Die Murr ist ein über 51 km langer, rechter und östlicher Zufluss des Neckars in Baden-Württemberg. Sie fließt überwiegend in westlicher Richtung durch den Rems-Murr-Kreis, den sie entwässert und für dessen nördliche Hälfte ihr Tal die wichtigste Verkehrsachse ist, und den Landkreis Ludwigsburg, sie zieht dabei durch die Landschaften des Murrhardter Waldes und der Backnanger Bucht sowie durch einen weiteren, westlich davor liegenden Teil des Neckarbeckens.
Name Der Name Murr ist keltischen Ursprungs, bedeutet in etwa „modriger Fluss“ und ist also durch das trübe Wasser des Flusses motiviert. Er ist bereits in der Bezeichnung der römerzeitlichen Ansiedlung vicus murrensis belegt, die ein bei Benningen oder bei Murrhardt gelegenes Lagerdorf war.
Der mittelalterliche fränkische Murrgau wie der heutige Rems-Murr-Kreis sind nach dem Fluss benannt. Daneben tritt Murr in den Benennungen einiger Orte am Lauf auf, etwa in Gestalt des hinteren Namenszusatzes „an der Murr“.
Geographie Quelle links|mini|Murrursprung bei Vorderwestermurr südlich der Stadt Murrhardt auf den Höhen des Murrhardter Waldes. Am südlichen Ortsrand des Weilers Vorderwestermurr weist ein Schild einen gefassten Quelltopf als „Murrursprung“ aus. Wegen seines Wasserreichtums und seiner Beständigkeit lagerten in der Umgebung der Quelle bereits zur Steinzeit Menschen an Rastplätzen und Feuerstellen.
Nach der Gewässerkarte des zuständigen Landesamtes liegt die oberste Quelle der Murr selbst dagegen am Südostabhang des bewaldeten Hoblersbergs nach Vorderwestermurr herab auf etwa . Einige andere Quellen im Flusssystem liegen nochmals deutlich höher.
Verlauf Von der Quelle bis zur Westkehre am Fornsbach-Zufluss Im obersten Lauf zieht die Murr nach Nordosten. Von ihrer Quelle an, die noch im Stubensandstein liegt, gräbt sie sich durch die darunterliegenden Schichten des Keupers eine tiefe Waldklinge, in der die Vorderwestermurrer Mühle die einzige Ansiedlung ist, bei welcher sie nach mehreren kleinen Wasserfällen in schneller Folge die geologischen Schichten bis zu den Unteren Bunten Mergeln durchlaufen hat. Weiter abwärts in ihrem Steiltal tritt sie in einer Talspinne beim Klettenhöfle in die Flur ein. Sie zieht an den fast ebenso kleinen Ansiedlungen Klingen und Hammerschmiede vorbei, wo sie den Gipskeuper und kurz darauf den Lettenkeuper erreicht.
Hier weitet sich ihr Tal stark aus, und sie geht in der breiten Talebene der „Fornsbacher Talspinne“ in eine enge Kehre von fast 150° nach links, in deren Verlauf sie – die Westermurr, also westliche Murr – nacheinander erst den rechten Otterbach – auch Mettelbach genannt, also den mittleren Bach – aus dem Süden, dann bei der Eisenschmiedmühle den rechten Fornsbach – vorderen Bach – aus dem Osten aufnimmt, denen beiden kurz zuvor größere Bäche aus noch anderen Richtungen zugeflossen sind.
Vom Fornsbach bis zur „Spiegelberger“ Lauter Danach ist sie auf Westkurs, der Richtung des zufließenden Fornsbachs, dessen Länge hier die ihre übertrifft. Ihr breiter Talgrund unterhalb der auf mittlerer Höhe weiterhin waldbestandenen Hänge bietet nun Platz für bedeutendere Verkehrswege. Begleitet von der L 1066 und der Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental, zieht sie vorbei an der Wahlenmühle, Hausen und der Lutzensägmühle, um nach Passieren der Alm-Siedlung auf ihrer Rechten, wo ehedem der Limes ihr Tal querte, schließlich in die Kernstadt Murrhardts einzufließen; die Stadt ist die größte Siedlung an ihrem Oberlauf. Am Westrand von deren Altstadt mündet hier der Dentelbach aus Richtung Norden, weiter talabwärts der Hörschbach von Süden, an ihrem Siedlungsrand und kurz vor der westlichen Stadtgebietsgrenze der Harbach durch den Weiler Harbach wieder von Norden.
Im Gebiet der angrenzenden Gemeinde Sulzbach biegt ihr Lauf leicht nach Nordnordwesten, sie fließt an Schleißweiler rechts vorbei, wo von links der Eschelbach mündet, und an Bartenbach links, durch das sie der Haselbach wiederum aus dem Norden erreicht.
mini|Mündung des Fischbachs in die Murr Danach krümmt sich das Tal wieder langsam nach Süden, die Murr erreicht dabei in Sulzbach selbst ihren nördlichsten Punkt, nahe welchem der Fischbach mündet, auch er ein südlich laufender Zufluss. Hier steigt auch aus Richtung Mainhardt die B 14 ins Tal und setzt die L 1066 als große Talstraße fort. Gerade eben schon wieder außerhalb des Dorfes mündet aus Nordnordwesten auf die („Spiegelberger“) Lauter, in deren Tal hinauf die L 1066 von der B 14 abbiegt, danach tritt die Murr aufs Gebiet von Oppenweiler über.
Von der Lauter bis zum Eintritt in die Backnanger Bucht mini|Burg Reichenberg rechts über dem Murrtal Auf Oppenweiler Flur zieht die Murr linksseitig an dessen Weiler Ellenweiler vorbei und, inzwischen ungefähr auf Südwestkurs, am Ortsteil Reichenberg, über dem die Burg Reichenberg steht. Jenseits des Flusses liegt der Weiler Reichenbach an der Murr am linken Hangfuß. Nach dem Dorf mündet von rechts der Tierbach. Zwischen Reichenberg und dem Hauptort Oppenweiler zieht sich am rechten Flussufer ein Industriegebiet entlang, bis von rechts am Rand von dessen Wohnbebauung der Rohrbach ebenfalls zur Murr strebt; ein kurzer rechter Ast von ihm speist den Schlossteich rings um das Wasserschloss Oppenweiler dicht am rechten Flussufer; etwas abwärts gegenüber liegt der Weiler Aichelbach der Gemeinde. In Oppenweiler steigt die B 14 nun aus dem Murrtal heraus und wendet sich von ihm ab; in ihm läuft die Kreisstraße K 1897 und die Bahnstrecke Schwäbisch Hall-Hessental–Waiblingen weiter. Der folgende Weiler Zell liegt an beiden Ufern, danach tritt die Murr ins Backnanger Stadtgebiet über.
Hier verengt sich die Talmulde wieder, mit heftig schlängelnden Auenmäandern endet sie ihren Südkurs zwischen kurzzeitig wieder nahe ans Ufer heranreichenden Waldzungen und kehrt sich nach Westsüdwesten, aus dem zuvor von ihr zerteilten Bergland des Schwäbisch-Fränkischen Walds heraus in die Backnanger Stufenrandbucht des Neckarbeckens. Ihr Bett liegt nun im härteren Gestein des Muschelkalks.
In der Backnanger Bucht bis zum Buchenbach-Zufluss Noch vor ihrem Eintritt in den Siedlungsbereich Backnangs mündet von links die Weißach in sie, die mit ihren Nebenflüssen aus dem Murrhardter Wald im Osten und aus den Berglen im Süden die Keuperberge weit ausgeräumt hat. Im Gebiet der Stadt vollführt der Fluss, der sich bei deren Verlassen etwa 70 m gegenüber den seitlichen Höhen eingetieft haben wird, drei heftige Talschlingen; in der ersten, nördlichen, liegt auf dem umflossenen Bergsporn die Altstadt Backnangs. Während die Bahnstrecke Backnang–Ludwigsburg („Kleine Murrbahn“) ihm danach auf dem linken Hang bis Erdmannhausen weiter folgt, verlässt am westlichen Siedlungsrand der Stadt die Strecke nach Waiblingen das Tal nach Süden. Die B 14 quert es hier auf dem Murrtalviadukt, um sich dann in derselben Großrichtung zu entfernen, neben ihrer Trasse mündet von rechts unterhalb der Brücke der Krähenbach, anderthalb Kilometer weiter talab an der Grenze zur Gemeinde Burgstetten der Maubach auf von rechts, ab hier fließt die Murr in weiterhin gewundenem Tal nach Westen. Unterhalb der gleich anschließenden Kläranlage Backnangs erreicht aus dem Norden kommend der Klöpferbach auf die Murr, danach fließt sie in Burgstettener Gebiet ein. Hier naht bald im Gleichlauf zum vorigen der Wüstenbach, der auf mündet, und im tiefen Tal zeigen sich jetzt wieder die ersten Auenmäander, in die der Fluss sich bis zur Mündung immer wieder legt. Wieder einmal ins seit Backnang unbesiedelte Tal reicht nach dem kleinen südlichen Seitentaleinschnitt des Söllbachs der Ortsteil Burgstall. Gleich darauf naht auf der Gemeindegrenze zu Affalterbach der Buchenbach (Mündung auf ), der weit im Südosten in den Berglen entspringt.
Vom Buchenbach bis zur Mündung mini|Einmündung der Murr (von hinten) in den Neckar (von rechts nach links). Nach einem kurzen Stück, auf dem Affalterbach linker Anrainer ist, kehrt sich der Fluss nach Nordwesten aufs Gebiet von Kirchberg an der Murr, das bis auf ein Mühlenanwesen und einige neuere Gewerbebauten im Tal auf dem rechten Hang liegt. Nach diesem mündet von rechts der im Unterlauf unbeständige Eichbach durch eine lange Klinge sowie der kurze Weidenbach. Beim Kirchberger Weiler Rundsmühlhof auf dem Talgrund verlässt der Fluss den Rems-Murr-Kreis, und kurzzeitig stoßen das Gebiet von Rielingshausen (Stadtteil und Exklave Marbachs) rechts und Erdmannhausen links ans Ufer, über die sogenannte Schweißbrücke quert hier mit der L 1124 Großaspach–Marbach die erste von zwei Landesstraßen am tief eingeschnittenen Unterlauf den Fluss, dessen Tal daraufhin in eine weite Nordschlinge und aufs Gebiet von Steinheim an der Murr eintritt. Hier erreichen ihn gleich von rechts der Sulzbach und wiederum durch eine längere Klinge der Otterbach, woraufhin Steinheim vom Hang herab bis ans rechte Ufer reicht. Durch diese Kleinstadt fließt am nördlichsten Punkt des Unterlaufs auf etwas unter von rechts die Bottwar zu, die weit im Norden in den Löwensteiner Bergen entspringt. Im zurück nach Süden laufenden Teil der Schlinge durchquert die Murr die Gemarkung der Gemeinde Murr. Das Dorf liegt am rechten Hang und wird von der südlich laufenden L 1100 umschlungen, die den Fluss am Ost- und Südrand des Gemeindegebiets über Brücken quert und ihm dann links noch ein kurzes Stück folgt. Ihren letzten Kilometer läuft die Murr auf dem Grund der Stadt Marbach am Neckar nach Süden und mündet dann, nach einer letzten Querung durch die L 1011, auf und nach einem Lauf von fast 52 km Länge von rechts in den Neckar.
Einzugsgebiet
Das Einzugsgebiet der Murr umfasst etwas über 500 Quadratkilometer, womit die Murr auf Platz 7 unter den Nebenflüssen des Neckars rangiert. Das Einzugsgebiet besteht im Wesentlichen aus vier Landschaftsteilen: dem Murrhardter Wald nördlich und südlich von Murrhardt, der Backnanger Bucht, den Berglen sowie der Südhälfte der Löwensteiner Berge bis zu einer Linie, die grob durch die Orte Großerlach, Löwenstein-Hirrweiler und Beilstein bestimmt ist.
Am „Pegel Oppenweiler/Murr“Abfluss Oppenweiler In: hvz.baden-wuerttemberg.de. hinter der Rüflensmühle von Oppenweiler fließen in der Murr im Mittel 2,5 m³/s ab aus einem Einzugsgebiet von bis dahin 180 km², am „Pegel Murr/Murr“Abfluss Murr / Murr In: hvz.baden-wuerttemberg.de. beim Gewerbegebiet Zinsser der Gemeinde Murr sind es 6 m³/s aus inzwischen 505 km².Pegel Oppenweiler In: hvz.baden-wuerttemberg.de.Pegel Murr In: hvz.baden-wuerttemberg.de.
Um das Einzugsgebiet der Murr herum entwässern alle Nachbarflüsse ebenfalls zum Neckar, darunter die Schozach und Sulm im Nordwesten, der Kocher im Osten sowie die Rems und der Zipfelbach im Süden.
Zuflüsse
Längster Zufluss der Murr ist mit 25 km der Buchenbach, der zwischen Burgstetten und Kirchberg mündet und der Murr den Abfluss der Berglen zuführt. Gemessen am Einzugsgebiet ist die Bottwar bei Steinheim mit 76 km² der größte und mit einem Lauf von 18 km der zweitlängste Zufluss. Andere Nebenflüsse mit einer Länge von zehn oder mehr Kilometern sind die „Spiegelberger“ Lauter (15,2 km), der Wüstenbach (12,9 km) und der Klöpferbach (10,2 km), die allesamt aus den Löwensteiner Bergen zur Murr stoßen, sowie die Weißach (12 km), die von zahlreichen Wasserläufen im Osten der Backnanger Bucht gespeist wird. Aus dem stark zergliederten Murrhardter Wald fließen der Murr zahlreiche kleinere Bäche zu, von denen der Hörschbach wegen seiner Naturschönheiten der bekannteste sein dürfte.
Liste der Zuflüsse und class=noviewer|10px Seen von der Quelle zur Mündung. Gewässerlängen in der Regel nach LUBW-FG10 (Datensatzeinträge), Einzugsgebiete entsprechend nach LUBW-GEZG, Seeflächen nach LUBW-SG10, Höhenangaben nach dem Höhenlinienbild auf dem Geodatenviewer. Andere Quellen für die Angaben sind vermerkt.
Tabelle der großen Zuflüsse Tabelle der nach Länge oder Einzugsgebiet 20 größten direkten Zuflüsse. Zum Vergleich auch die entsprechenden Angaben zur Murr selbst.