mini|Blick aus dem Zeppelin auf Bregenz. Bregenz (standarddeutsche Aussprache: [], , vorarlbergerisch: []) () ist die Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg und Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks. International bekannt ist sie durch Festspiele klassischer Musik auf einer Seebühne im Bodensee. Die Stadt hat auch den größeren der beiden österreichischen Bodenseehäfen. Sie ist Sport- und Kulturzentrum des Bundeslandes. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Bregenz nach Dornbirn und Feldkirch die drittgrößte Stadt Vorarlbergs, wobei die Agglomeration allerdings mehr als doppelt so groß ist wie die Stadt selbst.
Geografie Lage mini|Die Bregenzer Innenstadt liegt zwischen dem Hausberg Pfänder und dem Bodensee (2021) Bregenz liegt im westlichsten Bundesland Österreichs, östlich des Bodensees, nördlich der Stadt Dornbirn und der Bregenzer Ach.
Die Landeshauptstadt Vorarlbergs liegt zwischen dem Bergabhang des Pfänderrückens mit dem gegen Westen vorgeschobenen Gebhardsberg und dem Ostufer des Bodensees auf den Terrassen der Oberstadt und des Ölrains sowie im Uferbereich des Sees. Das Siedlungsgebiet erweiterte sich in jüngerer Zeit mehr in Richtung der Hanglagen des Pfänders und des Gebhardsbergs, aber vor allem in Richtung Südwesten, wo die Siedlungen Rieden und Vorkloster entstanden. Diese wurden 1919 eingemeindet. Weitere Siedlungerweiterungen wurden entlang der Bregenzer Ach vorgenommen, wo etwa die Achsiedlung entstand. Die ehemalige Gemeinde Fluh wurde 1938 eingemeindet.DEHIO-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Vorarlberg. Bregenz. Bundesdenkmalamt (Hrsg.), Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1983, ISBN 3-7031-0585-2, S. 55f.
Naturschutz Das Europaschutzgebiet Mehrerauer Seeufer – Mündung der Bregenzerach liegt großteils auf Bregenzer Gebiet. Bregenz hat unterhalb von Fluh auch Anteil am Natura 2000 Gebiet Bregenzerachschlucht.
Seehöhe Der höchste Punkt des Gemeindegebiets liegt auf über etwas südlich des Pfändergipfels und gehört zum Ortsteil Fluh, den tiefsten Punkt bildet die Wasseroberfläche des Bodensees mit einer durchschnittlichen Höhe von Der Bodensee ist gleichzeitig der tiefstgelegene Punkt Vorarlbergs. Das Stadtzentrum von Bregenz, das niedrigstgelegene in Vorarlberg, liegt auf auf vobs.at (abgerufen am 20. November 2020)
Stadtgliederung
Die politische Gemeinde Bregenz besteht aus drei Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Bregenz () Fluh () Rieden (; eingemeindet 1919)
In diesen Katastralgemeinden liegen die vier Ortsteile Vorkloster, Stadt, Rieden (dort steht auch das Kloster Riedenburg) und Fluh. Bis 1912 war auch Kennelbach ein Teil von Rieden. Außerdem bildet der getrennte Ortsteil Fluh (eingemeindet 1938/1945) an den Abhängen von Pfänder und Gebhardsberg eine dritte Katastralgemeinde. In der Gemeinde Bregenz werden bestimmte Örtlichkeiten in Form von Riedbezeichnungen beschrieben; diese (z. B. Schendlingen, Am Stein, Funkenbühel, Hinterfeld, Ölrain, Thalbach, Brittenhütten) wurden bereits in der Urmappe aus dem Jahre 1857 erwähnt.
Das Gemeindegebiet gliedert sich in zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Bregenz () Fluh ()
Nachbargemeinden
Bregenz liegt am Ostufer des Bodensees. Über einen schmalen Uferstreifen, der sich vor Lochau und Hörbranz entlang des östlichsten Bereichs des Sees nach Norden erstreckt, grenzt Bregenz an Lindau und damit an Deutschland. Diese Grenze erstreckt sich über wenige hundert Meter im Mündungsbereich der Leiblach (Flussmitte).
Die Bregenzer Ach bildet im Süden und Südwesten die Grenze zu den Nachbargemeinden Lauterach und Hard. Anschließend mündet sie zwischen Bregenz und Hard in den Bodensee. Auf den Bregenzer Hausberg Pfänder (), dessen Südflanke der Gebhardsberg bildet, führt seit 1927 die Pfänderbahn.
Bregenz liegt in Luftlinie 502 Kilometer westlich von Wien.
Seeanlagen Der Anfang der Seeanlagen war 1842 ein Seeuferweg. Mit dem Schiffshafen schritt der Ausbau weiter voran. 1842 wurde damit begonnen und 1890 der „Molo“ fertiggestellt. Das Bahngelände wurde aufgeschüttet und die 1900 gebaute Uferpromenade, unter der seit etwa 1965 eine (inzwischen stillgelegte) Erdölleitung verläuft, mit dem beim Bau dieser Leitung anfallenden Aushub in Richtung Lochau verlängert.
Urbanistisch wurde damals die Stadt allerdings durch diese Eisenbahnstrecke vom Seeufer abgeschnitten. Dies wäre noch durch die in den 1960er Jahren geplante parallele Autobahnführung verstärkt worden. Eine Volksbefragung ergab 1960 zwar eine 90-prozentige Ablehnung der Seeufertrasse, dennoch wurde diese seitens der Bundesregierungen weiter verfolgt. Dagegen erhob sich im Jänner 1969 massiver Unmut der Bregenzer Bevölkerung, der letzten Endes zur Streckenführung der Autobahn durch den Pfändertunnel führte.
In den Jahren 2009 und 2010 wurden die Hafen- und Seeanlagen umgestaltet. Ein neues Hafengebäude („Welle“) wurde gebaut. Am Blumen-Molo wurden Sitzmöglichkeiten aus Beton geschaffen („Sunset-Stufen“), ein neuer Leuchtturm wurde errichtet. Seit 2014 wird die „Pipeline“, der durch den Bau der Erdölleitung umgangssprachlich so genannte, 1,7 km lange Bodenseezugang zwischen dem Bregenzer Hafen und Lochau, sukzessive umgestaltet, sodass ein neuer Strand mit flach abfallendem Ufer entsteht.
Agglomeration mini|hochkant=1.2|Blick auf das untere Rheintal mit dem Bodensee, Bregenz (rechts oben) und Dornbirn (unten) Im Ballungsraum von Bregenz wohnen etwa 63.000 Menschen. Zu diesem zusammenhängenden Siedlungsgebiet gehören neben Bregenz (28.000) auch Hard (13.000), Lauterach (10.000), Wolfurt (8.000), Kennelbach (2.000) und Lochau-Süd (2.000). Darüber hinaus verbindet ein Siedlungsband die Städte Bregenz und Dornbirn mehr und mehr zu einer Agglomeration mit weit über 100.000 Einwohnern. Das gesamte Vorarlberger Rheintal wird immer mehr zu einem geschlossenen Siedlungs- und Wirtschaftsraum.
Klima In Bregenz herrscht Seeklima (Cfb).
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Bevölkerungsstruktur Die Altersstruktur der Bregenzer Bevölkerung wich im Jahr 2011 leicht vom Durchschnitt in Vorarlberg ab. Waren in Bregenz 15,7 % der Bevölkerung unter 15 Jahren, so lag der Wert im Bundesland bei 16,6 %. Der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahren lag mit 17,1 % über dem Vorarlberg-Durchschnitt von 15,7 %. Bei der Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen lag Bregenz mit einem Wert von 65,0 % deutlich unter dem Vorarlberger Wert von 70,9 %. Die Arbeitslosenquote lag mit 8,1 % hingegen deutlich über dem Vorarlberg-Durchschnitt von 5,0 %. 2011 lebten in Bregenz 47,9 % Männer und 52,1 % Frauen.Registerzählung 2011 Statistik Austria Gemeindetabelle VorarlbergDemographische Daten Statistik Austria
Bildungsstand Im Jahre 2011 verfügten 50,7 % der Bregenzer über einen Sekundarabschluss (AHS, BMS, BHS oder Lehre) und 12,7 % über einen Tertiärabschluss (Hochschul-, Akademie- oder Kollegabschluss) als höchste abgeschlossene Ausbildung, was über dem Vorarlberg-Durchschnitt von 9,4 % liegt.
Geschichte Ortsname Der Ortsname wird auf keltisch oder ligurisch *brigant- ‚herausragend‘ zurückgeführt. Er ist damit sprachgeschichtlich identisch mit Ortsnamen wie Brienz BE und Brienz/Brinzauls (Schweiz), Brianza (Oberitalien), Bragança (Portugal) und Briançon (Frankreich). Der früheste bekannte Beleg für den Namen des heutigen Bregenz lautet Βριγάντιον (Brigántion) und stammt aus den Jahren um die Zeitenwende. Obwohl die heutige Stadt erst ab dem Hochmittelalter sicher bezeugt ist, wurde der Name schon viele Jahrhunderte früher ins Alemannische entlehnt, was sich in der Verschiebung der Betonung von der zweiten auf die erste Silbe, der Lautverschiebung von /t/ zu /ts/ und in der Primärumlautung von /a/ zu /e/ vor /i/ in der Folgesilbe manifestiert.Abschnitt nach Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 89.
Frühgeschichte und römische Zeit
mini|Nennung Brigantiums in der spätantiken Tabula Peutingeriana Die ersten Siedlungen im Gebiet des heutigen Bregenz entstanden etwa 1500 v. Chr. Dies ist belegt durch Siedlungsfunde aus der Frühbronzezeit am Fuß des Gebhardsbergs. Zur keltischen Zeit (ab circa 500 v. Chr.) war Bregenz einer der am stärksten befestigten Orte (Oppidum) in der Region. Damals siedelte der Keltenstamm der Brigantier in Vorarlberg. Ein Zeugnis keltischer Kultur ist das in Bregenz gefundene Eponarelief (Epona bzw. Rhiannon), das allerdings aus römischer Zeit stammt.
Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer für Kaiser Augustus das Vorarlberger Gebiet und errichteten dort die Stadt Brigantium – eine römische Zivilstadt mit Forum, Tempelbezirk, Markthallen, Basilika usw. Aus dieser Phase des Ortes sind umfangreiche archäologische Reste, unter anderem Mosaike, erhalten geblieben. Im heutigen evangelischen Friedhof liegen wenige Mauerreste der kaiserzeitlichen Thermen sichtbar über Tag. Brigantium wuchs rasch zu einer Siedlung heran und war auch militärisch bedeutsam. So hatte dort der Präfekt der römischen Bodenseeflotte seinen Sitz. Eine Straße verband Brigantium über Cambodunum (Kempten im Allgäu) mit Augusta Vindelicum (Augsburg).
Wohl 233 und 259/260 n. Chr. wurde Brigantium durch einfallende Alamannen zerstört, von der römisch-keltischen Bevölkerung aber wieder aufgebaut; die von Natur aus besser geschützte Oberstadt wurde nun kastellartig ausgebaut und befestigt. Zum Territorium des spätantiken Brigantium gehörten alles Land westlich des Arlbergs bis zum Bodensee und angrenzende Gebiete im Norden. Die Festung blieb nach 300 n. Chr. militärisch wichtig und gehörte wie Arbor Felix, Constantia und Tasgetium zu einer Kette von Kastellen, die die römische Grenze an Rhein und Bodensee (Donau-Iller-Rhein-Limes) sicherten. Wie Arbor Felix wurde es in der Tabula Peutingeriana, einer spätrömischen Landkarte, erwähnt.
mini|Mauern des spätrömischen Hafenkastells Leutbühel bei Ausgrabungen 1972 Der römische Kaiser Gratian besuchte die Stadt im Jahre 377. Mindestens bis etwa 410 n. Chr. war in Brigantium eine römische Kriegsflotte stationiert. Bei Bauarbeiten der Fußgängerpassage im Gebiet des römischen Hafens (Leutbühel) wurden 1969 Überreste der spätrömischen Hafenanlage entdeckt.
Die Alamannen besiedelten das Gebiet rings um Brigantium ab circa 470 n. Chr. Zwischen den Jahren 610 und 612 wirkten im Raum Bregenz die iroschottischen Missionare Columban und Gallus.
Die Pläne von Ausgrabungen der Römerzeit aus den letzten 150 Jahren wurden bis Juni 2017 im digitalen Stadtplan erfasst und per Internet frei zugänglich gemacht.Römische Ausgrabungen in Stadtplan erfasst orf.at, 22. Juni 2017, abgerufen am 23. Juni 2017. Bei archäologischen Grabungen in den Jahren 2013 und 2019 wurden am Fuß der Oberstadt Mauern entdeckt, die nach Angabe der beteiligten Archäologen auf ein römisches Theater schließen lassen.
Mittelalter Die Oberstadt (Altstadt) liegt innerhalb des etwa rechteckigen Mauergevierts der Stadtmauern aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, die noch zum größten Teil erhalten sind. Um 1220 erfolgte die Anlage von drei parallelen Gassen mit etwa 57 gleich großen Hofstätten zu je zwei Ar. Die erste Stadterweiterung burgbergabwärts durch das Maurach wurde Ende des 13. Jahrhunderts abgeschlossen. An seinem Fuße in Richtung See wurde die Kaiserstraße 1363 ausgebaut.
1330 erteilte Kaiser Ludwig der Bayer den Bürgern der Stadt Bregenz das Recht, an jedem Montag einen Wochenmarkt abzuhalten.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 308; siehe auch S. 973–975.
1404 und 1445 wurde die Bregenzer Vorstadt in den Appenzellerkriegen zerstört und im Winter 1407/1408 während der Schlacht bei Bregenz mehrere Monate lang belagert. 1451 kaufte das Fürstenhaus Habsburg die Hälfte der Grafschaft Bregenz mit der Stadt Bregenz. 1484 war der Ausbau der Kirchstraße abgeschlossen und Ende des 15. Jahrhunderts gewann der Markt am Leutbühel Übergewicht gegenüber der Oberstadt.