mini|Neresheim, Luftaufnahme (2016), Blick von Süden, am rechten Rand die Abtei Neresheim mini|Gesamtansicht von Westen mit Blick auf die Benediktinerabtei mini|hochkant|Hauptstraße mit Rathaus
Neresheim (schwäbisch: „Näres“) ist eine Stadt im Ostalbkreis im Osten von Baden-Württemberg, ein staatlich anerkannter Erholungsort, am Fuße der auf dem Ulrichsberg gelegenen Abtei Neresheim, eines der bedeutendsten Kirchengebäude des Spätbarocks. Sie gehört zur Region Ostwürttemberg. Stadt und Abtei sind Ehrenmitglied der Royal Academy of Music.
Geographie Geographische Lage Neresheim liegt im Herzen des Härtsfelds, zwischen Aalen und Nördlingen im östlichsten Teil der Schwäbischen Alb. In und nahe Neresheim entspringt in mehreren Quellen die Egau, die nach etwa 40 km bei Dillingen in die Donau fließt.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an die Stadt Bopfingen und die Gemeinde Riesbürg, im Osten an die bayerischen Gemeinden Nördlingen, Ederheim und Forheim, im Süden an Dischingen, Nattheim und die Stadt Heidenheim an der Brenz, alle drei im Landkreis Heidenheim, und im Westen an die Kreisstadt Aalen.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Neresheims besteht aus der Kernstadt und den zwischen 1892 (Schloß Neresheim, heute wieder Kloster Neresheim genannt) und 1975 (Ohmenheim) eingegliederten Gemeinden.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 763–768. Die in den 1970er Jahren eingemeindeten Ortschaften sind heute Stadtteile mit eigenen Ortsvorstehern.
Stadtteil Wappen Fläche in km² Einwohner (31. Dezember 2022) Teilorte Neresheim (Kernstadt) 40px|Wappen von Neresheim 23,87 3.548 Stetten, Kloster Neresheim, Eichhof, Eichplatte, Gallusmühle, Geißhalde, Lixhöfe, Riegel, Steinmühle, Sägmühle, Härtsfeldwerke Dorfmerkingen 40px|Wappen von Dorfmerkingen 23,45 1.035 Dossingen, Hohenlohe, Weilermerkingen, Hölzleshof, Schlosshof Elchingen auf dem Härtsfeld 40px|Wappen von Elchingen 22,56 1.541 Haldenhöfe Kösingen 40px|Wappen von Kösingen 13,36 544 Hohlenstein, Fluertshäuserhof, Rotenberg Ohmenheim 40px|Wappen von Ohmenheim 22,13 1.166 Dehlingen, Maueräcker Schweindorf 40px|Wappen von Schweindorf 13,15 262 Mörtingen
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Neresheim. Statistisches Landesamt.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Obwohl die Gegend schon viel früher besiedelt war, wurde Neresheim erstmals 1095 in einem Schenkungsbrief im Zusammenhang mit der Gründung der Abtei Neresheim genannt und 1350 zur „Statt“ erhoben. Die Territorialzugehörigkeit und Geschichte Neresheims deckt sich bis zur Säkularisation 1803 mit der Geschichte der Abtei. 1634, während der Blutnacht von Neresheim im Dreißigjährigen Krieg, zählte Neresheim nur noch 250 Einwohner. Die Stadt erholte und entwickelte sich dann wieder. 1796 besetzten französische Truppen Neresheim. Eine Nennung der Stadt in der Inschrift am Triumphbogen in Paris bezieht sich auf die Schlacht bei Neresheim am 11. August 1796.
Von 1803 bis zur Rheinbundakte 1806 gehörte Neresheim zum Territorium der Fürsten von Thurn und Taxis. Nach einer vierjährigen Zugehörigkeit zum Königreich Bayern kam Neresheim auf Grund des Grenzvertrags von 1810 zum Königreich Württemberg. Die Stadt wurde Sitz des Oberamts Neresheim mit den entsprechenden Einrichtungen wie Amtsgericht und Gefängnis, später auch Krankenhaus und Oberschule.
mini|T33 der Härtsfeldbahn
20. Jahrhundert 1900 begann der Bau der Härtsfeldbahn zwischen Aalen und Dillingen mit Neresheim als Betriebsmittelpunkt. Die Bahn war eine Schmalspurbahn (Meterspur) und diente neben dem Personenverkehr hauptsächlich dem Holztransport aus den Neresheim umgebenden Thurn und Taxis’schen Wäldern sowie dem Kalksteintransport aus den Steinbrüchen. Der Bahnbetrieb wurde 1972 eingestellt; ein Abschnitt wurde 2001 als Museumsbahn wiedereröffnet.
Das Oberamt bzw. seit 1934 der Kreis Neresheim bestand bis 1938, als Neresheim im Zuge der Verwaltungsreform dem neu gebildeten Landkreis Aalen zugeordnet wurde.
Entwicklung des Stadtgebiets in der Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Neresheim in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden. 1945 zählte der Hauptort Neresheim mit überwiegend bäuerlicher Struktur rund 900 Einwohner und musste etwa ebenso viele Flüchtlinge aufnehmen. 1952 kam Neresheim zum Land Baden-Württemberg.
Mit der Flurbereinigung 1957 und Aussiedlung fast aller Bauernhöfe zu den Lichshöfen und Eichplatte begann für Neresheim die Wandlung zur „richtigen“ Stadt. 1958 wurde das Härtsfeld von der damaligen Landesregierung als Sanierungsgebiet eingestuft (Förderprogramm Härtsfeld) und die Gemeinden mit Schwerpunkt Neresheim erhielten umfangreiche Fördermittel für ihre kommunalen Maßnahmen. Großer Aufholbedarf herrschte bei der Infrastruktur. So mussten vordringlich mit diesen Mitteln Wasserversorgung und Kanalisation mit Kläranlage, dann Schul- und Sportstätten entweder neu geschaffen oder erneuert werden.
Industrieansiedlungen wurden mit mäßigem Erfolg versucht und sind meist nach einigen Jahren gescheitert. Trotzdem gab es eine rege Bautätigkeit im Baugebiet Sohl außerhalb des Ortskernes. Neresheim wurde wegen seiner Schulen ein beliebtes Wohnziel von Pendlern der Industriebetriebe in Heidenheim und Aalen.
Eingemeindungen Bereits im Jahr 1892 wurde die Gemeinde Schloß Neresheim eingemeindet.Kloster Neresheim auf LEO-BW Heute ist sie kein eigener Stadtteil, sondern gehört zur Kernstadt.
Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1971 die Gemeinden Schweindorf und Kösingen, am 1. März 1972 die Gemeinde Dorfmerkingen, am 1. Mai 1972 die Gemeinde Elchingen auf dem Härtsfeld und am 1. Januar 1975 die Gemeinde Ohmenheim eingemeindet. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Neresheim zum Ostalbkreis kam.
Der Ortskern bzw. die eigentliche Hauptstraße verödete und verfiel teilweise. Erst ab 1980 konnte im Rahmen der Städtebauförderung durch eine gezielte Stadterneuerung mit der Restauration des Rathauses, der Neugestaltung des Marienplatzes und der Marktstraße, sowie dem Abriss und der Sanierung zerfallener Bausubstanz begonnen werden. Diese Sanierung ist noch nicht abgeschlossen, jedoch füllt sich der Ortskern bereits mit neuem Leben. Zwischenzeitlich hat sich eingangs des Ortes auf dem Gelände der früheren Firma WAP im Härtsfeld Center eine kleine Ansiedlung von Handelsketten und Geschäften gebildet.
Abgegangene Ortschaften Abgegangene Ortschaften, gruppiert nach der ehemaligen Gemeinde, auf deren Gebiet sie lagen, sind: Elchingen: Fachsenberg, Hohensalach und Lebern Kösingen: WeihnachtshofRegional bedeutsame Kulturdenkmale in Ostwürttemberg. Schwäbisch Gmünd 2004, S. 53. Neresheim: Eschenbach und Marterfelden (?) Ohmenheim: Fartesheim, Echenwanc, Hecelesberc, Adellohesberc, Buch, Mittel- oder Michelstetten und Sommerhof
Religionen mini|Neresheimer Kirchtürme v. l. n. r.: Friedhofskirche (ehemalige kath. Pfarrkirche), Kath. Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Rathaus (mit spitzem Glockenturm der evangelischen Gemeinde aus dem Jahr 1893), Abteikirche Neresheim ist stark im katholischen Glauben verwurzelt und durch die Benediktinerabtei geprägt. Trotzdem gab es einige wenige, hauptsächlich als Beamte des Oberamtes zugewanderte evangelische Familien, die zuerst energisch erkämpft im Rathaus – das deswegen einen Turm hat – und später im Haus Franzke (heute Zuckermann) einen eigenen Betsaal hatten. Der Hauptort hat zwei katholische Kirchenbauten mit den typischen Zwiebeltürmen. Bis Anfang der 1970er Jahre war es üblich, dass der katholische Stadtpfarrer bei Haus- oder Krankenbesuchen das Brevier betend durch den Ort ging und von den männlichen Passanten ehrfürchtig durch Abnehmen des Hutes oder der Mütze und von den Frauen durch Kniebeuge und Kreuzzeichen gegrüßt wurde. Auch die Teilorte haben eigene katholische Kirchen und stark im Glauben verwurzelte Gemeinden. Sie gehören alle dem Dekanat Ostalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart an. Eine Ausnahme ist der Teilort Schweindorf, der, ursprünglich zum evangelischen Nördlingen gehörend, schon immer eine evangelische Insel auf dem Härtsfeld mit eigener Kirche bildete, die auch die wenigen evangelischen Christen aus Neresheim betreute.
Durch den Zuzug der Flüchtlinge am Ende des Zweiten Weltkriegs stieg der Anteil der Evangelischen auf 25 %. Nach der anfänglichen Betreuung durch den Pfarrer Wagner aus Schweindorf bekam Neresheim 1956 den evangelischen Vikar Eberhard Gaier, der später als Pfarrer mit unternehmerischem Talent und Energie eine eigene Kirche baute, seinen Pfarrbezirk auf weitere Orte ausweitete und das heutige, zur evangelischen Diakonie gehörende Samariterstift, damals als Bruder- und Schwesternschaft Haus am Sohl, gründete.
Das Benediktinerkloster hatte immer Sitz und Stimme im Gemeinderat und nahm Einfluss auf die Politik und Entwicklung des Ortes, was dazu führte, dass die Gegend sich nur behutsam Veränderungen stellte. Heute ist sie ein gern besuchtes naturnahes Erholungsgebiet mit dem Kloster als Mittelpunkt.
Politik
Gemeinderat In Neresheim wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Neresheim hat nach der letzten Wahl 16 Mitglieder (2019: 18). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die letzte Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis:
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 61,9 10 54,5 10 54,0 9 FW Freie Wählervereinigung 17,3 3 19,1 3 28,5 5 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,5 1 16,3 3 – – SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 11,3 2 10,2 2 15,2 2 FB Freie Bürgergemeinschaft – – – – 2,4 0 Gesamt 100 16 100 18 100 16 Wahlbeteiligung 66,3 % 62,5 % 53,3 %
Verwaltung Bürgermeister ist seit 1. Januar 2018 Thomas Häfele (CDU). Zuvor amtierten von 1946 bis 1985 Anton Hegele und von 1986 bis 2017 Gerd Dannenmann.
Die Ortsteile von Neresheim haben eigene Ortsvorsteher sowie Ortschaftsräte und wirken entsprechend der Gemeindeordnung an den Entscheidungsprozessen der Gesamtgemeinde mit.
Wappen
Wappen der Ortsteile
Städtepartnerschaften Neresheim unterhält seit 1976 partnerschaftliche Beziehungen zum österreichischen Steinach am Brenner in Tirol, seit 1994 zur italienischen Gemeinde Bagnacavallo in der Emilia-Romagna und seit 1996 zur Gemeinde Aix-en-Othe im Norden Frankreichs.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch den Ort führt die Bundesstraße 466. Etwa 10 km entfernt liegen über die Auffahrten Heidenheim und Aalen Anschlüsse zur Autobahn A 7. Es bestehen Omnibuslinien nach Aalen, Bopfingen, Dischingen und Heidenheim, in diesen Verkehr sind die Teilorte mit eingebunden. Seit 14. Dezember 2020 gibt es in Neresheim außerdem einen Stadtbus, der innerhalb der Stadt verkehrt.
Bis 1972 war Neresheim auch durch die Härtsfeldbahn (Aalen–Dillingen) an das Schienennetz angebunden. In den folgenden Jahren wurde die Strecke abgebaut. Der Verein Härtsfeld-Museumsbahn e. V. restaurierte die Dampfloks und Dieseltriebwagen und begann 1985 mit dem Wiederaufbau eines Teils der Strecke als Museumsbahn. Seit 2002 bietet er in den Sommermonaten Fahrten an. Die Strecke reicht seit 2021 von Neresheim bis zum Härtsfeldsee bei Katzenstein mit einer Länge von 5,6 km; eine Verlängerung bis nach Dischingen ist geplant.