mini|400px|Dichter Verkehr auf dem Rhein in Köln mini|Tankschiff Moorea in Köln

Binnenschifffahrt (älter Binnenschiffahrt) ist die überwiegend gewerbliche Schifffahrt auf Binnengewässern und Binnenwasserstraßen, also auf Flüssen, Kanälen und Seen im Bereich des Güter- und Personentransports. Ein Teil der Sportschifffahrt findet ebenfalls im Binnenschifffahrtbereich statt.

Entwicklung Die Binnenschifffahrt entwickelte sich von der Flößerei über Treidelschifffahrt und Dampfschifffahrt zur Motorschifffahrt (siehe auch Geschichte der Binnenschifffahrt). Wie in der Seeschifffahrt gibt es in der Binnenschifffahrt eine Vielzahl verschiedener Schiffstypen, hier kann z. B. der Weidling genannt werden; mit solchen Booten wurden z. B. auf den Schweizer Flüssen Aare, Reuss, Limmat, Thur und Rhein schon vor Jahrhunderten auch schwere Lasten transportiert; in entsprechenden Aufzeichnungen findet sich der Begriff erstmals im 14. Jahrhundert. Für 1790 sind z. B. auf dem Weg von Koblenz AG nach Brugg 2.142 Weidlinge dokumentiert, beladen mit im Schnitt sechs Fässern Salz, einer Gesamtladung von gut zwei Tonnen entsprechend – sie wurde jeweils von ca. drei Männern transportiert. Unter den Transportgütern über die Flüsse wurden auch Kälber geschifft, ebenso Getreide, Eisen, Tabak, Baumwolle, Bergkristalle und vieles mehr.

Schiffbare Gewässer hatten früher eine größere Bedeutung als heute. Große Flüsse und ihre Nebenflüsse prägten Wirtschaftsräume (siehe auch Geographie Europas#Flüsse), Liste von Flüssen in Europa. Zum Beispiel trug die europäische Wasserscheide (zwischen den deutschen Flüssen, die in Nord- oder Ostsee münden und dem Flusssystem der Donau, die ins Schwarze Meer mündet) zu einer Trennung zwischen den Donauländern und anderen europäischen Ländern bei. Ein Grund dafür war, dass der Transport mit anderen Mitteln (z. B. Karren, die von Tieren oder Menschen gezogen wurden) sehr beschwerlich und langsam war. Ein Indiz für die Bedeutung der Binnenschifffahrt vor dem Aufkommen der Eisenbahn ist, dass es auf dem Wiener Kongress eine eigene Kommission gab, die sich nur mit Fragen der Flussschifffahrt beschäftigte.

Infrastruktur Bedeutsam ist die Binnenschifffahrt in Deutschland vor allem auf den Flüssen Rhein, Main, Donau, Mosel, Neckar, Weser, Elbe, Oder und Havel sowie auf verschiedenen Kanälen wie dem Mittellandkanal, dem Elbe-Havel-Kanal, dem Elbe-Seitenkanal, dem Main-Donau-Kanal, dem Oder-Havel-Kanal, dem Rhein-Herne-Kanal, dem Dortmund-Ems-Kanal, dem Datteln-Hamm-Kanal und dem Wesel-Datteln-Kanal. Die letzten drei genannten Kanäle treffen sich in Europas größtem Kanalknotenpunkt in Datteln. In Deutschland gibt es etwa 7300 km Binnenwasserstraßen, 75 % Flüsse und 25 % Kanäle. Dazu gehören 335 Schleusen, 280 Wehre, drei Schiffshebewerke, zwei Talsperren und etwa 1300 Brücken. Laut Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) haben 56 der 74 deutschen Großstadtregionen einen Wasserstraßenanschluss. Einen Hafen für den Binnenschiffsverkehr nennt man Binnenhafen. Der Duisburger Hafen ist der größte Binnenhafen Europas (siehe :Kategorie:Ort mit Binnenhafen).

Frachtschifffahrt Frachtschiffe transportieren Güter, vor allem Kohle und Erze, Agrargüter, Erdöl und Erdölprodukte, Sand und Kies, Stahl und Schrott sowie Container, auch Gefahrgüter.

Fahrgastschifffahrt mini|Tagesausflugsschiff Wappen von Köln mini|MS Schaffhausen befährt Untersee und Rhein

Die Personenbeförderung auf deutschen Binnengewässern ist vielseitig und reicht von kurzen Tagestouren bis hin zu mehrtägigen Flusskreuzfahrten. Zur Darstellung der touristischen Bedeutung dieser Schifffahrt bedarf es der Definition der genutzten Schiffstypen. Fahrgastschiffe sind Fahrzeuge, die speziell für die Beförderung von Passagieren gebaut und eingerichtet sind. Während Tagesausflugsschiffe für kürzere Touren gedacht sind, bieten Kabinenschiffe (Flusskreuzfahrtschiffe) Übernachtungsmöglichkeiten an Bord. Personenbarkassen sind gewerbliche, zugelassene Schiffe, die Fahrgäste gegen Entgelt befördern. Fähren sind Schiffe, die dem reinen Übersetzverkehr von Ufer zu Ufer dienen. Die Fährnutzung kann touristisch motiviert sein oder nur dem Pendelverkehr dienen. Nach Angaben der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen umfasste die deutsche Binnenflotte im Jahr 2024 insgesamt 809 Tagesausflugsschiffe (2014: 943) mit einer Gesamtkapazität von 214.780 Passagieren. Auf Basis einer durchschnittlichen jährlichen Belegung von 115 Passagieren pro Platz ergibt sich ein Aufkommen von rund 23,2 Millionen Personen. Das höchste Verkehrsaufkommen in der Tagesschifffahrt konzentriert sich auf die Gewässer Elbe, Mosel, Rhein und Trave. Ein wesentlicher Grund für die hohe Nachfrage ist die Vernetzung der Wasserwege mit attraktiven touristischen Angeboten an Land, wie die Anbindung der Elbe an das historische Stadtzentrum Dresdens oder an die moderne Skyline der Metropole Hamburg.

Im Gegensatz zur tagesbasierten Ausflugsschifffahrt ist die Flusskreuzfahrtbranche durch komplexe internationale Unternehmensstrukturen und größere, global agierende Akteure geprägt. Im Jahr 2024 umfasste die deutsche Binnenflotte 53 Passagierkabinenschiffe mit insgesamt 7.719 Betten mit 860.000 Passagieren und einem Umsatz von 1,15 Mrd. Euro. Das Segment verzeichnet seit 1991 ein kontinuierliches Wachstum. Die Kabinenschifffahrt konzentriert sich stark auf Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau als zentrale europäische Verbindungsachse. Weitere Kernreviere sind Lahn, Neckar und Trave. Das Gewässernetz rund um Berlin und Brandenburg erfreut sich ebenfalls einer hohen Frequenz.

Die Tradition der Fährschifffahrt in Deutschland reicht weit zurück, am Rhein existieren heute noch Verbindungen, die nachweislich vor über 2.000 Jahren von den Kelten gegründet wurden. Aktuell gibt es bundesweit noch 276 Fährbetriebe. Die Bandbreite ist groß und reicht von modernen Autoschnellfähren, die rund um die Uhr den Verkehr auf Bundesstraßen entlasten, bis hin zu kleinen Personenfähren. Darunter finden sich auch historische Gierfähren, die ganz ohne Motor allein durch die Flussströmung bewegt werden, sowie Seil- oder Ruderfähren zur Selbstbedienung. Trotz dieser Vielfalt sind viele Verbindungen zunehmend vom Aussterben bedroht. Da Länder und Kommunen die Infrastruktur kontinuierlich ausbauen, werden immer mehr Fährstrecken durch feste Brücken ersetzt. Im Jahre 2023 befanden sich 162 Wagenfähren in der deutschen Binnenschiffsflotte, der Bestand blieb seit 2021 in Folge unverändert. In Fließgewässern verlaufen die meisten Fähren quer zum Fluss wie eine Brücke. In seltenen Fällen gibt es auch eine Längsfähre, zum Beispiel an der S-förmigen Schlögener Schlinge der Donau. 2023 befanden sich 114 Personenfähren in der deutschen Binnenschiffsflotte, eine mehr als ein Jahr zuvor. Mikt 161 Personenbarkassen sind u. a. in Berlin und Hamburg unterschiedliche Fährlinien in das öffentliche Verkehrssystem der BVG bzw. des HVV integriert. Auch um Dresden, in Rostock sowie Kiel sind Fähren in das öffentliche Verkehrssystem eingebunden. Als kleinere und individuelle Formen der Barkassen sind Wassertaxis u. a. aus Berlin, und Cuxhaven bekannt.

Vergleich mit anderen Verkehrsträgern Der Transport auf dem Wasser ist deutlich klimafreundlicher als mit dem Lkw. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Bahn und Schiff im Güterverkehr deutlich weniger Energie pro Tonnenkilometer verbrauchen als der Straßenverkehr; entsprechend fallen die Treibhausgasemissionen geringer aus. Nach Angaben Umweltbundesamt werden bei Gütertransporten mit der Binnenschifffahrt nur 32 Gramm Treibhausgase pro Tonnenkilometer ausgestoßen, mit dem Lkw sind es 103 Gramm. Die Binnenschifffahrt ist gegenüber Straße und Schiene beim Energieverbrauch der wirtschaftlichste Verkehrsträger. Ein Schiff mit 1000 t Tragfähigkeit transportiert so viel wie vierzig Lkw oder ein Güterzug. Ein Schubboot mit zweimal 1.700 kW verbraucht 500 Liter Dieselöl pro Stunde in der Fahrt zu Berg und kann vier Leichter mit einer Nutzlast von 10.000 t schieben. Dies bedeutet bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h einen Verbrauch von 0,5 Liter pro 100 Tonnenkilometer (tkm). In der Fahrt ohne Fracht zu Tal wird nicht mehr mit voller Kraft gefahren. Dann verbraucht ein solches Schubboot nur noch 300 Liter pro Stunde.

Durchschnittlich verbraucht die Binnenschifffahrt für 100 Tonnenkilometer etwa 1,3 Liter Diesel, die Eisenbahn etwa 1,7 Liter und der LKW-Verkehr etwa 4,1 Liter.

Laut einer Studie des Umweltministeriums Flandern betragen die externen Umweltkosten für Lärmschutz (Tag und Nacht), Infrastruktur, für die Kraftstoffherstellung, den Fahrzeugbau und die Luftverschmutzung beim Schiff 7,5 Cent pro 1000 tkm, beim Lkw ohne Verkehrsstau 22 Cent und mit Stau 23,5 Cent. Die Unfallzahlen liegen in Flandern bei 7 Unfällen/Milliarde tkm, auf dem Rhein bei 11 und im Straßenverkehr bei 150 Unfällen/Milliarde tkm. Binnenschiffe haben im Vergleich mit dem Lkw-Verkehr einen drei- bis fünfmal geringeren Verbrauch/CO2-Ausstoß.

Beim Thema Feinstaub aus der innermotorischen Verbrennung schneidet das Binnenschiff laut Umweltbundesamt im Verkehrsträgervergleich schlechter ab als Lkw oder Eisenbahn. Feinstaub aus Abrieb von Reifen, Bremsen und Asphalt sowie Aufwirbelungen entstehen in der Binnenschifffahrt dagegen nicht. Diese Quellen machen Studien zufolge bis zu 85 Prozent des Feinstaubs aus dem Straßenverkehr aus.

Als Beruf In der deutschen Binnenschifffahrt waren 2005 (Stand 30. Juni 2005) 8116 Personen tätig. 3977 Personen waren davon der gewerblichen Binnenschifffahrt, 3669 der Fahrgastschifffahrt zuzuordnen. Bei der gewerblichen Gruppe waren 844 Schiffseigner, 3367 fahrendes Personal und auf der Landseite 610 Beschäftigte. In der Personenschifffahrt betrug die Zahl der Schiffseigner 395, die des fahrenden Personals 2908 und die der landseitig tätigen 761 Personen.

Mit 1280 Unternehmen war zum 30. Juni 2005 ein Wachstum von 7,7 % gegenüber 2004 zu verzeichnen. Während aber die Trockengüterschifffahrt um 1,3 % auf 663 Unternehmen abnahm, wuchs die Personenschifffahrt um 70 Unternehmen auf 380, ein Plus von 22,6 %. Auf das Tankschiffsgewerbe entfielen 207 Unternehmen, eine Veränderung um + 12,5 % gegenüber dem Vorjahr. In der Schleppschifffahrt waren 55 und in der Werkschifffahrt 28 Unternehmen erfasst.

Betriebsformen in der Binnenschifffahrt regeln die täglichen Fahr- und Ruhezeiten in Abhängigkeit von Schiffsgröße und Besatzungsstärke (). Für die Rheinschifffahrt () gilt dabei folgende Ordnung: A1 erlaubt die Fahrt bis zu 14 Stunden und eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 8 Stunden außerhalb der Fahrt, zwischen 22 und 6 Uhr. Dies gilt für sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr. A2 erlaubt die Fahrt bis zu 18 Stunden und 6 Stunden Ruhezeit zwischen 23 und 5 Uhr. B erlaubt die Fahrt bis zu 24 Stunden und eine Ruhezeit von 24 Stunden innerhalb von 48 Stunden, wovon zweimal 6 Stunden ununterbrochen sein müssen. Derzeit führt das europäische Gewerbe, vertreten durch die Arbeitgeberverbände der europäischen Verbände ESO und EBU mit den europäischen Gewerkschaften unter Begleitung der EU-Kommission in Brüssel Vorverhandlungen zum „Sozialen Dialog“. Mit den Schlussverhandlungen zur Arbeitszeitregelung soll ab Oktober 2007 (Laufzeit dann maximal noch ein Jahr) begonnen werden.

Die Ausbildung zum Binnenschiffer erfolgt im dualen System, das Ausbildung an Bord und in der Schule beinhaltet. In Deutschland gibt es zwei Schifferberufsschulen: Schiffer-Berufskolleg RHEIN in Homberg (Duisburg) Schiffer-Berufsschule in Schönebeck (Elbe)