mini|325px|Geologische Karte der Sudeten aus dem Jahr 1909 (Nordrichtung nach links oben) Die Sudeten (, und ) sind ein Gebirgszug in Deutschland, Tschechien und Polen. Sie bilden die nordöstliche Umrahmung des Böhmischen Beckens zwischen dem Elbsandsteingebirge und der Mährischen Pforte.

Das Mittelgebirge der Sudeten gliedert sich in mehrere eigenständige Gebirgsgruppen, von denen das Riesen- und das Altvatergebirge die bedeutendsten sind. Der gesamte Gebirgszug ist 310 km lang und 30 bis 50 km breit. Die höchste Erhebung ist die Schneekoppe im Riesengebirge mit Schneekoppe im Riesengebirge höher als gedacht. In: RP Online, 12. Februar 2014

Gliederung mini|325px|Gliederung der Sudeten mini|Teichbaude, Riesengebirge mini|Hölle, Heuscheuergebirge mini|Projekt Riese im Eulengebirge Die Sudeten werden in drei Hauptabschnitte (West-, Mittel- und Ostsudeten) gegliedert, die wiederum in weitere Untereinheiten unterteilt sind (siehe Skizze und Tabelle).

Die Westsudeten sind der westliche Teil des Gebirgszuges und gehören zu Deutschland, Tschechien und Polen. Die höchste Erhebung – zugleich des gesamten Sudetenbogens – ist die Schneekoppe mit 1603 m. Die Mittelsudeten sind das Teilgebirge um die Stadt Wałbrzych (Waldenburg) in Polen. Bedeutende Steinkohlevorkommen finden sich im Waldenburger Bergland und im Eulengebirge. Die höchste Erhebung ist die Deschneyer Großkoppe im Adlergebirge mit 1115 Metern. Die innersudetische Senke ist mit den Mittelsudeten verwoben. Ihre Randgebirge sind das Waldenburger und das Heuscheuergebirge, das Adler-, Habelschwerdter und Glatzer Schneegebirge sowie in den Ostsudeten das Reichensteiner und das Eulengebirge. Die Ostsudeten (auch Gesenke, tschechisch Jeseníky) sind das Teilgebirge in Schlesien und Mähren in Tschechien. Die höchste Erhebung ist dort der Altvater (tschechisch Praděd) mit 1492 Metern.

Typisch für die Sudeten sind verschiedene Kessellandschaften, wie zum Beispiel das Hirschberger Tal und der Glatzer Kessel.

Hochsudeten (tschechisch Vysoké Sudety, polnisch Wysokie Sudety) ist der Sammelname für Riesengebirge, Glatzer Schneegebirge und Hohes Gesenke (Altvatergebirge).

Nr. Deutsch Tschechisch Polnisch Westsudeten Krkonošská oblast/Zapadní Sudety Sudety Zachodnie 1 Westlausitzer Hügel- und Bergland Západolužické podhůří Pogórze Zachodniołużyckie 2 Oberlausitzer Gefilde Lužická niva Płaskowyż Budziszyński 3 Lausitzer Bergland(Schluckenauer Hügelland) Šluknovská pahorkatina(Lužická hornatina) Pogórze Łużyckie 4 Östliche Oberlausitz Žitavská pánev/Liberecká pánev Obniżenie Żytawsko-Zgorzeleckie 5 Lausitzer Gebirge/Zittauer Gebirge Lužické hory Góry Łużyckie 6 Isergebirgs-Vorland Frýdlantská pahorkatina Pogórze Izerskie 7 Isergebirge Jizerské hory Góry Izerskie 8 Jeschken-Kosakow-Kamm Ještědsko-kozákovský hřbet Grzbiet Jesztiedzki 9 Bober-Katzbach-Vorgebirge Kačavské podhůří Pogórze Kaczawskie 10 Bober-Katzbach-Gebirge Kačavské hory Góry Kaczawskie 11 Hirschberger Tal Jelenohorská kotlina Kotlina Jeleniogórska 12 Landeshuter Kamm Janovické Rudavy/Janovické rudohoří Rudawy Janowickie 13 Riesengebirge(einschließl. Rehorngebirge) Krkonoše Karkonosze 14 Riesengebirgsvorland Krkonošské podhůří Podgórze Karkonoskie 15 Waldenburger Bergland Wałbrzyské hory Pogórze Wałbrzyskie Mittelsudeten Orlická oblast/Střední Sudety Sudety Środkowe 16 Striegauer Berge Strzegomské vrchy Wzgórza Strzegomskie 17 Vorsudetische Senke podsudetská sníženina Obniżenie Podsudeckie 18 Schweidnitzer Ebene svidnická rovina Równina Świdnicka 19 Zobtengebirge Ślęża Masyw Ślęży 20 Waldenburger Gebirge Valbřišské hory Góry Wałbrzyskie 21 Steinegebirge (einschl. Rabengebirge) Javoří hory/Vraní hory Góry Kamienne 22 Braunauer Bergland Broumovská vrchovina Brama Lubawska 23 Eulengebirge Soví hory Góry Sowie 24 Neuroder Senke Náchodská kotlina Obniżenie Nowej Rudy 25 Steinetal Broumovská vrchovina Obniżenie Ścinawki 26 Heuscheuergebirge/Politzer Bergland Broumovská vrchovina Góry Stołowe 27 Nimptsch-Strehlen-Hügelland Němčansko-střelínská pahorkatina Wzgórza Niemczańsko-Strzelińskie 28 Weidenauer Tiefland Vidnavská nížina Obniżenie Otmuchowskie 29 Weidenauer Hügelland Vidnavská nížina Przedgórze Paczkowskie 30 Friedeberger Bergland Žulovská pahorkatina Przedgórze Paczkowskiem 31 Warthagebirge Bardské hory Góry Bardzkie 32 Glatzer Kessel Kladská kotlina Kotlina Kłodzka 33a Adlergebirge Orlické hory Góry Orlickie 33b Habelschwerdter Gebirge Bystřické hory Góry Bystrzyckie 34 Adlervorgebirge Podorlická pahorkatina Pogórze Orlickie Ostsudeten Jesenická oblast/Východní Sudety Sudety Wschodnie 35 Reichensteiner Gebirge Rychlebské hory Góry Złote 36 Glatzer Schneegebirge (einschl. Bielengebirge) Králický Sněžník Masyw Śnieżnika 37 Zuckmanteler Bergland / Oppagebirge Zlatohorská vrchovina Góry Opawskie 38 Altvatergebirge (Hohes Gesenke) Hrubý Jesenik Wysoki Jesionik 39 Hannsdorfer Bergland Hanušovická vrchovina Wysoczyzna Hanušowicka 40 Müglitzer Furche Mohelnická brazda Rów Mohelnicki 41 Hohenstädter Bergland Wrzesińska wyżyna Zábřežská vrchovina 42 Niederes Gesenke Nízký Jeseník Niski Jesionik

Charakteristik mini|Blick entlang des Riesengebirgshauptkammes von der Schneekoppe Richtung Grenzbauden In Tallagen herrscht Mischwald vor. Ab 600 m findet sich Fichtenwald. Ab 1200 Metern (Waldgrenze) wird Almwirtschaft betrieben, gelegentlich finden sich Hochmoore.

Die niederschlagsreichen Sudeten sind eine bedeutende Wasserscheide. Wichtige Quellflüsse sind die Elbe (Labe) und die Oder (Odra). Der Norden wird über die Oder zur Ostsee, der Süden über die Elbe zur Nordsee und der Südosten über die March (Morava) zur Donau ins Schwarze Meer entwässert.

Die schneesicheren Winter sind die Grundlage für den Wintersport im Riesengebirge und Altvatergebirge. Im Sommer ist der Wander- und Erholungstourismus prägend. Mit Cieplice Śląskie-Zdrój (Bad Warmbrunn), Polanica-Zdrój (Bad Reinerz) und Świeradów-Zdrój (Bad Flinsberg) befinden sich einige überregional bedeutende Kurorte in der Region. Traditionelle Erwerbszweige sind die Weberei, Glasherstellung, Papierindustrie und Textilindustrie.

Geschichte des Begriffes Der Name Sudeten wurde von der Bezeichnung Soudeta ore (deutsch möglicherweise Wildschweinberge) abgeleitet, die der griechische Geograph Claudius Ptolemäus im Jahre 150 für die heutigen nördlichen böhmischen Gebirge verwendete.Ptolemäus, Geographie 2.11.7; 2.11.23: Σούδητα ὄρη (Soúdēta orē)

Nach 1918 wurde die deutschsprachige Bevölkerung in der Tschechoslowakei gemeinhin als Sudetendeutsche bezeichnet. Ihr Siedlungsgebiet in Böhmen und Mähren wurde danach politisch konnotiert als Sudetenland benannt, obwohl der größte Teil weit außerhalb der Sudeten lag. Korrekt sind die Begriffe „Deutschböhmen“ für das Gebiet, so wie für die dort lebenden Menschen Deutschböhmen und Deutschmährer. Die in Deutschland weiterhin aktive Organisation der vertriebenen Deutschböhmen und Deutschmährer trägt auch heute noch den Namen Sudetendeutsche Landsmannschaft.

Nach der mehrheitlichen Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung in der Tschechoslowakei von 1945 bis 1948 vermied man dort den Begriff Sudety. Seit 1979 sprach man eher von der Krkonošsko-jesenická subprovincie (deutsch etwa „Bereich Riesengebirge-Altvatergebirge“).

Im Bereich der Geowissenschaften ist der Begriff „Sudeten“, meist in Wortverbindungen, ein gängiger Terminus. Als bekannte Beispiele gelten die nördliche Struktureinheit des Böhmischen Massivs, die man als západosudetská oblast (Westsudetische Zone) bezeichnet, oder die Westsudetische Insel (západosudetský ostrov). Die západosudetská oblast, ein regionalgeologischer Abschnitt, umfasst das Riesen- und Isergebirge sowie Teile der Lausitz. Für lithofazielle Einheiten permischen Alters im Vorland dieser Gebirge ist der Begriff sudetské mladší paleozoikum (Sudetisches Jungpaläozoikum) gängig. Eine andere geologische Struktureinheit von herausgehobener Bedeutung ist das Innersudetische Becken (tschechisch vnitrosudetská pánev; polnisch Niecka śródsudecka). Weitere Verwendungen für spezielle Zwecke sind üblich (sudetské fáze / Sudetische Phase des Variszikums). Die Nutzung des Begriffes „Sudeten“ ist in der Fachsprache tschechischer Geowissenschaftler in Kontinuität und diesbezüglich über die Landesgrenzen hinaus anerkannter Stand der Wissenschaft.Ivo Chlupáč et al.: Geologická minulost České Republiky. Praha (Academia) 2002. S. 14, 173, 187, 209, 265, ISBN 80-200-0914-0.Vnitrosudetské pánev, Beschreibung auf der Webpräsenz der Masaryk-Universität in BrnoPermokarbonské vnitřní molasové pánve. Beschreibung auf der Webpräsenz der TU Ostrava, Ingenieurgeologisches Institut..

Literatur Wilhelm Scharenberg und Friedrich Wimmer: Handbuch für Sudeten-Reisende mit besonderer Berücksichtigung für Freunde der Naturwissenschaften und die Besucher schlesischer Heilquellen. 3. Auflage, Berlin 1862 (books.google.it). Walther Dressler: Die Schlesischen Gebirge. Band 1: Riesen- und Isergebirge, Bober-Katzbach-Gebirge, Landeshuter Bergland. Storm Reiseführer, Berlin 1931. Bernhard Pollmann: Riesengebirge mit Isergebirge. Rother Wanderführer, München 1996, ISBN 3-7633-4222-2. Judith Leister: Der Geschmack der Heimat – Siebzig Jahre nach Kriegsende entsteht das Sudetendeutsche Museum. In: Neue Zürcher Zeitung, Internationale Ausgabe, Feuilleton, 1. Dezember 2016, S. 20 (nzz.ch).

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