedensvertrags von Breslau vom 11. Juni 1742, der den Ersten Schlesischen Krieg beendete, erhielt Preußen Ober- und Niederschlesien und die Grafschaft Glatz, somit auch das oberschlesische Dorf Kattowitz.

Der schnelle Aufstieg des Dorfes Kattowitz begann 1846 in Zusammenhang mit dem Bau der oberschlesischen Eisenbahn nach Myslowitz. Die herausragende Rolle bei der Zusammenführung der Dörfer entlang des Flusses Rawa und deren Weiterentwicklung zu einer florierenden Stadt spielten der Unternehmer Franz Winckler, der örtliche Gutsverwalter Friedrich Wilhelm Grundmann (seit 1839), der Städteplaner Nottenbohn und der Arzt und erste Stadtratsvorsitzende der Stadt Kattowitz, Richard Holtze. 1865 wurden dem rasant wachsenden Kattowitz die Stadtrechte verliehen. Ein Vierteljahrhundert zuvor war der Flecken Kattowitz noch ein unansehnliches Dorf mit hölzernen Häusern gewesen.Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 364–368.

Bis zum Dienstantritt des vierten Bürgermeisters, August Schneider, Rechtsanwalt und Notar in Myslowitz, am 4. August 1890, führte die Geschäfte der Referendar a. D. Kosch, der ebenfalls aus Myslowitz kam und 1893 zweiter Bürgermeister wurde. August Schneider amtierte bis 1905 und hatte bei seinen Maßnahmen zum Wohle der Stadt eine glückliche Hand. Zunächst brachte der 1893 zwischen Deutschland und Russland ausgebrochene Zollkrieg der Industrie und dem Handel großen Schaden. Die reichen Bürger flüchteten wegen der steuerlichen Selbsteinschätzung aus Kattowitz, darunter sechs Millionäre; aber schon ein Jahr später kam der Handelsvertrag zustande und brachte eine Besserung der Lage. Schneider ist der Bau eines im Grenzverkehr mit Russland besonders wichtigen Schlachthofes, der Erwerb einer Gasanstalt zur besseren Beleuchtung der Straßen und die endgültige Überwindung der Wirtschaftskrise zu verdanken.

mini|Ansicht des großstädtischen Kattowitz

Besondere Verdienste hat sich Schneider auf dem Gebiet des Ausbaus des städtischen Schulwesens erworben. Der Magistrat der Stadt ließ dem inzwischen zum Geheimen Justizrat ernannten Bürgermeister eine doppelte Ehrung zuteilwerden: Die bisherige Uferstraße wurde in August-Schneider-Straße umbenannt und Schneider überdies das Ehrenbürgerrecht verliehen.W. Majowski (Hrsg.): 100 Jahre Stadt Kattowitz 1865–1965.

Der Goldstein-Palast wurde 1872 errichtet.

1873 erhielt Kattowitz das Landratsamt des neu gebildeten Kreises Kattowitz, bildete ab 1899 einen eigenen Stadtkreis und wurde zum Sitz von Industrie-Großkonzernen (z. B. seit 1889 Kattowitzer Aktien-Gesellschaft) und Großbanken. Die in der Stadt ansässige Schwerindustrie entwickelte sich günstig. Einen beträchtlichen Aufschwung brachte auch die Gründung der Eisenbahndirektion Kattowitz zum 1. April 1895 (1922 Verlegung und Umbenennung zur Reichsbahndirektion Oppeln). Wolfgang Klee: Preußische Eisenbahngeschichte. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007466-0, S. 179.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Kattowitz eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine altkatholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Oberrealschule, eine Baufachschule, eine Präparandenanstalt, eine Psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt, zwei Bergreviere, ein Landratsamt für den Landkreis Kattowitz, eine Reichsbanknebenstelle, Phosphor-Bronze-Industrie, eine Holz-Imprägnierungsanstalt, Dachpappen-, Ceresin- und Tonwarenfabriken, Ziegeleien, Brauereien und Mühlen und war Sitz des Amtsgerichts Kattowitz.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) brachte neue Aufträge für die Stahlwerke. Die Stadt wurde nicht beschädigt.

Zwischenkriegszeit mini|Große öffentliche Bauten wie der Schlesische Sejm zeugen von der Bedeutung der Stadt im Zwischenkriegspolen mini|hochkant|Vestibül des Schlesischen Parlaments miniatur|Drapacz Chmur (Wolkenkratzer) von 1934 Nach dem Ersten Weltkrieg sollte Deutschland nach dem Erstentwurf des Versailler Vertrages Oberschlesien ohne Volksabstimmung an Polen abtreten. Nachdem Großbritannien sein Veto eingelegt hatte, erreichte die Regierung Ebert jedoch, dass die Gebietsaufteilung von einer Volksabstimmung abhängig gemacht werden sollte. Nach der Endversion des Friedensvertrages von Versailles war daher eine Volksabstimmung vorgesehen, die über die Staatszugehörigkeit Oberschlesiens und somit auch von Kattowitz entscheiden sollte.

Die Hoffnungen und Erwartungen vor der Volksabstimmung führten zu Spannungen zwischen pro-deutschen und pro-polnischen Bevölkerungsgruppierungen, die von 1919 bis 1921 in die drei Schlesischen Aufstände mündeten.

Das Plebiszitkommissariat für Deutschland wurde 1920 gegründet.

Am 20. März 1921 wurde die Volksabstimmung in Oberschlesien unter der Aufsicht einer interalliierten Kommission und Präsenz der Truppen der Siegermächte durchgeführt und ergab eine Mehrheit von 59,42 % für Deutschland. Im Stimmkreis Kattowitz stimmten 51,9 % der Wähler für Deutschland. Während im dazugehörigen Landkreis Kattowitz eine Mehrheit von 55,6 % der abgegebenen Stimmen für Polen abgegeben wurde, sprachen sich die Wahlberechtigten der Stadt zu 85,4 % für einen Verbleib bei Deutschland aus. Dies entsprach auch der Bevölkerungsstruktur. Die deutsche Bevölkerung stellte im Landkreis Kattowitz eine Minderheit von etwa 30 %, im Stadtkreis Kattowitz dagegen eine 87-prozentige Mehrheit dar, wovon rund 30 % jüdische Familien waren, die sich zum Deutschtum bekannten und die maßgeblich am industriellen Aufschwung der Stadt beteiligt waren. In Stadt- und Landkreis Kattowitz zusammengenommen stimmten 47,0 % für Polen.

Auch die Siegermächte waren sich über die Teilungsgrenzen in Oberschlesien uneins; während Großbritannien und Italien eher deutsche Interessen verteidigten und ¾ des Gebietes Deutschland zusprechen wollten, vertrat Frankreich die gegenteilige Position.