Löwen (, ) ist eine belgische Stadt in der Region Flandern. Sie ist Hauptstadt der Provinz Flämisch-Brabant und Hauptort des Bezirks Löwen. Löwen hat 102.175 Einwohner (Stand 1. Januar 2020).

Löwen ist vor allem bekannt für seine Universität, die Katholieke Universiteit Leuven, sowie für sein Stadtbild, das mit dem gotischen Rathaus und dem Alten Markt einige der schönsten Beispiele flämischer Baukunst aufweist.

Geografische Lage Löwen liegt etwa 20 Kilometer östlich von Brüssel am Fluss Dijle in der Provinz Flämisch-Brabant. An Löwen grenzen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden) die Gemeinden Rotselaar, Holsbeek, Lubbeek, Bierbeek, Oud-Heverlee, Bertem, Herent und Haacht.

Seit Januar 1977 umfasst Löwen die Teilgemeinden Heverlee (21.429 Einwohner), Löwen (30.169), Kessel-Lo (27.476), Wijgmaal (3.505) und Wilsele (9.358).

Namensherkunft Der heute gebrauchte Name „Leuven“ taucht erstmals in Schriften aus dem 16. Jahrhundert auf. Davor waren vor allem die Formen „Loven“, „Lovenne“ und „Loevenne“ verwendet worden.J. A. Torfs: Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden. 1899, S. 22. Die Herkunft des Namens „Leuven“ ist unsicher. Am wahrscheinlichsten verbindet der Name „Loven“ die beiden Worte Lo (Wald) und Ven (Sumpf) miteinander, so dass ein sumpfiger Wald in der Umgebung als charakteristisch gekennzeichnet wird.J. Lipsius: Leuven. Beschrijving van de stad en haar universiteit. 2000, S. 53; J. A. Torfs: Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden. 1899, S. 24. Dafür sprechen die Lage der Stadt im früher feuchten und sumpfigen Dijletal und die damalige Nähe der Siedlung zum Wald.

Daneben gibt es zahlreiche legendäre Erklärungen. So soll der Name „Loven“ auf einen schottischen Prinzen namens „Lupus“ zurückgehen, der die Stadt gegründet haben sollDivaeus, Rerum lovaniensium libri IV, I, 1, S. 2., wofür es aber keinerlei Beweise gibt.J. Lipsius: Leuven. Beschrijving van de stad en haar universiteit. 2000, S. 51; J. A. Torfs: Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden. 1899, S. 23. Nach einem anderen Ansatz rührt der Name „Loven“ daher, dass auf dem Löwener Gebiet früher ein Tempel stand, in dem ein heidnischer Gott verehrt wurdeDivaeus: Rerum lovaniensium libri IV, I, 1, S. 1. (das niederländische „loven“ bedeutet „loben, preisen“). Auch für diesen Ansatz lassen sich aber keinerlei Beweise anführen. Es gibt auch Spekulationen, dass der Name Loven durch die Normannen aus Skandinavien mitgebracht wurde, dann erst der Dijle gegeben und anschließend auf die benachbarte Siedlung übergegangen sei.J. A. Torfs: Geschiedenis van Leuven van den vroegsten tijd tot op heden. 1899, S. 26 f.

Geschichte Frühzeit und Römerzeit Bereits vor etwa 130.000 Jahren war die Gegend um Löwen besiedelt, wie archäologische Funde belegen. Die ersten Niederlassungen datieren allerdings erst aus der Zeit um 3500 v. Chr. Um 160 v. Chr. lebten die Nervier und die Eburonen im Löwener Gebiet. Letztere wurden bei der Unterwerfung Galliens durch Gaius Iulius Caesar ausgelöscht. Ausgrabungen belegen, dass der historische Stadtkern Löwens um 50 v. Chr. bebaut gewesen sein muss. Die Lage der Siedlung an der Dijle und am Handelsweg zwischen Tienen und Elewijt (heute Teilgemeinde von Zemst) war ausgesprochen günstig. Als im 3. Jahrhundert n. Chr. die Germanen einfielen, wurde die Einwohnerzahl der kleinen Siedlung wieder stark reduziert.

Erste Erwähnung und Grafschaft Löwen Im 8. Jahrhundert wurde die Bevölkerung der Löwener Region zum Christentum bekehrt, wobei Hubertus von Lüttich eine wichtige Rolle spielte. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch bereits die heutige Kirche Sint Pieter. Im Jahr 891 (nach anderen Quellen bereits 884) wird „Loven“ zum ersten Mal erwähnt, als eine Wikingerarmee vom Ostfrankenkönig Arnulf von Kärnten geschlagen wurde („Schlacht von Löwen“). Der Legende nach soll während der Schlacht soviel Blut geflossen sein, dass beide Ufer der Dijle rot vom Blut waren. Dies solle die Flagge der Stadt (rot mit einem weißen Streifen in der Mitte) symbolisieren. 896 wurde der Sieger der Schlacht zum (ostfränkisch-)römischen Kaiser gewählt und in Rom vom Papst gekrönt.

Seit 870 war Löwen die Hauptstadt einer Grafschaft Löwen. Deren Grafen stammten von den Karolingern ab und wählten Löwen vermutlich wegen seiner günstigen Lage an der Dijle und an der Römerstraße zwischen Boulogne-sur-Mer und Köln als Hauptsitz. Ein urkundlich erwähnter Graf von Löwen war Lambert I., der auch Markgraf von Lothringen war und durch Heirat eine Grafschaft aus dem Gau Brabant erwarb. Zuvor wurde schon Sieghard, Graf im Lüttich- und Hennegau, auch hier als Gaugraf erwähnt. 1085/1086 erhielt der Löwener Graf Heinrich III. eine zweite Grafschaft aus diesem Gebiet als Lehen hinzu. Die Landgrafschaft wurde 1183 zum Herzogtum erhoben, was heute als Grundlage für die Entstehung des Herzogtums Brabant gesehen wird.

Auch das Aussehen Löwens veränderte sich zu dieser Zeit. Der heutige Stadtkern war besiedelt und die Grafen von Löwen trugen durch zahlreiche Stiftungen zur Erweiterung bei. So gründete Gottfried I. von Löwen im Südosten der Stadt die Parkabtei und ließ auch eine neue Sint-Pieters-Kirche erbauen. 1080 wurde das erste Krankenhaus gestiftet und 1150 mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen.

Blütezeit und Niedergang mini|Großer Beginenhof Obwohl Brüssel 1267 Hauptstadt des Herzogtums wurde, war Löwen dennoch lange Zeit bedeutender. Die Geldnot der Herzöge, die an die Städte Vorrechte im Austausch gegen Kredite vergaben, führte dazu, dass Löwens Macht wuchs. Auch die Bevölkerungszahl erhöhte sich auf einige tausend Einwohner, was zum Bau einer Reihe neuer Gebäude (unter anderem der heutigen Lakenhalle) führte. Auch zahlreiche kirchliche Orden zogen nach Löwen, so z. B. die Franziskaner (1233), die Augustiner (1248) und die Magdalenerinnen (1248). Auch die beiden Beginenhöfe stammen aus dieser Zeit.

Ab 1350 begann Löwen gegenüber dem wachsenden Brüssel an Bedeutung zu verlieren. Soziale Spannungen, der Niedergang der Wollindustrie und der Ausbruch des Brabanter Erbfolgekriegs, der eine neue kostspielige Stadtmauer erforderlich machte, waren für Löwen eine schwierige Zeit.

Goldene Ära

Nach der Stabilisierung der Machtverhältnisse, ab 1430 unter burgundischer Herrschaft, sorgte die Ansiedlung neuer Industriezweige, wie z. B. der Leinenweberei, für neuen Aufschwung im 15. Jahrhundert. Bereits 1425 war die Universität durch eine Bulle von Papst Martin V. gegründet worden. Zwischen 1439 und 1469 wurde das gotische Rathaus erbaut, welches mit seinem überreichen ornamentalen Schmuck Zeugnis ablegt von der blühenden Baukunst des 15. Jahrhunderts.Der reiche Figurenschmuck entstammt – außer auf den Konsolen mit ihren biblischen Themen – größtenteils dem 19. Jahrhundert. Für Löwen bedeuteten diese Jahrzehnte eine kurze goldene Ära, die bereits 1475 durch finanzielle Probleme und einige Aufstände wieder endete. 1578 wütete die Pest in der Stadt und dezimierte die Bevölkerung drastisch. Im 16. Jahrhundert, nun unter spanischer Herrschaft, war Löwen mehrfach das Opfer von Belagerungen. Schließlich musste die Universität geschlossen werden.

Österreichische Herrschaft und Wiederaufbau Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 gehörte Löwen weiterhin zu den Spanischen Niederlanden. Auch wenn die Bevölkerungszahlen ab 1650 wieder stiegen, so blieb es doch wirtschaftlich bedeutungslos. Ab 1714 – wie ganz Belgien und Luxemburg – Teil der Österreichischen Niederlande, blühte es erst ab 1750 wieder auf. Die Industrie kam zurück und breite Straßen wurden angelegt, die Löwen mit Brüssel verbanden und den Handel stimulierten. Durch den Löwen-Dijle-Kanal wurde 1750 eine Schiffsverbindung nach Antwerpen, und damit der Zugang zur Nordsee, hergestellt. Der Erfolg dieses Projekts schlug sich anschließend im enormen Zuwachs des Bierexports nieder. 1764 hatte Löwen 52 Brauereien.

Französische Herrschaft In den Revolutionskriegen infolge der Französischen Revolution wurde Flandern und Brabant, und damit auch Löwen, 1794 von französischen Truppen erobert. Die Löwener Bevölkerung war der neuen Herrschaft gegenüber zunächst positiv eingestellt, doch schlug die Stimmung schnell um. Die Universität wurde dazu verpflichtet, Tribut zu zahlen, und die Wehrpflicht wurde eingeführt. Kirchen wurden geschlossen, Kunstschätze wegtransportiert, die Universität schließlich geschlossen. Der Kanal wurde nicht mehr unterhalten, Gilden, Handwerk und Klöster verschwanden, und Löwen verlor wieder an Bedeutung. Erst unter Napoleon besserte sich die Situation leicht, so dass er bei seinem Besuch in Löwen entsprechend herzlich empfangen wurde.

Niederländische Herrschaft und Belgische Revolution Nach dem französischen Intermezzo wurde die Stadt 1815 aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses Teil des Königreichs der Vereinigten Niederlande. Unter Wilhelm I. der Niederlande erhielt Löwen schließlich einige Kunstschätze zurück und auch die Universität wurde im Oktober 1817 wiedereröffnet. Als 1830 die Belgische Revolution ausbrach, wurde Löwen zwar durch die Holländer belagert, doch diese konnten mithilfe von Bauern aus dem Umland vertrieben werden. Schließlich wurde die Vorläufige belgische Regierung gebildet, unter deren Mitgliedern sich auch der Löwener Sylvain van de Weyer befand.

Während des Zehn-Tage-Feldzugs 1831 lag Löwen in der Schusslinie und wurde am 12. August eingekreist. Allerdings rückten französische Truppen nach, und schließlich wurde in Pellenberg, einem Ort bei Löwen (heute Teil von Lubbeek), der Waffenstillstand unterzeichnet.

Nach der Unabhängigkeit Belgiens mini|Blick auf Löwen (etwa 1890–1900) mini|Löwen nach der Zerstörung durch die deutschen Truppen im Jahr 1915 Nach der Unabhängigkeit Belgiens blühte Löwen wieder auf. Die Stadt erhielt einen Eisenbahnanschluss, der Bahnhof wurde gebaut, und Löwen wurde zum wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Auch die Industrie – insbesondere die Brauereien, Textilfabriken und metallverarbeitenden Betriebe – verzeichnete einen neuen Aufschwung. Hierdurch wuchs auch die Bevölkerung, aber auch Krankheiten wie Typhus und Cholera brachen aus.

Der Erste Weltkrieg

Hatte die Stadt noch größere Pläne gehabt, so wurde sie an deren Ausführung durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gehindert. Am 4. August 1914 griffen deutsche Truppen gemäß dem Schlieffen-Plan das neutrale Belgien an, um eine rasche Entscheidung im Westen zu erzwingen. Die Besetzung Löwens am 19. August war zunächst ruhig verlaufen, doch am 25. August kursierten Gerüchte, dass belgische und britische Truppen auf die Stadt marschieren, und deutsche Soldaten berichteten, dass sie unter Beschuss genommen worden seien.

Aufgrund von Erfahrungen mit Franktireuren im Krieg 1870/71 war die Furcht vor Überraschungsangriffen groß; als die Deutschen Soldaten annahmen, dass auf sie geschossen werde, ergriffen sie Repressalien gegen die Zivilbevölkerung. Ende August 1914 hatte sich die Furcht derart gesteigert, dass es durch die deutsche Armee zu Kriegsgräueln kam. Eine größere Anzahl Soldaten war in der Stadt einquartiert, andere fluteten vor einem Ausfall der belgischen Armee aus Antwerpen zurück oder marschierten, wie die 17. Reserve-Division, am Abend des 25. August auf dem Weg zum ersten Fronteinsatz durch Löwen, als sich irgendwo ein Schuss löste und eine Panik sich in einer wilden Schießerei Bahn brach.Peter Schöller: Der Fall Löwen und das Weissbuch. Eine kritische Untersuchung der deutschen Dokumentation über die Vorgänge in Löwen vom 25. bis zum 28. August 1914. Böhlau, Köln/Graz 1958.