mini|Model Renée Gunter präsentiert Haute Couture um 1970 Kleidung, auch Bekleidung (in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz auch Gewand), ist die Gesamtheit aller Textilien und Gegenstände, die der Mensch auf dem Körper als Hülle trägt.
Kleidung lässt sich in Unterwäsche und Oberbekleidung unterteilen, auch Schuhe und Kopfbedeckungen werden zur Kleidung gezählt. Kleinteiligere Gegenstände wie Schmuck und Accessoires, die rein darstellenden Zwecken dienen, werden nicht zur Kleidung gezählt.
Modische Bekleidung ist in ihrer jeweiligen Gestaltung ein Ausdrucksmittel der nonverbalen Kommunikation. Arbeitskleidung dient dem Schutz vor belastenden Umwelteinflüssen, vor Verletzungen und/oder Gefahren in der Arbeitsumgebung. In Theater und Film unterstreicht sie als Kostüm die Bühnen- bzw. die Filmrollen der jeweils Agierenden. Entsprechend den klimatischen, individuellen und modisch-ästhetischen Bedürfnissen des Menschen hat sie sich kultur- und zeitabhängig unterschiedlich entwickelt. Kleidung hat zudem eine sozio-ökonomische Funktion der Distinktion.
Forschungstheorien zum Tragen von Kleidung Die Beantwortung der Frage, warum ein Mensch sich überhaupt kleidet, hat wesentlich drei Theorien hervorgebracht: die Schutztheorie ist die älteste, im 19. Jahrhundert verbreitete sich im Zusammenhang mit christlichen Moralvorstellungen die Schamtheorie und schließlich wurde die Schmucktheorie entwickelt (das Bedürfnis, sich bewusst zu zeigen, um aufzufallen und um bewundert zu werden). Heute geht die Forschung davon aus, dass alle drei Gründe für das Tragen von Kleidung nicht nebeneinander stehen, sondern ineinandergreifen. Dahinter steht unter anderem der Gedanke, wenn Kleidung als Wärmeschutz nur eine Entwicklungsstufe der Evolution wäre, der Mensch auf der Endstufe angekommen ist und keine Modifikation, wie sie die Mode hervorbringt, benötigt. Als „zweite Haut“ schützt und verhüllt Kleidung und dient darüber hinaus dem Ausdruck der eigenen Individualität. Auch geht es nicht nur darum, dass Kleidung verhüllt, sondern wie sie verhüllt. Die Wahl zwischen unterschiedlicher Kleidung kann anlassbezogen sein (etwa Trauerkleidung, Hochzeitskleidung), sie leitet aber auch über zum Begriff der Mode.
Geschichte Neolithikum und Antike
Nach Auffassung des Anthropologen Alexander Pashos lässt sich der geschichtliche Zeitpunkt, seit dem Menschen regelmäßig Kleidung trugen, aus dem Auftreten der Kleiderlaus schätzen. Daraus gefolgert deuten aktuelle Genanalysen auf einen Entstehungszeitraum vor etwa 75.000 Jahren hin.Alexander Pashos (Anthropologe), Thema „Kleidung“, Galileo, ProSieben, 1. August 2006 Darüber hinaus existieren jedoch auch andere Auffassungen, nach denen bereits bis vor ca. 650.000 Jahren die Vorfahren des heutigen Menschen Kleidung trugen.Reed, David (2007). Pair of lice lost or parasites regained: The evolutionary history of Anthropoid primate lice. BMC Biology. Einer der ältesten erhaltenen Umhänge fand sich in der italienischen Höhle von Arene Candide. Er bestand aus etwa 400 Feh und wird auf ein Alter von ca. 23.000 Jahren datiert.Art. Mantel, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 19, hier: S. 239.
Aus dem Mittelpaläolithikum von Neumark-Nord, einer ca. 200.000 Jahre alten Fundstelle aus der Zeit des Neandertalers an einem ehemaligen SeeuferLandesmuseum für Vorgeschichte Halle: Seite zur Fundstelle Neumark-Nord. bei Frankleben in Sachsen-Anhalt, stammt ein Steingerät mit anhaftenden Resten von Eichensäure in einer Konzentration, die nicht natürlich auftreten kann und deshalb als ein Hinweis auf das Gerben von Tierhäuten gedeutet wird.Landesmuseum für Vorgeschichte Halle: . Mit Hilfe von Steinwerkzeugen zugeschnittene, an den Enden abgerundete Rippen mit geglätteten Flächen, die in der Contrebandiers-Höhle an der Atlantikküste von Marokko entdeckt wurden, sind rund 120.000 bis 90.000 Jahre alt und gelten als die frühsten gegenständlichen Belege für die Bearbeitung von Tierhäuten.Emily Y. Hallett et al.: A worked bone assemblage from 120,000 – 90,000 year old deposits at Contrebandiers Cave, Atlantic Coast, Morocco. In: iScience. Online-Veröffentlichung vom 16. September 2021, doi:10.1016/j.isci.2021.102988. Bone tools from Morocco indicate the production of clothing by 120,000 to 90,000 years ago. Auf: eurekalert.org vom 16. September 2021.
Die Entwicklung von spezialisierterem Steinwerkzeug war Voraussetzung, um die Oberfläche der Felle so zu bearbeiten, dass sie als Kleidung (ggf. auch enthaart als Leder) genutzt werden konnten. Möglicherweise wurden Felle zunächst als erster primitiver Sonnenschutz verwendet und später zu Zelten weiterentwickelt, bevor sie als Kleidung verwendet wurden. Die Nutzung von Pelz-Kleidungsbestandteilen als Statussymbol des erfolgreichen Jägers, und damit häufig auch des Gruppenanführers, dürfte ebenfalls sehr früh eine Rolle gespielt haben; die bis in die Neuzeit noch übliche derartige Verwendung in heißen Gegenden lässt darauf schließen. Die Effektivität als Kleidung wurde durch die Erfindung des Nähens erheblich gesteigert, da Kleidung nun geschlossen und dem menschlichen Körperbau angepasst werden konnte. Mit genähter Kleidung war es dem Menschen möglich, auch sehr kalte Regionen wie Nordkanada, Grönland und Nordsibirien ständig zu besiedeln (z. B. Eskimos). Mit der Domestizierung des Schafs im frühen Neolithikum und der Erfindung des Webens konnte nun auch Wolle als Rohstoff für Textilien genutzt werden. Das Schließen von Überwurfkleidung konnte neben dem Vernähen als ständigem Verschluss nun auch bei Gebrauch durch Gewand-Nadeln, später Fibeln und Schnallen, noch später durch Knöpfe erfolgen.
Der Verlust von Fell in der menschlichen Evolution ermöglichte dem Menschen in seinen damaligen warmen Lebensräumen die Körpertemperatur besser zu regulieren (Schwitzen). Dies erhöhte seine Ausdauer zur Nahrungsbeschaffung bei der Hetzjagd. Mit der Erfindung der Kleidung wurde der damit auch verbundene Nachteil wieder kompensiert. Die Möglichkeit, unterschiedlich stark wärmedämmende Kleidung verwenden zu können, erhöht die menschliche Flexibilität, sich in sehr unterschiedlichen Klimazonen aufhalten zu können.
Archäologische Funde von chemischen Relikten des Seidenproteins Fibroin in zwei 8500 Jahre alten Gräbern lassen vermuten, dass jungsteinzeitliche Bewohner von Jianhu die Seidenfasern bereits zu Stoffen gewebt haben.
Bereits in den frühen Hochkulturen und der Antike unterlag der Kleidungsstil der Mode. Mesopotamische Terrakotten, insbesondere die mit bekleideten Frauen, sind als in Massenproduktion gefertigte Produkte in großer Zahl erhalten geblieben und zeigen die aktuelle Mode. Sie werden deshalb auch als eine Art „Modelexikon der Zeit“ angesehen.Evelyn Klengel-Brandt: Die Terrakotten aus Babylon und Assur. In: Antike Welt, Februar 2016, Seite 37–39.
Antike Belege für hosentragende Frauen finden sich in römischen Berichten (Tacitus 17) und auf Darstellungen von Kelten und Germanen. Eine Darstellung einer mitteleuropäischen Frau mit Hose findet man, neben Darstellungen von Frauen in Kleidern und Röcken, auf der Trajanssäule (113 n. Chr.) in Rom. Später war das Tragen von Hosen für europäische und amerikanische Frauen jahrhundertelang tabu.
Mittelalter mini|Eine Contouche (Robe um 1750) Die Kleidung im Mittelalter spiegelte den Platz innerhalb der mittelalterlichen Ständeordnung wider. Unterschiede zwischen den Ständen bestanden meist nur im verwendeten Material und dem dazugehörigen Zierrat. Verfügbare Materialien zur Textilherstellung für die niederen Stände waren Leinen, Hanf, Nessel (diese drei insbesondere zur Verwendung für die Unterkleidung) und Schafwolle (diese insbesondere für Oberbekleidung). Der höhere Stand konnte auch teure Importstoffe (zum Beispiel aus Seide, besonders wertvoll mit Purpur gefärbt), bessere Textilqualitäten und veredelte Tuche kaufen.
Industrielle Revolution, 19. Jahrhundert mini|Frau in Radfahrerhose anno 1897 (Werbeanzeige) mini| Frauenkleidung aus einem Katalog von 1890 mini| Männerkleidung aus einem Katalog von 1890 Baumwolle und neue Maschinen für seine Aufbereitung und Verarbeitung (Spinnen, Weben) waren die wichtigsten Impulse für den Beginn der Industriellen Revolution. Baumwollverarbeitung machte im Jahr 1830 etwa 8 Prozent des Bruttoinlandprodukts in Großbritannien aus und führte zu explosivem Wachstum von Städten, in denen sich die Baumwollindustrie entwickelte (z. B. Manchester).Robert C. Allen, Geschichte der Weltwirtschaft, Reclam-Verlag, Stuttgart 2015, S. 41
Kleidungsreform, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Im Umfeld der Lebensreform-Bewegungen gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland mehrere Ansätze zu einer Reform der Kleidung, wobei sich die ersten Überlegungen auf die Männerkleidung bezogen (Reformkleidung Bauhaus).
Seit dem Ersten Weltkrieg, als viele Frauen zur Erwerbsarbeit gezwungen waren, trugen sie Hosen. Fabrikarbeiterinnen trugen Overalls, Frauen im öffentlichen Dienst eine Uniform mit langer Hose (im Winter). 1917 stattete man die Frauen, die als „männlicher Ersatz“ im Eisenbahndienst arbeiteten, mit langen Beinkleidern aus. Die „Hilfsbeamtinnen“ erhielten Joppe (Jacke), Hose, Gamaschen und Mütze, die Arbeiterinnen eine blusenartige Jacke und eine Hose. Es war dieselbe Kleidung, die die Männer in diesen Bereichen zuvor getragen hatten, sie wurde also nicht eigens hergestellt. Im Krieg wurde diese Ausstattung ohne weiteres als notwendig akzeptiert, jedoch hielt man die Frauenhosen für eine vorübergehende Erscheinung.
Die Damenhose war noch in den 70er Jahren in London unter weiblichen Bankangestellten undenkbar. In internationalen Luxushotels galt das Hosenverbot für Frauen ebenso noch in den 70ern. Auch im Londoner Nobelkaufhaus Harrods waren behoste Kundinnen noch bis 1970 unerwünscht. Der Sängerin Esther Ofarim wurde 1966 der Zutritt im Hosenanzug zur Bar des Hamburger Atlantic-Hotels verwehrt. Auf den Theaterbühnen waren Hosenrollen eine erotische Sensation: Männerrollen, die von Hosen tragenden Darstellerinnen ausgeführt wurden.
Bedeutung Physiologische Schutzfunktion und Gefahren mini|hochkant|Chemikalienschutzanzug
Kleidung soll den Menschen vor Unterkühlung und Erfrierung (durch Kälte, Nässe, Wind) und vor einem Hitzeschaden oder Sonnenbrand (durch Wärmestrahlung und UV-Licht) schützen und gleichzeitig die Verdunstung des Schweißes beim Schwitzen nicht behindern. Weitergehenden Schutz vor besonderen Risiken bietet spezielle, heute meist normierte Schutzkleidung wie die „kugelsichere Weste“, die Schnittschutzhose für Arbeiten mit der Motorsäge, die Hitzeschutzkleidung oder der Chemieschutzanzug.
Gefahren Unzweckmäßige Kleidung kann gesundheitsgefährdend sein:
ungünstiger Schnitt kann zu engen oder zu fest anliegenden Kleidern führen, die auf Blutgefäße, Nerven oder leicht verletzliche Organe drücken und die die erforderliche Ventilation und Wärmeregulierung verhindern (z. B. beim Schnüren); Benutzung giftiger Substanzen zum Färben (Schweinfurter Grün, Chromgelb und bestimmte Anilinfarben), sie sind besonders gefährlich, wenn sie nur lose mit Stärke aufgelegt sind, wie bei Schleiern und Seidenzeug; Aufnahme organischer Krankheitskeime und Übertragung auf Gesunde (Flanell und dünne Wollstoffe aufgrund ihrer rauen Oberfläche). Feuergefährlichkeit: In Kontakt mit Flammen oder Funken können bestimmte Textilien, vor allem leichte flauschige, schnell abbrennen oder schmelzen und somit zu erheblichen Brandverletzungen führen.Kinderkleidung: Schnell in Flammen, Stiftung Warentest, 30. Januar 2009. Krankheiten (z. B. Grippe, Erkältung, Gicht) bei unzureichend wärmender Kleidung
Psychologische Funktion mini|Bolero mit Hose, Haute Couture Fashion show mini|Janis Joplin (1943–1970)