Die Variobahn (auch Variotram) ist ein Niederflur-Straßenbahn-Fahrzeugtyp in Multigelenkbauweise mit schwebenden Mittelteilen. Zunächst durch ABB Henschel bzw. Adtranz gebaut, wechselte der Hersteller aufgrund von Fusionen und Lizenzübergaben zunächst zu Bombardier und schlussendlich zu Stadler Rail.

Ein Prototyp wurde 1993 gebaut, die ersten Serienfahrzeuge folgten ab 1998 für die Straßenbahn Chemnitz. Durch die Modularisierung konnte die Variobahn in verschiedenen Ausführungen angeboten werden: In unterschiedlichen Längen, Wagenbreiten und Spurweiten, als Ein- oder Zweirichtungsfahrzeug sowie auch in Versionen mit Ausrüstung nach EBO/ESBO für den Einsatz auf Eisenbahnstrecken.

Die Variobahn ist bei mehreren deutschen Straßen- und Stadtbahnbetrieben im Einsatz, auch unter Eisenbahnbetriebsordnung wie im Chemnitzer Modell und bei der Rhein-Neckar-Verkehr. Darüber hinaus wurden Fahrzeuge nach Sydney, Helsinki, Graz, Skandinavien (Bergen, Aarhus, Odense) und London geliefert.

Aufgrund der langen Bauzeit sowie der Herstellerwechsel unterscheiden sich die Fahrzeuge technisch als auch optisch deutlich voneinander. Technisch sind die Variobahnen für den Einsatz von getriebelosem Antrieb mittels wassergekühlter Radnaben-Asynchronmotoren bekannt.

Entwicklung Die ursprüngliche Entwicklung geht auf ABB Henschel zurück, die 1996 in Adtranz aufging, welche wiederum 2001 mit Bombardier Transportation fusionierte. Stadler Pankow übernahm im Rahmen dieser Fusion nicht nur das moderne Montagewerk in Berlin-Wilhelmsruh (im Stadtbezirk Pankow), sondern erhielt dazu die Lizenz zum Vertrieb und Bau der Variobahn.

ABB Henschel/Adtranz mini|Prototyp der Variobahn für Duisburg. ABB Henschel entwickelte den Prototyp der Variobahn für Chemnitz, der dort ab 1993 getestet wurde. Die Serienfahrzeuge folgten in den Jahren 1998 bis 2001. Im Design sehr ähnlich gehaltene Fahrzeuge wurden an die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft und nach Sydney geliefert. Ein einzelner Prototyp ging nach Duisburg, der dort jedoch nur für kurze Zeit im Linieneinsatz war. Eine Serie von 40 Fahrzeugen, die in Kooperation mit dem finnischen Hersteller Transtech gebaut wurde, erhielt Helsinki.

Bombardier Nach der Übernahme von Adtranz durch Bombardier wurde aus kartellrechtlichen Gründen das Produkt Variobahn abgegeben. Die Lizenz für den Vertrieb und den Bau erhielt die Stadler Pankow GmbH. Die Variobahn durfte von Bombardier nicht mehr aktiv vermarktet werden. Bei allen nach 2001 erfolgten Lieferungen von Bombardier handelt es sich um Optionseinlösungen, die im Rahmen von Bestellungen bei der damaligen Adtranz vereinbart worden waren.

Stadler Rail mini|Variobahn nach Übernahme durch Stadler, hier für die Bogestra. Deutlich zu erkennen das schlankere Kopfdesign. Im Jahr 2000 sollte das moderne Montagewerk in Pankow nach nur vier Jahren Betriebszeit geschlossen werden. Um den Standort und das vorhandene Know-how zu erhalten, wurde ein Joint Venture zwischen Adtranz und Stadler gegründet, welches im Rahmen der Übernahme von Adtranz durch Bombardier 2001 wieder aufgelöst wurde. Stadler Rail übernahm das Werk zu 100%. Mit dieser Übernahme wurden einige Lizenzvereinbarungen getroffen. Diese betrafen auch die Variobahn.

Ab 2001 wurde die Variobahn von der Stadler Pankow GmbH konstruiert, weiterentwickelt und gebaut. Die Vermarktung des Straßenbahn-Fahrzeugtyps liegt seither ebenfalls allein bei Stadler. Es wurde auch ein neues Design entwickelt, wofür Stadler 2006 mit dem Auftrag für die Bogestra den Design Award erhielt. Variobahn-Fahrzeuge wurden unter Stadler zunächst in Deutschland nach Bochum, Nürnberg und München verkauft. Später folgten Graz, Mainz, Potsdam, London, Bergen und Aarhus sowie Odense in Dänemark. mini|Die letzte Serie von Variobahn-Fahrzeugen wurden nach Odense, Dänemark, geliefert. Die Variobahn wurde nach der letzten Neubestellung aus Odense 2020 im Stadler-Produktportfolio durch den Tramlink, welcher durch die Übernahme von Vossloh España zu einem Stadler-Produkt wurde, sowie durch die Stadler-Neuentwicklung Tina abgelöst. Insgesamt wurden unter Stadler von 2007 bis 2022 275 Variobahnen aus Pankow ausgeliefert.

Einsatzgebiete Adtranz/Bombardier Variotram/Variobahn Chemnitz mini|Variobahn-Prototyp 601 in Chemnitz (2005) mini|Variobahn 413 im EBO-Betrieb (2021) In Chemnitz kommen Variobahnen im Straßenbahnnetz Chemnitz sowohl als herkömmliche Straßenbahn als auch als Regionalstadtbahn im Rahmen des Chemnitzer Modells zum Einsatz.

Das erste Fahrzeug der Variobahn wurde 1993 als Prototyp gebaut und in Chemnitz als Wagennummer 601 eingesetzt.Martin Pabst: Straßenbahn- und Stadtbahnfahrzeuge, GeraMond-Verlag, 2007, ISBN 978-3-7654-7371-5Informationsblatt der CVAG Chemnitz von 1993: Vorderseite und Rückseite (PDF) Neben dem Prototyp betreibt die Chemnitzer Verkehrsgesellschaft noch 13 weitere Ein- (Typ 6NGT-LDE, Betriebsnr. 601–614) sowie zehn Zweirichtungswagen (Typ 6NGT-LDZ, Nr. 901–910).

Die City-Bahn Chemnitz besitzt sechs Wagen vom Typ NGT6-LDZ (Nr. 411–416), die bei der CVAG unterhalten werden. Die Wagen der City-Bahn sind mit Kompromissradreifen für den Betrieb auf Straßenbahn- und Eisenbahnoberbau, Zugbeeinflussung (PZB I60R), Zugfunk und einem Signalhorn ausgestattet, da sie auch unter der EBO verkehren. Außerdem erreichen sie mit 80km/h eine im Vergleich zu den normalen Stadtbahnwagen um 10km/h höhere Geschwindigkeit.

Rhein-Neckar

V6

Die ersten Variobahnen in der Region Rhein-Neckar beschaffte die damals noch eigenständige Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft (OEG) ab 1996. Sie erhielt ab 12.April 1996 sechs fünfteilige Zweirichtungsfahrzeuge vom Typ 6MGT-LDZ für den Verkehr im Städtedreieck Mannheim/Heidelberg/Weinheim mit den Wagennummern 117 bis 122, betriebliche Bezeichnung V6. Sie sind im Außendesign den Chemnitzer Fahrzeugen sehr ähnlich, unterscheiden sich von diesen jedoch durch die Spurweite (1000mm), die geringere Fahrzeugbreite (2,5m) und die durchgehenden Achsen in den angetriebenen Fahrgestellen. Dafür musste der Wagenboden in den Endteilen angehoben werden, sodass etwa 70 % des Wagenbodens niederflurig sind. Der planmäßige Betrieb begann am 4.November 1996 auf Schülerzügen, ab 13.Januar 1997 wurden sie auch auf den regulären Rundzügen eingesetzt.

Nach einem Zwischenfall, bei dem eine Postbotin aufgrund eines Türdefektes aus einem fahrenden Zug fiel, wurden die Fahrzeuge einige Wochen vorübergehend abgestellt. Nach Anpassungsarbeiten der Türmechanik wurden sie wieder in Betrieb genommen.

Seit 2005 ist die OEG Teil der Rhein-Neckar-Verkehr (RNV), bis 2017 wurden alle sechs Wagen in das RNV-Farbkonzept orange/blau/weiß umlackiert. Die Fahrzeuge vom Typ V6 kamen zuletzt auf den RNV-Linien 5, 5A und 15 sowie auf den Streckenabschnitten zwischen Mannheim Hauptbahnhof und MA-Neuhermsheim/MA-Neuostheim zum Einsatz. Die sechs Wagen stellten innerhalb der RNV die kleinste Fahrzeugserie dar.

Ab 2024 wurden sie durch Neufahrzeuge des Typs Rhein-Neckar-Tram 2020 ersetzt und ausgemustert. Der planmäßige Einsatz endete im Februar 2025. Im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums der elektrischen Straßenbahn in Mannheim erfolgte am 29. Juni 2025 die öffentliche Verabschiedung des Fahrzeugtyps.

Rhein-Neckar-Variobahn

1998 unternahmen die damals noch selbständigen Verkehrsbetriebe von Mannheim (MVV Verkehr AG), Ludwigshafen (VBL), Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft (OEG) und Heidelberg (HSB) den Vorstoß zur Beschaffung eines gemeinsamen Fahrzeugtyps. Die gemeinsam bestellten Wagen tragen den Namen Rhein-Neckar-Variobahn, das Außendesign wurde neu entworfen. Sie gliedern sich in vier Varianten durch unterschiedliche Wagenlängen (fünfteilig oder siebenteilig) und die Ausführung als Ein- und Zweirichtungswagen.

Die HSB erhielt ab 2003 acht siebenteilige, knapp 40m lange Zweirichtungswagen (betriebliche Bezeichnung RNV8ZR, Wagennummern 273–280), die MVV Verkehr AG zehn siebenteilige Einrichtungsfahrzeuge von etwa 42m Länge (RNV8ER, Wagennummern 701–710), die Verkehrsbetriebe Ludwigshafen am Rhein GmbH acht fünfteilige Einrichtungsfahrzeuge von etwa 30,5m Länge (RNV6ER, Wagennummern 215–222), die OEG zehn fünfteilige, 30,5m lange Zweirichtungswagen (RNV6ZR, Wagennummern 123–132).

Drei weitere RNV8ER (Nr. 711–713) sowie drei RNV6ZR (Nr. 761–763) für die MVV entstammen der ersten Optionslieferung und wurden im Mai 2007 in Betrieb genommen, ebenso zehn weitere RNV6ZR (Wagennummern 133–142) für die OEG.

Ab Dezember 2009 wurden in Heidelberg weitere acht bereits von der RNV beschaffte Variobahnen aus der zweiten Optionslieferung (RNV8ZR, Wagennummern 3281–3288) in Betrieb genommen.Pressemitteilung Bombardier, 18. Dezember 2009: Neue Bombardier Straßenbahnen der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH gehen mit innovativem Energiespeicher an den Start Ebenfalls aus dieser Lieferung stammen drei RNV8ER (Nr. 5714–5716) für Mannheim und acht RNV6ZR (Wagennummern 4143–4150) für die OEG. Alle Fahrzeuge der zweiten Option sind mit dem Energiespeicher-System MITRAC Energy Saver ausgerüstet.

Als dritte und letzte Optionslieferung wurden zwischen Januar und Juli 2013 zwölf weitere RNV6ZR für die OEG geliefert, die ebenfalls mit Energiespeichern ausgestattet sind (Wagennummern 4151–4162).

Sydney mini|Variobahn 2104 in Ursprungslackierung der Stadtbahn Sydney (2013). Von 1997 bis 2015 waren sieben Variobahnen (auch als Variotram bezeichnet) in Australien bei der Stadtbahn Sydney im Einsatz. Sie wurden für den Einsatz auf der neu gebauten Stadtbahn beschafft und im Adtranz-Werk in Dandenong, einem Stadtteil von Melbourne, montiert.

Der erste, 3,6km lange Abschnitt der heutigen L1 Dulwich Hill Line vom Hauptbahnhof nach Wentworth Park wurde im August 1997 eröffnet und mit den Variobahnen bedient. Als im Jahr 2000 die Streckenlänge um weitere 3,6km nach Lilyfield verdoppelt wurde, reichte der Fahrzeugpark noch knapp aus. Für eine geplante weitere Verlängerung wurden im August 2012 sechs Neufahrzeuge ausgeschrieben. Die Ausschreibung hatte der spanische Hersteller CAF mit Fahrzeugen vom Typ Urbos3 gewonnen.Railway Gazette International: 24. August 2012: CAF wins Sydney tram order (englisch) Als die Verlängerung um 5,6km nach Dulwich Hill im März 2014 in Betrieb ging, wurden zunächst vier Fahrzeuge vom Typ Urbos2 angemietet, um das zusätzliche Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Ursprünglich war beabsichtigt, die Variobahnen einer Grundüberholung zu unterziehen und gemeinsam mit den neu gelieferten Urbos3 auf dieser Linie einzusetzen. Stattdessen wurde die Bestellung bei CAF im Oktober 2013 um weitere sechs Fahrzeuge aufgestockt, sodass ab 2015 mit insgesamt 12 neuen Urbos ein typenreiner Fahrzeugpark zur Verfügung stand und auf die Variobahnen und die Mietfahrzeuge verzichtet werden konnte. Nachdem er bei einer Entgleisung stark beschädigt worden war, hatte man den Wagen 2106 schon 2013 verschrottet.Trolley Wire, Ausgabe 337 vom Mai 2014, Seite 22: Sydney's light rail extension opens (englisch) Die letzten Variobahnen wurden im Mai 2015 abgestellt und anschließend zum Verkauf ausgeschrieben.NSW e-Tendering Archived Tenders, 15. Mai 2015: Sale of Variotram light rail vehicles (englisch) Nachdem sich kein anderer Käufer gefunden hatte, wurden fünf Wagen Anfang 2018 verschrottet. Als letzte australische Variobahn bleibt Wagen 2107 in der Sammlung des Straßenbahnmuseums Sydney als Museumsfahrzeug erhalten.

Helsinki mini|Variobahn in Helsinki (2011)