Die Schlachten am Monte Cassino waren vier unabhängige alliierte Angriffsoperationen zur Gewinnung eines Durchbruchs in der deutschen Abwehrstellung „Gustav-Linie“ zwischen dem 17. Januar und 18. Mai 1944. Wegen ihrer Dauer von vier Monaten gelten sie als eine der längsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges mit schweren Verlusten auf beiden Seiten.

Ausgangslage Nach der erfolgreichen Landung der westlichen Alliierten auf Sizilien im Juli 1943 wurde 1944 die Invasion des italienischen Festlands in Gang gesetzt, um die deutschen Armeen auch von Süden her in Bedrängnis zu bringen (siehe auch Operation Shingle und Operation Avalanche). Nach dem Abschluss eines Waffenstillstandes zwischen den Alliierten und Italien am 8. September baute die Wehrmacht ihre Truppenpräsenz im Land weiter aus. Hitler war entschlossen, den Vormarsch der Amerikaner und Briten noch in Mittelitalien zu stoppen. Eine Schlüsselposition hierfür war das Tal des Liri, dort wollte man den Weg nach Norden blockieren. Das Gelände ist eingezwängt von Bergen und nur schwer einzunehmen. Vor allem der Monte Cassino bereitete den alliierten Kommandeuren großes Kopfzerbrechen. Die schroffen Berge und mehrere Flüsse behinderten den Vorstoß ihrer hochmotorisierten Armee. Es gab in der Region zudem nur wenige feste Straßen, die meisten waren nur für Pferdefuhrwerke geeignet. Im Herbst wurden sie wegen starker Regenfälle unpassierbar und mussten danach jedes Mal erneuert werden. Die Alliierten ahnten, dass die Deutschen sie bereits erwarteten, wussten aber nicht, dass sie das Gebiet bereits in eine tödliche Falle verwandelt hatten. Man hatte drei Verteidigungslinien angelegt. Es handelte sich um die sog. Winterstellung, deren wichtigste die besonders stark befestigte Gustav-Linie war. Die Verteidiger hatten das Gelände gut vorbereitet, sodass die Angreifer für sie ein leichtes Ziel waren. Die wenigen Straßen wurden vermint, so konnte man die alliierten Vorstöße in die gewünschte Richtung lenken. Auch die Flüsse waren perfekte Barrieren: Sie wiesen durchwegs eine starke Strömung auf, waren eiskalt, sehr tief und ihre Uferbereiche boten den Soldaten nur wenig Deckung.Janusz Piekalkiewicz: Der Zweite Weltkrieg. Komet 1994, S. 632, ISBN 978-3-430-17479-4

Gustav-Linie Anfang Januar 1944 hatte die 5. US-Armee unter Generalleutnant Clark die Gustav-Linie entlang des Garigliano erreicht und war dort bald auf heftigen Widerstand des deutschen XIV. Panzerkorps unter General von Senger und Etterlin getroffen. Aus operativen Gründen waren die deutschen Verteidigungsstellungen im Westen am stärksten ausgebaut, denn das Vordringen der Alliierten durch das Liri-Tal in Richtung der italienischen Hauptstadt Rom sollte unbedingt verhindert werden. Tatsächlich kam der amerikanische Vorstoß trotz enormer Übermacht an Menschen und Material vor der Stadt Cassino zum Stillstand.

Kloster Monte Cassino Auf dem 516 Meter hohen Gipfel des Monte Cassino steht ein bedeutendes, ursprünglich im Jahr 529 von Benedikt von Nursia gegründetes Kloster. Seine exponierte Lage mit ausgezeichneter Sicht über das Liri-Tal, nach Süden entlang des Garigliano, nach Südosten auf die Stadt Cassino und die Ebene davor und auch nach Nordosten bietet die Möglichkeit, alles zu beobachten, was im weiten Umfeld des Berges vor sich geht. Die über die Jahrhunderte ausgebaute, auch architektonisch sehr wertvolle Klosteranlage beherbergte zudem eine umfangreiche Bibliothek und eine große Sammlung historischer Gemälde.

Sowohl auf alliierter als auch auf deutscher Seite war man sich der besonderen Bedeutung einiger religiöser Stätten in Italien und der darin aufbewahrten kulturellen und religiösen Objekte durchaus bewusst.

Aus diesen Gründen hatte der deutsche Oberbefehlshaber in Italien, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, befohlen, das Benediktinerkloster nicht in die deutschen Stellungen einzubeziehen. Die deutschen Fallschirmjäger legten daher ihre Verteidigungsstellungen 300 Meter von seinen Gebäuden entfernt in den Berghängen an. Seine Entscheidung ließ Kesselring auch dem alliierten Kommandostab zukommen. Dieser hielt Kesselrings Mitteilung jedoch für eine Kriegslist, man fand aber während der Kämpfe und auch danach keine stichhaltigen Belege für die Anwesenheit deutscher Truppen im Kloster.Ronald Schaffer: Wings of judgment – American Bombing in World War II, Oxford 1985, ISBN 0-19-505640-X, S. 51ff. Später bestätigte auch der Erzabt, dass die Deutschen ihr Wort gehalten hatten:

Kräfteverhältnis Bei Beginn des Kampfes um die Bernhard- und dann die Gustav-Linie standen sich in Mittelitalien die britische 8th Army und die US-amerikanische 5th Army auf der einen Seite und die 10. Armee und 14. Armee auf der deutschen Seite gegenüber. Wobei die 10. Armee die gesamte Frontlinie hielt und die 14. Armee den Raum Rom, das Hinterland und die westliche Küste überwachte. Die 8th Army griff die deutschen Linien im Nordosten nördlich des Städtchens Alfedena an. Die Front südlich von Alfedena wurde von der 5th Army geführt.

Zur Beurteilung des Kräfteverhältnisses bei Beginn der Schlachten im Raum Cassino sind deshalb die 10. Armee und die 5th Army zu betrachten.

10. Armee

XIV. Panzerkorps: 5. Gebirgs-Division – 15. Panzergrenadier-Division – 44. Grenadier-Division – 71. Infanterie-Division – 94. Infanterie-Division – Panzer-Division Hermann Göring LXXVI. Panzerkorps Reserve: 29. Panzergrenadier-Division – 90. Panzergrenadier-Division

5th Army

US VI Corps Br. X Corps: Br. 5th Infantry Division – Br. 56th Infantry Division – Br. 46th Infantry Division – Br. 23rd Armoured Brigade US II Corps: US 34th Infantry Division – US 36th Infantry Division – Combat Command B – 1st US Armoured Division Corps Expéditionnaire Francais: 2ème Division d’Infanterie Marocaine – 3ème Division d’Infanterie Algérienne

Kämpfe am Garigliano und am Rapido mini|Angriff über den Garigliano und am Rapido am 17. Januar 1944

Vorstoß des amerikanischen II Corps an den Rapido 3.–16. Januar (II US Corps) Südöstlich und östlich von Cassino hatte das II US Corps kurz nach der Jahreswende noch nicht die idealen Ausgangsstellungen für den Angriff ins Liri-Tal und über den Lauf des Rapido erreicht. Am 3. Januar begannen die Angriffe der 1st Special Service Force, des 133rd Infantry Regiment, der 34th US Division und des 135th Infantry Regiment.

Operation Panther – Übergang über den Garigliano 17.–28. Januar (Brit. X Corps) Am 17. Januar 1944 startete die 5. US-Armee ihre Angriffe auf die deutschen Stellungen. An ihrem linken Flügel, der bis zur Küste verlief, setzte das britische X. Korps unter General McCreery mit der 5th Infantry Division über den Garigliano und warf die deutsche 94. Infanterie-Division am folgenden Tag aus dem Ort Minturno. Angriffe der britischen 56th (London) Division auf Castelforte und spätere Versuche der 46th (North Midland) Division, den Garigliano am Flussknie zu überwinden, scheiterten wegen des Eingreifens der deutschen Reserven, der 29. Panzergrenadier- und 90. Panzergrenadier-Division.

Angriff der 36th Infantry Division über den Unterlauf des Gari 20.–22. Januar (II US Corps) Am Hauptangriffspunkt ließ Clark das II. US-Korps unter Generalmajor Keyes zu einem Frontalangriff antreten: Links sollte die 36. US-Division unter Generalmajor Walker den direkten Zugang im Liri-Tal in Richtung auf die Via Casilina (Route 6) erzwingen, rechts wurde die 34. US-Division unter Generalmajor Ryder zur nördlichen Umfassung des Cassinoberges über den Monte Castellone und den Monte Maiola in Marsch gesetzt. Der südlichere Vorstoß blieb wegen des Widerstands der deutschen 15. Panzergrenadier-Division ohne nennenswerten Erfolg liegen und brachte den angreifenden US-Einheiten nur hohe Verluste ein. Die aus Österreichern bestehende 44. Grenadier-Division unter Generalleutnant Franek konnte den Monte Cassino und das Cairo-Massiv halten, die nördlich daran anschließende 5. Gebirgs-Division unter General Ringel hielt am Monte Croce auf einer Höhe von 1074 Metern und am Monte Cifalco erfolgreich stand. Am 25. Januar griff die 34. US-Division neuerlich an und versuchte am Rocca Janula durchzubrechen.

Operation Shingle – 22. Januar – 25. Mai

Um die Durchbruchsbemühungen der Alliierten zu unterstützen, landeten am Morgen des 22. Januar britische und amerikanische Truppen in der Stärke von etwa zwei Divisionen nordwestlich hinter den deutschen Linien im Raum Anzio–Nettuno und nur etwa 50 Kilometer südlich von Rom. Das zögerliche Handeln des amerikanischen Befehlshabers dieser Operation ermöglichte es dem deutschen Oberkommando, einen sofortigen Ausbruch aus dem Landungskopf in die Tiefe des Landes durch das Heranführen von eigenen Kräften zu verhindern. Damit war die mit der Landung verbundene Gefahr für die deutschen Kräfte in der Gustav-Linie erst einmal abgewendet und die deutschen Kräfte konnten diese Linie weiter verteidigen.

Erste Schlacht – Angriff des Corps Expéditionnaire Français Das freiwillige Französische Corps unter General Juin unterstützte am rechten Flügel durch Angriffe gegen den Monte Belvedere. Am 28. Januar musste die abgekämpfte 44. Grenadier-Division durch die am Garigliano freigemachte 90. Panzergrenadier-Division abgelöst werden, welche die Abwehr von Cassino bis zum Secco-Tal übernahm. Die Amerikaner zogen sich nach ihrer tagelang anhaltenden Daueroffensive vor Cassino zurück und wurden ab 12. Februar durch das 2. neuseeländische Korps unter Generalleutnant Bernard Freyberg abgelöst.

Zweite Schlacht – Operation Avenger Für die Operation Avenger, die am 15. Februar beginnen sollte, sah General Freybergs Plan wieder einen direkten Angriff gegen die Cassino-Stellung vor. Aus dem Norden sollte die indische 4. Division unter Brigadegeneral Dimoline entlang des Bergrückens vorgehen und im Südosten hatten die Neuseeländer entlang der Eisenbahnlinie und des Bahnhofs über den Rapido vorzustoßen. Für diesen Angriff direkt südlich von Cassino verlangte der Kommandeur der neuseeländischen 2. Division, Generalmajor Kippenberger, die Bombardierung der deutschen Stellungen und des Klosters, in dem – ohne Beleg – eine deutsche Funkstation vermutet wurde. In der Tat war das Kloster nicht von deutschen Einheiten besetzt worden. Eine weiträumige Umgehung von Cassino, welche das Kloster militärisch unbedeutend gemacht hätte, kam für General Alexander, den alliierten Oberbefehlshaber der XV. Heeresgruppe, nicht in Betracht.

Zerstörung des Klosters mini|alt=|Verladung der in Holzkisten verpackten Kunstwerke auf LKW mini|Die Zerstörung des Klosters am 15. Februar 1944

In der Zwischenzeit hatte der Oberbefehlshaber der deutschen 10. Armee, Generaloberst Heinrich von Vietinghoff die 1. Fallschirmjäger-Division unter Generalleutnant Richard Heidrich mit der Verteidigung der Stadt und des Berges betraut. Die hier übergeordnete Befehlsführung oblag dem Generalkommando des LI. Gebirgskorps unter dem General der Gebirgstruppe Feurstein.