Der Mittellandkanal (MLK) ist eine Bundeswasserstraße Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und mit 325,3 Kilometern Länge die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland. Inklusive Stich- und Verbindungskanälen beträgt die Länge 392 km. Er verbindet den Dortmund-Ems-Kanal mit Weser, Elbe und dem Elbe-Havel-Kanal. Im weiteren Sinne ist er Teil einer Verbindung zwischen Rhein und Oder. Im Westen wird die Verbindung zum Rhein über Dortmund-Ems-Kanal und Rhein-Herne-Kanal oder Wesel-Datteln-Kanal hergestellt. Im Osten verbinden Elbe-Havel-Kanal, Untere Havel-Wasserstraße und Havel-Oder-Wasserstraße den Mittellandkanal mit der Oder. In europäischer Dimension ermöglicht er eine Verbindung zwischen den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich und der Schweiz auf der einen sowie mit Polen und Tschechien auf der anderen Seite.

Der Kanal ist auch unter den Namen Ems-Weser-Kanal, Weser-Ems-Kanal, Weser-Elbe-Kanal, Rhein-Elbe-Kanal, Elbe-Weser-Ems-Kanal oder auch Ems-Weser-Elbe-Kanal bekannt. Hierbei handelt es sich um alte oder regionale Bezeichnungen, die nur noch selten verwendet werden.

Verlauf mini|Überquerung der Weser Der Mittellandkanal besteht aus drei Haltungen:

Westhaltung Die Westhaltung zweigt am Nassen Dreieck bei Bergeshövede im Tecklenburger Land auf ohne Höhenunterschied vom Dortmund-Ems-Kanal ab, durchquert die Ausläufer des Teutoburger Waldes in der Gravenhorster Schlucht und führt dann nördlich des Wiehengebirges nach Osten. Bei Bramsche wird die Hase überquert und nach Süden zweigt der Stichkanal Osnabrück ab.

In Minden überquert der Mittellandkanal auf zwei Trogbrücken die Weser und bildet mit zwei Anschlusskanälen das Wasserstraßenkreuz Minden. Im Verbindungskanal Nord liegen die alte Schachtschleuse und die neue Weserschleuse. Der Verbindungskanal Süd weist zwei weitere Schleusen auf, die den Anschluss zum Industriehafen herstellen.

Südlich des Schaumburger Waldes und des Steinhuder Meeres führt er weiter bis Seelze bei Hannover. Hier wird mit zwei Brücken und einer kurzen Haltung dazwischen das Leinetal überquert, wobei die noch bestehende, aber nur noch behelfsmäßig genutzte „Alte Fahrt“ in der ursprünglichen Breite im Zuge des Ausbaues durch eine nördlich parallel errichtete, 1999 eröffnete „Neue Fahrt“ ergänzt wurde.Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung: Kanalbrücken, aufgerufen am 14. Juli 2021 Über den Stichkanal Hannover-Linden und dessen Leineverbindungskanal besteht Anschluss an die Leine und Ihme. Im weiteren Verlauf durchquert der MLK den Norden und Osten Hannovers bis zur Schleuse Anderten, die das Niveau um 14,70 m anhebt.

Scheitelhaltung Ab Anderten verläuft die Scheitelhaltung auf zunächst südostwärts bis Sehnde und wendet sich dann gerade ostwärts durch Peine nach Braunschweig. Die Städte Hildesheim und Salzgitter sind über Stichkanäle angebunden. Hinter Braunschweig schwenkt der Kanal wieder nordostwärts auf Wolfsburg zu, wo die Scheitelhaltung kurz hinter dem Abzweig des Elbe-Seitenkanals an der Kanalstufe Sülfeld in Wolfsburg endet. Diese senkt das Kanalniveau um 9 m ab.

Osthaltung Die Osthaltung führt auf einer Höhe von weiter durch Wolfsburg, unmittelbar am Volkswagenwerk entlang. Im Naturpark Drömling überquert der Kanal die Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt und verläuft nun wieder südöstlich vorbei an Calvörde, Haldensleben und Wolmirstedt nördlich von Magdeburg. In der 918 m langen Kanalbrücke Magdeburg überquert der Kanal die Elbe und erreicht kurz darauf die Kanalstufe Hohenwarthe. Hier endet die Osthaltung, und der Kanal wird um 18,55 m auf das Niveau des Elbe-Havel-Kanals abgesenkt.

Östlich von Hohenwarthe geht der MLK bei km 325,7 in den Elbe-Havel-Kanal über, dieser übernimmt die MLK-Kilometrierung und führt sie weiter bis km 380,9 bei der Einmündung in die Untere Havel-Wasserstraße.

Übersicht Haltung von bis Länge (km) Höhe (m ü. NN)Westhaltung Dortmund-Ems-Kanal Schleuse Anderten 174,2 50,3Scheitelhaltung Schleuse Anderten Schleuse Sülfeld 62,7 65Osthaltung Schleuse Sülfeld Schleuse Hohenwarthe 88,2 56Anschluss Elbe-Havel-Kanal Schleuse Hohenwarthe Elbe-Havel-Kanal 0,6 37

Bau und Geschichte Planungen und Baubeginn 1856 gab es erste Pläne zum Bau eines Schifffahrtskanals vom Rhein bis an die Elbe in der Norddeutschen Tiefebene nördlich der Mittelgebirgsschwelle. Die Idee wurde unter Mitwirkung des Kreisbaumeisters von Hartmann entwickelt. Der Wasserbauingenieur Leo Sympher hatte in Berechnungen die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projektes nachgewiesen, eine Linienführung projektiert und später auch große Teile der Bauarbeiten geleitet.

In der politischen Diskussion wurde das Projekt von sogenannten „Kanalrebellen“ scharf angegriffen, da die ostelbischen Agrarier ein Eindringen billiger Produkte aus dem Westen befürchteten. Als Kompromiss wurde der Kanal, dessen Bau mit dem Inkrafttreten des preußischen Wassergesetzes vom 1. April 1905 beschlossen wurde, zunächst nur bis Hannover geführt. Im folgenden Jahr wurde der erste Bauabschnitt bei Bergeshövede begonnen und der Anschluss an den Dortmund-Ems-Kanal hergestellt. Trotz kriegsbedingter Verzögerungen wurde der Abschnitt bis Minden – damals noch Ems-Weser-Kanal genannt – 1915 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Ein Jahr später war auch die Kanalbrücke über die Weser bei Minden fertig, so dass der Kanal bis Hannover zum Misburger Hafen als östlichem Abschluss vorangetrieben werden konnte. Damit war die Kompromisslösung vollendet.

Ein nördlicher Anschluss wurde ab 1919 mit dem sogenannten Hansakanal geplant. Der Hansakanal sollte in Bramsche vom Mittellandkanal abzweigen, bei Achim die Weser kreuzen und bei Stade die Elbe erreichen. Das Projekt wurde nicht ausgeführt.

mini|hochkant|Einweihung der Hindenburgschleuse in Anderten (1928) Am 26. Juli 1926 wurde in einem Staatsvertrag die Vollendung des Mittellandkanals beschlossen.

Bereits am 14. Dezember 1918 wurde von der preußischen Regierung ein Teilstück von Anderten bis Peine einschließlich des Stichkanals nach Hildesheim im Rahmen von Notstandsarbeiten angeordnet. Die Arbeiten begannen zum Teil direkt nach dem Krieg und waren 1928 mit der Eröffnung der Schifffahrt auf dem Mittellandkanal von Hannover bis Peine und dem Zweigkanal nach Hildesheim abgeschlossen. Die Schleuse Anderten wurde in Hannover durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg 1928 eingeweiht.

1928 begann die nächste Erweiterung des Kanals in östlicher Richtung. 1929 fand die Anbindung des Hafens Peine statt, 1933 die Anbindung des Hafens in Braunschweig. Mit Hilfe des Reichsarbeitsdienstes wurden die Moorniederungen in der südlichen Altmark entwässert, und 1938 wurde mit Vollendung der Schleuse Sülfeld sowie des Schiffshebewerks Rothensee (Eröffnung am 30. Oktober) bei Magdeburg die Verbindung zur Elbe fertiggestellt. Die Elbüberführung gelang jedoch aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht mehr, die Bauarbeiten an der Kanalbrücke über die Elbe und am Schiffshebewerk Hohenwarthe wurden 1942 eingestellt. In der Zeit der Deutschen Teilung wurde der Bau der Elbquerung nicht mehr verfolgt. Schiffe mussten den Umweg über den Abstieg zur Elbe und die Schleuse Niegripp in den östlich sich fortsetzenden Elbe-Havel-Kanal nehmen.

Ebenfalls nicht fertiggestellt wurde der sogenannte „Südflügel des Mittellandkanals“. Dieses 1926 beschlossene Projekt, das zeitgleich zur Erweiterung des Mittellandkanals umgesetzt werden sollte, sah neben dem Ausbau der Saale die Neuanlage mehrerer Kanalabschnitte im Raum Leipzig/Halle vor – damit hätte es eine direkte Schifffahrtsverbindung vom Ruhrgebiet über Magdeburg bis zum mitteldeutschen Industrierevier gegeben. Die im Juli 1933 begonnenen Arbeiten kamen zunächst zügig voran, verliefen jedoch spätestens ab 1937 nur noch schleppend und wurden 1942/43 kriegsbedingt schließlich völlig eingestellt (→ Elster-Saale-Kanal).Dirk Becker Der Südflügel des Mittellandkanals: Per Schiff von Magdeburg über Merseburg nach Leipzig, Projekte-Verlag, Halle 2009

Schleppmonopol

1905 wurde vom preußischen Landtag in dem Gesetz über die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen die Einführung des Schleppmonopols beschlossen. Damit waren nur die staatlichen Schlepper des Monopol-Schleppdienstes auf den Kanälen in den westlichen preußischen Provinzen zugelassen. Im Februar 1915 wurde der Betrieb zwischen Bergeshövede und Minden durch das Schleppamt Minden und im Dezember 1916 zwischen Minden und Hannover durch das Schleppamt Hannover aufgenommen. Am 31. Dezember 1967 wurden diese Dienste eingestellt, der „Selbstfahrer“ hatte sich durchgesetzt.

Ausbau und Abmessungen Geschichte des Ausbaus mini|Unterquerung der A 2 und Abzweig in den Stichkanal Hannover-Linden mini|Neue und alte Kanalbrücke in Minden

Auf der Strecke Bergeshövede–Hannover wurde die Kanaltrasse für 600-t-Schiffe bemessen, es wurde aber bereits die Möglichkeit vorgesehen, durch Erhöhung des Wasserspiegels um 50 cm den Kanal für 1000-t-Schiffe befahrbar zu machen. Östlich von Hannover wurde der Mittellandkanal für das 1000-t-Schiff bemessen.

Ab den 1950er Jahren verdrängten selbstfahrende Motorschiffe die Schleppschifffahrt vollständig, außerdem machten die immer größeren Schiffe einen Ausbau unumgänglich. 1965 wurde der Ausbau des MLK für das Europaschiff (1350 t, Länge 85 m, Breite 9,5 m, Tiefgang 2,5 m) beschlossen, entsprechend der damaligen Wasserstraßenklasse IV. Während des Ausbaus entwickelten sich die Schiffsgrößen weiter, so dass das Großmotorgüterschiff (2300 t, Länge 110 m, Breite 11,40 m, Tiefgang 2,8 m) zur Bemessungsgrundlage wurde. In Anlehnung an den Kanalquerschnitt für das Europaschiff wurde 1994 das bis heute gültige Regelprofil entwickelt, es entspricht der heutigen Wasserstraßenklasse Vb.

Auch auf dem Gebiet der damaligen DDR wurden zwischen 1976 und 1987 bereits Teilstrecken ausgebaut. Allerdings entsprachen diese Strecken nicht den heutigen Anforderungen, so dass die gesamte Osthaltung im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 17 ausgebaut wurde. 1993 wurde mit dem Neubau eines Sicherheitstors bei Haldensleben begonnen, und 1997 war Baubeginn für die Schleuse Rothensee. Ein Jahr später wurde die Querung des Elbtals bei Magdeburg mit dem Baubeginn der Kanalbrücke Magdeburg angefangen. 1999 erfolgte die Grundsteinlegung für die Schleuse Hohenwarthe. Im Jahr 2003 war mit der Einweihung des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg und der Schleuse Hohenwarthe der Mittellandkanal erstmals auf ganzer Länge durchgehend befahrbar. Die bis dahin nötige Umleitung über die Schleuse Rothensee, die Elbe und die Schleuse Niegripp war damit Geschichte.

Weiterhin ist eine Verbindung des Kanals mit dem Twentekanal in den Niederlanden in der Diskussion, welche die Strecke zum Hafen Rotterdam erheblich verkürzen würde, die Wirtschaftlichkeit des Projektes ist jedoch fraglich.Euregio: „Verbindung zwischen Mittellandkanal und Twentekanal nicht wirtschaftlich“, Stand: 2013, abgerufen am 3. Mai 2023.

In den ersten Jahren des Ausbaus wurden lange Strecken im Rechteckprofil mit Spundwänden erstellt. Aus Gründen des Tierschutzes mussten diese Strecken nachträglich eingezäunt werden, um Tiere vor dem Ertrinken zu bewahren. Heute wird deshalb das Trapezprofil bevorzugt. Mit Spundwänden wird nur noch im Bereich von Häfen oder Schleusen ausgebaut. Wenn der Einsatz von Spundwänden auf freier Strecke unumgänglich ist, beispielsweise aus Platzgründen bei der Stadtstrecke Hannover, wird im kombinierten Rechteck-Trapez-Profil (KRT-Profil) ausgebaut. Beim KRT-Profil endet die senkrechte Spundwand etwa 20 cm unter der Wasseroberfläche. Dadurch wird es Kleintieren ermöglicht, das Wasser zu verlassen.

Regelquerschnitt Trapezprofil (schräge Uferböschung): Breite 55 m, Tiefe 4 m, Durchfahrtshöhe 5,25 m Rechteckprofil (Spundwand): Breite 42 m