mini|hochkant|Christine Lieberknecht (2013)

Christine Lieberknecht (geborene Determann, * 7. Mai 1958 in Weimar) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (CDU). Sie war von 1991 bis 2019 Abgeordnete im Thüringer Landtag. Von Oktober 2009 bis Dezember 2014 war sie Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen und Landesvorsitzende der CDU Thüringen. Bis 1990 war sie als Pastorin tätig. Nach Bildung der ersten freigewählten Landesregierung bekleidete sie dann fast durchgehend führende Positionen der Landespolitik als Ministerin oder Landtagspräsidentin.

Sie war die erste Ministerpräsidentin in einem der neuen Länder und die erste von der CDU gestellte Ministerpräsidentin deutschlandweit.

Familie, Ausbildung und Beruf Christine Lieberknecht wuchs als ältestes von vier Geschwistern im Pfarrhaus von Leutenthal auf, wo ihr Vater evangelisch-lutherischer Pfarrer war. Der Vater Lukas Determann (* 13. November 1927; † 15. November 2018), Sohn des Malers Walter Determann,Walter Determann. In: Literaturland-Thueringen.de. war Pfarrer in Leutenthal (1956–1971) und Oßmannstedt (1986–1993) sowie Superintendent von Buttstädt und Apolda (1971–1986); ihre Mutter war Krankenschwester. Lieberknecht war kein Mitglied der Pionierorganisation Ernst Thälmann und nahm nicht an der Jugendweihe teil, trat aber später der FDJ bei.

Nach dem Abitur 1976 an der Erweiterten Oberschule „Geschwister Scholl“ in Bad Berka studierte sie Evangelische Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und war Sekretärin der FDJ-Seminargruppe ihres Studienjahres tätig. Sie legte 1982 das erste theologische Examen ab. Im selben Jahr trat sie ein Vikariat in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen an. 1984 absolvierte sie das zweite theologische Examen. Anschließend war sie bis 1990 als Pastorin für die nördlich von Weimar gelegenen Dörfer Ottmannshausen, Hottelstedt und Stedten am Ettersberg zuständig.

Lieberknecht lebt mit ihrem Ehemann, dem Pfarrer i. R. Martin Lieberknecht, in Ramsla bei Weimar. Sie haben zwei Kinder.

mini|Als Rednerin beim Olof-Palme-Friedensmarsch der CFK Buchenwald-Kapellendorf 1987

Frühe politische Arbeit Lieberknecht trat 1981 in die Blockpartei CDU der DDR ein. Als Pastorin wirkte sie bis 1990 an der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) mit.

Im September 1989 gehörte Lieberknecht mit Gottfried Müller, Martin Kirchner und der Rechtsanwältin Martina HuhnEkkehard Schulreich: Anzeige wegen Wahlfälschung: Die mutige Anwältin von Bad Lausick. Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, S. 31, 4. Februar 2015 (ganzseitiger Zeitungsbeitrag) zu den vier Unterzeichnern des „Briefes aus Weimar“Manfred Agethen: Unruhepotentiale und Reformbestrebungen an der Basis der Ost-CDU im Vorfeld der Wende. Der »Brief aus Weimar« und der »Brief aus Neuenhagen« (pdf), der sich an den Parteivorstand sowie an alle Bezirks- und Kreisvorstände der CDU der DDR richtete und die Aufkündigung des Bündnisses mit der SED forderte. Im Spätherbst 1989 wurde sie in den Parteivorstand der CDU unter dem späteren ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, gewählt. In der Wendezeit wurde sie Gründungsmitglied der ersten Gruppe der Jungen Europäischen Föderalisten in der DDR. Von Mai bis August 1990 arbeitete Lieberknecht im „Politisch-Beratenden Ausschuss“ zur Vorbereitung des Landes Thüringen mit.

Thüringer Ministerin für Kultus und Bundesangelegenheiten (1990–1999) mini|Kabinett Duchač, 1990: Als Kultusministerin war Lieberknecht (Bildmitte) das einzige weibliche Mitglied

Nach der Wende und noch vor der Wiederherstellung des Landes Thüringen mit dem Ländereinführungsgesetz wurde Christine Lieberknecht am 20. Januar 1990 zur stellvertretenden Landesvorsitzenden der CDU Thüringen gewählt. Nach dem CDU-Sieg bei der ersten freien Landtagswahl in Thüringen (14. Oktober 1990) wurde Lieberknecht zur Kultusministerin der neu gebildeten CDU/FDP-Landesregierung ernannt. Eine ihrer ersten Aufgaben war die Umgestaltung des Bildungssystems. In Thüringen wurde ein in Deutschland neues zweigliedriges System mit Gymnasium und Regelschule eingeführt. Thüringen hielt am Zentralabitur nach 12 Schuljahren fest.

Seit dem 19. März 1991 gehörte Lieberknecht auch dem Thüringer Landtag an. Sie rückte für Michael Krapp nach, der zum Staatssekretär als Chef der Thüringer Staatskanzlei ernannt wurde und deshalb sein Mandat niederlegte. Als gegen Ministerpräsident Josef Duchač Vorwürfe laut wurden, er habe während der Zeit der DDR für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet, trat Lieberknecht aus Protest von ihrem Ministeramt zurück und löste so Duchačs Rücktritt am 23. Januar 1992 aus. In: MDR.de. Am 20. Juni 1992 gab Lieberknecht auch den Posten einer stellvertretenden Vorsitzenden der CDU Thüringen ab. Seither war sie zunächst mehrfach kooptiertes Mitglied im CDU-Landesvorstand, bis sie 2009 zur Landesvorsitzenden gewählt wurde.

Von 1992 bis 1994 war Lieberknecht unter dem neuen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten (Kabinett Vogel I). In der Legislaturperiode von 1990 bis 1994 war Lieberknecht das einzige weibliche Mitglied im Kabinett. Nach der Landtagswahl in Thüringen 1994 bildete Vogel eine Große Koalition aus CDU und SPD und ernannte sie zur Ministerin für Bundesangelegenheiten in der Staatskanzlei (Kabinett Vogel II). Dieses Amt hatte sie bis 1999 inne.

Landtagspräsidentin, CDU-Fraktionsvorsitzende und Sozialministerin (1999–2009) Bei der Landtagswahl 1999 erreichte die CDU unter Vogel die Absolute Mehrheit. Dem Kabinett gehörte Lieberknecht allerdings nicht mehr an. Während der 3. Legislaturperiode fungierte sie als Präsidentin des Thüringer Landtags und erwarb sich dabei großen Respekt seitens der Oppositionsparteien SPD und PDS. In ihrer Funktion vereidigte sie 2003 nach dem Rücktritt von Bernhard Vogel auch dessen Nachfolger Dieter Althaus im Amt des Ministerpräsidenten.

Nach der Landtagswahl 2004 trat Lieberknecht die Nachfolge des bisherigen CDU-Fraktionschefs Frank-Michael Pietzsch an; neue Landtagspräsidentin wurde Dagmar Schipanski.

Am 8. Mai 2008 wurde sie als Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit im Kabinett von Dieter Althaus vereidigt, wobei sie Klaus Zeh nachfolgte. Ihr Nachfolger als CDU-Fraktionsvorsitzender wurde Mike Mohring.

Ministerpräsidentin und CDU-Landesvorsitzende (2009–2014) mini|Christine Lieberknecht, 2005 mini|hochkant|Lieberknecht beim Abschluss des Landtagswahlkampfes 2014

Nach dem Verlust der absoluten CDU-Mehrheit im Landtag bei der Landtagswahl in Thüringen 2009 trat Dieter Althaus als Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender zurück. Infolge der Neuformierung der CDU nominierte das Präsidium der Landespartei am 8. September 2009 auf Empfehlung von Finanzministerin Birgit Diezel Christine Lieberknecht einstimmig zur Kandidatin für das Ministerpräsidentenamt im Falle einer möglichen Koalition aus CDU und SPD., Reuters, 8. September 2009 Diezel selbst verzichtete zugunsten Lieberknechts auch auf jegliche Ansprüche auf den CDU-Landesvorsitz. Am 29. September 2009 entschied die SPD Thüringen, Verhandlungen mit der CDU über die Bildung einer Koalition aufzunehmen, und wandte sich gegen eine ebenfalls mögliche Regierungskoalition mit Linken und Grünen. Eine Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht werde von den Sozialdemokraten wegen ihrer ausgleichenden Art akzeptiert.Till Erdtracht: Im dritten Anlauf: Christine Lieberknecht neue Ministerpräsidentin. In: Das Parlament, Nr. 45, 2009.

Am 25. Oktober 2009 wurde Lieberknecht auf einem Parteitag der CDU mit 83,3 Prozent zur neuen Landesvorsitzenden gewählt. Am selben Tag stimmten sowohl CDU als auch SPD dem zwischen beiden Parteien ausgehandelten Koalitionsvertrag mit großen Mehrheiten zu.

Am 30. Oktober 2009 stellte sich Lieberknecht im Thüringer Landtag zur Wahl der Ministerpräsidentin. Im ersten und zweiten Wahlgang erhielt sie überraschend jeweils nur 44 Stimmen; jeweils fehlte eine Stimme zur absoluten Mehrheit. Für den dritten Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit zur Wahl reichte, kandidierte auch der Spitzenkandidat der Linken bei der Landtagswahl 2009, Bodo Ramelow. In diesem Wahlgang erhielt Lieberknecht 55 Stimmen; damit wurde sie zur Ministerpräsidentin gewählt. Nach Heide Simonis war sie bundesweit die zweite Frau und zudem die erste CDU-Politikerin, die Ministerpräsidentin eines Bundeslandes wurde.

Am 4. November 2009 wurden die Minister des Kabinetts Lieberknecht ernannt und vereidigt. In diesem stellte die Union neben der Ministerpräsidentin fünf Minister und Ministerinnen, die SPD erhielt vier Ressorts.

Ein Jahr nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin wurde Lieberknecht am 13. November 2010 auf dem CDU-Landesparteitag in Sömmerda mit 79,6 Prozent als Landesvorsitzende im Amt bestätigt.Frankfurter Rundschau: CDU-Landesparteitage: Müller und Lieberknecht im Amt bestätigt Am 10. November 2012 wurde Lieberknecht auf dem Parteitag der CDU in Seebach mit 75,8 Prozent als Landesvorsitzende wiedergewählt.In Südthüringen: Lieberknecht als Thüringer CDU-Vorsitzende wiedergewählt

Am 19. August 2013 wurde die Aufhebung ihrer parlamentarischen Immunität wegen des Verdachts auf Untreue beantragt, nachdem sie zuvor ihren Staatssekretär Peter Zimmermann mit Pensionsansprüchen in den einstweiligen Ruhestand versetzt hatte, obwohl dieser auf eigenen Wunsch zum Unternehmen Unister wechseln wollte.Erfurter Staatsanwaltschaft beantragt Aufhebung der Immunität Lieberknechts. lvz-online.de, 19. August 2013, abgerufen am 19. August 2013. Am 11. September 2013 hob der Justizausschuss des Thüringer Landtages die Immunität Lieberknechts auf. In: thueringer-landtag.de, 11. September 2013.Christine Lieberknecht verliert ihre Immunität. In: focus.de, 11. September 2013, abgerufen am 11. September 2013. Am 3. Februar 2014 stellte die Staatsanwaltschaft Erfurt die Ermittlungen gegen die Ministerpräsidentin ein, da kein hinreichender Tatverdacht bestand.Ermittlungsverfahren gegen Thüringer Ministerpräsidentin eingestellt Staatsanwaltschaft Erfurt, 3. Februar 2014, abgerufen am 3. Februar 2014.