Das United States Marine Corps (USMC; deutsch Marinekorps der Vereinigten Staaten), oft als Marines oder US-Marines bezeichnet, ist eine Teilstreitkraft der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und einer der Dienste der Uniformed Services of the United States. Obwohl es im Kern als Marineinfanterie aufgestellt ist und dem Department of the Navy untersteht, verfügt es über einige der Waffengattungen (Artillerie, Aufklärer usw.) sowie eigene Fliegerkräfte. Im Jahr 2026 gehörten ihm 172.300 aktive SoldatenUS-Verteidigungsministerium: FISCAL YEAR 2026 BUDGET REQUEST (PDF), S. A-4, abgerufen am 17. Februar 2026 und 33.600 Reservisten an.US-Verteidigungsministerium: FISCAL YEAR 2026 BUDGET REQUEST (PDF), A-5, abgerufen am 17. Februar 2026 Es verfügte zudem über zivile Mitarbeiter, deren Zahl im Jahr 2020 bei 18.981 lag.

Das USMC ist als militärische „Speerspitze“ insbesondere für schnelle Einsätze in Übersee und amphibische Kriegsführung vorgesehen, weshalb es sich selbst als Eliteeinheit versteht. Dies drückt sich auch in der besonders harten Ausbildung und einem starken Korpsgeist aus. Darüber hinaus versehen Marines auf den Schiffen der U.S. Navy Wachdienst und werden in sensiblen landeseigenen Einrichtungen im In- und Ausland (wie Botschaften) als Sicherheitspersonal eingesetzt.

Geschichte

Aufstellung mini|Uniform der Continental Marines auf einer US-Briefmarke von 1975 Auf Beschluss des Kontinentalkongresses vom 10. November 1775 wurden kurz vor Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zwei Bataillone Continental Marines aufgestellt. Historical Reference Branch des Marine Corps; abgerufen am 26. Januar 2008. Die ersten Rekruten wurden im Gasthaus Tun Tavern in Philadelphia angeworben. Die Continental Marines dienten nicht ausschließlich als Landungstruppen der erst kurz zuvor geschaffenen Continental Navy, sondern taten sich zunehmend durch eine Vielzahl von Einsätzen hervor, beispielsweise durch einen Überraschungsangriff auf die Bahamas im März 1776. Darüber hinaus führten sie vereinzelt eigenständige, vom Land ausgehende Infanterieoperationen aus. Die Continental Marines wurden noch vor Abschluss des Friedensvertrags von Paris im April des Jahres 1783 zusammen mit der Kontinentalmarine aufgelöst, am 11. Juli 1798 jedoch neu aufgestellt. Trotz dieser Periode der Nichtexistenz feiern die Marines den Geburtstag des Corps jährlich am 10. November, um eine Kontinuität herzustellen.

Amerikanisch-Tripolitanischer Krieg 1801–1805 mini|Mamelukensäbel

Das USMC hat weltweite Bekanntheit in mehreren Kriegen erlangt, wie auch an der ersten Zeile in der Hymne des Marine Corps zu erkennen ist: From the halls of Montezuma to the shores of Tripoli („Von den Hallen Montezumas bis zu den Küsten Tripolis“). Im frühen 19. Jahrhundert führte First Lieutenant Presley O’Bannon während des Amerikanisch-Tripolitanischen Krieges eine Gruppe von sieben Marines und mehreren hundert berittenen ägyptischen Mamlukenkriegern an, um sich des Machthabers Jussef Karamanli in Tripolis zu entledigen. Zur gleichen Zeit sollte ein Spezialkommando die vor Tripolis aufgelaufene US-Fregatte Philadelphia, die nun in den Händen von Karamanli war, zerstören. O’Bannons symbolischer, aber sehr zentraler Beitrag hat maßgeblich zum elitären Ethos des USMC beigetragen. Beeindruckt vom Mut O’Bannons im Kampf, schenkte ihm der Kopf der muslimischen Gefolgschaft, Hamet Karamanli, sein Mamelukenschwert. Seit 1825 erhält jeder Offizier des USMC solch ein Paradeschwert mit seinem Offizierspatent.

Britisch-Amerikanischer Krieg 1814 wurde ein zahlenmäßig überlegener Verband aus Marines und Miliz in der Schlacht bei Bladensburg von britischen Streitkräften zerstreut, die sich anschließend mehrere Tage Zeit nehmen konnten, die öffentlichen Gebäude in der Hauptstadt Washington niederzubrennen (darunter auch das Weiße Haus).

Mexikanisch-Amerikanischer Krieg mini|Die Erstürmung Chapultepecs

Die Marines nahmen am Mexikanischen Krieg von 1846 bis 1848 teil, in dem sie sowohl an der Atlantik- als auch an der Pazifikküste Mexikos anlandeten. Darüber hinaus stürmte ein Bataillon der Marines das Castillo de Chapultepec, das Mexiko-Stadt überragte, nachdem sich die Marines den Truppen des Heeresoffiziers Winfield Scott angeschlossen hatten. Ähnlich wie beim Weißen Haus wurde ihnen der Wachdienst über den mexikanischen Präsidentenpalast zugeteilt, den die Hymne der Marines als „Hallen Montezumas“ (The Halls of Montezuma) bezeichnet.

Sezessionskrieg mini|Fünf Marines mit aufgepflanzten Bajonetten unter Führung eines Unteroffiziers (ganz links mit Säbel) während des Sezessionskrieges auf einem Stützpunkt in Washington, D.C. (1864)

Zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs dienten im Marine Corps unter Berücksichtigung aller Dienstgrade weniger als 1900 Marines. Am 16. März 1861 gründete der Kongress der Konföderierten Staaten das Gegenstück zu den U.S. Marines, das Confederate States Marine Corps. Als Folge desertierten aus dem USMC 16 Offiziere und etwa 100 weitere Soldaten, die zum Süden überliefen. Bei den Nordstaaten bewirkte das Überlaufen dieser Militärs jedoch einen strategischen Aderlass, da sich einige der besten Marines darunter befanden. Darüber hinaus brach ein offener Konflikt zwischen den Flagg- und den Stabsoffizieren des USMC aus. Letztgenannte betrachteten sich eher als Verwalter und nicht als Anführer des Krieges, während sich die Admiralität durch Ämterpatronage wieder auf Sollstärke zu bringen versuchte. Als Auswirkung dieser Geschehnisse nahmen an der ersten Schlacht am Bull Run nur 13 Offiziere und mehrheitlich aus Rekruten bestehende 336 weitere Marines teil, was zur Folge hatte, dass diese die von ihnen erwartete Leistung nicht erbringen konnten und dazu noch vom Schlachtfeld flohen, wie der Rest der Unionstruppen. Bei einem weiteren Einsatz, der Landung bei Fort Fisher, verhinderte nur das Eingreifen der Landstreitkräfte eine Niederlage der Marines. Die Personalstärke des Heeres von knapp 500.000 marginalisierte die Marines zusätzlich, sodass ihre Hauptaufgabe die Bewachung von Stützpunkten blieb.

Die Zeit bis zur Jahrhundertwende: Aufstände und „Bananenkriege“ mini|Marine Corps Uniformen (1912) mini|Während des Boxeraufstandes in Peking bereitet sich eine Gruppe von Marines auf den Abmarsch zu einem Einsatz vor (1900) mini|U.S. Marines und bewaffnete Sicherheitsleute auf Banditensuche. Haiti (ca. 1919) mini|Marines landen unter Feuer am Strand von Santo Domingo (ca. 1916)

In den verbleibenden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sank die Stärke und Bedeutung des Marine Corps innerhalb des Militärs. Als die U.S. Navy zunehmend von Segelschiffen auf Dampfschiffe überging, wurde der Zweck von Marineinfanteristen auf Kriegsschiffen infrage gestellt. Bald jedoch entwickelten sich die Marines zu einem zweckmäßigen Mittel der Politik. Sie kamen in sogenannten „kleinen Kriegen“ (engl.: small wars) sowie zum Schutz der eigenen Staatsbürger und Investitionen in fremden Ländern zum Einsatz, etwa in Formosa (1867) und Korea (1871).

Insgesamt gab es in der Zeitspanne zwischen dem Ende des Bürgerkrieges und dem Ende des 19. Jahrhunderts – der Blütezeit des Imperialismus – für die Marines 28 weitere Einsätze in Ländern wie China, Japan, Nicaragua, Uruguay, Mexiko, Panama, Ägypten, Haiti, Samoa, Argentinien, Chile und Kolumbien. Des Weiteren wurden sie in dieser Epoche auf dem Territorium der USA bei politischen Unruhen und Arbeitskämpfen eingesetzt.

Im Spanisch-Amerikanischen Krieg führte das Marine Corps Landungsoperationen auf Kuba, Puerto Rico, Guam und den Philippinen durch, und zwischen 1899 und 1902 waren sie an der Niederschlagung der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung sowie des Boxeraufstands im Jahre 1900 beteiligt.

In der Zeit vor und auch nach dem Ersten Weltkrieg wuchs ihre internationale Bekanntheit in den Bananenkriegen in Haiti, Mexiko, Panama, Nicaragua und der Dominikanischen Republik, wo das Korps gegen Gegner der Besatzungsherrschaft wie Augusto César Sandino oder Charlemagne Péralte eingesetzt wurde. Zur Unterstützung der Besatzungsherrschaft wurden als De-facto-Kolonialpolizeien einheimische Truppen aufgestellt wie die Guardia Nacional de Nicaragua oder die Gendarmerie d’Haïti, die auch analog zum Marine Corps uniformiert und durch Marines ausgebildet wurden. So war Major Smedley D. Butler während seiner Dienstzeit in Haiti gleichzeitig Generalmajor der Gendarmerie. Mit diesen Militärinterventionen setzten die USA die Monroe-Doktrin durch. Die in den Interventionskriegen auf dem Gebiet des Guerillakriegs und der Infiltration erworbenen Kenntnisse wurden im wegweisenden Small Wars Manual verschriftlicht.

mini|King Armored Cars in HaitiAls erste militärische Institution der USA erhielt das Korps 1915 Panzerwagen vom Typ King (King Armored Car). Aus ihnen wurde die 1st Armored Car Squadron des Korps gebildet, das kurz darauf in Haiti eingesetzt wurde.

Erster Weltkrieg mini|links|U.S. Marine Corps Rekrutierungsplakat (1918) mini|Marines während einer Siegesparade der AEF in Frankreich (1918)

Im Ersten Weltkrieg waren die Marines, die seinerzeit im Grunde weit mehr Einsatzerfahrung aufwiesen als die US Army, eine wichtige Stütze der amerikanischen Kriegsanstrengungen. Im Unterschied zur Army konnten die Marines bei Kriegseintritt der USA bereits auf eine große Zahl von Offizieren und Unteroffizieren zurückgreifen. Aus diesem Grunde war der Anteil unerfahrener bzw. unausgebildeter Soldaten relativ gering. Im Rahmen der American Expeditionary Forces (AEF) nahmen die Marines als Teil der 2nd Infantry Division der Army im Juli 1918 an der Schlacht im Wald von Belleau teil, ihrem bis dahin bedeutendsten Kampfeinsatz. Dort zeichneten sie sich durch besondere Zähigkeit aus. Dies brachte ihnen den Spitznamen „First to fight!“ (Erste im Kampf) ein. Laut amerikanischer Kriegsberichtserstattung sollen die deutschen Soldaten die Marines nach der endgültigen Zurückdrängung der deutschen Kräfte aus dem Gebiet „Teufel Hunden“ genannt haben; die Übersetzung Devil Dogsabout.com. behielten die US-Marines stolz bei. Da die Bezeichnung in keiner deutschen Quelle nachweisbar und auch widersprüchlich überliefert ist (in korrektem Deutsch hieße sie „Teufelshunde“), muss jedoch die Frage offenbleiben, wer sie tatsächlich ersann.

Zweiter Weltkrieg mini|Marines der 3rd Marine Division gehen auf Bougainville an Land (1943)

Im Zweiten Weltkrieg spielte das USMC eine große Rolle im Pazifikkrieg, was seine Aufstockung von zwei Brigaden auf zwei Korps mit insgesamt sechs Divisionen sowie der Marineflieger auf fünf Luftverbände mit 132 Staffeln erforderlich machte.

1942/45 forderten die Kämpfe um Wake Island, Guadalcanal, Tarawa, Peleliu, Iwo Jima und Okinawa hohe Verluste. Der zur Wahrung des Funkgeheimnisses innerhalb des Marine Corps entwickelte Navajo-Code trug dazu bei, dass diese dennoch erfolgreich waren.

Während der Schlacht um die Insel Iwo Jima entstand die berühmte Aufnahme von fünf Marines und einem Sanitäter der Navy, die auf dem Suribachi die US-Flagge hissten. Der Fotograf Joe Rosenthal wehrte sich zeitlebens gegen den Vorwurf, er habe dies inszeniert. Der Kriegsberichterstatter hatte das Aufstellen der ersten, kleineren Fahne verpasst. Sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Foto zeigt wenige Stunden später den Moment, als die Soldaten ein größeres Sternenbanner hissten. Aktionen wie diese, von der manche geplant oder deren Durchführung den Marines vorbehalten blieb, ergänzten das positive Ansehen der bereits beliebten Marines in der eigenen Bevölkerung.

Im ehrenvollen Gedenken an alle gefallenen Marines und mit einer speziellen Widmung für die Kämpfer auf Iwojima versehen, wurde am 10. November 1954, dem 179. Jahrestag seit der Gründung des USMC im Jahre 1775, das aus Spenden finanzierte United States Marine Corps War Memorial in Arlington, basierend auf der Vorlage des weltberühmten Fotos von Rosenthal, durch den damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower eingeweiht.