mini|hochkant|Jonathan Edwards Jonathan Edwards (* 5. Oktober 1703 in East Windsor, Kolonie Connecticut; † 22. März 1758 in Princeton, Provinz New Jersey) war ein britischer kongregationalistischer Prediger, Missionar und eine wichtige Persönlichkeit in der Erweckungsbewegung des First Great Awakening.
Familie und Verwandtschaft mini|Gravur von Jonathan Edwards von R. Babson und J. Andrews Der Großvater von Jonathan Edwards mütterlicherseits, Solomon Stoddard, war schon Pfarrer in Northampton.
Der Vater von Jonathan Edwards war der Pfarrer Timothy Edwards (1669–1758), seine Mutter war Esther Stoddard Edwards (1672–1770).Iain H. Murray: Jonathan Edwards: Ein Lehrer der Gnade und die Grosse Erweckung. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86699-306-8, Appendix A und B.Patricia J. Tracy: Jonathan Edwards, Pastor. Religion and Society in Eighteenth-Century Northampton. Hill and Wang, New York 1980, ISBN 0-8090-6195-3, S. 54. Timothy Edwards war Harvard-Absolvent und arbeitete als Pastor in Windsor, nachdem er am 6. November 1694 Esther Edwards Stoddard geheiratet hatte. Esther Edwards Stoddard war eine Tochter von Pastor Solomon Stoddard.Patricia J. Tracy: Jonathan Edwards, Pastor. Religion and Society in Eighteenth-Century Northampton. Hill and Wang, New York 1980, ISBN 0-8090-6195-3, S. 52.
Jonathan Edwards wurde am 5. Oktober 1703 in East Windsor in der Kolonie Connecticut geboren. Er hatte zehn Schwestern, bekannt sind: Esther Edwards Hopkins (1695–1766), Elisabeth Edwards Huntington (1697–1733), Ann Edwards Elsworth (1699–1790), Mary (1701–1776), Eunice Edwards Backus (1706–1778), Abigail Edwards Metcalf (1707–1764), Jerusha (1710–1729), Hannah Edwards Wetmore (1713–1773), Lucy (1715–1736) und Martha Edwards Tuttle (1718–1794). (25. April 1998, englisch, abgerufen am 29. März 2026) Die meisten waren später mit einem Pfarrer verheiratet.Iain H. Murray: Jonathan Edwards: Ein Lehrer der Gnade und die Grosse Erweckung. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86699-306-8, Appendix B.
Timothys Vater war Richard Edwards (1647–1718).Iain H. Murray: Jonathan Edwards: Ein Lehrer der Gnade und die Grosse Erweckung. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86699-306-8, S. 31. Er stammte ursprünglich aus Wales und war ein erfolgreicher Küfer und Händler in Hatfield, Massachusetts. Richards Vater seinerseits, also der Großvater von Jonathan Edwards mütterlicherseits, war William Edwards (1618–1680), der Sohn von Ann Edwards, die in zweiter Ehe mit James Coles verheiratet war. In der Gruppe um Thomas E. Hooker II. (1586–1647), welche 1636 in Hartford das Zentrum der Connecticut-Kolonie gründeten, waren auch die verwitwete Ann und ihr Sohn William dabei. Ann arbeitete vor der Auswanderung zeitweise für den Haushalt von Elisabeth I. Ihr erster Mann war Richard Edwards (1590–1625), Pastor und Lehrer in London.Iain H. Murray: Jonathan Edwards: Ein Lehrer der Gnade und die Grosse Erweckung. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86699-306-8, S. 31f. Ihr Sohn William hatte viermal geheiratet. Aus der Ehe mit Agnes Heane Harris Spencer (1604–1680) wurde der Sohn Richard Edwards geboren, der Großvater von Jonathan Edwards.
Der Geburtsort von Jonathan Edwards war East Windsor Hill. In Windsor wurde 1633 das erste Siedler-Haus von Connecticut gebaut.Iain H. Murray: Jonathan Edwards: Ein Lehrer der Gnade und die Grosse Erweckung. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86699-306-8, S. 30. Der Ort ist im National Register of Historic Places aufgeführt (abgerufen am: 27. März 2012). und war damals ein Teil der Gemeinde Windsor. Aufgrund der Gemeinde-Teilungen gehört East Windsor Hill heute zu South Windsor (Connecticut).
Am 28. Juli 1727 heiratete Jonathan Edwards Sarah Pierpont (1710–1758), Tochter von Yale-Mitbegründer James Pierpont (1659–1714). Zu dessen Nachfahren gehören u. a. der Bankier John Pierpont Morgan und James Lord Pierpont, dem Komponisten des Liedes Jingle Bells. Der Familienname stammt ursprünglich aus Holme-Pierrepont in Nottinghamshire, England. James Pierponts dritte Frau und Mutter von Sarah war Mary Pierpont Hooker (1673–1740), Tochter von Reverend Samuel Hooker (ca. 1634–1697) und Enkelin von Thomas E. Hooker II., des Chefgründers der Connecticut-Kolonie.
miniatur|150px|links|Jonathan Edwards Jr. Sarah Edwards Pierpont brachte drei Knaben und acht Mädchen zur Welt: Sarah Edwards Parsons (1728–1805), Jerusha (1730–1748), Esther Edwards Burr (1732–1758), Mary Edwards Dwight (1734–1807), Lucy Edwards Woodbridge (1736–1786), Timothy (1738–1813), Susanna Edwards Porter (1740–1803), Eunice (1743–1822), Jonathan Edwards Junior (1745–1801), Elizabeth (1747–1762) und Pierpont (1750–1826). (25. April 1998, englisch, abgerufen am 29. März 2026)
Die Nachfahren von Jonathan Edwards haben ihren Söhnen häufig die Namen Jonathan, John und Timothy gegeben. Aus Jonathan Edwards Familie entstammen viele Geistliche. Jonathan Edwards jr. (1745–1801) wurde Pastor und Linguist in verschiedenen irokesischen und algischen Sprachen sowie in der linguistischen Klassifikation der neuen Welt. Zudem amtierte er als Präsident des Union College in Schenectady, New York.
Gemäß einer Untersuchung von Albert E. Winship bis zum Jahr 1900 gibt es unter den Nachfahren von Jonathan Edwards 13 Präsidenten in Institutionen des höheren Bildungswesens, 65 Professoren und viele andere wichtige Persönlichkeiten.George M. Marsden: Jonathan Edwards. A Life. Yale University Press, New Haven 2003, ISBN 978-0-300-10596-4, S. 500f. Jonathan Edwards’ Sohn Pierpont Edwards (1750–1826) saß im Kontinentalkongress und wurde US-Bundesrichter. Dessen Sohn Henry W. Edwards (1779–1847) war Gouverneur von Connecticut, Senator und Kongressabgeordneter. Einer von Jonathans Enkeln, Timothy Dwight IV. (1752–1817), wurde 1795 Präsident des Yale CollegeGeorge M. Marsden: Jonathan Edwards. A Life. Yale University Press, New Haven 2003, ISBN 978-0-300-10596-4, S. 499. (seine Mutter war Jonathans Tochter Mary Edwards (1734–1807)). Ein anderer Enkel, Aaron Burr jr. (1756–1836), war Vizepräsident der USA von 1800 bis 1804. Seine Mutter war Esther Edwards Burr, die Tochter von Jonathan Edwards.
Ausbildungszeit Der Vater Timothy Edwards erkannte die sehr vielversprechende intellektuelle Begabung von Jonathan schon sehr früh. Die Eltern erzogen Jonathan schon früh zu einem disziplinierten und korrekten Lebensstil. Schon mit elf oder zwölf Jahren hatte Jonathan neben dem Latein u. a. auch das Werk von Isaac Newton über Optik durchgearbeitet. Am 10. Mai 1716 schrieb er als gut Zwölfjähriger einen Brief an seine Schwester Mary, in dem es um Erweckung und erfahrene Krankheiten geht. Es ist der erste Brief, der von ihm überliefert wurde.Stephen Nichols: Jonathan Edwards und die Erweckungsbewegung des First Great Awakening, Website ligonier.org (6. Mai 2025, abgerufen am 29. März 2026) Kurz vor dem vollendeten 13. Lebensjahr (1716)Perry Miller: Jonathan Edwards. (Nachdruck der Ausgabe von 1949). University of Nebraska Press, Lincoln NE 2005, ISBN 0-8032-8307-5, S. 5. nahm Jonathan Edwards das Studium der Theologie an einer 1706 gegründeten Kollegiatenschule (englisch: Collegiate School of Connecticut) auf, die 1716 von Saybrook (Connecticut) (heute Deep River (Connecticut)) nach New Haven (Connecticut) umsiedelte und seit 1718 unter der Bezeichnung Yale College bekannt ist. (Der Begriff Yale University stammte erst von 1887). Jonathan Edwards graduierte als Erster seiner Klasse im September 1720 zum Bachelor of Arts in Theologie.Niko Derksen: Der begnadete Erweckungsprediger, Missionswerk Voice of Hope, Website voh-missionswerk.de (10. Januar 2023, abgerufen am 29. März 2026) Während der Zeit der Reifung war sich Jonathan nicht immer sicher, ob er als Pastor amtieren würde.Patricia J. Tracy: Jonathan Edwards, Pastor. Religion and Society in Eighteenth-Century Northampton. Hill and Wang, New York 1980, ISBN 0-8090-6195-3, S. 52f. Jonathan Edwards schreibt über sich, dass er erst mit 18 Jahren den wirklichen Glauben an Gott erfasst habe:
1722 zog Jonathan Edwards nach New York, wo er seine erste Stelle als Pfarrhelfer in einer schottischen presbyterianischen Gemeinde in der William Street antrat.Perry Miller: Jonathan Edwards. (Nachdruck der Ausgabe von 1949). University of Nebraska Press, Lincoln NE 2005, ISBN 0-8032-8307-5, S. 38. Dort blieb er acht Monate, wollte aber nicht bleiben und nach zwei weiteren Monaten Haus-Studium ging er nach Yale zurück. Zunächst wollte er einem Ruf nach Bolton (Connecticut) folgen, als eine Anfrage von Yale eintraf.
Der Yale-Rektor Timothy Cutler (1684–1765) gab zusammen mit zwei Tutoren und vier Geistlichen am 12. September 1722 zum Entsetzen der Allgemeinheit ihren Wechsel zur Church of England und damit zur Episkopalkirche bekannt. Cutler wurde daraufhin entlassen und wechselte an die Christ Church in Boston. Edwards war in Yale vom 21. Mai 1724 an Tutor und blieb bei seinen calvinistischen Ansichten. 1726 wurde Edwards Cousin, Elisha Williams (1694–1775), der Sohn von William Williams sr. (ca. 1665–1741) (Schwiegersohn von Solomon Stoddard), zum Rektor gewählt und blieb in diesem Amt bis 1739. Unter Elisha Williams hatte Jonathan Edwards in Wethersfield (Connecticut) einige Jahre zuvor studiert, als die Kollegschule noch an verschiedenen Orten organisiert war. Zeitgenössische Kritiker hatten Harvard kritisiert, dass die älteste neuenglische Hochschule in den Latitudinarismus und Yale sogar in den Enthusiasmus abgleiten würde (Enthusiasmus war ein verächtlich gemeintes Wort, mit welchem viele Puritaner die Antinomisten und die Quäker bezeichneten).Perry Miller: Jonathan Edwards. (Nachdruck der Ausgabe von 1949). University of Nebraska Press, Lincoln NE 2005, ISBN 0-8032-8307-5, S. 143. Dies wurde verstärkt, als Yale eine Schenkung von 880 wertvollen Büchern entgegennahm und damit an die öffentlich viel diskutierte Kontroverse einer anglikanisch angehauchten Bücherschenkungs-Episode von 1714 erinnerte.Perry Miller: Jonathan Edwards. (Nachdruck der Ausgabe von 1949). University of Nebraska Press, Lincoln NE 2005, ISBN 0-8032-8307-5, S. 5–8.
Northampton Am 15. Februar 1727 wurde Jonathan Edwards ordiniert, um von seinem Großvater Solomon Stoddard die Leitung der kongregationalistischen Kirchgemeinde in Northampton (Massachusetts) zu übernehmen. Die Stadt wurde 1654 gegründet und hatte zur Zeit der Amtsübernahme von Edwards über 200 Familien. Es hätte auch viele andere gute Persönlichkeiten für dieses Amt gegeben, aber auf Jonathan Edwards ruhten aufgrund seines Werdegangs am meisten Hoffnungen.Patricia J. Tracy: Jonathan Edwards, Pastor. Religion and Society in Eighteenth-Century Northampton. Hill and Wang, New York 1980, ISBN 0-8090-6195-3, S. 51.
Am 29. Oktober 1727 wurde Neuengland von einem heftigen Erdbeben erschüttert, das Tote, Verletzte und viele zerstörte Häuser verursachte. Die Kolonisten strömten darauf in die Kirchen.George M. Marsden: Jonathan Edwards. A Life. Yale University Press, New Haven 2003, ISBN 978-0-300-10596-4, S. 121.usgs.gov: (englisch)http://edwards.yale.edu/archive?path=aHR0cDovL2Vkd2FyZHMueWFsZS5lZHUvY2dpLWJpbi9uZXdwaGlsby9nZXRvYmplY3QucGw/Yy4xMzoxMS53amVv (abgerufen am: 10. April 2012). Northampton war ab 1731 ein sehr wichtiger Ort in der Erweckungsbewegung, die vor allem ab 1740 als das sogenannte Great Awakening bekannt ist.