miniatur|Automatisches Kleinteilelager mini|Hochregallager mini|Außenlager mit Ton-Rohren der Heinrich Taxis GmbH + Co. KG in den 1920er Jahren. Unter Lagerhaltung versteht man in Produktion und Logistik das Lagern von Material als Teilaufgabe der Materialwirtschaft.

Lagerung bedeutet die gewollte Unterbrechung des betrieblichen Materialflusses, d. h., es entstehen bewusst gebildete Lagerbestände. Die Lagerhaltung erfordert ein Lager, d. h. einen Raum, ein Gebäude (Logistikimmobilie) oder ein Areal, in dem Waren aufbewahrt werden können, und ist zentrales Thema des Bestandsmanagements.

Als Wirtschaftszweig nennt man das Lagerhaltungswesen die Lagerei, sie fällt unter den systematischen NACE-Abschnitt I Verkehr und Lagerei (Rev 2, 2010).

mini|Lagerplätze in sogenannten Lagerkartons auf einer Europalette

Gegenstand der Lagerhaltung Lagerobjekte können sein Werkzeuge (Werkzeugausgabe getrennt nach Investitionsgütern, zum Beispiel Maschinen, und Verbrauchsgütern wie Büromaterial); Produktionsmittel (interne Lagerhaltung / Logistik mit ext. Lieferanten); Produkte (Fertigprodukte oder Halbfertigprodukte) (Warenlager, Kommissionierung, Versandabteilung, externe Spedition); Betriebsstoffe, die verbraucht werden, aber nicht in das Produkt eingehen; Roh- und Hilfsstoffe, die in das Produkt eingehen und Transportmittel, die lediglich zum Transport von Produkten vorgehalten werden und meist zurückkehren.

Personal wird nicht gelagert, sondern allenfalls intern oder extern bereitgehalten. Daher sind die Merkmale, Strategien und Optimierungsverfahren der Lagerhaltung auf Personal nicht anwendbar.

Funktionen und Aufgaben der Lagerhaltung Im Wesentlichen unterscheidet die Lagerlogistik folgende Lagerfunktionen bzw. Aufgaben:Baumann, Baumgart, Kähler, Lewerenz, Schliebner: Logistische Prozesse – Berufe der Lagerlogistik; ISBN 978-3-441-00360-1Kummer, Grün, Jammernegg: Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, Pearson, 2006, S. 216f.Christof Schulte: Logistik – Wege zur Optimierung der Supply Chain, Vahlen, 5. Auflage, 2009, S. 228 f.

Sicherungsfunktion Überbrückungsfunktion Veredelungsfunktion Umformungsfunktion Spekulationsfunktion

Sicherungsfunktion Bei der Sicherungsfunktion dient das Lager zur Sicherstellung der Produktion und Lieferung und ist mit der privaten Hortung vergleichbar.

Die Sicherungsfunktion kommt zum Zuge, wenn ungenügend Informationen über zukünftige Mengenbedarfe, Liefer- und Bedarfszeitpunkte im Unternehmen vorhanden sind. Das kann insbesondere der Fall bei Produkten sein, die saisonalen Schwankungen – und damit Lieferengpässen – unterworfen sind, aber eigentlich ständig verfügbar sein müssen.

Um diese ständige Verfügbarkeit zu gewährleisten, werden ausreichende Puffermengen durch Eiserne Bestände, Mindestmengen und Meldebestände definiert, die durch die Belieferungszeit einer möglichen Bestellmenge bei den Beschaffungsquellen kalkuliert werden. Dadurch werden die benötigten Mengen immer – in zumindest ausreichender Quantität und Qualität – verfügbar gehalten (siehe Abschnitt Lagerbestände).

Bei der Bereitstellungs- oder Sortimentsfunktion trägt die Lagerhaltung zu einer Spannweite im Sortiment bei. Insofern ergänzt die Bereitstellungsfunktion die Ausgleichsfunktion, da dadurch die Teile des Sortiments, wo Diskrepanz zwischen Mengen der Beschaffung und des Verkaufs besteht, überbrückt werden.

Überbrückungsfunktion Ist die Beschaffungsmenge größer als die Produktionsmenge, so wird durch die Ausgleichsfunktion das für die Produktion noch nicht verwendete Material gelagert. Ein Lager wird dabei als Zwischenspeicher benutzt, um den Materialfluss stabil in den Mengenströmen zu halten. Auch dient die Überbrückungsfunktion dazu, Fertigwaren zur Auslieferung bereitzustellen, bevor sie zur Auslieferung kommen. Eine Lagerung im Sinne der Überbrückungsfunktion kann auch dynamisch erfolgen, wenn z. B. Güter auf Stetigförderern (Laufbänder, Rollbahnen etc.) geparkt oder dort in Warteschleifen bewegt werden.

Veredelungsfunktion Die Veredelungsfunktion wird auch Produktionsfunktion des Lagers genannt, die erst eine anschließende Verarbeitung ermöglicht. Die Veredelungsfunktion bezeichnet eine Lagerung, die zur gewollten Veränderung des Produktes führt und somit Teil des Produktionsprozesses ist. Dies trifft insbesondere zu bei Trinkalkohol (Rum, Wein, Whisky etc.) Früchten (u. a. Bananen) Holz Tierprodukten (Honig, Käse, Leder, Schinken etc.)

Umformungsfunktion Insbesondere in Lagern der Handelsunternehmen nimmt das Lager Umformungsaufgaben wahr; beispielsweise wird die Ware in verkaufsfähige Verpackungen umgefüllt und etikettiert. Hier kann auch eine ergänzende Aussortierungsaufgabe definiert werden, bei der nicht verkaufsfähige Ware aussortiert und entsorgt wird.

Spekulationsfunktion Gründe für die Spekulationsfunktion der Lagerung können vorhersehbare extreme Preisschwankungen auf dem Beschaffungsmarkt oder besonders niedrige Einstandspreise sein. Außerdem kann durch die Bestellung großer Mengen und den dadurch erhaltenen Rabatten mit Lagerware spekuliert werden. Allerdings kann sich dies bei einem Preisverfall des Gutes auch negativ auswirken, z. B. bei Hardware.

Sonstige Aufgaben Eine Größendegressionsfunktion erfüllt das Lager, weil es Bestellungen zu mehreren Stück ermöglicht und so die Bestellkosten pro Einheit senken kann.

Zur Umweltschutzfunktion zählen die Rücknahme und Sammlung von Mehrwegverpackungen und Wertstoffen im Rahmen des „Dualen Systems“ (DSD) Rücknahme und Sammlung der Altprodukte zur Wieder- bzw. Weiterverwendung, Verwertung bzw. Entsorgung sichere Lagerung von Gefahrstoffen

Insbesondere wird darüber hinaus auch zu Ausbildungszwecken gelagert; so werden Lager angelegt, die außer der Ausbildung keinerlei Funktion haben; die darin gelagerten Stücke werden dann weder für die Produktion noch für den Handel verwendet.

Lagerarten

Die Einteilung der Lager kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen; folgende Aspekte zählen zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen (mit Überschneidungen):

nach zu lagernden Güterarten: Konsistenz (fest, flüssig, gasförmig) Materialart (Holz, Metall, Kunststoff, Glas etc.) Gewicht (Schwergut) Volumen (klein, groß, sperrig) Temperatur (Kühllager) Flachgutlager Langgutlager Menge (geringe, mittlere oder hohe Bestände) Stückgutlager Lager- und Verbrauchseinheiten (Stück, Paar, Dutzend, Stufungen à 10, 100 etc.) Lagerzustand (z. B. verpackt, unverpackt, stapelbar) Wert (Gering- oder hochwertig; wichtig in der ABC-Analyse) Empfindlichkeit (Wetter- oder Klima­festigkeit, Pflege- und Wartungsbedürftigkeit, Verderblichkeit) Gefährlichkeit (spitz, scharf, giftig, ätzend, strahlend, umweltgefährdend) Gefahrstofflager Magazin (insbesondere militärische Vorratslager mit spezieller Absicherung) Verwendungsart (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) Haltbarkeit (begrenzt oder unbegrenzt) Umschlagshäufigkeit (Schnelldreher, Warenrotation, Einteilung nach ABC-Analyse) Betriebsart des Unternehmens Industriebetrieb Roh-, Hilfs- und Betriebsstofflager als Vorratslager Puffer-, Werkstatt-, Sperr- oder Zwischenlager Fertigwaren bzw. Erzeugnislager Großhandel Kommissionslager Konsignationslager Einzelhandel Verkaufslager Spedition Auslieferungslager Verteilerlager (z. B. Hubs im Speditionswesen) Zolllager (Verwahrlagerung) Lagerstandort zentrale Lager (Zentrallager) dezentrale Lager Handlager (für Bedarfsgut) Lagerbauweise Freilager Bunkerlager (als Schüttgutlager) Geschlossene Lager Flachlager (bis 8 m Raumhöhe) Etagenlager Hochregallager Traglufthallenlager Speziallager Lagereigentümer bzw. Verwaltungsform Eigenlager Fremdlager Lagertechnik Bodenlager mit Lagergerät (Flurfördermittel, Krane, Regalbediengeräte etc.) ohne Lagergerät (manuelle Einlagerung) Blocklager (u. a. für Container, Paletten, Gitterboxen) Reihenlager Lagereinrichtungen Regallager Fachbodenregal Palettenregal Einfahrregal Durchlaufregal Kragarmregal Waben- und Kassettenregal (für Langgut oder Flachgut) Verschieberegal Umlaufregal (horizontaler Umlauf) Paternosterlager (vertikaler Umlauf) Turmregal (für Flachgut oder Langgut) Einschubregal Kanalregal bzw. Tunnellager Lagerkarton Automatische Behälterregale bzw. Automatisches Kleinteilelager Schranklager Lagertransportmittel

Die Planung eines Lagers muss zum Ziel haben, dass es der benötigten Lagerfunktion nachkommen kann; insbesondere dass im Sinne der Sicherungsfunktion z. B. Fertigungsstellen fortlaufend mit den benötigten Materialien versorgt werden können. Die Lagerplanung bezieht sich auf die Planung der Lagerorganisation, der Lager- und Transporttechnik, der zu lagernden Lagereinheiten sowie des Lagerlayouts. Durch eine systematische Lagerplanung sollen unter anderem Lagerhaltungskosten reduziert werden. Des Weiteren kann die Lagerplanung dazu beitragen, den Mechanisierung- und Automatisierungsgrad zu erhöhen.

Bei der Wahl von Lagerstandorten muss entschieden werden, ob das Lager zentral oder dezentral geführt wird. Bei der Entscheidung über den Zentralisationsgrad ist häufig der räumliche Aspekt ausschlaggebend:

Zentrale Lagerhaltung bedeutet die räumliche Zusammenfassung aller Lagerhaltungsfunktionen und aller Lagergüter unter einheitlicher Leitung. Die Vorteile, die sich aus der zentralen Lagerung ergeben, sind eine Erleichterung der Warenannahme, Pflege, Erhaltung, Bestandsermittlung und -prüfung. Weitere Punkte sind die geringe Kapitalbindung des Umlaufvermögens, geringere Vorräte und geringere Raumkosten.

Bei der dezentralen Lagerhaltung werden die Einsatzstoffe am Ort des Bedarfsträgers in Form von Zwischenlager (Pufferlager) gelagert. Die wesentlichen Vorteile dieser Lagermethode sind die höhere Flexibilität, die genauere Disposition der einzelnen Materialien in den Fertigungsbereichen und die kürzeren Transportwege.

Lagerplatzsysteme Bei der festen Lagerplatzzuordnung werden für jeden Artikel feste Lagerplätze bereitgestellt, die nur für diese Artikel reserviert sind („Gleiches zu Gleichem“). Der Vorteil liegt in der einfachen Bestimmbarkeit des Lagerplatzes. Durch die im Zeitablauf schwankenden Lagerstände je Artikel wird ein Teil des fix zugeteilten Lagerplatzes nicht genutzt, wodurch es zu einer schlechten Auslastung der Lagerkapazität kommt.

Bei der dynamischen Lagerplatzzuordnung (open warehouse system) werden die Artikel an einem freien Lagerplatz gelagert. Die Einlagerung erfolgt beliebig oder nach vorgegebenen Parametern. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass, wenn Störungen zum Beispiel in einer Lagergasse auftreten, dasselbe Material von einer anderen Lagergasse entnommen werden kann. Der größte Vorteil jedoch ist eine sehr hohe Auslastung der Lagerkapazität. Um den späteren Zugriff auf die Lagerartikel zu gewährleisten, müssen jedoch die Lagerplätze genau dokumentiert werden. Dies kann mit einer Lagerfachkarte erfolgen, welche dann die Daten im EDV-System abspeichert, oder der Lagerplatz wird von einem Lagerverwaltungssystem vorgegeben. Bei der chaotischen Lagerung von Gefahrstoffen (z. B. bestimmte Klebstoffe, Prozesschemikalien) sind Beschränkungen und Zusammenlagerungsverbote zu berücksichtigen, damit gefährliche Reaktionen bei Störfällen vermieden werden.

Lagerbestand Ein Lagerbestand als solcher ist die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Lager befindliche Menge eines Gutes. Folgende besondere Bestände sind von Bedeutung: Mindestbestand Meldebestand (Bestellpunkt) Maximal- oder Höchstbestand