Georg „Schorsch“ Stollenwerk (* 19. Dezember 1930 in Düren; † 30. April 2014 in KölnGeorg Stollenwerk. Traueranzeige. In: Aachener Zeitung, 6. Mai 2014. Auf Aachen-gedenkt.de, abgerufen am 24. März 2026.) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Der auf allen Positionen einsetzbare Allroundfußballer brachte es von 1951 bis 1960 in der deutschen Nationalmannschaft auf 23 Länderspieleinsätze mit zwei Toren. Er war Mitglied der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden, als die Herberger-Schützlinge den vierten Platz erreichten. Mit der Amateurnationalmannschaft belegte er bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki den vierten Rang und als Aktiver des 1. FC Köln gewann er fünf Mal die westdeutsche Meisterschaft in der alten erstklassigen Fußball-Oberliga West, sowie als Höhepunkt 1962 die deutsche Meisterschaft.

Laufbahn Spieler in Düren, bis 1953 Georg Stollenwerk war das mittlere von drei Kindern. Sein Vater „Schorsch“ Stollenwerk spielte beim VfJuV (Verein für Jugend- und Volksspiele 1896) Düren und gewann als Repräsentativspieler von Westdeutschland 1919/20 das Finale um den Bundespokal. Sohn Georg wurde bereits als Zehnjähriger von einem Nationalspieler getrimmt – von dem Bayern Jakob Streitle, der während seiner Soldatenzeit die Jugend- und Schülermannschaften der SG Düren 99 im Jahr 1940 betreute.Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler. Das Lexikon. S. 474. Stollenwerk verließ das naturwissenschaftliche Gymnasium und begann in einer Eisenwarenhandlung seine kaufmännische Ausbildung.Dürener Zeitung vom 17. November 2010 anlässlich des 80. Geburtstages. Die fußballerischen Etappen in der Jugend und die Anfänge im Seniorenbereich durchlief der talentierte Nachwuchsspieler bei der SG Düren 99. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte er 1948/49 mit den Rot-Schwarzen aus der zwischen Köln und Aachen gelegenen Papier- und Textilstadt in der Rheinbezirksliga, gewann mit der SG 1949/50 in der Landesliga Mittelrhein die Meisterschaft und stieg damit in die 2. Liga West auf.

Von 1950/51 bis 1952/53 bestritt er mit Düren insgesamt 74 Rundenspiele im Unterbau der Fußball-Oberliga West und erzielte 14 Tore. Die ersten zwei Spielzeiten fanden noch in einer zweigeteilten Liga statt, in der dritten Saison, 1952/53, in der erstmals eingleisigen 2. Liga. In das Sichtfeld von Bundestrainer Sepp Herberger spielte er sich in der Saison 1951/52. Düren belegte im zweiten Jahr in der 2. Liga den siebten Rang und Stollenwerk hatte in 28 Einsätzen sechs Tore erzielt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) führte als Ergänzung zum Ausbau des Spielerstammes für die Nationalmannschaft ein B-Team ein und stellte für die Olympischen Sommerspiele 1952 in Helsinki eine Amateurnationalmannschaft zusammen. Nach diversen Sichtungskursen debütierte Stollenwerk am 22. September 1951 in einem DFB-Team. Er absolvierte in der B-Nationalmannschaft auf Halbrechts das Länderspiel in Augsburg gegen Österreich. Drei Monate später brachte Herberger den damaligen Offensivspieler der SG Düren sogar in der A-Nationalmannschaft zum Einsatz. Von Beginn der Länderspielgeschichte der Amateurnationalmannschaft – das Debütspiel fand am 14. Mai 1952 in Düsseldorf gegen Großbritannien statt – gehörte Stollenwerk dieser in den Anfangsjahren von Bundestrainer Herberger betreuten Mannschaft an und nahm auch vom 20. Juli bis 1. August 1952 mit dieser Auswahl an dem olympischen Fußballturnier in Helsinki teil. Als er zur Saison 1953/54 zum 1. FC Köln in die Fußball-Oberliga West wechselte, hatte er bereits für Düren 99 vier A-, zwei B- und neun Amateurländerspiele absolviert und galt neben dem Bremer Willi Schröder und dem Siegener Herbert Schäfer als einer der hoffnungsvollsten und begehrtesten deutschen Nachwuchsfußballer. Da er sich aber dem Wunsch des Bundestrainers verschloss, sich dem Fritz-Walter-Club 1. FC Kaiserslautern anzuschließen, musste er infolge seines von Herberger als falsch empfundenen Wechsels in der Nationalmannschaft eine dreijährige Durststrecke, inklusive der Nichtteilnahme an der Weltmeisterschaft 1954, durchstehen und wurde erst wieder am 18. Dezember 1955 in den Kreis der Nationalmannschaft aufgenommen.

Spieler in Köln, 1953 bis 1964 Stollenwerk debütierte am Starttag der Saison 1953/54, dem 9. August 1953, beim Heimspiel seines neuen Vereins gegen den STV Horst-Emscher in der Oberliga West. Er wurde beim 4:0-Erfolg auf der rechten Außenläuferposition eingesetzt. Sein erstes Ausrufezeichen setzte er vierzehn Tage später. Beim 3:3-Unentschieden bei Bayer Leverkusen zeichnete sich der Halbrechte als dreifacher Torschütze aus und war damit sowohl in der Mannschaft akzeptiert wie auch fußballerisch in der Domstadt angekommen. Der Kampf um die Meisterschaft entwickelte sich in der ersten Oberligasaison von Stollenwerk zu einem Dreikampf zwischen dem 1. FC Köln, dem FC Schalke 04 und Rot-Weiss Essen. Nach dem vorletzten Spieltag, dem 4. April 1954, führten Köln und Schalke punktgleich mit 39:19 Zählern mit einem Punkt Vorsprung vor Essen die Tabelle an. Am Schlusstag, dem 11. April, entschied RWE das unmittelbare Duell gegen Schalke mit 4:2 Toren. Köln gewann in der 89. Minute mit 2:1 beim SV Sodingen und damit die Westmeisterschaft, was auch den Einzug in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft bedeutete. „Schorsch“ Stollenwerk hatte in 29 Saisonspielen 13 Tore erzielt.

Bereits am folgenden Wochenende fand das DFB-Pokalfinale in Ludwigshafen gegen den VfB Stuttgart statt. Mit zwei Toren von Stollenwerk hatte sich Köln zuvor im Halbfinale gegen den Hamburger SV beim 3:1-Sieg nach Verlängerung durchgesetzt. Die Stuttgarter unter Trainer Georg Wurzer entschieden das Pokalfinale in der Verlängerung mit 1:0 für sich und Stollenwerk und Kollegen zogen mit diesem Negativerlebnis in die Endrunde. Gegner waren in der durch das WM-Turnier verkürzten Gruppenphase Eintracht Frankfurt und der 1. FC Kaiserslautern. Nach dem Startspiel mit einem 3:2-Sieg gegen Frankfurt, mit wiederum zwei Stollenwerk-Treffern, brachte das zweite Gruppenspiel am 16. Mai in Stuttgart gegen den 1. FC Kaiserslautern die Entscheidung darüber, wer in das Endspiel einziehen sollte. Mit seinen Mannschaftskameraden Frans de Munck, Paul Mebus, Josef Röhrig, Herbert Dörner und Hans Schäfer verlor der auf Halbrechts stürmende Torschütze Stollenwerk das Spiel mit 3:4 Toren und scheiterte damit knapp am Finaleinzug. In seinem ersten Jahr beim 1. FC Köln hatte er in allen drei Wettbewerben – der Oberligarunde West, dem DFB-Pokal und der Endrunde um die deutsche Meisterschaft – erfolgreich agiert, nur reichte es damit aber zu keinem Platz im Aufgebot der Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in der Schweiz.

Nach zwei Jahren im vorderen Mittelfeld (1955 und 1956 jeweils der 7. Tabellenplatz) kletterte der in der Vorrunde als Außenläufer und in der Rückrunde überwiegend als Mittelläufer auflaufende Stollenwerk mit der „Geißbockelf“ in der Saison 1956/57, in der er 31 Spiele bestritt, auf den dritten Rang in der Oberliga. In den letzten sechs Runden des alten erstklassigen Oberligasystems, 1957/58 bis 1962/63, dominierte der 1. FC Köln mit zwei Vizemeisterschaften (1958 und 1959) sowie vier Meisterschaften von 1960 bis 1963 die Liga. Auf der Stammposition des rechten Verteidigers agierte der schlagsichere, schnelle, geistesgegenwärtige und für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich technisch beschlagene Stollenwerk beim 1. FC Köln erst nach dem Weltmeisterschaftsturnier 1958 in Schweden. Er konnte auf allen Positionen überdurchschnittliche Leistungen für seine Mannschaft abliefern.

Der erste Einzug in das Finale um die deutsche Meisterschaft erreichten die „Geißböcke“ in der Endrunde 1960. In der Gruppenphase setzten sie sich gegen Werder Bremen, Tasmania 1900 Berlin und den FK Pirmasens durch. „Schorsch“ Stollenwerk – in der Oberliga hatte er noch alle 30 Spiele bestritten – konnte dabei durch die Nachwirkungen einer Blinddarmoperation kein Spiel absolvieren. Der Vereinsvorsitzende Franz Kremer setzte schließlich sein Mitwirken im Finale am 25. Juni 1960 in Frankfurt am Main gegen den Hamburger SV durch. Der unverbrauchte Elan der HSV-Offensive um Uwe Seeler, Klaus Stürmer und Gert Dörfel setzte sich gegen die Erfahrung der Kölner Routiniers wie Stollenwerk, Josef Röhrig, Helmut Rahn und Hans Schäfer beim 3:2-Erfolg der Norddeutschen durch.

Die letzte Runde als Stammspieler absolvierte der Ex-Nationalspieler – er hatte am 23. März 1960 sein 23. und letztes Länderspiel in der Nationalmannschaft bestritten –, in der Saison 1960/61, in der er in 27 Spielen beim Gewinn der erneuten Meisterschaft in der Oberliga West aktiv war. In der Endrunde 1961 lief er in allen sechs Partien gegen Werder Bremen, den 1. FC Nürnberg und Hertha BSC auf. Köln belegte aber nur den dritten Rang. In den letzten zwei Runden der alten Oberliga-Ära, 1961/62 (12 Spiele) und 1962/63 (7 Spiele), kam er nur noch insgesamt in 19 Spielen zum Einsatz. Das Verteidigerpaar bildeten jetzt Fritz Pott und Karl-Heinz Schnellinger. Als der 1. FC Köln am 12. Mai 1962 in Berlin mit einem überzeugenden 4:0-Erfolg gegen Titelverteidiger 1. FC Nürnberg erstmals den Titel des deutschen Fußballmeisters erringen konnte, hatte Stollenwerk in der Endrunde nur noch beim 3:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt mitgewirkt. Mit dem 239. Oberligaspiel (41 Tore) am 11. Mai 1963 – es war gleichzeitig das letzte Spiel der erstklassigen alten Oberliga – verabschiedete sich „Schorsch“ Stollenwerk als aktiver Ligaspieler des 1. FC Köln. Symptomatisch für seine Allrounderqualitäten – im westdeutschen Pokal hatte er am 28. Dezember 1958 beim Spiel gegen den VfL Köln 99Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler. Das Lexikon. S. 474. zwischen den Pfosten gestanden, nachdem sich Torhüter Günther Klemm verletzt hatte –, nicht als rechter Verteidiger, sondern beim 4:0-Erfolg gegen Hamborn 07 auf Rechtsaußen. In der Endrunde 1963 war er nicht mehr aktiv im Einsatz. Insgesamt hat er von 1954 bis 1962 für Köln 14 Spiele um die deutsche Meisterschaft absolviert und drei Tore erzielt.

Im Startjahr der Fußball-Bundesliga, 1963/64, gehörte er zwar noch dem Spielerkader an, kam aber beim überlegen herausgespielten Meisterschaftsgewinn der Kölner nicht mehr zum Einsatz. Im Messepokal 1963/64 bestritt er dagegen in der ersten Runde gegen KAA Gent (3:1/1:1) im September 1963 noch zwei Pflichtspiele.

Von 2009 bis 2011 trug eine Reservemannschaft des 1. FC Köln seinen Namen – die Stollenwerkelf.

Erfolge Deutscher Meister: 1962 Westdeutscher Meister: 1954, 1960, 1961, 1962, 1963 Deutscher Vizemeister: 1960 DFB-Pokalfinale: 1954

Auswahlberufungen, 1951 bis 1960