mini|Topographie des Riesengebirges (100-fach überhöht)

Das Riesengebirge (tschechisch Krkonoše , polnisch Karkonosze, gebirgsschlesisch Riesageberge oder Riesegeberche) ist das höchste Gebirge Tschechiens und Schlesiens. Zentrale Bereiche des Gebirges liegen im 56 km² großen Karkonoski Park Narodowy (Nationalpark Riesengebirge).

Geographische Lage mini|Riesengebirge zwischen den Städten Hirschberg (Hirschbg.) im Norden und Reichenberg (Reichenbg.) im Südwesten mit der Schneekoppe (Schneek.) westlich von Liebau auf einer Landkarte von ca. 1905

Das Riesengebirge erstreckt sich an der Grenze zwischen der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien und Tschechien und erreicht auf der Schneekoppe (tschech. Sněžka, poln. Śnieżka) eine Höhe von 1603 m. Das Gebirge hat subalpinen Charakter mit eiszeitlichen Gletscherkaren, Bergseen und den steilen felsigen Flanken der Berge. Nahe am Kamm, etwa 7,5 km nordwestlich des Zentrums von Špindlerův Mlýn (Spindlermühle), befindet sich in fast 1400 m Höhe die Quelle der Elbe.

Als höchster Teil der Sudeten ist das Riesengebirge das höchste Gebiet der Mittelgebirgsschwelle. Es überragt den Schwarzwald um mehr als 100 m und war damit bis 1945 das höchste deutsche Mittelgebirge. Seit 1959 (Polen) bzw. 1963 (Tschechoslowakei später Tschechien) steht das Riesengebirge als Nationalpark unter Naturschutz. Große Teile des Riesengebirges stehen zusätzlich als Biosphärenreservat unter dem Schutz der UNESCO.

Name mini|Reisebericht aus dem Riesengebirge von 1696 bis 1736

Die Bezeichnung Riesengebirge wurde bereits Anfang des 18. Jahrhunderts verbreitet. In älteren Urkunden wird das Gebiet meist als Gebirge; Schneegebirge oder Böhmisches Gebirge bezeichnet. Dennoch gibt es schon frühere urkundliche Erwähnungen. Auf der Karte Schlesiens (1571) von Martin Hellweg wird der höchste Berg, die Schneekoppe, als Riesenberg bezeichnet. Ebenso in der Trautenauer Chronik (1549) von Simon Hüttel (… bin ich Symon Hyttel mit eilf nachbarn von Trautenauw auf den Hrisberg zu öberst hinauf spaziert). In der Chronik folgen dann auch Bezeichnungen für das die Schneekoppe umgebende Gebirge (Hrisengepirge, Hrisengebirge, Risengepirge), wobei die Herkunft des Begriffs von der Schneekoppe deutlich wird bei der Bezeichnung Hrisenpergisches Gebirge.Walter Sperling: Laut Ernst von SeydlitzErnst von Seydlitz: Geographie 1917 stammt der Name von Riesen, das sind rutschbahnartige hölzerne Rinnen zum Abtransport geschlagener Baumstämme aus steilen Gebirgstälern.

Der polnische Name des Gebirges lautete bis ins 20. Jahrhundert meist Góry Olbrzymie (Riesengebirge), seltener auch Góry Śnieżne (Schneegebirge). Die heute gängige und auch offizielle Bezeichnung Karkonosze war gleichfalls in Gebrauch und ist eine frühe Übernahme aus dem Tschechischen, wobei der tschechische Name vermutlich auf die bei Ptolemäus bezeugte, wahrscheinlich keltische Form Korkontoi (Κορκόντοι) zurückgehtPavel Holubec: (PDF; 98 kB), 2003, S. 9 (tschechisch). oder aber altslawischen Ursprungs ist. Das tschechische Krkonoše (im nordostböhmischen Dialekt Kerkonoše) und das davon abgeleitete polnische Karkonosze geht nach Ptolemäus auf den Stamm der Corconti oder Korkontoi zurück, der in Asciburgius, also im Gebiet des Riesengebirges, gelebt haben soll.

Wincenty Pol nannte die Berge 1847 „Góry Olbrzymie“, Kornel Ujejski verwendete im selben Jahr die Bezeichnung „Karkonosze“.

Geologie mini|Krkonoše ist die tschechische Bezeichnung für das Riesengebirge, hier markiert innerhalb der geomorphologischen Einteilung Tschechiens und Polens

Das Riesengebirge zeichnet sich durch eine komplexe geologische Struktur aus. Hier finden sich zahlreiche Gesteine (z. B. Granite, Glimmerschiefer und Gneise) und Mineralien wie Bergkristall. Reste aus der Eiszeit sind die früheren Gletscherseen im nördlichen Teil des Gebirges.

Der Granit stellt die Hauptmasse der Gesteine im Riesengebirge dar. Das Vorkommen in ellipsoider Form, ein typischer Pluton, erreicht in seiner West-Ost-Richtung eine Länge von 66 km und misst an seiner breitesten Stelle 20 km. Im Kern des Vorkommens liegt der Zentralgranit, der von älteren Gneisen und Glimmerschieferzonen ummantelt wird. In diese Gesteinseinheiten ist Magma während der spätkarbonischen Zeit eingedrungen und ist zu Granit erstarrt. Der sogenannte Riesengebirgsgranit besteht aus rötlichblauem oder fleischrotem bis weißblauem Orthoklas, gelbbraunem Oligoklas, Quarz und Biotit. Des Weiteren kommen darin Plagioklas, Muskovit, Pyrit, Apatit und Zirkon vor. Der Granit hat ein porphyrisches oder gleich- bzw. feinkörniges Gefüge. Der gleichkörnige Granit findet sich vor allem auf dem Gebirgskamm, insbesondere um Janowice Wielkie (Jannowitz) und nördlich der sogenannten „Friesensteine“. Er wird auch Berggranit genannt.

Der Granit mit porphyrischem Gefüge, in dessen feinkörniger Grundmasse sich einzelne große Feldspatkristalle als Einsprenglinge befinden, wird am Ostrand des Riesengebirges und südlich von Jelenia Góra (Hirschberg) gefunden.

In Klüfte des Riesengebirgsgranits sind Magmamassen in der Südwest-Nordost-Richtung des Massivs eingedrungen, die Ganggesteine gebildet haben. Die Vorkommen sind bis zu 30 Meter breit und zum Teil kilometerlang. Es handelt sich um Aplite (feinkörnige Granite) und Pegmatite (großkörnige Granite), porphyrische Granite und Lamprophyre. Es finden sich des Weiteren Malchit und Kersantit. Basalte treten nördlich von Jelenia Góra und Orle (Karlsthal) massenhaft an die Oberfläche.

Der rote porphyrische Riesengebirgsgranit wurde um Jannowitz, Karpniki (Fischbach) und Strużnica (Neudorf) abgebaut. Dieser Granit zeigt ein deutliches Richtungsgefüge durch die Paralleleinlagerung der Feldspäte, hat häufig Haarrisse. Er fand vor allem als Baustein Verwendung.Wilhelm Dienemann, Otto Burre: Die nutzbaren Gesteine Deutschlands und ihre Lagerstätten mit Ausnahme der Kohlen, Erze und Salze. Enke-Verlag, Stuttgart 1929, S. 61ff.

Ausführliche Untersuchungen der Granite des Riesengebirges stammen vor allem von den Geologen Ludwig Milch (1867–1928) und Hans Cloos (1886–1951); letzterer prägte den Begriff der „Granittektonik“.

Geografie mini|Blick von Norden zum Hauptkamm. Große Sturmhaube (Śmielec) (1424 m) und Schwarze Agnetendorfer Schneegrube (Czarny Kocioł Jagniątkowski)

Schlesischer Kamm Der Hauptkamm des Riesengebirges verläuft großenteils in west-östlicher Richtung und bildet die Grenze zwischen Polen und Tschechien. Die auch „Preußischer“ oder „Schlesischer Kamm“ genannte Gipfelkette wird in der Mitte durch die Einsattelung der Mädelwiese (1178 m) in eine westliche und östliche Hälfte geteilt. Auf dem östlichen Schlesischen Kamm liegt die 1603 m hohe Schneekoppe (poln. Śnieżka, tschech. Sněžka), der höchste Berg des Riesengebirges sowie ganz Tschechiens. Die höchste Erhebung des westlichen Schlesischen Kamms ist mit 1509 m das Hohe Rad.

Auf der Hangleiste am Nordhang des Veilchensteins in einer Höhe von 1000 bis 1050 Metern erstreckt sich die Felsformation Bräuerhansens Steine ().

Böhmischer Kamm mini|Blick vom Hauptkamm auf den Böhmischen Kamm und die Spindlerbaude (Špindlerova bouda)

In Tschechien verläuft südlich parallel zum Hauptkamm der nur etwa 100 m niedrigere Böhmische Kamm (auch Innerer Kamm genannt). Er wird bei Špindlerův Mlýn von der Elbe durchbrochen und kann daher ebenfalls in einen westlichen und östlichen Teil unterschieden werden. Der Böhmische Kamm besitzt im Westen mit dem 1435 m hohen Kotel (Kesselkoppe) und im Osten mit dem 1555 m hohen Luční hora (Hochwiesenberg) die jeweils höchsten Erhebungen.

Grenzen und Ausläufer An den Böhmischen Kamm schließen sich nach Süden hin mehrere Nebenkämme (tschech. Krkonošské rozsochy) an. Auf der schlesischen Nordseite in Polen fällt das Gebirge steil zum Hirschberger Tal hin ab, während es sich auf der böhmischen Südseite in Tschechien zum Böhmischen Becken hin senkt. Das Gebirgsvorland weist jeweils Meereshöhen von 300 Metern oder darüber auf. Im Nordosten setzt sich das Riesengebirge in Polen im Landeshuter Kamm fort, im Südosten reicht es über den Bergrücken Kolbenkamm bis zum Liebauer Tor und Rehorngebirge. Die westliche Begrenzung verläuft entlang des Neuweltpass (886 m) bei Jakuszyce (Jakobsthal), dahinter schließt sich an der polnisch-tschechischen Grenze das Isergebirge an. Die Ausdehnung des Riesengebirges beträgt 631 km², wovon 454 km² auf tschechischem und 177 km² auf polnischem Gebiet liegen.

Hydrographische Aspekte mini|links|Elbfall mit Elbfallbaude um 1900

Hauptkamm und Böhmischer Kamm sind durch die Täler von Mummel (Mumlava), Elbe (Labe) und Weißwasser (Bílé Labe) getrennt. Weitere bedeutende Flüsse auf tschechischer Seite sind Velka Úpa (Große Aupa) und Malá Úpa (Kleine Aupa) sowie die Jizerka (Kleine Iser). Die Mumlava und die Jizerka münden in die Jizera (Iser), die im angrenzenden Isergebirge entspringt und den Südwesten des Riesengebirges durchfließt.

mini|Kochelfall im Zackental unterhalb von Schreiberhau

Die Flüsse der tschechischen Seite stürzen oft über steile Kanten von den Rändern der Höhenzüge in die von eiszeitlichen Gletschern geformten Täler. Die größten Wasserfälle auf der Südseite des Gebirges sind Labský vodopád (Elbfall) mit einer Fallhöhe von 50 m, Pančavský vodopád (Pantschenfall) (140 m, höchster Wasserfall Tschechiens), Horní Úpský vodopád (Oberer Aupafall), Dolní Úpský vodopád (Unterer Aupafall) und Mumlavský vodopád (Mummelfall) (10 m). Die bedeutendsten Flüsse auf polnischer Seite sind Zacken (Kamienna), Lomnitz (Łomnica) und Bóbr (Bober). Sie und ihre Zuflüsse verlaufen häufig in engen Felsschluchten und bilden aufgrund des starken Gefälles ebenfalls imposante Wasserfälle, wie den Wodospad Kamieńczyka (Zackelfall) (27 m), den Wodospad Szklarki (Kochelfall) (13,5 m), den Wodospad na Łomnicy (Lomnitzfall) (10 m) oder den Wodospad Podgórnej (Hainfall) (10 m).

Über den Hauptkamm des Riesengebirges verläuft die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee. Die Flüsse der tschechischen Südseite entwässern über die Elbe in die Nordsee, die Flüsse der polnischen Nordseite über die Oder in die Ostsee.

Geomorphologie Das Riesengebirge stellt in der geomorphologischen Einteilung Tschechiens eine Haupteinheit (Celek) dar. Diese wird in weitere Untereinheiten (Podcelek) unterteilt; in diesem Fall Krkonošské hřbety (Hauptkamm), Krkonošské rozsochy (Zweigkämme) und Vrchlabská vrchovina (Hohenelber Bergland). Jede Untereinheit kann noch in kleinere Bestandteile zerlegt werden, die dann Okrsek (Bezirk), Podokrsek (Unterbezirk) und als kleinste Einheit Část bzw. Vchrol (Abschnitt / Gipfel) genannt werden.

Wie bei den geografischen Bezeichnungen werden fast ausnahmslos tschechische Namensformen im ehemals zweisprachigen Gebiet verwendet. Die Ursache hierfür liegt zum einen in der Sprachenpolitik des tschechoslowakischen Staates nach 1918 bzw. 1945, die zum Ziel hatte, frühere deutsche Namen durch tschechische Entsprechungen oder Neuschöpfungen zu ersetzen. Auf der anderen Seite wurden tschechische Namen von der deutschsprachigen Bevölkerung in ähnlicher Weise missachtet.

Nicht selten gingen bei diesem von Ideologie geprägten Vorgehen Unterscheidungsmerkmale verloren. Als Ergebnis sind oftmals unbestimmte und widersprüchliche Bezeichnungen im Gebrauch, die auch in der geomorphologischen Gliederung des Riesengebirges ihren Niederschlag finden.

Auf der schlesischen, heute polnischen Seite des Riesengebirges waren vor 1945 nur deutsche Namen in Gebrauch. Neue polnische Namen wurden politisch festgesetzt.

Die folgenden beiden Tabellen beruhen auf der Einteilung, wie sie von tschechischer Seite vorgenommen wurde. Tschechische Namen werden daher zuerst genannt, es folgen deutsche Bezeichnungen und, wo vorhanden, polnische Begriffe am Ende.