Gersdorf ist eine Gemeinde des Landkreises Zwickau in Sachsen.
Geografie und Verkehr Die Gemeinde liegt in einem Tal entlang des Verlaufs des Hegebaches. An der südlichen Grenze des Ortes beginnt das Erzgebirge, Gersdorf selbst liegt im Erzgebirgischen Becken.
Parallel zur Ortslage verläuft die B 180, welche an der Grenze zu Oberlungwitz die B 173 kreuzt, durch das Gemeindegebiet. Die Gemeinde ist auch über die Anschlussstellen Hohenstein-Ernstthal und Wüstenbrand (A 4) sowie Stollberg-Ost und Stollberg-West (A 72) erreichbar. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich an den Strecken Dresden–Werdau und Stollberg–St. Egidien. Zwischen 1913 und 1960 führte die Überlandstraßenbahn Hohenstein-Ernstthal–Gersdorf–Oelsnitz durch den Ort.
Nachbargemeinden
Geschichte Gersdorf wurde um das Jahr 1169 als typisches Waldhufendorf gegründet. Dieses Datum ist jedoch fiktiv und kann urkundlich nicht bestätigt werden, es wurde zur Austragung einer 800-Jahr-Feier 1969 gewählt. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Gersdorfer Kirche im Jahr 1320, um diese Zeit kamen nachweislich fränkische Siedler ins Land. Das Waldhufendorf umfasste anfangs etwa 40 Bauernhöfe. Benannt wurde der Ort nach dem Lokator Gerhard oder Gerfried.
Mit dem Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert kamen die zum Herrschaftsbereich der Schönburger gehörenden Einwohner langsam in Erbuntertänigkeit. In derselben Zeit entstanden durch Grundstücksabtrennung von den Bauerngütern auch die ersten Häuslergrundstücke. Mehrfach hatte der Ort unter der Pest (1611–1613 und 1633) sowie Einquartierungen durchziehender Armeen (1639/1647 im Dreißigjährigen Krieg, 1756–1763 im Siebenjährigen Krieg, 1793/1795 im Ersten Koalitionskrieg, 1806/1807 im Vierten Koalitionskrieg sowie 1812/1813 im Befreiungskrieg) zu leiden. In der Mitte des 17. Jahrhunderts kam nach der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges die Heimweberei auf. Ab etwa 1730 wurde Baumwolle verarbeitet, ab 1739 sind auch Strumpfwirker nachgewiesen. Zu dieser Zeit begann auch eine stärkere Bautätigkeit, entlang der Hauptstraße und dem Hofgraben bildeten sich langsam eine geschlossene Bebauung.
Im 19. Jahrhundert brachte Steinkohlenbergbau im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier und Textilindustrie einen bedeutenden industriellen Aufschwung. Die Bauernbefreiung fand 1832 statt, einige Geldleistungen an den Adel blieben bis 1857 bestehen. Sowohl die erste Kirche als auch die erste 1724 erstmals erwähnte Schule befanden sich im Unterdorf. Ab 1862 wurde eine neue Kirche in Ortsmitte gebaut, die Einweihung fand 1865 statt. Ebenfalls entstanden im 19. Jahrhundert im Oberdorf mehrere teils behelfsmäßige Schulen. Ein zentraler Neubau – ebenfalls in Ortsmitte – wurde 1879/1880 errichtet, der 1899/1900 wegen der weiter stark gestiegenen Einwohnerzahl nochmals vergrößert werden musste.
mini|Einmündung Hofgraben in Hauptstraße (um 1910)
Der Ende der 1930er Jahre in Sachsen vorherrschende allgemeine wirtschaftliche Aufschwung erfasste den Ort nicht. Der Bergbau wurde 1944 in Gersdorf eingestellt, während die Textilindustrie bis in die DDR-Zeit hinein bestehen blieb. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort am 16. April 1945 von den Amerikanern besetzt. Aufgrund der kleinteiligen landwirtschaftlichen Struktur wurde die Bodenreform nach 1945 im Ort nicht durchgeführt, da es keine zu enteignenden Betriebe gab.
Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerzahlen seit 1998 beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres:
bis 1912 1493 – ~200 1683 – 380 1740 – 792
1845 – 1887 1861 – 2575 1871 – 2987 1885 – 5165 1900 – 7007 1905 – 7132 1908 – 7644 1909 – 7730 1912 – 7492bis 1998 1921 – 7829 1922 – 8006 1926 – 8037 1927 – 8132 1930 – 8196 1937 – 8078 1939 – 7851 1945 – 9907 1946 – 9253 1947 – 9240 1956 – 8256 1962 – 7742 1964 – 7441 1990 – 4742ab 1998 1998 – 4860 1999 – 4825 2000 – 4749 2001 – 4698 2002 – 4623 2003 – 4631 2004 – 4577 2005 – 4517 2006 – 4444 2007 – 4387 2008 – 4345 2010 – 4247 2012 – 4189 2013 – 4140ab 2018 2018 – 3988 2022 – 3793 2024 – 3659 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
Politik
Gemeinderat Nach der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 14 Sitze im Gersdorfer Gemeinderat wie folgt:
Kommunale Wählergemeinschaft: sechs Sitze AfD: drei Sitze CDU: zwei Sitze Freie Wähler Gersdorf: zwei Sitze Linke: ein Sitz +letzte GemeinderatswahlenWahlvorschlag202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Kommunale Wählergemeinschaft640,9853,6959,2AfD323,3115,2––CDU215,7––––Freie Wähler Gersdorf215,0212,8426,0Linke15,219,2110,4Grüne––19,2–4,4Wahlbeteiligung72,7 %64,9 %53,4 %
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2017 der parteilose Erik Seidel. Er gewann die Wahl gegen Steffen Kretzschmar (KWG). 2024 wurde er im Amt bestätigt. +letzte BürgermeisterwahlenJahrKandidatVorschlagErgebnis (in %)2024Erik SeidelSeidel52,7201758,22013Wolfgang StreubelKWG60,1200662,2[…]1994Günter LöfflerKWG G76,3
Gemeindepartnerschaft Mit der baden-württembergischen Gemeinde Altlußheim wird seit 1990 eine Partnerschaft gepflegt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Die Glückauf-Brauerei ist das wichtigste Unternehmen in Gersdorf. mini|Grundschule Gersdorf
Museen mini|Das Tetzner-Museum der GemeindeHeinz-Tetzner-Museum (in der Hessenmühle)
Regelmäßige Veranstaltungen Drei Faschingsveranstaltungen mit dem „Sportler-Fasching“ des GFK am Samstag nach Aschermittwoch als Abschluss Brauereifest am ersten Samstag im Juni Siedlerfest Internationale Seniorenschwimmmeisterschaften am zweiten oder dritten Juli-Wochenende Kirchturmfest jeweils Ende August oder Anfang September Kirmes am zweiten Oktober-Wochenende Modellbahnausstellung am 3. Adventswochenende sowie 2. und 3. Wochenende im Januar Pyramidenfest am dritten Advent
Sehenswürdigkeiten mini|Marienkirche Evang. Marienkirche, 1862–1865 von Carl August Schramm; mit großer Jehmlich-Orgel (1868/1913) Auf www.gemeinde-gersdorf.de, abgerufen am 6. November 2014 Bergbaulehrpfad Kunst- und Kulturzentrum Hessenmühle Glückauf-Brauerei
Naturschutz
Gedenkstätten Grabstätten und Gedenkstein auf dem Ortsfriedhof für Gersdorfer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus: Anton Decker, Georg Martin, Louis Selbmann und Walter Lange.
Sport In Gersdorf gibt es den Sportverein SSV Blau-Weiß Gersdorf mit etwa 1.000 Mitgliedern.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Gottlieb Bretschneider (1776–1848), Vertreter des Theologischen Rationalismus Ludwig Ettmüller (1802–1877), Germanist Detlef Hammer (1950–1991), Jurist und Offizier der Staatssicherheit der DDR Rainer J. Hocher (1948–2012), Lyriker und Schriftsteller Werner Kindler (1895–1976), HNO-Arzt und Hochschullehrer in Solingen, Berlin und Heidelberg Franz W. Leberl (* 1945), österreichischer Photogrammeter und Professor für maschinelles Sehen und Darstellen Jacqueline Montemurri (* 1969), Science-Fiction-Autorin, Dipl.-Ing. Luft- und Raumfahrttechnik Günther Müller (1925–2020), Dirigent und Musikwissenschaftler Günther Riedel (* 1928), Wirtschaftswissenschaftler, Hochschullehrer und Sachbuchautor Christian Friedrich Schultze (1944–2024), ehemaliger Volkskammer- und Bundestagsabgeordneter (SPD), Buchautor Heinz Tetzner (1920–2007), Maler und Grafiker, Träger des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse für sein Lebenswerk
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben Karl Heinrich Drescher (1867–1938), Abgeordneter der SPD im Sächsischen Landtag Johannes Hempel (1929–2020), Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens; wirkte hier von 1955 bis 1959 als Pfarrer Max Opitz (1890–1982), Mitbegründer der KPD-Ortsgruppe 1919
Literatur
Weblinks
Offizielle Website
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Zwickau Kategorie:Waldhufendorf Kategorie:Ersterwähnung 1320