Die Deutz AG (Eigenschreibweise DEUTZ AG) ist ein börsennotierter deutscher Hersteller von Diesel-, Gas-, Wasserstoff- und elektrifizierten Motoren mit Sitz in Köln. Deutz ist einer der weltweit führenden unabhängigen Produzenten kompakter Dieselmotoren in der Leistungsklasse von 10 kW bis 620 kW für Straßen- und Gelände-Anwendungen. Das Unternehmen firmierte in der Vergangenheit unter verschiedenen Namen, unter anderem mit der bekannten Abkürzung KHD für Klöckner-Humboldt-Deutz. Neben der bestehenden Produktion von luft-, wasser- und ölgekühlten Dieselmotoren baute das Unternehmen in der Vergangenheit Ottomotoren, Lokomotiven, Nutzfahrzeuge (Lastkraftwagen und Omnibusse), Bau- und Landmaschinen, eine weitere Sparte war der Anlagenbau.
Geschichte N. A. Otto & Compagnie (1864–1872) Ab Anfang der 1860er wollte der Autodidakt Nicolaus August Otto den ersten zuverlässig funktionierenden Gasmotor des Franzosen Étienne Lenoir optimieren. Zusammen mit dem Zuckerfabrikanten Eugen Langen gründete Otto am 31. März 1864 die N. A. Otto & Compagnie als die heute älteste Motorenfabrik der Welt. Während Otto als persönlich haftender Gesellschafter über ein Kapital von 2500 Talern verfügte, trug Langen mit 10.000 Talern den Großteil des finanziellen Risikos. Langen übernahm zunächst das Kaufmännische, Otto verantwortete die Motorenentwicklung.Sven Tode, Marco Hölscher, Beate John: Innovation Motor. Vier Takte bewegen die Welt. Greven-Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-7743-0629-5.
Drei Jahre nach der Gründung stellte Otto seinen ersten atmosphärischen Motor, auch Flugkolbenmotor genannt, vor. Diese neuartige Konstruktion stellten Otto und Langen auf der Weltausstellung 1867 in Paris aus, zu der 52.000 Aussteller und rund 13 Millionen Besucher kamen. Von Ottos Erfindung zeigten sich die dortigen Juroren zunächst nicht überzeugt, weil der 700 Kilogramm schwere und 0,5 PS starke Verbrennungsmotor aus Köln „zu laut und seltsam konstruiert“ sei. Erst der geringe Gasverbrauch des neuartigen Motors beeindruckte die kritischen Experten. Ottos Motor benötigte nur ein Drittel der Gasmenge, die Lenoirs Maschine pro Pferdekraft und Stunde verschlungen hatte. Damit gewann der atmosphärische Motor als wirtschaftlichste Antriebsmaschine für das Kleingewerbe die „Goldene Medaille“ und damit die höchste Auszeichnung, die auf der Weltausstellung zu vergeben war.
Dank der preisgekrönten Präsentation in Paris konnte der atmosphärische Motor in Köln in Serienproduktion gehen und die Maschine entwickelte sich zum weltweiten Verkaufsschlager. Von Köln aus exportierten Otto und Langen die Antriebsmaschine bis nach Russland und in die USA. 1868 konnte bereits fast jede Woche ein Motor fertiggestellt werden. Ein Jahr später wurde erstmals eine Fertigungslizenz an die Crossley Brothers aus Manchester vergeben, was der Beginn des Verbrennungsmotorenbaus in England war. Aufgrund ihrer Leistungsobergrenze von zwei PS waren die Motoren aus Köln vor allem für Handwerk, Gewerbe und Kleinindustrie interessant. Die Ausstattung der Werkstatt und das Betriebskapital von N. A. Otto & Compagnie genügten immer weniger den gesteigerten Produktionsanforderungen. Noch schrieb das junge Unternehmen trotz vielversprechender Geschäfte keine schwarzen Zahlen.
Für eine Expansion lösten Otto und Langen das Unternehmen N. A. Otto & Compagnie auf und beschlossen, es zusammen mit dem Hamburger Geschäftsmann Ludwig August Roosen-Rungen neu zu gründen. Der Hanseat hatte bereits ein halbes Jahr als freier Mitarbeiter das Motorengeschäft bei Otto und Langen kennengelernt und sah die Erfolgschancen der Fabrik. Ab dem 13. März 1869 firmierten sie unter dem Namen „Langen, Otto und Roosen“. Mit der finanziellen Unterstützung von Roosen-Runge konnte die Motorenproduktion unter völlig veränderten Rahmenbedingungen stattfinden. Das frisch gegründete Unternehmen kaufte drei Morgen Ackerland an der Deutz-Mülheimer Chaussee für 15.000 Taler. Am 25. November 1869 wurde der Firmensitz mit neuen, modernen Fabrikhallen offiziell von Köln über den Rhein an die damals noch selbstständige Stadt Deutz verlegt. Im Jahr des Umzugs prangte auch zum ersten Mal der Namenszug „DEUTZ“ auf den Typenschildern der Gasmotoren. Ein Jahr später erwirtschaftete das Unternehmen bereits Überschüsse, aber Roosen-Runge zeigte sich mit seiner Gewinnbeteiligung unzufrieden und verließ das Unternehmen. Ein neuer Teilhaber musste gefunden werden, um den Betrieb des gewachsenen Unternehmens am Laufen zu halten.
Langens Bruder Gustav schlug daraufhin seinen eigenen Einstieg und den seines Bruders Jacob Langen ins Unternehmen vor. Auch Emil und Valentin Pfeifer, Langens Partner aus der Zuckerindustrie, beteiligten sich. In dieser Konstellation wurde das Unternehmen am 5. Januar 1872 innerhalb von acht Jahren zum dritten Mal neu gegründet. Das Aktienkapital des Betriebs betrug bei seiner Neugründung 300.000 Taler, die auf 1500 Aktien im Wert von je 200 Talern aufgeteilt wurden. Das Unternehmen wurde „Gasmotoren-Fabrik Deutz AG“ genannt.
Gasmotoren-Fabrik Deutz AG (1872–1921) mini|links|Zeitungsannonce von 1910 mini|Deutz Grubenlok mini|links|Schild an der Petroleumlok Typ 3514 von 1913Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG)
Kurz nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Januar 1872 folgten auch personelle Veränderungen: Eugen Langen übernahm die Leitung der Gesellschaft, während Otto sich offiziell um das Kaufmännische kümmern sollte. Für die technische Direktion kam im März Gottlieb Daimler als Fachmann aus Süddeutschland nach Deutz. Sein enger Mitarbeiter Wilhelm Maybach folgte ihm und stieg im Januar 1873 zum Chefkonstrukteur auf. Beide verantworteten nun federführend die technische Fertigung, bis sie die Motorenfabrik 1882 verließen.
Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, arbeiteten Mitte der 1870er Jahre rund 240 Mitarbeiter auf dem vergrößerten Werksgelände an der Deutz-Mülheimer Chaussee an der Fertigstellung von Motoren. 1875 stellte die Gasmotoren-Fabrik Deutz 634 Motoren her. Im selben Jahr unterhielt die Gasmotoren-Fabrik in Paris, Wien und Mailand Filialen, die bereits in geringem Umfang selbst Maschinen fertigten. Das Geld für den Ausbau war reichlich vorhanden, denn allein die Dividenden der Aktiengesellschaft schwankten von 1872/73 bis 1876/77 zwischen 11 und 23 Prozent.
1876 konnte die Gasmotoren-Fabrik Deutz mit dem weltweit ersten Viertaktmotor, auch Ottomotor genannt, einen neuen und stärkeren Motor präsentieren. Wie bereits bei der atmosphärischen Gaskraftmaschine vergab das Deutzer Unternehmen Lizenzen an die Crossley Brothers in Manchester. Nach Übersee gelangte der neuartige Motor kurz nach seiner Erfindung, als 1877 eine Filiale der Gasmotoren-Fabrik Deutz in Philadelphia errichtet wurde, was die erste Motorenfabrik der USA war. Bereits 1880 waren 132 der neuen Motoren für elektrische Lichtmaschinen im Einsatz, 353 für Aufzüge und Krane, 254 erleichterten die Arbeit im Maschinenbau und in mechanischen Werkstätten, 307 wurden für Pumpen und Bewässerungsanlagen verwendet und 211 für die Holzbearbeitung. Ein wichtiger Abnehmer blieben auch die Buchdruckereien, in denen 1880 allein 1396 Maschinen liefen.
Aufbauend auf der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips durch Werner Siemens im Jahr 1866, konnte Otto 1884 die Niederspannungs-Magnetzündung präsentieren. Dabei handelte es sich um einen elektrischen Zündapparat mit einer Spannung von 40 Volt und hoher Stromstärke. Der von der Gasmotoren-Fabrik Deutz erfundene elektrisch gezündete Benzinmotor wurde 1885 auf der Weltausstellung in Antwerpen ausgezeichnet. Die Kraft der vier Takte war damit auch für die mobile Anwendung auf der Straße nutzbar.
Bis zum 25-jährigen Jubiläum 1889 wurden knapp 30.000 Motoren am Rhein und von den Tochterunternehmen und Lizenznehmern in Wien, Paris, Lüttich, Manchester, Kopenhagen und Philadelphia hergestellt. Zu dieser Zeit arbeiteten 700 Beschäftigte für das Unternehmen. Zudem eröffnete das Unternehmen 1888 eine weitere Filiale in Mailand und 1889 die „Casa Deutz“ in Barcelona. Bereits 1892 begann die Gasmotoren-Fabrik Deutz mit der Fertigung der ersten Lokomotiven mit Verbrennungsmotor. Zwei Jahre später produzierte die US-amerikanische Tochterfirma „The Otto-Gas-Engine-Works“ in Philadelphia ein erstes sogenanntes „Pfluglokomobil“. Das mit einem Ottomotor angetriebene, 26 PS starke Gefährt war eine Art selbstfahrende Lokomotive, die einen Pflug über Felder ziehen konnte. Neben der Schiene und dem Acker expandierte die Firma auch auf das Wasser. Zwei 8 PS starke Schiffsmotoren trieben 1893 die Boote „Otto“ und „Langen“ auf dem Rhein an.
Die nächsten Jahrzehnte waren geprägt von einer stetigen Ausweitung des Produktionsbereichs, vor allem durch Aufkäufe anderer Firmen. Von 1892 bis 1970 baute Deutz Lokomotiven, im Leistungsbereich von 4 PS bis 2000 PS; bis 1927 mit Ottomotoren, ab 1927 zunehmend mit Dieselmotorenantrieb. Ab 1897 baute man auch stationäre Dieselmotoren, zunächst in Lizenz von MAN. Die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG in Köln lieferte für das erste von der Firma August & Charles Greten in Luxemburg gebaute und mit Verbrennungsmotor angetriebene Feuerwehrfahrzeug der Welt den Antriebsmotor. Später erlangten die von Magirus-Deutz gebauten Feuerwehrfahrzeuge Weltruhm.Die Geschichte des deutschen Lkw-Baus, S. 60, 81. Weltbild-Verlag, 1994, ISBN 3-89350-811-2.
1906 startete der Versuch der Serienfertigung eines Automobils. Grundlage war eine Konstruktion von Bugatti. Im Zweigwerk Berlin sollten die großen Vierzylinder-Fahrzeuge gebaut werden. Bis 1909 wurden nur einige Versuchswagen hergestellt, und parallel entstand ein Rennwagen mit 1,3-Liter-Motor für den Italiener Ettore Bugatti. Das bekannteste Modell stellt jedoch der Deutz Prinz Heinrich Typ 9C aus dem Jahr 1909 dar. Insgesamt wurden aber nur einige wenige Personenwagen bis 1913 von Deutz gebaut.
1907 stieg Deutz mit den beiden Modellen, Deutz Pfluglokomotive (40-PS-Benzin-Motor) und dem Deutz Automobilpflug (25-PS-Benzin-Motor), die zum Betrieb verschiedener Ackergeräte und mit einer Riemenscheibe zum Antrieb von stationären Dresch- und Häckselmaschinen ausgestattet waren, sowie ab 1919 mit dem Deutz Trecker (40-PS-Benzin-Motor) in den Traktorenbau ein.
Während des Ersten Weltkriegs wurden 1916 von den damals 3400 Beschäftigten auch Lkw mit 5 Tonnen Nutzlast nach Plänen von Josef Vollmer gebaut. Neben Subventions-Lkw baute man auch den „Deutzer Trekker“ als Artilleriezugmaschine. 1927 begann man mit der Serienproduktion des MTH, des ersten Dieseltraktors von Deutz. Dieser konnte neben Dieselöl auch mit Erdöl, Gasöl, Paraffinöl und Petroleum betrieben werden. Für den Einsatz auf dem Feld war er nur bedingt geeignet. Diesen Mangel behob erst der zwei Jahre später vorgestellte MTZ, der 1931 die silberne Preismünze auf der DLG-Ausstellung in Hannover erhielt.
Die Agrartechnik wurde für lange Zeit zu einem der wichtigsten Standbeine der Firma. Zum Produktportfolio gehörten luft-, öl- und wassergekühlte Diesel- und Gasmotoren sowohl für den stationären als auch für den mobilen Einsatz. Der Leistungsbereich lag dabei zwischen 40 kW und 4 MW.
Motorenfabrik Deutz, Humboldt-Deutzmotoren (1921–1938) mini|Aktie über 1000 RM der Humboldt-Deutzmotoren AG vom Dezember 1930 mini|Deutz MTH 222, Bj. 1927–1930, 14 PS, Hubraum: 2.861 cm³, 1-Zylinder-(Vielstoff)-Dieselmotor mini|Deutz F1M 414 „Bauernschlepper“, Baujahr 1946, 1-Zylinder-Dieselmotor mit 11 PS, Hubraum: 1.100 cm³ 1921 wurde eine Interessengemeinschaft mit der Motorenfabrik Oberursel gebildet, wobei auch Flugzeugmotoren und Lkw-Motoren gebaut wurden. Das Werk Oberursel gehört heute zu Rolls-Royce Deutschland. Der Name änderte sich in Motorenfabrik Deutz AG.