Eisenstadt (bairisch-österreichisch Aisnstodt ausgesprochen, ‚Klein-Martin‘, kroatisch Željezno, romani Tikni Marton oder Srasta) ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes Burgenland in Österreich. Eisenstadt ist eine Freistadt – dies entspricht einer Statutarstadt anderer Bundesländer, die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde ist der Bürgermeister. Weiters ist es Sitz der Bezirkshauptmannschaft Eisenstadt-Umgebung sowie des Landes- und des Bezirksgerichtes Eisenstadt. Die Stadt liegt am Fuße des Leithagebirges und ist mit ihren (Stand: ) Einwohnern die kleinste Landeshauptstadt in Österreich. Bezogen auf die Einwohnerzahl belegt Eisenstadt auf der Liste der Städte Österreichs den 37. Platz, hinter Telfs in Tirol.

Geografie Eisenstadt liegt am südlichen Fuße des Leithagebirges auf einer allmählich zur Wulkaebene abfallenden Terrasse in einer Seehöhe von 182 m (Meteorologische Station 230 m). Dem Ost-West-Verlauf der Terrasse folgte ursprünglich auch die Ausdehnung der Stadt von Oberberg-Eisenstadt im Westen bis zur Kaserne im Osten. Erst später begann sie, sich nach dem Süden gegen die Wulkaebene hin und in den letzten Jahrzehnten auch nach Norden die Hänge des Leithagebirges empor auszubreiten, wo nach und nach die Weingärten neuen Siedlungen weichen mussten.

Geschützt von dem bis über 400 m emporragenden Kamm des Leithagebirges, der von dichten Laubwäldern bedeckt ist, reifen auf den klimatisch günstigen Hängen Weintrauben, Marillen, Pfirsiche und Mandeln. Weitherum ist alles mit Weinreben bepflanzt, die auch die Stadt von allen Seiten umsäumen.

Die höchstgelegene Stelle des Stadtgebietes, im Nordwesten, liegt im Leithagebirge auf einer Seehöhe von 450 m und wird „Beim Juden“ genannt.

Die Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Stotzing, Oslip, Trausdorf/Wulka, Siegendorf, Wulkaprodersdorf, Großhöflein und Hornstein.

Stadtgliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl, Stand ): Eisenstadt () Kleinhöflein im Burgenland () Sankt Georgen am Leithagebirge ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Eisenstadt, Kleinhöflein im Burgenland, Oberberg-Eisenstadt, St. Georgen und Unterberg-Eisenstadt.

Eingemeindungen Das westlich von Eisenstadt gelegene Winzerdorf Kleinhöflein war im Mittelalter Bestandteil der Herrschaft Eisenstadt, kam im 17. Jahrhundert in den Besitz der Familie Esterházy und wurde mit 1. Jänner 1971 eingemeindet, ebenso wie die Gemeinde Sankt Georgen am Leithagebirge.[Statistik Austria: Auflösungen bzw. Vereinigungen von Gemeinden ab 1945 https://www.statistik.at/web_de/static/gemeindeaenderungen_ab_1945_vereinigungen_teilungen_namens-_u._statusaende_054994.pdf]

Gewässer Durch den Süden des Stadtgebietes fließt die Wulka, welche schließlich in den Neusiedler See mündet. Weiters ist der Eisbach ein Nebenfluss der Wulka, welcher das Stadtgebiet durchfließt und zwischen Oslip und Schützen am Gebirge in diese mündet.

Im Schlosspark Eisenstadt befinden sich der Schloss-See und der Maschinenteich.

Klima mini|hochkant=2|Klimadiagramm Die langjährige mittlere Jahrestemperatur (ermittelt in den Jahren 1961 bis 1990) beträgt 9,4 °C. Der Mittelwert des Jahres 2007 betrug 11,8 °C. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge (zwischen 1961 und 1991) beträgt 589 mm. Aktuelle Werte können auf der Website der Wetterwerte Burgenland der ZAMG abgerufen werden.

Geschichte Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Eisenstadt dann in der Provinz Pannonia.

Funde belegen, dass der Raum Eisenstadt schon in der Hallstattzeit besiedelt war. Etwas später siedelten sich Kelten und Römer an. Zur Zeit der Völkerwanderung besiedelten verschiedene germanische Völker und die Hunnen den Raum Eisenstadt. Um 800, zur Zeit Karls des Großen, begann die Besiedlung durch die Bajuwaren. Eisenstadt schien 1118 zum ersten Mal als „castrum ferrum“ auf. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte 1264 als „minor Mortin“ (entsprechend ungarisch „Kismarton“). Der Raum Eisenstadt zählte zu den westlichsten Teilen des Königreichs Ungarn.

mini|hochkant|Siegel Eisenstadts, 14. Jh., Umschrift Secretvm ferree civitatis mini|Ansicht Eisenstadts um 1618 1373 kam die Stadt in den Besitz der ungarischen Adelsfamilie Kanizsay. Die Familie ließ die Mauern befestigen und baute innerhalb der Mauern eine Wasserburg. Aus dieser Zeit stammt auch der Name „Eysenstat“ (stark, eisern, daher Eisenstadt). 1388 erhielt Eisenstadt das Marktrecht. Das deutsch besiedelte Westungarn gelangte als Pfand an das Haus Habsburg: 1445 erwarb Herzog Albrecht VI. die Stadt; die folgenden 150 Jahre blieb Eisenstadt unter österreichischer Verwaltung (als wäre es Teil des späteren Niederösterreich), die von Wien aus amtierte. Während des Türkenkrieges eroberten die Türken 1529 und 1532 Eisenstadt bei ihrem Vormarsch auf Wien.

Der ungarische Adel verlangte von den inzwischen auch erblich als Könige von Ungarn fungierenden Habsburgern, Westungarn wieder voll in Ungarn zu integrieren und die österreichische Direktverwaltung zu beenden. Um die ungarische Adelsfamilie Esterházy für das Haus Habsburg einzunehmen, wurde sie 1648 vom römisch-deutschen Kaiser Ferdinand III. in seiner Funktion als König von Ungarn unter anderem mit der Region Eisenstadt belehnt und 1687 von seinem Nachfolger Leopold I. in den Reichsfürstenstand erhoben. Das Fürstengeschlecht wandelte durch rege Bautätigkeit das Bild der Stadt nachhaltig.

Parallel dazu wurde Eisenstadt (in seinem damaligen Umfang innerhalb der Stadtmauern) am 26. Oktober 1648 vom Kaiser auf dringenden Wunsch der Bürgerschaft zur königlichen Freistadt erhoben, die außer dem König niemandem untertan war, und bezahlte dafür 16.000 Gulden und 3.000 Eimer Wein im Wert von 9.000 Gulden. Außerhalb der Stadtmauern, auf von ihm verwaltetem Gebiet, siedelte Paul I. Esterházy de Galantha 1670 unmittelbar neben dem damaligen Eisenstadt und in sechs umliegenden Orten, den sogenannten Siebengemeinden, etwa 3.000 Juden an, die zuvor aus Wien vertrieben worden waren. Samson Wertheimer (1658–1742), der in Wien als Hoffaktor tätig war, wirkte in Eisenstadt als Rabbiner. mini|Pestsäule Die Familie Esterházy entwickelte sich bald zu einer der reichsten Adelsfamilien Mitteleuropas und hatte zahlreiche Schlösser zur Auswahl. Sie entschied sich für Eisenstadt als fürstlichen Hauptsitz, baute die frühere Wehrburg zum repräsentativen Schloss um und pflegte eine sehr aufwändige, eindrucksvolle Hofhaltung, die sogar zu Besuchen von Kaiserin Maria Theresia führte. Mit der Bestellung von Joseph Haydn zum fürstlichen Hofkapellmeister in den 1760er Jahren begann hier eine 30 Jahre anhaltende Glanzzeit des Kunstlebens. 1809 wurde Eisenstadt während der Koalitionskriege von französischen Truppen besetzt.

1865–1898 musste das Haus Esterházy auf den gewohnten großen Repräsentationsaufwand verzichten, da man sich finanziell übernommen hatte und dem Bankrott nur mit kaiserlicher Hilfe entkommen war. In Eisenstadt wurde es still. Die westungarische Stadt war kulturell auf Wien ausgerichtet, andererseits wurde Eisenstadt 1897 an das ungarische Eisenbahnnetz angeschlossen. mini|Rathaus in Eisenstadt Auf den Ersten Weltkrieg und den Zerfall Österreich-Ungarns folgte ein dreijähriges Ringen um die künftige Staatszugehörigkeit „Deutsch-Westungarns“ und somit von Eisenstadt. Durch den Friedensvertrag von St. Germain 1919 mit Österreich und von Trianon 1920 mit Ungarn kam das Gebiet 1921 als Burgenland (so der neue Name) zu Österreich. Das ursprünglich als Landeshauptstadt vorgesehene Ödenburg ( Sopron) wurde auf Grund einer Volksabstimmung Ungarn zugeschlagen. Statt Ödenburg wurde daher Eisenstadt am 19. Oktober 1925 zum Sitz der burgenländischen Landesregierung und damit de facto zur Landeshauptstadt bestimmt. In der burgenländischen Verfassung wurde es allerdings damals nicht als solche erwähnt.Eisenstadt wurde vor 85 Jahren Hauptstadt auf ORF Burgenland am 19. Oktober 2010, abgerufen am 26. Juni 2025.

In Eisenstadt wurde eine römisch-katholische Apostolische Administratur errichtet, um die Burgenländer nicht mehr einem ungarischen Bischof unterzuordnen. Der Freistadt Eisenstadt wurden die umliegenden Gemeinden angeschlossen: 1923 Eisenstadt-Schlossgrund, 1938 Unterberg-Eisenstadt, 1939 Oberberg-Eisenstadt, 1970 Kleinhöflein und St. Georgen.

Zum 200. Geburtstag Haydns veranstaltete die Haydnstiftung in Zusammenarbeit mit der damaligen „Mittelstelle Deutscher Jugend in Europa“ im Juli 1932 in Eisenstadt eine große Haydnfeier mit deutlich nationalistisch-großdeutschem Charakter. Aus allen deutschsprachigen Siedlungsgebieten in Mitteleuropa brachten Jugendliche Erde ihrer Heimat (z. B. Helgoland), bedeutender historischer Stätten (z. B. von der Wartburg bei Eisenach), von Gräbern historisch bedeutender Deutscher (z. B. von den Kaisergräbern des Speyerer Domes und dem Grab Martin Luthers), von Gedenkstätten (z. B. von Friedrich Schillers Geburtshaus in Marbach am Neckar), Schlachtfeldern (z. B. vom Völkerschlachtdenkmal und vom Langemarck-Friedhof) sowie von Arbeitsstätten (z. B. Warndtgebiet im Saarland) nach Eisenstadt als Bekenntnis zu nationalem Deutschtum. Das Haydnmal in Gestalt einer großdimensionierten Kubus-Urne trug die Inschrift: „Jugend kam aus allen Marken und brachte Erde der Heimat, Joseph Haydn, dem Sänger des Liedes der Deutschen, zur Ehre, dem ewigen Reiche der Deutschen zum Pfand.“Friedrich Heiss: Das Saarbuch, Schicksal einer deutschen Landschaft. Berlin 1934, S. 183–184.landesarchiv-bw.de

In der NS-Zeit wurde das Burgenland aufgelöst; sein nördlicher Teil mit Eisenstadt wurde zum Reichsgau Niederdonau geschlagen. Die Statutarstadt Eisenstadt verlor ihren Rang. Sie wurde per 15. Oktober 1938 dem Verwaltungsbezirk Eisenstadt (ab 1. Januar 1939 Landkreis Eisenstadt) zugeteilt.Verordnung des Landeshauptmannes von Niederdonau vom 12. Oktober 1938 über die Einteilung des Amtsbereiches Niederdonau in Verwaltungsbezirke (Verordnungsbl. f. d. Amtsbereich des Landeshauptmannes von Niederdonau, 8. Stück S. 33–35, vgl. § 1 Abs. 1 und 5) Digitalisat In Eisenstadt wurden ein Sicherheitsapparat mit Kriminalpolizei-Leitstelle, eine Außenstelle der Gestapo mit Gefängnis und ein Büro des Sicherheitsdienstes (SD) der SS installiert. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge durch Brand völlig zerstört. Das Synagogengrundstück wurde verkauft und das Gebäude eingeebnet. Die kleine Privatsynagoge von Samson Wertheimer blieb unzerstört und ist heute Teil des Jüdischen Museums. Am 11. Dezember 1938 besuchte Heinrich Himmler die SS-Truppen in Eisenstadt, die während der illegalen Zeit 1935 aufgebaut worden waren. Die jüdischen Eisenstädter wurden vertrieben oder ermordet. Nach Kriegsende kehrten nur neun Juden nach Eisenstadt zurück; 1964 waren 16 Personen jüdischen Glaubens. Reste des ehemaligen jüdischen Viertels blieben bis heute erhalten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Eisenstadt am 10. Mai 1944 bombardiert, wobei es 42 Todesopfer gab, darunter auch zwei Schüler des Gymnasiums Eisenstadt. 1945 nahm die Rote Armee Eisenstadt ein und die Stadt blieb bis 1955 sowjetisch besetzt. 1956 wurde Eisenstadt Sitz der evangelisch-lutherischen Superintendentur Burgenland und 1960 Sitz der römisch-katholischen Diözese Eisenstadt.

Erst 1965 verankerte Eisenstadt den Status der Landeshauptstadt in der Stadtverfassung. In der Landesverfassung erfolgte es überhaupt erst 1981.

Bevölkerungsentwicklung