mini|hochkant=1.3|Blick über die Stadt mit Maastal

Lüttich (, bis 1949 , von , vorher , , , , ) ist die zweitgrößte wallonische Stadt, Zentrum der größten wallonischen Agglomeration und das kulturelle Zentrum der wallonischen Region Belgiens. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Lüttich und Sitz des Bistums Lüttich. Die Einwohner (Stand ) zählende Stadt liegt an der Mündung der Ourthe in die Maas, 25 km südlich von Maastricht (Niederlande) und 39 km südwestlich von Aachen (Deutschland).

Das Lütticher Becken zählt mit der Großstadt Lüttich und ihren Vorstädten ungefähr 600.000 Einwohner und war seit dem 19. Jahrhundert ein Zentrum der belgischen Schwerindustrie. Neben der Universität Lüttich gibt es weitere Hochschulen. Die wichtigsten kulturellen Einrichtungen sind das Theater und die Opéra Royal de Wallonie.

Geschichte Mittelalter mini|Lüttich in einer historischen Darstellung aus dem Jahr 1649Joan Blaeu: Novum Ac Magnum Theatrum Urbium Belgicae. Amsterdam, 1649.

Der Name der Stadt in römischer Zeit war bzw. . 717 wurde sie christlicher Bischofssitz und war im Mittelalter ein bedeutendes politisches und kulturelles Zentrum. Im ausgehenden Mittelalter gehörte die Stadt zu dem von einem Fürstbischof regierten Territorium des Hochstifts Lüttich.

Die Fürstbischöfe entstammten meist dem Adel des Heiligen Römischen Reiches. Machtzentrum des Hochstifts Lüttich war das ebenfalls von Adeligen des Reiches beherrschte Domkapitel, eines der größten in Mitteleuropa. Albrecht II. von Cuyk gewährte den Bürgern der Stadt 1196/1198 erste Privilegien. Eine städtische Autonomie konnte sich wie in anderen Geistlichen Territorien des Reiches jedoch nur teilweise entwickeln. Das Hochstift wurde nie Teil der Spanischen bzw. Österreichischen Niederlande.

Im Herbst 1468 ließ Karl der Kühne nach einem Aufstand der Bewohner gegen die burgundische Herrschaft die Stadt plündern und systematisch zerstören. Die in die Wälder geflohenen wenigen Überlebenden – Karl der Kühne ließ angeblich mehr als 5000 Einwohner ermorden – durften erst nach sieben Jahren zum Wiederaufbau in die Stadt zurückkehren. Aus Angst vor dem Herzog von Burgund verweigerten die umliegenden Städte die Aufnahme der Flüchtlinge.

18. Jahrhundert Im Jahr 1789 kam es, zum Teil im Zusammenhang mit der Französischen Revolution, zur Lütticher Revolution. Sie richtete sich gegen die absolutistische Herrschaft des Fürstbischofs Cäsar Constantin Franz von Hoensbroech und wurde Anfang 1791 von Truppen im Auftrag des Heiligen Römischen Reiches niedergeschlagen. mini|Blick auf Lüttich in den 1840er Jahren mini|Platz Saint-Lambert mit dem fürstbischöflichen Palast mini|hochkant|Brunnen auf der Place du Marché

Während der Französischen Revolution wurde die Lambertuskathedrale geplündert und niedergebrannt.Zeitgenössische Stiche von Jean-Noël Chevron siehe .

1795 wurde Lüttich von französischen Truppen besetzt, dem Département de l’Ourthe zugeordnet und Teil der Ersten Französischen Republik. Vom Wiener Kongress wurde das Fürstentum Lüttich nicht wiederhergestellt und dem Königreich der Niederlande zugeschlagen, aus dem sich 1830 das Königreich Belgien abspaltete, zu dem Lüttich seither gehört.

Lüttich ist eine Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle- und Stahlindustrie. Bereits 1720 hatte die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland in einer Kohlemine nahe Lüttich ihren Betrieb aufgenommen.Europäische Route der Industriekultur:

Industriezeitalter Vom Lütticher Becken breitete sich die Industrialisierung ab Anfang des 19. Jahrhunderts über den gesamten Kontinent aus. Insbesondere hatte das Stahlunternehmen Cockerill-Sambre seinen Stammsitz in der Nähe von Lüttich.

Von 1888 bis 1892 wurde Lüttich durch den Bau eines Festungsrings mit 12 Forts in Betonbauweise geschützt. 1901 wurde das Limburger Steinkohlerevier erschlossen, das zum Wohlstand der Stadt maßgeblich beitrug.

1905 war Lüttich Standort einer Weltausstellung (Liège International – 1905). In dieser Zeit war die Stadt eine Hochburg der Arbeiterbewegung und auch der wallonischen Bewegung, die für eine Autonomie des südlichen, französischsprachigen Landesteils Belgiens plädierte.

Ende 1908 gründeten Mitglieder des Automobile Club Liégeois den Liège-Spa Aéro Club.Flight Ausgabe 2. Januar 1909, S. 4; www.spa-aviation.be.

Weltkriege Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg war Lüttich wegen seiner Lage an einem wichtigen Maas-Übergang hart umkämpft. Im August 1914, wenige Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs, wurde die Festung erstes Ziel des deutschen Vormarsches durch Belgien gemäß dem Schlieffen-Plan. Während die Zitadelle am 7. August durch einen Handstreich genommen werden konnte, hielten die Forts des Festungsrings, darunter das Fort Loncin, noch über eine Woche stand.

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt wiederum eines der ersten Ziele des deutschen Vormarsches während des Westfeldzugs im Mai 1940. Bekannt wurde die handstreichartige Eroberung des Forts Eben-Emael durch deutsche Fallschirmjäger. Von 1940 bis 1944 war die Stadt von Truppen der Wehrmacht besetzt, gleichzeitig war sie ein Zentrum der Résistance.

Am 24. Dezember 1944 erhielt das Kampfgeschwader 76 der Luftwaffe den Befehl, das Lütticher Eisenbahnnetz durch Bomben zu zerstören. Hauptziel der Angriffe waren die Bahnstationen Jonfosse und Sclessin, in denen die Soldaten der US-Armee versorgt und die Verwundeten der Alliierten evakuiert wurden. Als Folge des Bombardements des Bahnhofs Jonfosse wurde auch das Lütticher Staatsarchiv getroffen, wodurch zahlreiche wertvolle Dokumente der Lütticher Stadtgeschichte zerstört wurden.Bombardierung des Staatsarchivs in Lüttich am 24. Dezember 1944 BELGIUM WWII, virtuelle Plattform zur Geschichte Belgiens im Zweiten Weltkrieg, abgerufen am 15. September 2024

Nachkriegszeit Seit der Industrialisierung wanderten zahlreiche Menschen aus Flandern, Italien und seit 1945 auch aus Nordafrika ein, was sich bis heute in der Bevölkerungsstruktur der Stadt widerspiegelt. In den letzten Jahrzehnten kamen Einwanderer aus subsaharischen afrikanischen Ländern; Lüttich wurde zu einer multiethnischen, multikulturellen Stadt. Insbesondere seit den 1960er Jahren veränderte sich das Stadtbild mit der Beseitigung alter Bausubstanz.

Mit dem Niedergang des Kohlebergbaus im Lütticher Becken und der anschließenden Stahlkrise hatte sich die Region den Schwierigkeiten des Strukturwandels zu stellen und geriet in finanzielle Bedrängnis. In den 1970er Jahren musste unter anderem der Plan zum Bau einer U-Bahn aufgegeben werden.

Am 13. Dezember 2011 tötete ein 33-jähriger Amokläufer sechs Menschen und verletzte 124.

Am 29. Mai 2018 attackierte ein kurz zuvor aus der Haft Entlassener zwei Polizistinnen mit Messern, entwendete deren Handfeuerwaffe und erschoss sie und einen Passanten.Drei Tote bei Geiselnahme in Belgien

Politik Conseil Communal (Stadtrat)

Nach der Wahl 2024 wurde eine 3er Koalition aus PS, MR und LE gebildet.https://www.rtl.be/actu/regions/liege/accord-de-majorite-liege-le-ps-le-mr-et-les-engages-trouvent-un-terrain-dentente/2024-11-09/article/727625

Für eine Koalition mit Mehrheit braucht/bräuchte man also bspw. PS (96) und Ecolo (35) Dann hätte man mit 131 Sitzen eine relativ klare absolute Mehrheit. Möchte man eine 2/3 Mehrheit kann man noch LE (33) hinzugeben, dann hätte man mit 164 von 164 nötigen eine genaue 2/3 Mehrheit. Ansonsten nimmt man halt MR. Dann läge man bei 186 von 164 nötigen Sitzen. Dann hätte man sogar eine knappe 3/4 Mehrheit von 3 Sitzen (184, 185, 186).

Die Summe der Sitzverteilungen von der Wahl 2000 bis zur Wahl 2024 nach Absoluter – und 2/3 Mehrheit:

Wappen Blasonierung: „In Rot eine goldene dreigeteilte Säule mit breiterem Unterteil auf pyramidal flachem dreistufigem Sockel, dieser besetzt mit drei liegenden Löwen, zwei seitlich, auswärts blickend, einer vorne, hersehend, abgeschlossen mit einem kreuzbesetzten Zapfen in einer konischen Ummantelung, beseitet von den goldenen Serifenmajuskeln „L“ und „G“.“

Die Säule ist das Oberteil des Lütticher Marktbrunnens, auf wallonisch als peron (von altfranzösisch perron, „großer Stein“) bezeichnet, ein ehemaliges Justizsymbol auch in anderen Städten des Hochstifts Lüttich.

Bildung In Lüttich befindet sich die französischsprachige Universität Lüttich (gegründet 1817) sowie die Haute École de la Province de Liège (HEPL), eine Hochschule mit vorwiegend wirtschaftswissenschaftlichen, verwaltungsrechtlichen und technischen Studiengängen. Im künstlerisch-musischen Bereich gibt es eine Akademie der Schönen Künste (Académie royale des beaux-arts de Liège), ein Musik-Konservatorium (Conservatoire Royal de Liège) sowie eine Kunsthochschule in kirchlicher Trägerschaft École supérieure des arts Saint-Luc de Liège.

Kultur In Lüttich befindet sich unter anderem La Boverie als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, das Museum Grand Curtius, das mehrere Ausstellungen (unter anderem Waffen und Gläser) vereint, das Aquarium-Museum als Naturkundemuseum mit Spezialisierung auf Fische, das archäologische Archéoforum, das Haus der Naturwissenschaft, das Metallurgie- und Industriemuseum, das Stadtpalais Musée d'Ansembourg, das Trinkhall Museum (ehemals Madmusée), das Museum für wallonische Kunst, das Museum für wallonische Volkskunde, das Museum für den öffentlichen Personennahverkehr des Lütticher Landes, das Freilichtmuseum am Sart-Tilman, das Musée Grétry, das Musée Tchantchès mit einer Marionettensammlung des Bildhauers und Marionettenbauers Denis Bisscheroux und die Schatzkammer der Kathedrale.

Lüttich beherbergt die Opéra Royal de Wallonie und eine königliche Philharmonie. Als kulturell bedeutende Stadt der Großregion Saar-Lor-Lux nahm Lüttich 2007 am Programm des Europäischen Kulturhauptstadtjahres teil. Aus Lüttich kommt der Schriftsteller Georges Simenon.

Die Bibliothek Chiroux bestand von 1921 bis 2023.

Kulinarische Spezialitäten mini|hochkant|Café Liégeois Lütticher Waffeln Lütticher Bouletten, Frikadellen mit süß-saurer Sauce, etwa der Sauce Lapin mit Lütticher Sirup Salade liégeoise, ein Bohnensalat Lütticher Sirup, ein stark eingekochter Dicksaft aus Birnen und Äpfeln Biere der Marken Jupiler und Piedbœuf Nach Lüttich ist der Café Liégeois benannt, der Kaffee (oder Kaffeesirup oder -likör), Vanilleeis und Sahne enthält

Sport Lüttich ist bekannt für das Eintagesrennen Lüttich–Bastogne–Lüttich. Es ist das älteste unter den Klassikern des Radsports.

Überregionale Bekanntheit genießt außerdem der Fußball-Erstligist Standard Lüttich und der ehemalige Erstligist RFC Lüttich. 2000 war Lüttich einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft.

Wirtschaft Lüttich war einst Zentrum der Schwerindustrie und hatte wegen der zahlreichen Hochöfen den Spitznamen la Cité ardente, „die glühende Stadt“, seit den 1970er Jahren ist die Stahlindustrie weitgehend aus der Region verschwunden. Seit dieser Zeit ist die Region von einer dauerhaft hohen Arbeitslosigkeit betroffen (Juni 2011: 26,3 %). Die Stadt bemüht sich seither um die Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben. Seit dem 16. Jahrhundert werden in Lüttich Waffen produziert. Das bis zum heutigen Tag größte Unternehmen ist FN Herstal. Zu den zahlreichen weiteren Industriebetrieben in Lüttich gehört auch die Großbrauerei Piedbœuf, die Teil der Brauereigruppe Inbev ist und in der unter anderem das Bier mit dem Markennamen Jupiler gebraut wird.

Verkehr Eisenbahn mini|Blick auf den Bahnhof Liège-Guillemins und auf das Stadtzentrum im Hintergrund Lüttich ist der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt im östlichen Belgien. Um die Stadt herum verkehren die Linien der S-Bahn Lüttich. Nachstehend sind die wichtigsten Bahnhöfe der Stadt erwähnt:

Bahnhof Liège-Guillemins