mini|Anbau auf einer Farm in New South Wales (2017) Die Gartenerdbeere (Fragaria × ananassa, Synonym: Fragaria × magna), Ananas-Erdbeere oder auch Kulturerdbeere ist eine Nutzpflanze aus der Gattung der Erdbeeren (Fragaria). Den Namenszusatz Ananas (bzw. ananassa) bekam die Pflanze, da sie in Form, Geruch und Geschmack an eine Ananas erinnere. Die Elternarten dieser Arthybriden stammen vom amerikanischen Kontinent.

Abstammung mini|Erdbeerblüte Die Gartenerdbeere entstand im 18. Jahrhundert in Europa aus der zufälligen Kreuzung der beiden amerikanischen Erdbeerarten Fragaria chiloensis (Chile-Erdbeere) und Fragaria virginiana (Scharlacherdbeere). Sie ist genau wie ihre Stammarten oktoploid (8n=56). Der Chromosomensatz hat die Zusammensetzung AAA'A'BBB'B', wobei die A-Chromosomensätze den Chromosomensätzen der Walderdbeere (Fragaria vesca) ähneln und die B-Chromosomensätze Verwandtschaft mit der Fragaria iinumae erkennen lassen. Wann und wo die Oktoploidie der Ausgangsarten entstand, ist unbekannt.

Aus der Urform der Gartenerdbeere wurden viele Sorten gezüchtet. Die Art wurde auch zu weiteren Artkreuzungen verwendet. Fragaria × vescana ist eine Kreuzung der oktoploiden Gartenerdbeere mit einer Walderdbeere (Fragaria vesca) mit verdoppeltem Chromosomensatz. Die resultierende Arthybride hat zehn Chromosomensätze (dekaploid).

Anbau mini|Breuningsweilers heutiges Wappen stammt aus dem 20. Jahrhundert und spielt auf den Erdbeeranbau an Der kommerzielle Anbau in Deutschland begann um das Jahr 1840 in Staufenberg in der Nähe von Baden-Baden. Etwa 1.000 Sorten stehen den Anbaubetrieben zur Verfügung, nur wenige entsprechen jedoch den Anforderungen des Handels, der Wert auf große und ansehnliche Früchte legt, die transportfähig und nur wenig anfällig gegenüber Grauschimmelfäule sind. Fragen des Aromas treten demgegenüber oft in den Hintergrund.

Im Freiland erfolgt der kommerzielle Anbau von Erdbeeren überwiegend in Einzelreihen im Flachfeld.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 61. Der Reihenabstand beträgt 0,80 m bis 1,0 m und der Abstand der Pflanzen in der Reihe liegt bei 20–40 cm. Zunehmend werden Erdbeeren auch auf kleinen Dämmen kultiviert, die mit einer sog. Mulchfolie überzogen sind.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 103–105. Hauptvorteil ist hier die bessere Wurzelgesundheit bei schwierigen, vor allem tonigen oder nassen, Böden. Die Standzeit der Pflanzen beträgt meist nur ein oder zwei Jahre.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 96. Der Raum zwischen den Reihen wird in der Blütezeit mit Stroh abgedeckt, um die Früchte vor Verschmutzung und Fäulnis zu schützen.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 91.

Verschiedene Anbautechniken dienen der Streckung des Angebotszeitraumes: Dazu zählen die Überdachung mit Wandertunneln, das Aufstellen von Minitunneln, das Abdecken mit Vlies, Lochfolie oder einer Kombination von Beidem, das Abdecken mit Stroh und die Terminkultur.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 98, S. 124J.F. Hancock: Strawberries. CABI Publishing, Oxon 1999, ISBN 0-85199-339-7, S. 122.

Wandertunnel sind einfache Folienhäuser, die jährlich auf- und abgebaut werden. Der Verfrühungseffekt beträgt ca. 15–20 Tage. Es ist ein verhältnismäßig aufwendiges Verfahren, durch die Überdachung haben die Pflanzen aber auch einen Witterungsschutz. Der Flächenanteil in Deutschland ist steigend.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 124. Vliesabdeckung von Vegetationsbeginn bis Anfang Blüte verfrüht die Ernte um gut eine Woche. Wird zusätzlich eine Lochfolie aufgedeckt, gewinnt man noch einmal drei Tage. In klimatisch frühen Anbaugebieten ist die Vlies- oder die Doppelabdeckung das Standardverfahren.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 98–102. Strohabdeckung: Im Spätwinter wird das ganze Feld dick mit Stroh zugedeckt. Durch den späteren Austrieb verzögert sich die Ernte um fünf oder mehr Tage.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 102–103. Terminkultur: Hierzu werden sog. Wartebeet- oder starke Frigopflanzen in der Winterruhe gerodet und eingefroren bei −1 °C gelagert. Nach der Pflanzung im Mai oder Juni beginnt die Ernte 7–8 Wochen später.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 107–108.

In den letzten Jahrzehnten verbreitete sich auch zunehmend der Anbau der Erdbeere in Substrat auf Stellagen unter Glas oder Folie. Der Übergang von einfachen Folienhäusern zu Gewächshäusern ist fließend.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 136. Wenn geheizt wird, sind zwei bis drei Ernten im Jahr möglich.J.F. Hancock: Strawberries. CABI Publishing, Oxon 1999, ISBN 0-85199-339-7, S. 123. Außerdem können die Erdbeeren nicht verschmutzt werden und auf Grund des Daches ist die Gefahr von Fruchtfäulen geringer.

Die Haupternte der Erdbeeren findet in Mitteleuropa in den Monaten Mai, Juni und Juli statt. Früchte, die weite Transportwege zurückgelegt haben, sind fast ganzjährig im Handel erhältlich. Im Herbst und Winter kommen frische Erdbeeren aus Israel, Ägypten und Übersee nach Deutschland, ab Februar aus Spanien und Marokko, ab März aus Italien und Frankreich.

Weltproduktion

Sorten mini|Erdbeersorte Mieze Schindler mini|Erdbeersorte Weiße Ananas mini|Erdbeersorte Toscana Im Anbau befinden sich über 100 Sorten, von denen etwa 30 im Erwerbsobstbau Bedeutung haben.W.-D. Naumann, D. Seipp: Erdbeeren. Grundlagen für Anbau und Vermarktung., Ulmer, Stuttgart 1989, ISBN 3-8001-5531-1, S. 89. Man unterscheidet einmal- und immertragende (z. B. Elan) Sorten. Die einmaltragenden Sorten, auch Juniträger oder Kurztagssorten genannt, tragen im mitteleuropäischen Klima etwa vier Wochen lang. Die Reifezeit ist je nach Klima und Sorte der Monat Juni. Die remontierenden, immertragenden Sorten bringen eine kleine Ernte Anfang Juni und den Großteil von Ende Juli bis zum Frost. Während den remontierenden Sorten früher nachgesagt wurde, weniger gut zu schmecken,W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 41.W.-D. Naumann, D. Seipp: Erdbeeren. Grundlagen für Anbau und Vermarktung., Ulmer, Stuttgart 1989, ISBN 3-8001-5531-1, S. 94. sind hierunter inzwischen auch geschmacksintensive zu finden, so die im Aroma an Walderdbeeren erinnernde Sorte Mara des Bois.

Alle Sorten können über mehrere Jahre beerntet werden. Vor allem wegen der mit dem Alter der Pflanzen nachlassenden Fruchtgrößen werden sie im Erwerbsanbau aber meist nur ein- oder zweijährig kultiviert.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 96.

Zu den besonders bei Hobby-Gärtnern beliebten Sorten – häufig handelt es sich dabei um Kreuzungen mit der Gartenerdbeere – gehören Hänge-Erdbeeren, bodendeckende Sorten wie Florika oder Rügen und Klettererdbeeren, die an Zäunen aufgebunden wachsen können. Auch Erdbeerbäumchen werden heute angeboten. Mit der dunkelrosa blühenden Sorte Toscana gelang es einer Gartenerdbeere erstmals, den renommierten FleuroStar-Award in der Zierpflanzenbranche zu gewinnen.

Die bei Hobbygärtnern beliebte sogenannte Monatserdbeere blüht und fruchtet von Mai bis Oktober und wird deshalb auch als „immertragende“ Erdbeere bezeichnet. Sie gehört jedoch nicht zur Art der Gartenerdbeere, sondern zur Walderdbeere (Fragaria vesca var. semperflorens).W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 17.

Die Hauptsorten im konventionellen Anbau in Deutschland sind:

Flair: sehr früh, Frucht mittelrot glänzend, regelmäßig lang-spitz-kegelförmig, guter bis sehr guter Geschmack mit mehr Säure als Clery, geringer bis mittlerer Ertrag, Pflanze stellt höchste Ansprüche an Wasser- und (Spuren-)nährstoffversorgung, anfällig für Rhizomfäule.L. Linnemanstöns: Obstbau. Nr. 1, 2011, Fachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse, Berlin, S. 50–51. Elianny, neue Sorte, mittelgroße, aromatische Früchte, geeignet für Frischverzehr, Dessert oder Konfitüre. Honeoye []: früh, Frucht dunkelrot glänzend, stumpfkegelförmig, guter, etwas säuerlicher Geschmack, bei schwülheißer Witterung, starkem Behang und viel Blattmasse auch bittere Früchte, anfällig für Wurzelkrankheiten, hohe Erträge. Clery: früh, leuchtend hellrot, regelmäßig lang-spitz-kegelförmig, guter, etwas flacher Geschmack, da sehr wenig Säure, mittlerer Ertrag, eher wenig anfällig für Wurzelkrankheiten, verbreitet in warmen Anbauregionen.W. Dierend (Hrsg.): Erdbeeranbau. Ulmer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8001-5982-6, S. 42–43. Darselect: früh bis mittelfrüh, Frucht mittelrot und kegelförmig, sehr guter Geschmack, insbesondere bei hohen Tagestemperaturen, sehr anfällig für Blütenfrost und Mehltau, mittlerer Ertrag. Elsanta: Hauptsorte; mittelfrüh, Frucht hell(orange-)rot, breitkegelförmig, guter bis sehr guter Geschmack, bei regnerischer Witterung etwas wässrig, gut haltbar, Pflanze anfällig für Wurzelkrankheiten, hoher bis sehr hoher Ertrag (bis über 30 t/ha). Sonata: Reifezeit etwa zwei Tage nach der Sorte Elsanta, mit etwas kräftigerer Fruchtfarbe. Geschmack teilweise besser als Elsanta mit etwas mehr Säure und Aroma. Fruchthaut etwas weicher. Kaum Krüppelfrüchte. Relativ neue Sorte mit bereits großen Flächenanteilen im Erwerbsanbau. Sehr anfällig für Rhizomfäule. Faith: herausragend starkwüchsig und widerstandsfähig bei bodenmüden Standorten. Auffällig ist bei dieser Sorte das hohe Fruchtgewicht (große Erdbeerfrüchte). Besonders robust mit hohem Marktertrag von über 3 kg/m². Geschmacklich wird die Sorte Faith jedoch von Testkonsumenten eher negativ bewertet. Lambada: früh bis mittelfrüh, der Geschmack dieser Sorte wird immer wieder gelobt. Der Ertrag ist nur mittelmäßig (1,5 kg Ertrag Hkl 1 pro m). und sie ist sehr anfällig für Mehltau. Korona: mittelfrüh, Frucht rot bis dunkelrot, anfangs groß, im Ernteverlauf klein werdend, sehr weich, deshalb nur als Selbstpflücksorte verbreitet, Geschmack sehr gut, anfällig für Fruchtfäulen, hoher Ertrag. Florence: spät, Frucht regelmäßig kegelförmig, mittelrot, teilweise mit bräunlichem bis violetten Schimmer, Geschmack gut, aber von Frucht zu Frucht unterschiedlich, Ertrag sehr hoch. Malwina: extrem spät, ca. 22 Tage nach Elsanta. Frucht dunkelrot, glänzend, gleichmäßig breitkegelförmig, voll ausgereift ausgezeichneter Geschmack. Frucht etwas weich. Pflanze bestockt sehr stark. Anfällig für Xanthomonas und Rhizomfäule.Spargel & Erdbeerprofi. Nr. 5, 2009, , S. 68–69.

Kleine Flächenanteile oder regionale Bedeutung haben (nach Reifezeit) die Sorten Alba, Daroyal, Rumba, Elianny, Polka, Symphony, Salsa und Yamaska sowie die remontierenden Sorten Evie 2, Everest, Florin, Sweet Eve und Eve’s Delight.T. Keller, Ch. Steegmüller, L. Rövekamp: Erdbeersorten im Wandel. In: Tagungsband Beerenobstseminar II. Grünberg, 2013.

Folgende Sorten haben in der Vergangenheit einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, wurden aber von neueren Sorten verdrängt. Sie werden heute fast nur noch in Hausgärten angebaut: Senga Sengana: mittelfrüh reifend mit mittelgroßen, dunkelroten Früchten – eine bewährte Sorte mit besten Eigenschaften zum Einkochen und Einfrosten, aber im Vergleich zu modernen Sorten geringem Ertrag. Mieze Schindler: Spätsorte mit kleinen, dunkelroten, hocharomatischen Früchten, rein weiblich, braucht eine Befruchtersorte. Tenira: Spätsorte mit intensiv roten und großen Früchten. Elvira: große, sattrote Beeren, reift früh. Bogota: Sorte mit sehr großen Früchten. Ananaserdbeere: eine weiße Erdbeere mit roten Nüsschen und leichtem Ananas-Geschmack.