Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Abkürzung: UFR) wurde am 21. September 1457 von Albrecht VI. gegründet und ist eine der ältesten Universitäten Deutschlands. Sie bietet das Fächerspektrum einer Volluniversität an.
Die Universität besitzt eine lange Tradition und genießt national wie international eine hohe akademische Reputation. Unter den Lehrenden befanden sich u. a. 10 Nobel- und 15 Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preisträger, insgesamt ist die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit 23 Nobelpreisträgern assoziiert.pr.uni-freiburg.de, abgerufen am 12. Dezember 2019.
Geschichte Anfänge mini|Universitätsgründer Albrecht VI. von Österreich. Im Hintergrund das alte Hauptgebäude der Albertina auf dem Franziskanerplatz (heute Neues Rathaus)
Am 20. April 1455 entsprach Papst Calixtus III. der Bitte Erzherzog Albrechts VI. von Österreich, in dem zur Diözese Konstanz in Vorderösterreich gehörenden Freiburg ein studium generale einzurichten, dass dieses nicht nur dem ihm unterstellten Staat und den Einwohnern seiner Länder, sondern auch dem Nutzen und der Wohlfahrt anderer Weltgegenden dienen sollte.Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“ 107. Jahresheft 1988. Der Papst ertheilt dem Bischof Heinrich von Konstanz die Vollmacht, nach genauer Erkundigung und Befund der Umstände das Nöthige zu verfügen.Heinrich Schreiber, Band I, S. 7.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (= Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, Band 38). Köln/Weimar/Wien 2015, S. 424ff. Der örtlich zuständige Bischof hatte gewöhnlich die Universitätsaufsicht, mit der er den von ihm eingesetzten Kanzler beauftragte, der wiederum einen Universitätsprofessor als Vizekanzler die Geschäfte führen ließ. Dass die gebildete und kunstsinnige Gemahlin Albrechts, Mechthild von der Pfalz, die treibende Kraft zur Gründung der nach ihrem Stifter „Albertina“ (latinisierte Form des Namens Albrecht) genannten Universität gewesen sei, ist heute umstritten.Peter Kalchthaler: Kleine Freiburger Stadtgeschichte. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2006, S. 63. Mechthild hatte allerdings 20 Jahre später ihren Sohn aus erster Ehe Eberhard zur Gründung der Universität Tübingen angeregt. Nach neuester Meinung von Konstantin M. Langmaier gründete Albrecht VI. die Universität, um den Zuzug in die hochverschuldete Stadt Freiburg zu fördern und damit deren fiskalische Möglichkeiten zu verbessern.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. S. 424ff.
In der Stiftungsurkunde vom 21. September 1457 betonte Albrecht, er wolle mit andern christlichen Fürsten graben helfen den Brunnen des Lebens, daraus von allen Enden der Welt unversiegbar geschöpft werde erleuchtendes Wasser tröstlicher und heilsamer Weisheit, zu Erlöschung des verderblichen Feuers menschlicher Unvernunft und Blindheit.Heinrich Schreiber, Band I, S. 10. Finanziert werden sollte die Hochschule durch Einnahmen aus Kirchenlehen, welche die Habsburger der Universität abgetreten hatten. Dazu gehörten unter anderem die Pfarrkirchen von Freiburg, Breisach, Ensisheim und Winterthur. Da diese Gelder anfänglich nicht flossen, musste die Stadt einspringen und den berufenen Professoren under der stat (Stadt) sigel sold, behusung und beholzungFestschrift, S. 19, Maximilian Kollofrath: Stadtverwaltung und Universität in der Vergangenheit. gewähren.
Nach den Vorbereitungsarbeiten Matthäus Hummels nahm die Universität den Unterrichtsbetrieb am 26. April 1460 auf. Hummel, zum ersten Rektor der Albertina gewählt, baute seine lateinischen Eröffnungsansprache auf den Spruch Salomons: Sapientia aedificavit sibi domum et excidit in ea columnas septem („Die hohe Weisheit hat ein Haus sich erbauet, hat ihrer Pfeiler ausgehaun sieben“) auf. Im ersten Teil seiner Ansprache pries Hummel die Weisheit und das Streben nach Wahrheit,Fritz Baumgarten, S. 16. im zweiten prangerte er die mangelnde Bildung der Geistlichen der damaligen Zeit an und ging mit der Vetternwirtschaft des Adels scharf ins Gericht.Joseph Bader: Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1882/1883.Diethard H. Klein (Hrsg.): Freiburg. Ein Lesebuch. Husum Verlag, Husum 1987.
Entwicklung im Mittelalter mini|Siegel der Universität Freiburg im Eingangsbereich des Audimax
Freiburg war nach Wien die zweite österreichisch-habsburgische Universität. Wie alle mittelalterlichen Hochschulen besaß die Albertina vier Fakultäten: Theologie, Jura, Medizin und Philosophie. Ein erfolgreiches Philosophiestudium in den Sieben Freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) mit dem Abschluss Baccalaureus artium war die Voraussetzung für ein weiteres Studium in den anderen drei Fakultäten. Die Zahl der Studierenden lag in den ersten Jahrzehnten bei etwa 140 Personen.
Das Siegel der Universität zeigt den lehrenden Christus im Tempel zu Jerusalem, der auf einem spätgotischen Thron sitzend in der Rechten die Heilige Schrift hält, auf welche er mit der linken Hand zeigt. Zuhörer sind, zu seinen Füßen und im Baldachin sichtbar, jüdische Schriftgelehrte (an den Hüten zu erkennen). Den Thron flankieren zwei Türme, die als Andeutung von Jerusalem (oder des dortigen Tempels) zu verstehen sind. Die drei Wappen deuten auf die an der Gründung Beteiligten hin: Auf der rechten Seite Christi das Wappen der österreichischen Herzogtümer, auf der anderen Seite der habsburger Bindenschild und unten das Wappen von Freiburg. Die Umschrift besagt, dass dies das Siegel der Universität Freiburg ist (in Latein). Es wurde schon kurz nach Gründung der Universität verwendet (1462 belegt) und ist fast unverändert bis heute gültig.Nach Dieter Speck, Leiter des Freiburger Universitätsarchivs. uniarchiv.uni-freiburg.de
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Albertina zu einer Bildungsstätte von Rang mit Professoren wie dem Kartäusermönch Gregor Reisch, der im Jahre 1503 das Lehrbuch der Artistenfakultät, die Enzyklopädie Margarita Philosophica herausbrachte. Reisch unterrichtete so bedeutende Schüler wie Johannes Eck, den späteren Gegner Luthers, Martin Waldseemüller, den „Erfinder“ des Namens Amerika, und Sebastian Münster, den Verfasser der bekannten Cosmographia.
Die äußeren Umstände waren in dieser Zeit jedoch ungünstig, denn mehrfach suchte die Pest die Stadt Freiburg heim, sodass die Universität zeitweise auswandern musste. 1492 erwog man sie dauerhaft nach Rheinfelden zu verlegen. Diese Überlegung erhielt 1496 neuen Auftrieb, als es zu Zerwürfnissen zwischen Stadt und Universität kam. Doch bewegte die Anwesenheit Kaiser Maximilians I. beim Reichstag in Freiburg – er war der Hochschule wohlgesinnt – die Stadt zum Einlenken. 1501 wurde die Universität abermals wegen eines Pestausbruchs zeitweise nach Rheinfelden verlegt.
Reformation Seit ihrer Gründung hatte die Universität einen geistigen Kampf für kirchliche Reformen geführt. Deshalb begrüßte so mancher Freiburger Professor die theologischen Lehren des Reformators Martin Luther, so auch Philipp Engelbrecht, der in Luther „den größten Apostel unsrer Tage“ sah. Engelbrecht heftete am 5. September 1521 einen Zettel mit folgendem Knittelvers an das Universitätsgebäude:
Auch Huldrichus Zasius las anfänglich begeistert Luthers Schriften, doch als die Universität das Wormser Edikt befolgte, entwickelte er sich zum Gegner der Reformation und bezeichnete Luther als von allen zweibeinigen Geschöpfen das nichtswürdigste.Joseph Neff: Ulrich Zasius. Ein Freiburger Humanist. In. Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Althertums- und Volkskunde, 9, 3, 1890. Der Stadtrat ordnete Hausdurchsuchungen an und ließ auf dem Münsterplatz durch den Scharfrichter rund 2000 Bücher reformatorischen Inhalts verbrennen.
Anlässlich seines Besuchs am 13. Mai 1524 bestellte Erzherzog Ferdinand bei der Universität ein Gutachten zur Bekämpfung der kirchlichen Lehrsätze der Neuerer. Es wiederholte im ersten Teil altbekannte katholische Dogmen, im zweiten Teil jedoch prangerten die Gutachter die Missstände in der Kirche an. Sie schlossen ihre Schrift mit dem Wunsch von einer umsichtigen und kräftigen Handhabung dieser von ihnen beantragten Punkte eine neue, Allen wohlgefällige Gestaltung der Kirche Christi erwarten zu dürfen.Heinrich Schreiber, Band II, S. 8. Dieses Gutachten ist nie verwendet worden.
Als 1529 die Reformation in Basel mit dem Bildersturm ihren Höhepunkt erreichte, flohen Erasmus von Rotterdam und mit ihm viele Professoren der dortigen Universität ins katholische Freiburg. Die Basler Hochschule blieb daraufhin bis 1532 suspendiert.550 Jahre Universität Basel. In: Badische Zeitung vom 27. Mai 2010, S. 2. 1567 kam Erzherzog Ferdinand von Österreich als Landesherr der Vorlande nach Freiburg und verlangte die Durchführung der Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens cuius regio, eius religio. Die Universität erklärte, fortan keinen mehr als Angehörigen dulden zu wollen, der sich nicht zum Trienter Glaubensbekenntnis bekennen wolle. Bis auf Johann Thomas Freigius, der sich nach Basel begab, regte sich kein Widerstand. Die Zahl der Studenten nahm hierdurch in den folgenden Jahren aber erheblich ab.
Jesuitenkolleg Schon 1577 hatte Erzherzog Ferdinand II. der Universität geschrieben, „daß er in seinen vorderöstreichischen Landen ein Collegium der Sociität Jesu zu errichten gedenke“.Heinrich Schreiber, Band II, S. 308. In jener Zeit hatte sich die Universität erfolgreich gegen das Eindringen der Jesuiten gewehrt. Besonders Professor Jodocus Lorichius hatte hierbei für die Unabhängigkeit der Hochschule gekämpft. Als jedoch an den benachbarten Hochschulen in Basel und Heidelberg der reformierte Glauben gelehrt wurde sowie Tübingen und Straßburg evangelisch geworden waren, wollte Erzherzog Leopold die vorderösterreichische Universität mit Hilfe der Jesuiten im alten Glauben religiös aufrüsten. Diesmal war aller Widerstand zwecklos, da der Erzherzog persönlich in Freiburg erschien. Die Einführungs-Urkunde der Jesuiten vom 16. November 1620 bestimmte: „Mit dem laufenden Schuljahr fangen die Väter der Gesellschaft an, die humanistischen Studien nebst der Philosophie vollständig und in der Theologie vorläufig zwei Stellen, mit ihren Lehrern zu besetzen“.Heinrich Schreiber, Band II, S. 403. So entwickelte sich die Albertina in den folgenden Jahrhunderten zu einem Bollwerk des katholischen Glaubens, was anfangs zwar eine moderne humanistische Geisteshaltung nach sich zog, sich mit den Jahren aber als hinderlich für Forschung und Wissenschaft auswirkte. Die Ordensleute drängten die bisherigen Inhaber der Lehrstühle, die ihnen zugesagt wurden, aus ihren Positionen. Ebenfalls im Jahr 1620 gründete die Medizinische Fakultät einen Botanischen Garten, eine Einrichtung, die an verschiedenen Standorten bis heute weitergeführt wird.
Studium Gallicum mini|Bauten der Jesuiten entlang der Bertoldstraße. Der 1682 begonnene Neubau der Jesuitenkirche wurde 1689 eingeweiht. Die Fertigstellung des gesamten Gebäudekomplexes dauerte jedoch noch bis zum Jahre 1750