mini|Historische Ansicht von Plaue, ca. 1907 mini|Liebfrauenkirche mini|Ehrenburg mini|Rathaus mini|Kapelle St. Sigismund miniatur|Plaue von der Kanzel aus gesehen (2017)
Die Stadt Plaue ist eine Landstadt im Ilm-Kreis in Thüringen an der Thüringer Porzellanstraße. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Geratal/Plaue an.
Geografie Plaue liegt etwa zehn Kilometer südlich der Kreisstadt Arnstadt. In Plaue entsteht die Gera aus dem Zusammenfluss von Zahmer Gera und Wilder Gera. Die Talhänge rund um Plaue bestehen aus Muschelkalk. So bildeten sich zahlreiche bizarre Gesteinsformen. Es gibt auch eine Karstquelle, den Spring von Plaue. Östlich der Stadt liegen die Reinsberge. Das Geratal zeichnet sich in der Umgebung von Plaue durch ein verhältnismäßig mildes Klima aus.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Arnstadt – Ilmenau – Martinroda – Geratal
Im Mittelalter wurden drei Dörfer in der Nachbarschaft Plaues aufgegeben. Die Gründe dafür lagen in den Kriegsereignissen der damaligen Zeit, aber auch in Pestepidemien begründet. Aufgegeben wurde Seigerode, ein Dorf im anschließend zu Dosdorf eingemeindeten Seiert, einem Nebental des Geratals. 1273 ging Quittendorf unter, eine Ansiedlung im Tal des Bettelsborns, auf der Schweinsberger Flur oberhalb vom 1414 erstmals erwähnten Dorf Kleinbreitenbach. Ebenfalls aufgegeben wurde die Dorfschaft, ein Ort, dessen Name nicht überliefert ist und der sich auf der heute gleichnamigen Flur zwischen Plaue und Gossel befand. Auf der Dorfschaft sind heute noch Kellerräume zu finden und die Zisterne im Wald, welche noch immer Wasser sammelt. Die Bewohner der Dorfschaft litten an Wassermangel, da es in diesem Gebiet keine Quellen gibt und damals keine Brunnen zu den sehr tiefen wasserführenden Schichten auf diesem Plateau gegraben werden konnten. Die Dorfbewohner hatten auch keine eigene Kirche und nutzten den noch heute so benannten „Kirchweg“ nach Plaue für den Kirchgang.
Stadtgliederung Zu Plaue gehören die drei Ortsteile: Stadt Plaue, zu diesem Ortsteil gehört auch der einen Kilometer östlich gelegene Ort Kleinbreitenbach Rippersroda, drei Kilometer südwestlich Neusiß, vier Kilometer südlich
Als einziger Ortsteil hat Neusiß eine Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung und damit einen Ortsteilrat und Ortsteilbürgermeister.
Name Im 10. oder 11. Jahrhundert erhielt der Ort von weit nach Westen vorgedrungenen Wenden seinen Namen. Darauf deutet der ursprünglich slawische Name Plawy hin. Plawy oder Plawe ist der altpolabische Flurname für den Ort, wo evtl. Holz geflößt wurde (plav = schwimmen, flößen, schwemmen).
Geschichte Plaue gehört zu den ältesten dauerhaft besiedelten Orten Deutschlands. Erste Ansiedlungen sind in der Steinzeit erfolgtChronik der Stadt Plaue, von Felix Georgi, 1927, Verlag: A. Frauendorff und seit der Bronzezeit sicher nachgewiesen. Beim Bau der Bahnstrecke Arnstadt-Ilmenau stieß man auf ein Hockergrab, das sich recht schnell als zu einer umfangreichen Grabanlage gehörend erwies. Dieses Gräberfeld erstreckte sich bis auf das Gelände der späteren Eisengießerei, wurde jedoch bisher nicht erschlossen. Die Funde aus der Steinzeit sowie die Sammlung von fossilen Versteinerungen aus dem Plaue umgebenden Muschelkalk gingen im April 1945 verloren, als US-Soldaten die Sammlung der plauschen Schule plünderten und zerstörten. Auf dem Reinsberg wurden die Reste einer keltischen Fliehburg gefunden, was ebenfalls auf eine sehr frühe Besiedlung hindeutet. Die Gründe für die frühe dauerhafte Besiedlung waren vermutlich die starken natürlichen Salzquellen nördlich der heutigen Stadt. Hier trat sehr salzhaltiges Wasser von allein an die Oberfläche. Diese Salzquellen führten im frühen Mittelalter zu einem großen Reichtum des Ortes, der sich mit diesen Geldern vermutlich auch das Stadtrecht erkaufte. Die Slawen (Angehörige der Wenden) siedelten zunächst nur am östlichen Ufer der Gera. Das Gelände wurde vermutlich wegen der wasserreichen Gegend, der Wiesen und Wälder und wohl auch wegen der Salzquellen gewählt. Der Name der heutigen Stadt Plaue geht auf ihre alte slawische Bezeichnung „Plawe“ zurück, was „Schwemmland“, „Fließen“ oder „Schwimmen“ bedeutet. In alten Aufzeichnungen heißt die „Wilde Gera“ „wendisch Ger“, was auch ihren Namen erklärt und dessen wendischen Ursprung zeigt. Der heute als „Zahme Gera“ bezeichnete Fluss hieß früher „Alte Gera“.
Nach dem Untergang des Thüringer Königreiches im Jahre 524 wechselten die Herrscher über Plaue oft. Plaue gehörte zum Längwitzgau, über dem ein Landgraf herrschte. Oft wechselten die Herrscher und im 8. Jahrhundert tritt auch die Abtei Hersfeld als Besitzer auf. Um 1200 existierten verschiedene Adelsfamilien in der Gegend um Plaue. In Plaue lebten Angehörige des Thüringer Uradels der Familie „von Witzleben/von Witzfeld“, welche auf dem Gelände der späteren Porzellanfabrik, die teilweise auf den Grundmauern des einstigen Vorwerks (Vorspann) erbaut wurde, ein Fuhrwerksgeschäft unterhielten und insbesondere Vorspann-Hilfe für die hinter Plaue beginnenden steilen Abschnitte der den Thüringer Wald überquerenden Handelswege leistete. Die Familie von Witzfeld besaß auch eine größere Schäferei auf dem auch heute noch „hinter der Schäferei“ bezeichneten Flurstück.
1008 errichteten slawische Christen eine Taufkapelle. Um 1200 entstand die Wehrkirche Kleinbreitenbach. Die erste urkundliche Erwähnung Plaues datiert auf das Jahr 1273. Zu dieser Zeit kam die Siedlung an die Grafen von Käfernburg-Schwarzburg, welche als Vögte das Land im Auftrag der Abtei Hersfeld verwalten sollten. Die Abtei Hersfeld hatten die Vögte als Schutzvögte eingesetzt, jedoch hatten sie keine echte Kontrolle über dieses zügellose Adelsgeschlecht, welches seine Macht schon bald missbrauchte und die Bauern schikanierte.
In einer Urkunde von 1273 ist das Dorf Plaue erstmals sicher erwähnt, aber auch die Herrschaft darüber durch die Kevernburger Grafen Günther VII. und Günther VIII., welche jeweils mit der halben Herrschaft über Arnstadt belehnt wurden (hierzu gehörte auch Plaue). Günther der VIII. erhielt im Jahre 1280 die halbe Grafschaft, da er sich mit seinem älteren Bruder so den Besitz teilte.
Von 1280 bis 1302 herrschte Graf Günther VIII. über den Ort und das Gebiet. Rudolf von Habsburg zerstörte zusammen mit einer Bürgerwehr aus Erfurt 1290 die Reinsburg, die sich zu einer Raubritterburg entwickelt hatte. Die Raubritter der Reinsburg bedrohten die wichtigen Fernhandelsrouten im Geratal und im Ilmtal über den Kamm des Thüringer Waldes.
Günther VIII. starb 1302 und hinterließ keine männlichen Erben und somit nach dem damals geltenden Erbrecht keinen Anspruch auf das Erbe. Adelheid und Irmgard, die Töchter und Erben Graf Günthers VIII., verkauften 1306 das Besitztum an die Grafen von Schwarzburg Heinrich VII., Herrn zu Blankenburg und Günther XII., Herrn zu Schwarzburg.
Heinrich der VII., der von 1285 bis 1326(?) regierte, war ein Freund des Deutschen Kaisers Ludwig IV. von Bayern. Als dieser ihn 1323 in Arnstadt besuchte, überredete er ihn, den Thüringer Landgrafen Friedrich von Thüringen (Ludwigs Schwiegersohn) zu bitten, ihm zu erlauben, in Plaue eine Burg zu erbauen. Diese Erlaubnis erteilte Friedrich von Thüringen Heinrich VII. am 12. Juli 1324. Die Urkunde ist im Staatsarchiv erhalten. Urkunden belegen, dass am 13. März 1335 das Dorf Plaue durch Kaiser Ludwig von Bayern Marktrecht erhielt. Das genaue Datum der Erlangung des Stadtrechtes ist jedoch unbekannt. 1336 erhielt Plaue das Zollrecht. Zusammen mit dem Marktrecht ergab sich daraus das Stadtrecht. Andere Deutungen verweisen jedoch auf das in einen Stein unterhalb der Burg eingemeißelte Datum 1345 als das Datum der Erlangung des Stadtrechts. Belegt ist dies jedoch nicht. Ein Zusammenhang dieses eingemeißelten Datums mit der Erlangung des Stadtrechtes erscheint eher unwahrscheinlich, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass auf diesem Stein unterhalb der Burg das Jahr eingemeißelt wurde, in dem der Bau der Burg begann.
Das Stadtwappen zierte ein aufgerichteter goldener Löwe auf blauem Grund.
Heinrich der VII. fiel bei der Verteidigung der Mark Brandenburg 1326, möglicherweise schon 1324 und ist in Berlin begraben. Es ist deshalb mehr als wahrscheinlich, dass er zum Zeitpunkt des Burgenbaus gar nicht mehr vor Ort war. Das Land fiel an seine Söhne Heinrich X. und Günther XXI.
Auf Grund der häufigen Überschwemmungen begannen die Bewohner schließlich, sich oberhalb des linken Ufers am Fuße des heutigen Hausberges niederzulassen und auf dem Berg die Ehrenburg zu bauen.
1276 war die Grundsteinlegung der Liebfrauenkirche (genauer: Kirche „Zur lieben Frauen“). Sie entstand auf den Mauern einer älteren slawischen Kapelle. Um sie herum gab es ein Mönchskloster. Die Mönche brachten den Weinanbau und den Färberwaidanbau nach Plaue. Mit der Verlagerung des Dorfes auf den Hausberg verlor das häufig von Überschwemmungen heimgesuchte Gebiet um die Kirche aber an Bedeutung. Nach der Reformation wurde die Kirche nach Westen hin deutlich vergrößert; um das Jahr 1700 wurde sie stark umgebaut. Der Turm, der bisher eher dem einer kleinen Wehrkirche ähnelte, wurde wesentlich vergrößert und in seiner Höhe verdoppelt. Die alte Kirche beschränkte sich faktisch auf den heutigen Altarsraum. Der Altarschrein stammt nach Aussage von Professor Overmann, einem Kunsthistoriker aus Erfurt, aus dem Jahr 1420. Im Kirchturm hingen zwei Glocken. Die größere hatte einen Durchmesser von 75 cm und eine Höhe von einem Meter. Sie wog 7,5 t. Unter dem Schwarzburger Landeswappen stand „Gott zur Ehre!“ und „Töne viel für Freuden, wenig für Leiden!“. Oben, am Helm, stand: „Gegossen von Cristian, August Maier in Rudolstadt, 1827“. Diese Glocke wurde am 22. Juni 1917 auf Befehl des Armeekommandos abgenommen und eingeschmolzen, ebenso die Orgelpfeifen. Im Jahre 1920 wurde die Glocke ersetzt. Die Höhe der Glocke beträgt heute 75 cm, ihr Durchmesser 1 m. Ihre Inschrift lautet: „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Die kleinere Glocke stammt von 1772. Ihre Inschrift lautet: „Anno 1772 goß mich W. Barth in Erfurth.“
Die heute aufgegebene Kapelle „Sankt Sigismundi“ auf dem Hausberg ist jünger als die Hauptkirche. Ihre erste Erwähnung in einer lateinischen Urkunde datiert am 16. März 1369. Die Kapelle verfiel zusammen mit der Burg in ihrer Nähe im ausgehenden Mittelalter aber wieder und wurde 1730 auf ihren alten Grundmauern neu erbaut. Das Datum ist über dem Südeingang der Kirche in Stein gehauen. Um 1800 wurde sie generalsaniert, dennoch aber nur in den Sommermonaten für evangelische Gottesdienste genutzt. Der Altarschrein zeigt unter anderen Schwarzburger Adelsgeschlechter um das Jahr 1500. Die kleine Glocke von 53 cm Durchmesser und 600 kg Gewicht wurde am 6. Juni 1917 herabgeholt und später eingeschmolzen. Sie trug die Inschrift: „Ich gehöre der Kirche St. Sigismundi. Ich töne – ich töne, so möge mein Ruf tief in Eure Herzen dringen. Gegossen von Franz Meyer in Rudolstadt 1834“. Die neue Glocke trägt die Inschrift: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“.